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Angehörigen-Protest gegen Kriegspläne

von Duncan Campbell

13.09.2002 — The Guardian / ZNet

— abgelegt unter:

Mit ihrem Aufruf gegen einen Irak-Krieg rissen Angehörige der Opfer der 11.- September-Anschläge die Menschen in einer überfüllten Baptistenkirche von den Stühlen. Das Ganze fand statt in ‘downtown’ Los Angeles - am Vorabend des 11.-September-Jahrestags. Nur eine von zahlreichen Versammlungen, auf der Angehörige der Opfer Ansprachen hielten - Angehörige die keine militärischen Racheaktionen wollen. Die Veranstaltung in der ‘Ersten Baptisten-Kirche’ war angekündigt als: ‘Zusammenkunft für Bürgerrechte und für eine friedliche Zukunft’. Auf diese Weise sollte der Toten der Anschläge gedacht werden. Die Organisatoren sprachen von ihrer Hoffnung, dies könne zur Pionier-Veranstaltung für viele weitere Veranstaltungen dieser Art werden - mit dem Ziel, einen Irak-Krieg zu verhindern bzw. die Bürgerrechts-Problematik zu thematisieren.

Kelly Campbell ist die Schwägerin von Craig Amundson, der im Pentagon getötet wurde. Sie u. Craigs Bruder Barry konstituieren zusammen mit 40 anderen Angehörigen-Familien die Organisation: ‘11.-September-Familien für eine friedliche Zukunft’. Der Name leitet sich ab von dem Martin-Luther-King-Zitat: “Kriege sind schlechte Meißel für eine friedliche Zukunft”. Kelly Campbell u. Barry sagten zu den Versammelten (in der Baptisten-Kirche), sie wären nicht der Ansicht, Krieg sei die richtige Art, der Toten zu gedenken: “Als Craig getötet wurde, gab es soviele Gedenkveranstaltungen, die dann zu Kriegs-Mobilmachungen mutierten”, so Kelly Campbell. “An diesem 11. September wollten wir eine Alternative schaffen - (Veranstaltungen), auf denen man sich die Frage stellt, wohin gehen wir als Amerikaner? Wohin gehen wir als menschliche Wesen?” Mrs. Campbell erzählt, bei früheren Großveranstaltungen hätten die Leute oft zu ihnen gesagt: “Zurück zu den Wurzeln der 60ger!” “Aber als eine Frau, die in den 70gern geboren ist, denke ich, was wir zum Ausdruck bringen sollten, ist vielmehr: Wir bauen (jetzt) eine Bewegung auf, wir sind keine Ewiggestrigen, wir leben in der Gegenwart.” “Was den Irak betrifft: Wir können die Sache noch stoppen, aber dazu braucht es unser aller Engagement. Und anschließend braucht es Menschen, die das Leid der irakischen Familien beenden u. sich auch um das der amerikanischen Militär-Angehörigen kümmern. Denn: unser Schmerz ist kein Kriegsgeschrei”. Bereits Anfang des Jahres war die Organisation nach Afghanistan gereist, um Familien zu besuchen, die im dortigen Konflikt Angehörige verloren hatten. Rev (Pfarrer) Jim Lawson - der ja noch zu den legendären ‘Freedom Riders’ (Freiheitsreitern) gehört, ein Kollege von Dr. (Martin Luther) King -, sagte (in der Baptisten-Kirche): “Jeder patriotische Amerikaner sollte sich von so einem Ort (Afghanistan) angezogen fühlen. Denn: Frieden braucht Gerechtigkeit, so wie man zum atmen den Sauerstoff braucht”. Und Rev George Regas: “Gott, errette uns vor einem erneuten Krieg (...) Steh’ uns bei in einer neuen Friedensbewegung”.

Medea Benjamin, Gründungsdirektorin von ‘Global Exchange’ (Globaler Austausch) sagte (in der Baptisten-Kirche), die neue Website von ‘United for Peace’ (Vereint für den Frieden) sei inzwischen schon zweimal von Hackern lahmgelegt worden. Sie erntete stehende Ovationen, als sie forderte: “Wir brauchen einen Regime-Wechsel - und zwar hier bei uns im Land”. Maria Elena Durazo, Präsidentin der Gastronomie-Gewerkschaft hier am Ort, sagte, dass viele, die im Flughafen-Catering-Service tätig sind, im Zuge der Razzien nach dem 11. September verhaftet worden seien: “Stattdessen sollten sie lieber die echten Kriminellen verhaften - allen voran die von Enron”. Zudem sprachen auf der Veranstaltung führende islamische, christliche u. jüdische Geistliche. Die Gospel-Sängerin Brenda Marie Eager u. der Chor der ‘Ersten Baptisten-Gemeinde’ sangen ‘Let it Shine’ u. ‘Ain’t Gonna Study War No More’ (Ich werde mich nie mehr mit Krieg befassen). Der Schauspieler Alfred Woodard verlas Auszüge aus den heiligen Schriften verschiedendster Religionen. Finanziell ermöglicht wurde die Veranstaltung durch zahlreiche Organisationen wie ‘Nation magazine’, ‘American Civil Liberties’ oder ‘Union of Southern California’ bzw. KPFK-Radio.

Übersetzt von: Andrea Noll
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