Boliviens Gaskrieg
von Ben Dangl
24.09.2003 — ZNet
—
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Bolivien
Ein neuer Konfliktzyklus hat sich in Bolivien entwickelt, als sich die Gewerkschaften, KokafarmerInnen und einfache BürgerInnen zusammenschlossen, um zu verhindern, dass die Gasreserven des Landes über einen chilenischen Hafen an die Vereinigten Staaten verkauft werden. In einem Land, dessen wirtschaftliche Identität in erheblichen Maße vom U.S. Druck im Drogenkrieg und die Anpassungsmaßnahmen des IWF (Internationaler Währungsfonds) geprägt wurde, ist der Gaskrieg nur der jüngste Fall vehementen Protestes der bolivianischen Öffentlichkeit gegen die Bevorzugung ausländischer Interessen vor dem Wohlergehen der Wirtschaft des eigenen Staates.
Es ist nun der zehnte Tag in Bolivien, an dem Straßenblockaden errichtet werden, und unterdessen fanden am 19. September ein riesiger Streik und Proteste im gesamten Land statt. Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und DemonstrantInnen während dieser Protestkundgebungen endeten mit über fünfundzwanzig Verletzten und sieben Toten.
Die Debatte um die Zukunft der bolivianischen Gasreserven, den größten in ganz Lateinamerika, spitzte sich vor knapp eineinhalb Jahren zu, als Boliviens gegenwärtiger Präsident Gonzalo Sánchez de Lozada, auch Goni genannt, vorschlug, dass das Gas auch durch Chile exportiert werden könnte, um den kostspieligeren Umweg über Peru zu umgehen.
Öffentliche Opposition
Im August diesen Jahres gaben die Zivilgesellschaft und Gewerkschaften eine koordinierte Kampagne gegen den geplanten Export bekannt, die mit direkten Aktionen in den Yungas, eine Region nördlich [der Hauptstadt] La Paz begann. Von Anfang an schwangen Forderungen nach Klarheit der Kokagesetze, der Entlassung politischer FührerInnen und nach Gerechtigkeit für die Greueltaten, die im vergangenen Februar in La Paz begangen wurden, im Gaskrieg mit.
In Bolivien herrscht eine tief verwurzelte Abneigung gegen Chile, das sich mit dem Pazifikkrieg 1879 Boliviens einzigen Zugang zum Meer aneignete. Dieses Ereignis hat die Spannungen gegenüber dem Plan, das Gas über Chile zu verkaufen, beachtlich angeheizt. Doch viel BolivianerInnen wollen statt des Verkaufs des Gases an ausländische Investoren durch ihre verzweifelte Regierung, dass eine nationale Industrie aufgebaut wird, um dringend benötigte Arbeitsplätze zu schaffen und die Staatseinnahmen zu erhöhen.
Goni behauptet, dass die Millioneneinnahmen, die durch den Verkauf des Gases an die USA, Jobs schaffen und die bolivianische Wirtschaft stabilisieren würden. Er hat versprochen, dass das Geld direkt für die Finanzierung der Bildung und der Gesundheitsversorgung investiert werde. Doch viele BolivianerInnen sind der Meinung, dass lediglich ausländische Konzerne und bolivianische Geschäftsleute die Einzigen sein werden, die von dem Verkauf profitieren.
Die Ergebnisse der jüngsten Umfrage, die Equipos Mori für die bolivianische TV Station Unitel durchführte, zeigen, dass 70 Prozent der WestbolivianerInnen, die überwiegend aus den Städten La Paz, El Alto und Cochabamba stammen, den Vorschlag, das Gas zu exportieren, ablehnen. 58 Prozent der Bevölkerung aus dem Südosten des Landes, wo sich die großen Gasunternehmen und reserven befinden in Santa Cruz, Tarija und Sucre stimmten jedoch dem Vorschlag zu. (La Prensa, 9/24) (Anmerkung des Autors: Die Befragung gibt keine Auskunft über die angesprochenen Gruppen oder die Methoden, mit denen gearbeitet worden ist, um die Resultate zu erstellen.)
Diejenigen, die den Export des Gases zurückweisen, fordern eine offene Diskussion über das Schicksal der natürlichen Ressourcen des Landes. Und dennoch hat eine bedeutende Reaktion der Regierung, die bislang ausgeblieben ist, zu der Notwendigkeit direkter Aktionen geführt.
