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Asda/Wal-Mart: Preisdrückerei um jeden Preis

von Joe Zacune

07.10.2005 — ZNet

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Wal-Mart ist der größte Einzelhandelskonzern der Welt - in Großbritannien besser bekannt als Supermarktkette Asda. Wal-Mart hat sich ein globales Imperium aufgebaut. Seine Supermärkte pflegen das Image des “Dauerniedrigpreis“-Ladens. Folge dieser obsessiven Fixierung auf niedrige Preise sind Hungerlöhne und sich ständig verschlimmernde Sweatshop-Arbeitsbedingungen; ortansässige Geschäfte und Gemeinden werden niedergemacht. Diese Strategie ist hinlänglich bekannt. Nun gibt es neue Beweise, wie die oberen Asda-Etagen die Arbeitsbedingungen Ihrer MitarbeiterInnen in Großbritannien weiter verschlechtern und die Rechte der ArbeiterInnen bewusst “beschneiden” wollen.

Der Inhalt eines Dokuments mit dem Titel ‘Warehouse Chip Away Strategy 2005‘ ist zur Organisation ‘War on Want’ durchgesickert. In dem Schreiben wird umrissen, wie das obere Asda-Management plant, Standardarbeitsbedingungen drastisch zu unterlaufen - obwohl ein solcher Verstoß gegen die Arbeitnehmerrechte auch ein Vestoß gegen Gesundheits- und Sicherheitsbestimmungen wäre und außerdem zu Gewerkschaftsprotesten führen könnte - wie die Leitung offen zugibt.

Das Papier sieht weniger bzw. kürzere Arbeitspausen und negative Veränderungen bei den Gesundheitsleistungen und den Sicherheitsbestimmungen vor. Der Beschwerdeweg soll ganz abgeschafft werden. Auch individuelle Beschwerden sollen, so das Dokument, nicht mehr an Schlichter von außerhalb herangetragen werden dürfen, dieses Recht soll wegfallen, so der Vorschlag. Das Management will das Prinzip “nur ein Mann fürs Beladen” einführen. Dabei sahen sogar eigene “Risikoeinschätzungen” bislang vor, dass “zwei Männer fürs Beladen notwendig sind”. Die Filialleiter sollen angewiesen werden, “mit gutem Beispiel voranzugehen und nicht mehr alle Pausen zu nehmen, die Mitarbeitern mit Stundenlohn zustehen”. Dadurch soll auf eine “reduzierte Bedeutung der Pausen hingewirkt werden”.

4 Mitglieder der Familie Walton - die Erben des Firmenvermögens - zählen zu den reichsten 10 Privatpersonen der Welt, und im April freigegebene Wal-Mart-Unterlagen belegen, dass Wal-Mart-Manager Lee Scott 2004 insgesamt $17, 5 Millionen vom Unternehmen bezahlt bekam.

Doch Wal-Mart gibt sich nicht damit zufrieden, seine MitarbeiterInnen mit Löhnen abzuspeisen, die im Durchschnitt 20% unter dem branchenüblichen Lohn liegen. Es wird versucht, die Kosten weiter zu senken, indem man regelmäßig in die Arbeitnehmerrechte eingreift. So verlangt Wal-Mart von seinen Läden, weniger als 8% des Umsatzes in Arbeitskosten zu reinvestieren. Von den Filialleitern wird erwartet, dass sie die Arbeitskosten in ihren Geschäften Jahr für Jahr um 0,2% senken. Auf diese Weise sind die Filialleiter gezwungen, die Belegschaft zu “strecken” - um den chronischen Personalmangel auszugleichen -, beziehungsweise das Gesetz zu brechen, indem sie Kinder anstellen oder Gastarbeiter ohne gültige Papiere.

Eine interne Revisions-Anhörung in den USA, mit 25 000 Wal-Mart-Mitarbeitern aus 128 Läden, brachte 1 371 Verstöße gegen die Gesetze gegen Kinderarbeit zutage. So arbeiteten Kinder zu später Stunde oder während ihrer Unterrichtszeit bzw. zu viele Stunden am Tag. 60 000 Vorfälle wurden offenbar, bei denen MitarbeiterInnen keine Pause machen durften und 16 000 Vorfälle, in denen MitarbeiterInnen das Mittagessen ausfallen lassen mussten. Das Wal-Mart-Modell gewinnt in der Branche rasch an Modellcharakter. Weitere Firmen gehen zu massivem Lohndumping und Kürzungen bei Zusatzleistungen über, um mit dem Einzelhandelsriesen mithalten zu können.

Wal-Mart ist extrem gewerkschaftlichsfeindlich. Die Anti-Gewerkschaftspolitik des Konzerns hängt mit dessen Kostensenkungsmanie zusammen und ist zentraler Punkt der Strategie. Jeder Filialleiter erhält den berüchtigten Leitfaden ’Manager’s Toolbox to Remaining Union Free’ ausgehändigt. Eine Kostprobe gefällig: “Gewerkschaftsfreiheit zu gewährleisten ist eine Fulltime-Verpflichtung. Die Verhinderung von Gewerkschaften ist ein Ziel, das anderen Zielen und Zielsetzungen der organisatorischen Arbeit nicht untergeordnet werden darf - andernfalls wird das Management (diesem Ziel) bei der täglichen Arbeit nicht genügend Aufmerksamkeit und Anstrengung widmen können”. Die Filialleiter sind angewiesen, umgehend bei der Gewerkschafts-Hotline von Wal-Mart anzurufen, sollte sich in ihrer Filiale ein gewerkschaftlicher Organisierungsversuch abzeichnen.

