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Arnold ungeschminkt

Es heißt Hasta La Vista für neun Milliarden US-Dollar, falls der Gouvernator gewählt wird

von Gregory Palast

03.10.2003 — ZNet

— abgelegt unter:
Es ist nicht das, was Arnold Schwarzenegger vor einem Jahrzehnt mit den Mädchen (1) machte, was uns aufmerken lassen sollte. Laut einer Reihe von Dokumenten, die unser Büro heute erhielt, sind es seine Liebeleien mit den Jungs in einem Hotelraum vor nur zwei Jahren, die den eigentlichen Skandal ausmachen.

Der Möchtegerngouverneur wird noch abstreiten müssen, dass er am 17.5.2001 im Peninsula Hotel in Los Angeles einvernehmlichem politischen Verkehr mit Enronchef Kenneth Lay beiwohnte. Ebenfalls auf diesem heiteren Beisammensein von Arnold und Ken tummelte sich der verurteilte Aktienbetrüger Mike Milken.

Nun, vierunddreißig Seiten interner Unterlagen von Enron, die gerade durch das Faxgerät dieses Reporters gekommen sind, berichten alles über das Rendezvous von Marias Ehemann und den Unternehmensschwindlern. Es erweist sich, dass Schwarzenegger bewusst an diesem streng geheimen Treffen teilnahm im Zuge einer Kampagne, um den Plan von Davis und Bustamante zu sabotieren, Enron und andere Energiepiraten und Verheerer Kaliforniens die neun Milliarden US-Dollar von ihnen abgeschöpften illegalen Profits zurückzahlen zu lassen.

Hier kommt die Geschichte, von der Arnold nicht will, dass ihr sie hört: Die größte einzelne Bedrohung für Ken Lay und andere Energiebarone ist eine Privatklage, die letztes Jahr mit Berufung auf Kaliforniens einzigartige zivilrechtliche Bestimmung 17200, das „Gesetz über unfaire Geschäftspraktiken“, eingereicht wurde. Dieser Rechtsstreit geht jetzt auf seine Verhandlung in Los Angeles zu und zwänge die Energieunternehmen zur Rückzahlung der neun Milliarden, die sie bei kalifornischen Strom- und Gaskunden haben mitgehen lassen.

Es bedarf einigen Mumms, einen solchen Prozess anzustrengen. Wer ist der Kläger, der es mit den bösen Buben aufnimmt? Cruz Bustamante, Vizegouverneur und der noch wegen seiner Kandidatur zögernde wahrscheinlichste Gegenspieler Schwarzeneggers.

Nun folgt dem Verlauf! Einen Monat, nachdem Cruz den Prozess angestrengt hat, beruft der Lay von Enron ein geheimes Krisentreffen seiner politischen Handlanger ein, darunter Arnold. Ihr Plan: Davis zu schwächen (gemäß den Enron-Papieren) und die Energiekrise zu „lösen“ – sprich: die juristische Bedrohung durch Bustamante aufzuheben.

Wie kann das bewerkstelligt werden? Folgen sie mit mir der Spur!

Während Bustamante Enron vor Gericht zusetzt, fordert Davis’ Verwaltung parallel George Bushs Energieregulierungsbehörden dazu auf, die Rückzahlung der neun Milliarden anzuordnen. Nicht erschrecken: Bushs Föderale Energieregulationskommission wird von einem Jungen geführt, der vorgeschlagen wurde von ... Ken Lay.

Doch Bushs Leute bei der Kommission haben ein Problem. Die Beweislage gegen die Energiebarone ist unerschütterlich. Betrügerische Berichterstattung über Handelstransaktionen, „Megawattwäsche“, Inrechnungstellung nicht gelieferter Energie und direkte Verschwörung (einschließlich Treffen in Hotelräumen).

So haben Bushs Kommissionsleute einen bestechenden Plan ausgearbeitet: die Unternehmen der Verschwörung anzuklagen, aber ihnen hinter verschlossenen Türen Übereinkünfte anzubieten, bei denen sie nur zwei Cents für jeden gestohlenen Dollar zahlen müssten.