Landesweiter Protest
Am Freitag, dem 19. September, protestierten Zehntausende in Städten in ganz Bolivien. Diese Märsche belegen, dass es in Bolivien zahlreiche BürgerInnen gibt, die willens sind, ernsthafte Aktionen zu unternehmen, falls der Plan umgesetzt werden sollte, das Gas über Chile zu veräußern.
Die Stadt Cochabamba hat seit den Wasserkriegen im April 2000 die Anwesenheit einer solch großen, protestierenden Menge nicht mehr gesehen, denn knapp 10.000 liefen durch die Straßen in Richtung des Plaza. Der Protest bestand überwiegend aus Kokabauern aus der nahe gelegenen Region Chapare. Der Großteil von ihnen hatte die eigenen Ländereien verlassen, nur um in Bussen die ganze Nacht hindurch zu fahren und am nächsten Tag in der Stadt marschieren zu können.
Auf Plakaten auf Cochabambas Plaza war dann zu lesen: Kein Gas über und an Chile und Soldaten wen verteidigt ihr eigentlich?. Unterdessen wandten sich politische FührerInnen wie Evo Morales, Vorsitzender der Partei Bewegung zum Sozialismus, und Oscar Olivera, der Sprecher des Oberkommandos des Volkes, an eine heisere Menge.
Morales drohte indem er die Bevölkerung zu Aktionen gegen den Export aufrief: Wenn die Regierung Gas über Chile exportieren sollte [...] sind ihre Stunde gezählt. (Los Tiempos, 9/17)
Die Polizei, die tags zuvor hunderte Offiziere mit dem Bus aus La Paz herangekart hat, war kaum bei den friedlichen, aber eindrucksvollen Veranstaltungen zugegen.
Gewalttätige Auseinandersetzungen in Warisata
Am darauffolgenden Tag, dem 20. September, versuchten bolivianischen Sicherheitskräfte, ungefähr 700 Menschen zu befreien, die für eine Woche in ihren Bussen zwischen Straßenblockaden in der nördlich von La Paz gelegenen Stadt Sorata festsaßen. Die Menschen, die die Straßenblockaden errichtet hatten, protestierten gegen den Verkauf des Gases über Chile und forderten zugleich die Entlassung gefangener, lokaler Führungspersönlichkeiten.
Unter den an den Straßenblockaden gestrandeten befanden sich 70 TouristInnen aus den Vereinigten Staaten, Deutschland und England. Nach dringenden Empfehlungen David Greenlees, dem U.S.- amerikanischen Botschafter in Bolivien, entsandte die bolivianische Regierung Sicherheitskräfte nach Sorata, um diese Personen aus dem blockierten Gebiet herauszuholen.
Als schließlich die Auseinandersetzungen in der ein wenig südlicher liegenden Stadt Warisata begannen, sagte der Regierungssprecher, Mauricio Antezana, dass sie mit den campesinos, die die Blockade in Sorata aufrechterhalten, gesprochen und mit ihnen ein Abkommen ausgehandelt haben, das zahlreichen Bussen erlaubt, weiter zu fahren. (La Razon, 9/21) Aber als die Sicherheitskräfte eintrafen, stieg die Spannung und die Vereinbarung wurde schnell ignoriert.
Die Sicherheitskräfte eröffneten unüberlegt das Feuer auf die campesinso und schossen dabei auch ziellos in Häuser und Schulen. Einige campesino erwiderten das Feuer mit ihren eigenen Waffen und warfen mit Steinen. Letztendlich starben sieben Menschen an Schussverletzungen, unter anderem zwei Soldaten, ein 60 Jahre alter Mann, ein Student, ein(e) ProfessorIn sowie ein Mutter und ihrr Tochter. Circa 25 Verletze sind von beiden Seiten berichtet worden.
Reaktionen
Obwohl Regierungsmitglieder immer noch behaupten, dass die Sicherheitskräfte von den campesinos aus dem Hinterhalt angegriffen worden seien, stellen MenschenrechtsvertreterInnen von El Defensor del Pueblo, Boliviens Versammlung für Menschenrechte und der Kongressausschuss für Menschenrechte, fest, dass es keine Beweise für einen Hinterhalt gebe und dass das Militär die Gegend um Warisata seit dem frühen Sonntagmorgen abgesichert und später am Nachmittag, obwohl Gespräche über ein Ende der Blockade mit den campesinos geführt worden waren, aggressiv die Auseinandersetzung gesucht habe.
