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Anti-Castro-Terrorismus: Senioren geben GAS

von Saul Landau

04.10.2004 — ZNet Kommentar

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“Unsere Sache ist gerecht, es ist jeden Tag gerecht, Fidel-Kubaner zu töten. Ob die Polizei uns erwischt, ist uns egal, stolze GAS-Leute beichten nicht. Wir sind GAS, you bet your ass we got class. Wir töten aus gutem Grund, es ist ein Killer-Grund. Posada ist unser Godzilla, wir schlagen die kommunistischen Drachen, sie fahren zur Hölle, Der Oberkommunist heißt Fidel Castro. Wir sind GAS, we kick your ass, we are nass-ty (ungezogen)...“ (Auszug aus der GAS-Hymne)

GAS (oder „Killer-Club der alten Knacker“) - das ist, laut einer Quelle aus Miami, ein von 4 Anti-Castro-Terroristen gegründeter Geheimclub. Die Vier - alles alte Männer - waren erst kürzlich begnadigt worden. Die aus dem Amt scheidende panamanesische Präsidentin Mireya Moscoso hatte ihre Freilassung am 26. August verfügt. Die Gruppe hat ihr inzwischen die Ehrenmitgliedschaft angetragen - bei GAS können Frauen nur Ehrenmitglied sein. Ein Gericht in Panama hatte die Vier und zwei weitere Personen zu 7 bzw. 8 Jahren Haft verurteilt - wegen Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Dokumentenfälschung. Der Staatsanwalt hatte ein Versteck mit Explosivstoffen und entsprechendem Material entdeckt - mit den Fingerabdrücken der Angeklagten. Zeugen sagten unter Eid aus, das Zeug sei keineswegs für ein nettes Feuerwerk gedacht gewesen, vielmehr hätten die Männer im Jahr 2000 geplant, den kubanischen Staatschef Fidel Castro in die Luft zu jagen - während dessen (angekündigter) Rede an einer panamanesischen Universität. Wer GAS-Mitglied werden will, schwört in einem blutigen Ritual, daß er die restliche Zeit, die ihm noch bleibt, Attentatspläne gegen Fidel Castro schmieden wird - es sei denn, er sitzt wegen seiner Prostata beim Urologen. Die GAS-Parole „Viva la Muerte!“ (es lebe der Tod) wurde von den Nazi-Piloten des Spanischen Bürgerkriegs (1936-1945) übernommen.

Gleich nach ihrer Begnadigung bestiegen die Fans jener Nazi-Asse ein wartendes Flugzeug und verließen Panama. Zwischenstopp Honduras. Dort ging der Pate des lateinamerikanischen Terrorismus, Posada Carriles (76), von Bord. Der Rest flog weiter Richtung Miami: Guillermo Novo (65), Pedro Remon (60) und Gaspar Jimenez (68), alles hochrangige GAS-Gründer mit eindrucksvollen Strafregistern. In Miami wurden sie von künftigen GASlern und Groupies begrüßt. Die scheidende Präsidentin Panamas, Mireya Moscoso, verstieß offensichtlich gegen panamanesisches Recht, als sie die Begnadigungen noch vor Abschluß der Berufungsverfahren aussprach. Anschließend rief sie sofort bei US-Botschafter Simon Ferro an, teilte ihm mit, daß sie der Bitte Washingtons um Begnadigung der Männer entsprochen habe. Deren Ankunft in Miami fiel zufällig mit einem Besuch George Bushs - im Rahmen seiner Wahlkampftour - zusammen. Dabei ist der Präsident doch erklärter Todfeind all jener, die Terroristen beherbergen. Aber anscheinend macht er für Anti-Castro-Terroristen - “leidenschaftliche Patrioten“ - eine kleine Ausnahme.

So mancher in Panama vermutet, Moscoso habe kurz vor dem Gnadenakt noch ein paar Millionen ins Ausland transferiert - auf Schweizer Bankkonten. Falls der Vorwurf stimmt, vielleicht ein kleines Trostpflaster angesichts der weltweiten Kritik an Moscosos Aktionen. Ich leide mit der armen Frau, sie ist Opfer ihrer Verschwendungssucht - entwickelt während fünf Jahren Präsidentschaft. Aber immerhin hat sie nur $23 Millionen an öffentlichen Geldern für persönliche Zwecke genutzt und nur $3 Millionen für Auslandsreisen. Kritiker werfen ihr vor, ihre touristischen Aktivitäten als Staatsreisen kaschiert zu haben - Vergnügungsreisen, die Panama nichts eingebracht hätten. Aber ich sage: “Niemand ist perfekt!“ Gehässige Panamanesen bezeichnen Moscoso als Kleptomanin. Großzügigere Naturen halten dieses Urteil für leicht übertrieben. Moscosos Unterstützer weisen nicht umsonst darauf hin, daß sie dem Druck zur Begnadigung der Castro-Gegner erst nachgab, nachdem deren Anwälte eine angemessene Summe auf den Tisch legten.

