Bomben, Zurückschlagen, und die Zukunft
von Tariq Ali
24.10.2001 — ZNet
Die letzten drei Wochen haben Pakistan's Militärmachthaber versucht, die Taliban davon zu überzeugen Osama Bin Laden auszuliefern um eine sich abzeichnende Kastastrophe zu vermeiden. Erfolglos. Da Ossama der Schwiegersohn von Mullah Omar, dem Führer der Taliban ist, war dies kaum überraschend. Die interessantere Frage ist, ob Pakistan nach Abzug seiner eigenen Soldaten, Beamten und Piloten aus Afghanistan es erreicht, die Taliban zu spalten und ihnen jene Bereiche zu entziehen, von deren Schutz sie völlig abhängen. Dies wäre ein Schlüssel für das Militärregime gewesen, seinen Einfluß in einer künftigen Koalitionsregierung in Kabul zu erhalten. Die Beziehungen zwischen Pakistan und den Taliban sind in diesem Jahr gespannt gewesen. Im Bemühen die Freundschaft zu festigen, hat Pakistan vor sechs Monaten eine Fußballmannschaft zu einem Freundschaftsspiel nach Afghanistan geschickt. Als die zwei Mannschaften einander im Stadion in Kabul gegenüberstanden, kamen Sicherheitskräfte und verkündeten, daß die pakistanischen Fußballspieler "unanständig" gekleidet wären. Sie trugen Fußballshorts, während die afghanische Mannschaft lange Hosen bis gut unterhalb der Knie trugen. Vielleicht meinten sie, daß die schwankenden Oberschenkel der Pakistanis einen Aufruhr in dem rein männlichen Publikum verursachen könnten. Wer weiß? Das pakistanische Team wurde festgenommen, ihre Köpfe wurden rasiert, und sie wurden öffentlich ausgepeitscht, während das Stadionspublikum gezwungen wurde Verse aus dem Koran zu singen. Dies war Mullah Omars Art mit der pakistanischen Armee umzugehen.
Die Bombenangriffe der Vereinigten Staaten und seiner loyalen britischen Verbündeten auf Kabul und Kandahar hat die Kampfstärke der Taliban-minus-die pakistanische Gruppe plus Bin Ladens Spezialbrigade, die ausschließlich aus Arabern seines internationalen Jihad besteht, nicht beeinträchtigt. Die gemeinsamen Kräfte sollen jetzt aus 20-25,000 erfahrenen Veteranen bestehen. Nichtsdestoweniger sind die Taliban eingeschlossen und isoliert. Ihre Niederlage ist unvermeidlich. Sowohl Pakistan wie der Iran halten zwei wichtige Grenzen gegen sie. Es ist unwahrscheinlich, daß sie mehr als einige Wochen durchhalten. Offensichtlich gehen einige ihrer Kräfte in die Berge und warten, bis der Westen sich zurückzieht, bevor sie das neue Regime angreifen, das wahrscheinlich in Kabul mit dem achtzigjährigen König Zahir Schah installiert werden wird, der von seiner komfortablen römischen Villa in die weniger gesunde Umgebung der Trümmer von Kabul umziehen wird, wo das Hotel Interkontinental das einzige unbeschädigte Gebäude ist.
Die vom Westen unterstützte Nordallianz ist geringfügig weniger religiös als die Taliban, aber ihre Ansichten sind genauso bodenlos. Während des letzten Jahres haben sie den Heroinhandel in großem Stil übernommen, ein Spott über Blairs Behauptung, daß dieser Krieg auch ein Krieg gegen Drogen wäre. Die Ansicht, daß sie einen Fortschrit gegenüber den Taliban darstellen, ist lachhaft. Ihr erster Instinkt wird Rache gegen ihre Gegner sein. Allerdings ist das Bündnis in den letzten Tagen durch den Abfall von Gulbudin Hekmatiar geschwächt worden, den einst vom Westen bevorzugten "Freiheitskämpfer", der von Reagan und Thatcher im Weißen Haus und Downing Street empfangen wurde. Dieser Mann hat jetzt beschlossen die Taliban gegen die Ungläubigen zu unterstützen. Die Aufrechterhaltung eines neuen Schützlingsstaates in Afghanistan wird keine leichte Angelegenheit sein in Anbetracht lokaler und regionaler Rivalitäten.
Eine größere Sorge ist, daß die Taliban, in die Enge getrieben und in ihrem eigenen Land besiegt, sich nach Pakistan wenden und dort Chaos in den Städten und sozialen Strukturen anrichten. Peshawar, Quetta und Karachi sind besonders verwundbar. Bis dahin stellt sich der Westen, der einen "Sieg" erzielt hat, blind wie üblich. Bezüglich des vermutlichen Ziels dieser Operation - der Gefangennahme Osama Bin Ladens - könnte es sein, daß dies weniger leicht ist, als es scheint. Er ist gut geschützt im entfernten Pamir, und da er drei Wochen Zeit gehabt hat seine Pläne aushecken, könnte er gut untertauchen. Aber der Sieg wird immer noch verkündet. Der Westen verläßt sich auf das kurze Gedächtnis seiner Bürger. Aber lassen Sie uns sogar annehmen, daß Bin Laden gefangen und getötet wird. Wie soll das dem "Krieg gegen Terrorismus" dienen? Andere Personen werden beschließen, die Ereignisse vom 11. September auf andere Art nachzuahmen. Viel gefährlicher wird sein, daß sich der Schauplatz in den Nahen Osten verschiebt.
In Saudi-Arabien sind heftig Kämpfe zwischen Gruppierungen innerhalb der königlichen Familie im Gange. Der sterbende König Fahd und sein Gefolge verließen das Land in drei großen Flugzeugen nach der Schweiz, offensichtlich um eine Palastrevolte zu vermeiden. Zurückgeblieben ist Kronprinz Abdullah als Verantwortlicher und sein geschwächter Hauptrivale Prinz Sultan. Saudiologen bestehen darauf, daß der Kronprinz den wahhabitischen Geistlichen nahesteht. Selbst wenn das der Fall ist, wird er einer wütenden Öffentlichkeit gegenüberstehen. Dasselbe gilt für Hosni Mubarak in Ägypten, er hält Abstand von der NATO und besteht darauf, daß seine Trupps nicht eingesetzt werden. Die Öffentlichkeit in Kairo ist sehr wütend. Wenn es Gewaltausbrüche in diesen zwei Ländern gibt, könnte Washington keine andre Wahl haben, als die Schaffung eines unabhängigen palästinensischen Staats durchzudrücken. Es ist jedoch zu früh, die Folgen des 11. September aufzuzeigen.
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