Offizielle der Regierung beteuern, dass rassistische und terroristische Gruppierungen für die Gewalt in Warisata verantwortlich seien. Am Montag zierten dementsprechend Fotos bewaffneter campesinos die Titelseiten aller bolivianischen Zeitungen. Viele glauben, dass diese Kommentare und die Propaganda nur der Versuch seien, den exzessiven Rückgriff auf Gewalt durch die bolivianische Polizei und das Militär in Warisata zu rechtfertigen. Felipe Quispe, Vorsitzender einer campesino- Vereinigung, sagt, dass es solche Gruppen, die einen Konflikt heraufbeschworen hätten, nicht gäbe. (La Razon, 9/23)
Nichtsdestotrotz bestätigen Presseberichte, dass der U.S. Botschafter Greenlee inmitten einer nationalen Debatte über die Konfrontationen während einer Zeremonie am Dienstag, bei der die USA Bolivien 63 Millionen U.S. Dollar Entwicklungshilfe übergaben, gesagt hat, dass der Eingriff der Sicherheitskräfte in Warisata gerechtfertigt gewesen sei. (El Diario, 9/23)
Am Montag, dem 22. September, kamen Dutzende Gewerkschaften und politische Parteien in Cochabamba zusammen, um zu entscheiden, welchen Kurs m. infolge der Toten in Warisata einschlagen sollte. Während des Treffens drohten verschiedene einflussreiche Persönlichkeiten, darunter auch VertreterInnen der Bewegung zum Sozialismus, dem Oberkommando des Volkes und der Bolivianischen Gewerkschaft, dass die landesweiten Straßenblockaden und der Streik für unbestimmte Zeit fortgesetzt würden, falls solche Massaker andauerten. Gegenwärtig werden große Highways in ganz Bolivien blockiert und es ist wahrscheinlich, dass Blockaden im Umkreis der Städte Cochabamba und Chapare bald aufgenommen werden.
Die exzessive Gewaltanwendung der Sicherheitskräfte in Warisata hat das ohnehin schwache Vertauen der Bevölkerung in die Regierung zusätzlich geschwächt, einen konstruktiven Dialog zum Stillstand gebracht und die Wahrscheinlichkeit neuer Gewalt in Zukunft erhöht, so dass das Schicksal der natürlichen Ressourcen Boliviens äußerst fragwürdig ist.
Ben Dangl arbeitet für das Anden Information Network (Anden Informationsnetzwerk) in Cochabamba, Bolivien. Kontakt kann unter folgender Adresse hergestellt werden: theupsidedownworld@yahoo.com.
Es ist nun der zehnte Tag in Bolivien, an dem Straßenblockaden errichtet werden, und unterdessen fanden am 19. September ein riesiger Streik und Proteste im gesamten Land statt. Auseinandersetzungen zwischen Sicherheitskräften und DemonstrantInnen während dieser Protestkundgebungen endeten mit über fünfundzwanzig Verletzten und sieben Toten.
Die Debatte um die Zukunft der bolivianischen Gasreserven, den größten in ganz Lateinamerika, spitzte sich vor knapp eineinhalb Jahren zu, als Boliviens gegenwärtiger Präsident Gonzalo Sánchez de Lozada, auch Goni genannt, vorschlug, dass das Gas auch durch Chile exportiert werden könnte, um den kostspieligeren Umweg über Peru zu umgehen.
Öffentliche Opposition
Im August diesen Jahres gaben die Zivilgesellschaft und Gewerkschaften eine koordinierte Kampagne gegen den geplanten Export bekannt, die mit direkten Aktionen in den Yungas, eine Region nördlich [der Hauptstadt] La Paz begann. Von Anfang an schwangen Forderungen nach Klarheit der Kokagesetze, der Entlassung politischer FührerInnen und nach Gerechtigkeit für die Greueltaten, die im vergangenen Februar in La Paz begangen wurden, im Gaskrieg mit.
In Bolivien herrscht eine tief verwurzelte Abneigung gegen Chile, das sich mit dem Pazifikkrieg 1879 Boliviens einzigen Zugang zum Meer aneignete. Dieses Ereignis hat die Spannungen gegenüber dem Plan, das Gas über Chile zu verkaufen, beachtlich angeheizt. Doch viel BolivianerInnen wollen statt des Verkaufs des Gases an ausländische Investoren durch ihre verzweifelte Regierung, dass eine nationale Industrie aufgebaut wird, um dringend benötigte Arbeitsplätze zu schaffen und die Staatseinnahmen zu erhöhen.
