Bricht der Kolumbien-Plan zusammen?
von Hugh O'Shaughnessy
17.05.2005 — ZNet
Washingtons „Krieg gegen die Drogen“ bricht in Kolumbien in Chaos und Korruption zusammen, Gewinner sind die Drogenproduzenten. Der so genannte „Kolumbien-Plan“, der die USA in den letzten fünf Jahren mehr als drei Milliarden Dollar kostete, wird jetzt fallengelassen, so verkündet US-Außenministerin Condoleezza Rice.
Letztes Jahr scheiterte der groß angelegte Versuch, die Coca-Sträucher – deren Blätter die Quelle des Kokains sind –, durch Lufteinsätze zu vergiften. Im Januar 2005 blühten mehr Sträucher als im Januar 2004. Währenddessen häufen sich Beschwerden über Gesundheitsschäden durch die chemische Keule - beim Menschen, besonders bei Kindern, beim Vieh, den Fischen und der Umwelt.
Der Kolumbien-Plan war entwickelt worden, um die Betäubungsmitteldrogen auszurotten, die mächtige linksgerichtete Guerilla zu kontrollieren und die Position des US-Militärs in Südamerika zu stärken. Die Kosten dieses Plan waren mit 7,5 Milliarden Dollar veranschlagt worden.
Die Regierung Kolumbiens, des Hauptlieferanten von Kokain für den Weltmarkt, hat einen Notruf an die Bush-Regierung um zusätzliche 130 Millionen $ gesandt, damit die bereits für 2006 - unter Plan Colombia - erwarteten 600 Millionen $ weiter aufgestockt werden.
Die Kolumbianer beharren darauf, die zusätzliche Summe werde für weitere Flugzeuge benötigt - um die Regierung besser in die Lage zu versetzen, die Dschungelnester, auf denen die Coca-Sträucher wachsen, mit Gift einzusprühen. Und man wolle zusätzliche Hubschrauber, um die Sprühflugzeuge zu schützen und zu verhindern, dass noch mehr von Pflanzern und der Guerilla abgeschossen werden.
Der Appell um Nothilfe in bar erfolgte, nachdem das Weiße Haus in den Osterferien stillschweigend einige Details über das Debakel des letzten Sprüheinsatzes durchsickern ließ. Am ersten Januar 2004 zeigten US-Satellitenfotos, dass in Kolumbien 281 323 Morgen Land von Coca-Pflanzen bedeckt waren. Ziel war, diese Fläche zu halbieren, deshalb wurden etwa 340 000 Morgen mit Gift besprüht (diese interessante Rechnung wird auch im Original nicht näher erläutert.), aber vergeblich.
Im Januar hatte sich die Coca-Anbaufläche leicht auf 281 694 Morgen erhöht. Als Folge, so der Kongressabgeordnete Bob Menendez, Vorsitzender der demokratischen Fraktion im US-Unterhaus und Kritiker des Kolumbien-Plans, weigere sich der weltweite Kokain-Preis hartnäckig zu steigen – was er würde, hätten die Anti-Drogen-Bemühungen die weltweite Verfügbarkeit der Droge eingeschränkt.
Die Korruption in der kolumbianischen Regierung kostet nach Aussage des Londoner “Home Office“ jährlich vier Milliarden Dollar. Drogen-Profite haben auch schon die in Kolumbien stationierten US-Truppen korrumpiert. Diesen Monat wurden ein Green-Beret-Leutnant und ein Sergant erwischt, als sie 32 900 Rollen Munition an die rechtsgerichteten Todesschwadronen verkauften, die reichlich Bargeld aus dem Drogengeschäft einnehmen.
Im März wurden fünf US-Soldaten – die für die Ausbildung lokaler Truppen in Anti-Guerilla und Anti-Drogen-Technik eingesetzt werden sollten –, festgenommen, nachden 16 Kilogramm Kokain in dem Flugzeug, welches sie von einer Militärbase in Süd-Kolumbien in die USA fliegen sollte, gefunden wurde.
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