Die frisch befreiten, noch immer etwas grantigen, Senioren waren schon in diversen Terrororganisationen - siehe Omega 7 oder Cuban Nationalist Movement. In ihrem ebenso emsigen wie erfolglosen Bemühen, Kubas Staatschef zu erledigen, fanden sie Unterstützung in der renommierten Cuban American National Foundation (CANF). Es gelang ihnen indes, einige nicht ganz so hohe kubanische Offizielle zu erledigen und kubanisches Eigentum zu zerstören - in New York, Argentinien, Mexiko, Barbados, usw.. Der einwöchige GAS-Initiationsritus sieht unter anderem vor, daß sich die Kandidaten sämtliche, über die Jahrzehnte gescheiterten Mordanschläge Posadas einprägen. Erinnert mich an „Das Leiden Christi“ - ein Film, in den religiöse Christen gehen, um das Leiden ihres Friedensfürsten Jesu auf dem Weg zur Kreuzigung zu verinnerlichen. Posada Carriles indes ist ein Terrorfürst, 1976 zu weltweiter Berühmtheit gelangt durch den Sabotageanschlag auf ein kubanisches Linienflugzeug über Barbados. Posada leitete die Aktion. Kurz nach dem Start vom Internationalen Flughafen Barbados explodierte eine Bombe an Bord. Das Flugzeug stürzte ins Meer. Alle 73 Passagiere und die Crew starben. Zwar stritt Posada jede Beteiligung ab, aber die Polizei hatte zwei der Verschwörer geschnappt, die Posada als denjenigen identifizierten, der sie anheuerte, die Bombe kurz vor dem Start in Barbados im Flugzeug zu deponieren. Posadas Ehefrau sprach gegenüber einer venezolanischen Reporterin über die Gefühle ihres Mannes: “Als er diese Barbados-Sache anfing, wußte ich, er hat Erfolg, denn der „arme Kerl“ gab sich solche Mühe, war so leidenschaftlich bei der Sache“ („We Placed the Bomb and So What“ von Alicia Herrera). Eigentlich wurde Posada auf den Namen Luis Clemente Faustino Posada Carriles getauft. Seine Terrorkumpel nannten ihn „Bambi“ - wie süß. Bis zur Revolution im Januar 1959 diente Posada in der Repressionsarmee des (kubanischen) Diktators Fulgencio Batista. Posada schwor Rache. 1963, nach der Schweinebucht-Sache, wurde Posada von der CIA in Fort Benning, Georgia, trainiert. Die CIA unterrichtete ihn nicht nur in der edlen Kunst der Spionage sondern bildete ihn auch im Umgang mit Explosivstoffen und anderen tödlichen Vorrichtungen aus. 1971 tat sich Posada mit Antonio Veciana zusammen, dem Gründer von Alpha 66, einer weiteren Anti-Castro-Terrorgruppe. Gemeinsam wurde ein wirklich drehbuchreifes Attentat auf Fidel Castro geplant.

1996 erfuhr ich von Veciana selbst, wie er und Posada einige venezolanische Schläger angeheuert hatten - getarnt als TV-Nachrichtencrew - die nach Santiago/Chile geschickt wurden, weil ein Castro-Besuch bevorstand. Die Mörder wurden mit dem Rest der Medienleuten einfach “miteingeschleust“. Techniker der CIA präparierten eine Nachrichtenkamera mit einer Waffe. Sobald die Kamera eingeschaltet war, würde sich ein Schuß lösen. Aber Castro hatte Glück; die Attentäter bekamen weiche Knie und drückten sich. Posada war wütend über soviel Feigheit. Aber Veciana machte weiter, heuerte neue Killer an. Die sollten Castro mit ebendieser Kamera töten, sobald er, kurz vor dem Rückflug nach Kuba, zu einer Pressekonferenz in Caracas eintraf. Aber auch die neuen Totschläger überlegten es sich zweimal. Die Verschwörung scheiterte erneut. Fidel Castro töten war und blieb die Triebfeder in Posadas Leben. Veciana hingegen hängte das Killerhandwerk an den Nagel, nachdem ihm 1973 ein unbekannter Schütze in den Kopf schoß. Kann sein, Posadas Frustration über die gescheiterten Anschläge von 1971 war angesichts seines “erfolgreichen“ Sabotageakts im Luftraum über Barbados verflogen. Schlecht für ihn, daß ihn die venezolanischen Behörden für das Verbrechen zur Verantwortung zogen und ihn ins Gefängnis warfen, wo er bis 1985 blieb. Im August 1985 schafften es Führer der CANF, die Gefängnis-Behörden zu bestechen, sodaß sie Posada zur “Flucht“ verhalfen.