Goni behauptet, dass die Millioneneinnahmen, die durch den Verkauf des Gases an die USA, Jobs schaffen und die bolivianische Wirtschaft stabilisieren würden. Er hat versprochen, dass das Geld direkt für die Finanzierung der Bildung und der Gesundheitsversorgung investiert werde. Doch viele BolivianerInnen sind der Meinung, dass lediglich ausländische Konzerne und bolivianische Geschäftsleute die Einzigen sein werden, die von dem Verkauf profitieren.
Die Ergebnisse der jüngsten Umfrage, die Equipos Mori für die bolivianische TV Station Unitel durchführte, zeigen, dass 70 Prozent der WestbolivianerInnen, die überwiegend aus den Städten La Paz, El Alto und Cochabamba stammen, den Vorschlag, das Gas zu exportieren, ablehnen. 58 Prozent der Bevölkerung aus dem Südosten des Landes, wo sich die großen Gasunternehmen und reserven befinden in Santa Cruz, Tarija und Sucre stimmten jedoch dem Vorschlag zu. (La Prensa, 9/24) (Anmerkung des Autors: Die Befragung gibt keine Auskunft über die angesprochenen Gruppen oder die Methoden, mit denen gearbeitet worden ist, um die Resultate zu erstellen.)
Diejenigen, die den Export des Gases zurückweisen, fordern eine offene Diskussion über das Schicksal der natürlichen Ressourcen des Landes. Und dennoch hat eine bedeutende Reaktion der Regierung, die bislang ausgeblieben ist, zu der Notwendigkeit direkter Aktionen geführt.
Landesweiter Protest
Am Freitag, dem 19. September, protestierten Zehntausende in Städten in ganz Bolivien. Diese Märsche belegen, dass es in Bolivien zahlreiche BürgerInnen gibt, die willens sind, ernsthafte Aktionen zu unternehmen, falls der Plan umgesetzt werden sollte, das Gas über Chile zu veräußern.
Die Stadt Cochabamba hat seit den Wasserkriegen im April 2000 die Anwesenheit einer solch großen, protestierenden Menge nicht mehr gesehen, denn knapp 10.000 liefen durch die Straßen in Richtung des Plaza. Der Protest bestand überwiegend aus Kokabauern aus der nahe gelegenen Region Chapare. Der Großteil von ihnen hatte die eigenen Ländereien verlassen, nur um in Bussen die ganze Nacht hindurch zu fahren und am nächsten Tag in der Stadt marschieren zu können.
Auf Plakaten auf Cochabambas Plaza war dann zu lesen: Kein Gas über und an Chile und Soldaten wen verteidigt ihr eigentlich?. Unterdessen wandten sich politische FührerInnen wie Evo Morales, Vorsitzender der Partei Bewegung zum Sozialismus, und Oscar Olivera, der Sprecher des Oberkommandos des Volkes, an eine heisere Menge.
Morales drohte indem er die Bevölkerung zu Aktionen gegen den Export aufrief: Wenn die Regierung Gas über Chile exportieren sollte [...] sind ihre Stunde gezählt. (Los Tiempos, 9/17)
Die Polizei, die tags zuvor hunderte Offiziere mit dem Bus aus La Paz herangekart hat, war kaum bei den friedlichen, aber eindrucksvollen Veranstaltungen zugegen.
Gewalttätige Auseinandersetzungen in Warisata
Am darauffolgenden Tag, dem 20. September, versuchten bolivianischen Sicherheitskräfte, ungefähr 700 Menschen zu befreien, die für eine Woche in ihren Bussen zwischen Straßenblockaden in der nördlich von La Paz gelegenen Stadt Sorata festsaßen. Die Menschen, die die Straßenblockaden errichtet hatten, protestierten gegen den Verkauf des Gases über Chile und forderten zugleich die Entlassung gefangener, lokaler Führungspersönlichkeiten.
Unter den an den Straßenblockaden gestrandeten befanden sich 70 TouristInnen aus den Vereinigten Staaten, Deutschland und England. Nach dringenden Empfehlungen David Greenlees, dem U.S.- amerikanischen Botschafter in Bolivien, entsandte die bolivianische Regierung Sicherheitskräfte nach Sorata, um diese Personen aus dem blockierten Gebiet herauszuholen.
