Bush, der Regenwald und eine Gaspipeline zur Bereicherung seiner Freunde
von Andrew Gumble
02.08.2003 — Independent / ZNet
Präsident Bush ist auf der Suche nach Geldern für ein umstrittenes Projekt, bei dem Gaspipelines durch unberührtes Regenwaldgebiet am peruanischen Amazonas entlang zur Küste gebaut werden sollen.
Der Plan wird einige der engsten Wahlkampfspender Präsident Bushs begünstigen während die Zerstörung der Umwelt in Kauf genommen und die Bedrohung der indigenen Völker sowie der gefährdeten Spezien in der Küstengegend wird.
Unter den Begünstigten finden sich zwei texanische Energieunternehmen wieder, die enge Verbindungen zum Weißen Haus besitzen, Hunt Oil und Kellogg Brown & Root (KBR), eine Tochterfirma des ehemaligen Konzerns von Vizepräsident Dick Cheney, Halliburton, die gerade die Infrastruktur des Iraks wieder aufbaut.
Die Pipeline schlängelt sich durch einen der biologisch vielfältigsten Orte der Welt. Ihre Abgeschiedenheit hat bislang ein außergewöhnliches Ökosystem im Küstenreservat Paracas bewahrt, das die Heimat einiger rarer Spezien wie dem Humboldt Pinguin, Seelöwen und der grünen Seeschildkröte ist.
Das Camisee Naturgasprojekt – mit seinen 13.000 Milliarden Kubikfuss Gas – hat bereits zwei große Investoren, die Citigroup und die Overseas Private Investment Corporation* abgeschreckt. Laut einem internen Bericht der U.S. Import Export Bank, den sie von der Lobbygruppe Amazon Watch erhielt, sind die Vorschläge zur Linderung der Umweltschäden des Projektes “jämmerlich unzureichend“ und werden zu Schlammlawinen, zur Zerstörung von Lebensräumen und zu Krankheiten unter den Indigenas führen.
Friends of the Earth beschreibt eine der bedrohten Gegenden als “eines der unberührtesten tropischen Regenwaldgebiete auf der ganzen Welt“, wo die Indigenavölker Nahua, Kirineri, Nanti, Machiguenga und Yine leben. Frühere Kontakte mit den Holzfällern stellten sich schon früher als desaströs heraus – 42 Prozent der Nahua starben an Krankheiten, die während der 1980er Jahre von Außenstehenden zu ihnen gebracht wurden.
Das Projekt, das zu 60% umgesetzt ist, ist schon in enorme Schwierigkeiten geraten, wie die Entführung von 60 PiprelinemitarbeiterInnen letzte Woche belegt. Sie wurden jedoch später von der peruanischen Armee befreit.
Nichtsdestotrotz plant die Regierung Bush, finanzielle Hilfe für das Projekt über die U.S. Export Import Bank und die Interamerikanische Entwicklungsbank (IAE) zu genehmigen, eventuell bereits in dieser Woche. Von beiden Institutionen, deren eigene endgültige Entscheidungen in den nächsten Wochen fällt, wird erwartet, dass sie über 300 Millionen U.S. Dollar über Anleihen und Garantien anbieten, die natürlich den Weg für die restliche Finanzierung des 1,6 Milliarden U.S. Dollar schweren Projektes ebneten.
Ray Chairman, der Vorsitzende von Hunt Oil, war ein so genannter “Pionier“, der im Jahr 2000 mehr als 100.000 U.S. Dollar für Mr. Bush auftrieb. Er und seine Frau lieferten erst kürzlich ihren äußersten persönlichen Beitrag für Bushs Wiederwahlkampagne.
Kellogg Brown & Root werden sich womöglich nicht an der Pipeline beteiligen, aber der Konzern liegt in aussichtsreicher Position, eine 1 Milliarden U.S. Dollar teuere Naturgasanlage an der peruanischen Küste zu bauen, wenn es voran geht. Die Verbindung von KBR zu Mr. Cheney weckten prompt dieselben Vorteilsnamevorwürfe wie die Wahl Halliburtons zur Überwachung der irakischen Ölfelder. Der Präsident der U.S. Export Import Bank, Philip Merrill, ist ein enger Bekannter Mr. Cheneys. Und der leitende U.S. Vertreter bei der IAE, Jose Fourquet, ist ebenfalls ein Bush- “Pionier“, der dabei half, im Jahr 2000 die Unterstützung der lateinamerikanischen Gemeinde zu mobilisieren.
Das Camisee Projekt hat in Washington und ebenso unter den Betreibern der Kampagne nur Stirn Runzeln verursacht und das nicht zuletzt, weil die Banken und Regierungen für gewöhnlich die Auswirkungen auf die Umwelt sehr genau ausloten bevor sie solchen Unternehmen zustimmen.
Die U.S. Agency for Development (USAID; U.S. Entwicklungsbehörde)lehnt das Vorhaben ab während einige führende Personen im Kongress das U.S. Finanzministerium dazu gedrängt haben, die abschließende Entscheidung hinauszuzögern bis weitere Untersuchungen durchgeführt worden sind.
Im Bericht der Export Import Bank wird eingeräumt, dass die Schlüsselentscheidungen aus wirtschaftlichen Gründen getroffen wurden, dass schon massive Erosionen entlang der Pipeline aufgetreten sind und dass die einzigartige Biovielfalt “bedeutenden, langfristigen, umfangreichen und unumkehrbaren“ erleiden werden müsse. Drei Lobbygruppen – Amazon Watch, Amazon Allliance und Enviromental Defence – sagten vergangene Woche, dass das Projekt Nahrungsmittelknappheiten und Krankheiten im Urubambatal bewirkt habe.
Die Regierung Bush hält sich mit ihren Plänen zurück, aber sie ist trotzdem scharf darauf, neue Energieressourcen auszubeuten, um ihre Abhängigkeit vom Öl aus dem mittleren Osten zu verringern. Ihr Vorhaben, das Alaskareservat zu öffnen, stellte sich als kontrovers heraus und ist bislang jedoch vom Kongress blockiert worden.
* für nähere Infos zu dieser Investorengruppe, siehe Patricia Dahl: “Carlos Castano, ein ehrenwerter Senator?“
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