Alarm: Was passiert nach dem Gaza-Abzug?
von Uri Davis und Ilan Pappe
25.07.2005 — ZNet
Wir halten es für dringend erforderlich, die Sturmglocke zu läuten. Was wird während und nach der Evakuierung der jüdischen Siedler aus dem (von Israel 1967 annektierten) Gazastreifen passieren, sollte die Evakuierung tatsächlich erfolgen?
Wir haben lange gezögert, dieses Statement zu veröffentlichen/verbreiten, wir wollten abwarten, bis wir nähere Informationen hätten. Aber am 22. Juni 2005 zitierte die israelische Tageszeitung Ha“aretz mehrere Aussagen des Reservegenerals Eival Giladi, Chef des Koordinations- und Strategieteams im Büro des Premierministers Scharon. Diese Aussagen Giladis sind für uns Anlass, nicht länger mit der Veröffentlichung/Verbreitung zu warten. Im Fernsehen bzw. schriftlich hatte sich der Reservegeneral wie folgt geäußert: “Israel wird sehr resolut handeln, um Terrorattacken und (militantes) Feuer während der Umsetzung des Abzugs zu verhindern.“ “Falls gezielte Reaktionen sich als unwirksam erweisen, werden wir vielleicht zu Waffen greifen müssen - inklusive Helikoptern und Flugzeugen - die massive Kollateralschäden anrichten und ein erhöhtes Gefahrenpotential für umstehende Menschen bergen“.
Wir glauben, eines der (uneingestandenen) Hauptmotive, warum die Regierung des Staates Israel so entschlossen ist, die jüdischen Siedler des Siedlungsblocks Katif aus dem Gazastreifen zu evakuieren, ist, man will die Siedler in Sicherheit bringen - falls nämlich die israelische Regierung und das Militär einen intensiven, massierten Schlag gegen die rund 1 1/2 Millionen Palästinenser im Gazastreifen (von denen rund die Hälfte 1948 vertrieben wurden) planen.
Vorstellbar wäre ein Szenario, wie wir es schon in der Vergangenheit erlebt haben: Scharon provoziert, um anschließend massiv durchgreifen zu können - eine Taktik, die er in seiner Militärkarriere häufig praktiziert hat.
Entsprechend dieses Musters wäre es unserer Meinung nach möglich, dass Premierminister Scharon und sein Verteidigungsminister Shaul Mofaz planen, in nächster Zukunft - mittels Provokation - furchtbare Angriffe auf die rund 1 1/2 Millionen Palästinenser des Gazastreifens zu initiieren: eine Mischung aus intensiviertem Staatsterror und Massentötungen. Die israelische Armee dürfte ihre Soldaten wohl kaum einem Risiko aussetzen wollen, wie es der massive Einsatz von Bodentruppen in einem Gebiet wie dem Gazastreifen mit sich brächte. Mit einem wie General Dan Halutz als Oberkommandierendem wird dies auch nicht nötig sein. Erinnern wir uns, als Halutz noch die Israelische Airforce kommandierte, genehmigte er den Abwurf einer 1-Tonnen-Bombe auf ein ziviles Wohnviertel in Gaza-Stadt - um anschließend öffentlich zu sagen, er schlafe gut, das Einzige, was er fühle, wenn sich eine Bombe ausklinke, sei ein leichter Rückschlag.
Die Initiatoren dieses Alarms setzen sich seit vielen Jahrzehnten für die Menschenrechte ein - in Israel und anderswo. Derzeit ist es uns nicht möglich, unser Gefühl der Alarmiertheit wissenschaftlich zu unterlegen. Aber so wie sich die israelische Regierung und das israelische Militär in der Vergangenheit verhalten haben, auf dem Hintergrund der herrschenden Ideologie und des derzeitigen Medienspins, der von diesen beiden Institutionen ausgeht, sind die Absichten des Staates Israel für uns klar. Unser intuitives (aber begründetes) Gefühl, wenn es um Menschenrechte in Israel geht, hat uns bislang selten getrogen. Jedenfalls überwiegen die Fälle, in denen wir Recht behielten.
Unsere Bitte: Falls Sie unsere Befürchtungen teilen, schließen Sie sich unserer Unterschriftenliste an, und bitte, ganz wichtig, bringen Sie diesen Alarm flächendeckend in Umlauf!
Die Verbreitung/Veröffentlichung dieses Textes könnte ein wichtiger Faktor sein, wenn es darum geht, die israelische Regierung (von ihrem Vorhaben) abzuschrecken und die palästinensische Bevölkerung des Gazastreifens vor einer wahrscheinlichen Katastrophe zu schützen. Die Verbreitung/Veröffentlichung dieses Textes könnte dazu beitragen, weitere Kriegsverbrechen zu verhindern.
Unterschreiben, veröffentlichen und verbreiten Sie diesen Text bitte schnellstmöglich! (Kontakt: Tamar Yaron tiyaron@hazorea.org.il
WIR WÜRDEN ES BEGRÜßEN, ÜBER EINE MEDIENVERÖFFENTLICHUNG DIESES ALARMS IN KENNTNIS GESETZT ZU WERDEN!
Uri Davis (Sakhnin) uridavis@actcom.co.il Ilan Pappe (Tiv“on) pappe@poli.haifa.ac.il Tamar Yaron (Kibbuz Hazorea) tiyaron@hazorea.org.il
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