Als schließlich die Auseinandersetzungen in der ein wenig südlicher liegenden Stadt Warisata begannen, sagte der Regierungssprecher, Mauricio Antezana, dass sie mit den campesinos, die die Blockade in Sorata aufrechterhalten, gesprochen und mit ihnen ein Abkommen ausgehandelt haben, das zahlreichen Bussen erlaubt, weiter zu fahren. (La Razon, 9/21) Aber als die Sicherheitskräfte eintrafen, stieg die Spannung und die Vereinbarung wurde schnell ignoriert.
Die Sicherheitskräfte eröffneten unüberlegt das Feuer auf die campesinso und schossen dabei auch ziellos in Häuser und Schulen. Einige campesino erwiderten das Feuer mit ihren eigenen Waffen und warfen mit Steinen. Letztendlich starben sieben Menschen an Schussverletzungen, unter anderem zwei Soldaten, ein 60 Jahre alter Mann, ein Student, ein(e) ProfessorIn sowie ein Mutter und ihrr Tochter. Circa 25 Verletze sind von beiden Seiten berichtet worden.
Reaktionen
Obwohl Regierungsmitglieder immer noch behaupten, dass die Sicherheitskräfte von den campesinos aus dem Hinterhalt angegriffen worden seien, stellen MenschenrechtsvertreterInnen von El Defensor del Pueblo, Boliviens Versammlung für Menschenrechte und der Kongressausschuss für Menschenrechte, fest, dass es keine Beweise für einen Hinterhalt gebe und dass das Militär die Gegend um Warisata seit dem frühen Sonntagmorgen abgesichert und später am Nachmittag, obwohl Gespräche über ein Ende der Blockade mit den campesinos geführt worden waren, aggressiv die Auseinandersetzung gesucht habe.
Offizielle der Regierung beteuern, dass rassistische und terroristische Gruppierungen für die Gewalt in Warisata verantwortlich seien. Am Montag zierten dementsprechend Fotos bewaffneter campesinos die Titelseiten aller bolivianischen Zeitungen. Viele glauben, dass diese Kommentare und die Propaganda nur der Versuch seien, den exzessiven Rückgriff auf Gewalt durch die bolivianische Polizei und das Militär in Warisata zu rechtfertigen. Felipe Quispe, Vorsitzender einer campesino- Vereinigung, sagt, dass es solche Gruppen, die einen Konflikt heraufbeschworen hätten, nicht gäbe. (La Razon, 9/23)
Nichtsdestotrotz bestätigen Presseberichte, dass der U.S. Botschafter Greenlee inmitten einer nationalen Debatte über die Konfrontationen während einer Zeremonie am Dienstag, bei der die USA Bolivien 63 Millionen U.S. Dollar Entwicklungshilfe übergaben, gesagt hat, dass der Eingriff der Sicherheitskräfte in Warisata gerechtfertigt gewesen sei. (El Diario, 9/23)
Am Montag, dem 22. September, kamen Dutzende Gewerkschaften und politische Parteien in Cochabamba zusammen, um zu entscheiden, welchen Kurs m. infolge der Toten in Warisata einschlagen sollte. Während des Treffens drohten verschiedene einflussreiche Persönlichkeiten, darunter auch VertreterInnen der Bewegung zum Sozialismus, dem Oberkommando des Volkes und der Bolivianischen Gewerkschaft, dass die landesweiten Straßenblockaden und der Streik für unbestimmte Zeit fortgesetzt würden, falls solche Massaker andauerten. Gegenwärtig werden große Highways in ganz Bolivien blockiert und es ist wahrscheinlich, dass Blockaden im Umkreis der Städte Cochabamba und Chapare bald aufgenommen werden.
Die exzessive Gewaltanwendung der Sicherheitskräfte in Warisata hat das ohnehin schwache Vertauen der Bevölkerung in die Regierung zusätzlich geschwächt, einen konstruktiven Dialog zum Stillstand gebracht und die Wahrscheinlichkeit neuer Gewalt in Zukunft erhöht, so dass das Schicksal der natürlichen Ressourcen Boliviens äußerst fragwürdig ist.
Ben Dangl arbeitet für das Anden Information Network (Anden Informationsnetzwerk) in Cochabamba, Bolivien. Kontakt kann unter folgender Adresse hergestellt werden: theupsidedownworld@yahoo.com.
Orginalartikel:
Bolivia's Gas War
Übersetzt von:
Christian Stache
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