Oberstleutnant Oliver North engagierte Posada Ende der 80ger. Er sollte von El Salvador aus die von der CIA gedeckten Contras beliefern. 1990 in Guatemala schoß ein Bewaffneter Posada ins Gesicht. Angezählt aber noch nicht geschlagen machte der entschlossene Castro-Attentäter weiter und heckte neue Pläne aus: Bomben in kubanische Hotels - um den Tourismus abzuschrecken. Bei einem dieser Bombenanschlägen in Hotels auf Kuba kam ein italienischer Tourist zu Tode. Die kubanische Polizei schnappte einen Salvadorianer, der Posada als seinen Anwerber bezeichnete. Die Anschläge schadeten dem Tourismus kurzfristig tatsächlich. In einem Interview mit Anne Bardach und Larry Rohter von der New York Times (12. Juli 1998) sagte Posada: “Der Tod des italienischen Touristen war ein dummer Unfall“, aber “ich schlafe wie ein Baby“. “Der Italiener saß zur falschen Zeit am falschen Ort“, so Posada zur New York Times, und er habe “immer noch vor, Castro zu töten. Posada zeigt sich überzeugt, Gewalt sei der beste Weg, den Kommunismus in Kuba zu beenden“. Nachdem sich seine Karriere langsam dem Ende zuneigte, sah sich der gewaltätige Posada gezwungen, mit einem anderen aus der Riege der GAS-Gründer-Pitbulls gemeinsame Sache zu machen: Guillermo Novo. Kurz nach seiner Freilassung (in Panama) landete Novo Ende August in Miami. Die US-Einwanderungsbehörden brachte er schnell hinter sich. Glück für ihn, daß er nicht Ted Kennedy hieß. So fragten ihn die Behörden nicht nach (eventuellen) Beziehungen zu Terroristen. “Wir werden dich schlagen!“ tönte Novo in Richtung Fidel Castro - was dieser überhörte. Mir ist nicht bekannt, daß Castro viel auf Novo gibt bzw. dessen Existenz überhaupt zur Kenntnis nimmt. Novo, der wie Posada Sozialhilfe bezieht, schwört dem Terror ewige Treue. Dies sei der einzige Weg, Castro zu besiegen. Terror ist die Triebfeder seines Lebens, seit Novo 1964 seine Bazooka auf das Gebäude der Vereinten Nationen in New York abfeuerte - als Che Guevara vor der UN-Vollversammlung sprach. 1979 verurteilte ihn eine Jury in Washington D.C. wegen Verschwörung zur Ermordung des chilenischen Kanzlers Orlando Letelier. Novo ging in Berufung und wurde in zweiter Instanz freigesprochen - und nur wegen Meineids verurteilt. Er habe, was seine Kenntnis vom Mordkomplott angehe, die Unwahrheit gesagt, seine Strafe aber bereits verbüßt, so der Richterspruch. Noch im Gerichtsgebäude brach Novo in Jubel aus. Seither ist ihm das Lachen vergangen. Novo und Posada genießen beide den Ruf, ernste Typen zu sein. Wenn sie lächeln, dann nicht etwa, weil sie Fidel besiegt hätten. Aber selbst kleine Babies lächeln, wenn sie zuviel GAS abbekommen haben.

Saul Landau lehrt an der Cal Poly Pomona University und ist „Fellow“ des Institute for Policy Studies. Sein neues Buch heißt: „The Business Of America: How Consumers Have Replaced Citizens And How We Can Reverse The Trend“.

Orginalartikel: Geezers Make Gas
Übersetzt von: Andrea Noll
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