Auch in Großbritannien wenden sich Asda-MitarbeiterInnen gegen die Antigewerkschaftskultur des Unternehmens. 1999 war die Supermarktkette Asda von Wal-Mart übernommen worden. Seither versucht Wal-Mart, den Einfluss des britischen Gewerkschaftsbundes GMB bei Asda zu minimieren. Vier Jahre wurde verhandelt. Das neue Abkommen zwischen Asda und GMB, seit 2004 in Kraft, sieht keinen übergeordneten Tarifvertrag mehr vor. GMB-Gewerkschaftsboss Harry Donaldson: “Seit der Übernahme (durch Wal-Mart), so unsere Meinung, versucht Wal-Mart, die Gewerkschaftsaktivitäten bei Asda zu ersticken”. So wurden die Arbeiter eines gewerkschaftlich organisierten Asda-Verteilerzentrums mit einer 10-prozenteigen Lohnerhöhung geködert, um ein Paket mit neuen Bedingungen abzusegnen, das den Verzicht auf einen kollektiven Tarifvertrag mit der GMB bei künftigen Tarifverhandlungen vorsah. Als die Arbeiter Letzteres ablehnten, wurde das Angebot der 10-prozentigen Lohnerhöhung von Asda wieder zurückgenommen.

Dass Wal-Mart es schafft, die Preise in seinen Einzelhandelsgeschäften so niedrig zu halten, liegt auch daran, dass der Konzern die Macht hat, in Fabriken, die Wal-Mart-Produkte herstellen, die Löhne zu drücken und auf eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen hinzuwirken. Als größter Einzelhandelskonzern der Welt hält Wal-Mart über die Zulieferer ungeheure Macht in Händen. Wal-Mart diktiert sämtliche Bedingungen - vom Preis bis zu den exakten Lieferfristen.

Wal-Mart steht an der Spitze eines nach unten offenen Wettbewerbs. Gnadenlos wird Druck auf die Produktionskette ausgeübt, die Kosten effizient zu senken. So müssen Wal-Mart-Zuliefer regelmäßig ihre Bücher zu Inspektionszwecken offen legen, ihnen wird genau gesagt, an welcher Stelle Einsparpotential vorhanden ist. Wo nationale Gewerkschaften oder Umweltstandards ein Kostensenkungshemmnis darstellen, werden die Zulieferer ermutigt, den Standort zu wechseln und in Länder auszuweichen, in denen es der Arbeitsmarkt zulässt, dass zu Wal-Mart-Kosten produziert wird.

Aber auch bei Zulieferfirmen, die schon jetzt Niedrigstlöhne zahlen, besteht Wal-Mart auf weiteren Kostensenkungen. Ein Fabrikarbeiter aus China namens Qin: “Seit vier Jahren haben sie die Löhne nicht mehr erhöht. Bei Isabel Reyes, Textilarbeiterin in Honduras, ist es dieselbe Story: “Es geht immer schneller... Die Marken werden immer höher gesteckt, die Bezahlung aber bleibt die gleiche...”

Im August 2002 löste Asda einen Bananenkrieg im Einzelhandel aus. Dieser Preiskampf hatte langfristige Auswirkungen auf die globale Bananen-Branche bzw. auf die Plantagenarbeiter. Asda hat es speziell auf Schlüsselprodukte wie Milch oder Bananen abgesehen. Es ist Teil einer Strategie, mit der man sich einen Namen als Großbritanniens Niedrigpreis-Supermarktkette Nummer Eins machen will. Zum Schluss zahlten die Konsumenten 25% weniger für ihre Bananen, und Asda schloss einen Exklusivliefervertrag mit Del Monte ab - den Branchenexperten als absolut “lächerlich” in seinen Preisvorstellungen bezeichnen. Soll heißen, Del-Monte-Bananen für Asda werden nun unter den weltweit übelsten Arbeitsbedingungen und Umweltstandards angebaut und geerntet. Unabhängigen Produzenten in Ländern (wie Costa Rico) mit adäquaten Umwelt- und Arbeitschutzstandards können ihre Produkte an Asda und andere britische Supermarktketten nicht mehr verkaufen, ohne Minus zu machen.

Die Organisation ‘War on Want’ rät Asda-Beschäftigten in Großbritannien, die eine Gewerkschaft gründen wollen bzw. Auskunft über ihre Rechte verlangen, sich mit GMB in Verbindung zu setzen. Eine allgemeine Forderung an die britische Regierung lautet: Unterstützen Sie ein verbindliches Regelwerk, mit dem Konzerne zur Verantwortung gezogen werden können - ein Regelwerk, mit dem sich die Aktivitäten von Konzernen wie Wal-Mart regulieren ließen.

In der globalen Wirtschaft sind die großen Multis nur noch ihren Shareholdern verpflichtet. Wenn es uns ernst ist mit den Rechten der globalen Arbeiterschaft, müssen Konzerne wie Wal-Mart in ihre Schranken verwiesen und die Rechte der Gewerkschaften gestärkt werden.

Mehr Informationen zu ‘War and Want’ und ihrer Kampagne zur Eindämmung der globalen Konzerne unter www.waronwant.org/asda jzacune@waronwant.org

Übersetzt von: Andrea Noll
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