Das Problem dabei: die minimalistischen Sträfchen hauen nicht hin, wenn der Gouverneur Kaliforniens nicht mitspielt. Lösung: den Gouverneur ablösen.

Neues Problem: Der Junge, der mit größter Wahrscheinlichkeit Davis ablösen wird, ist nicht Mr. Muskelkopf, sondern Cruz Bustamante, eine sogar noch größere Bedrohung für die Energieunternehmen als Davis. Lösung: ihn in den Dreck ziehen, weil er – Gott behüte uns! – Schenkungen von Rothäuten (statt von Ken Lay) angenommen hat.

Der Handel? Sobald Arnold Gouverneur ist, wird er den „kollegialen“ Übereinkünften mit den Energieunternehmen seinen Segen geben. Wenn das passiert, sind Bustamantes Gerichtsfälle wahrscheinlich verloren. Es gibt nicht viele Richter, die einen Fall vor Gericht kommen lassen werden, um einen Staat zu verteidigen, dessen Gouverneur bereits zugestimmt hat, diese Angelegenheit durch eine Regulationsbehörde „beilegen“ zu lassen.

Machen wir uns Folgendes klar: Das Haushaltsloch des kalifornischen Staates fürs nächste Jahr umfasst acht Milliarden US-Dollar. Eine blässliche Veränderung verglichen mit den acht BILLIONEN an Verlusten und Einnahmeeinbrüchen, die George Bush geplant oder [willentlich] hingenommen hat. Trotzdem sind die acht Milliarden Defizit das Seil, mit dessen Hilfe Kaliforniens rechter Flügel Gouverneur Davis zu lynchen trachtet.

Nichtsdestoweniger sind Davis und Bustamante die einzigen, die Maßnahmen ergreifen um die neun Milliarden wieder zu erringen, die Enron, Reliant, Dynegy, Williams Company und die anderen texanischen Banditen aus Kalifornien herausgesaugt und herausgepresst haben.

Doch wenn Arnold gewählt wird, heißt es „Hasta la vista“ für die neun Milliarden. Wenn die Energiebarone rufen, kommt Arnold – zum Peninsula Hotel oder in die Gouverneursvilla. Der He-Man wird zum Schmusekätzchen und rollt sich auf ihrem Schoß zusammen.

Ich fragte Mr. Muskels PR-Leute, ob sie Stellung zu den Enron-Papiere nehmen – und zu seinem seltsamen Schweigen über Bustamantes Klage oder Davis’ Petition. Aber Arnold war zu beschäftigt damit, sein Hitlerbärtchen (2) abzurasieren, um zu antworten.

Greg Palast ist der Autor des New York Times Bestsellers "The Best Democracy Money Can Buy" wie auch von "Regulation and Democracy" (zusammen mit Theo MacGregor und Jerrold Oppenheim) (jeweils nur Englisch). Lesen sie Palasts Kommentare auf www.GregPalast.com (nur Englisch). Nachdruck gestattet. Kontakt: media@gregpalast.com. Die Enron-Papiere wurden von der Foundation for Taxpayer and Consumer Rights, Los Angeles, entdeckt. www.ConsumerWatchdog.org

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(1) Hier wird auf den Vorwurf der sexuellen Belästigung von sechs Frauen, über die detailliert in den New York Times berichtet worden ist und für die sich Schwarzenegger daraufhin entschuldigen musste, angespielt.

(2) Schwarzeneggers (verm. Ex-)Freund George Butler zufolge soll Schwarzenegger 1975 gesagt haben: „Ich habe Hitler beispielsweise bewundert, weil er es als kleiner Mann fast ohne Ausbildung an die Macht geschafft hatte. Und ich bewundere ihn, weil er so ein guter öffentlicher Redner war und für das, was er damit gemacht hat.“

Orginalartikel: Arnold Unplugged
Übersetzt von: Benjamin Brosig
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