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Cerámica de Cuyo: Porträt einer Arbeiterverwaltung in Argentinien

von Ben Dangl

21.06.2007 — ZNet

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In dem abgenutzten Besprechungsraum der Fabrik in Arbeiterverwaltung, Cerámica de Cuyo, fährt Manuel Rojas mit seiner rauen Hand durch sein Gesicht. Der Mechaniker Rojas erinnert sich an die Gründung der Genossenschaft - nachdem der Chef im Jahr 2000 alle Mitarbeiter entlassen hatte: "Wir hatten keine Wahl. Hätten wir die Kontrolle nicht übernommen, säßen wir heute alle auf der Straße. Die Notwendigkeit zu arbeiten, brachte uns zum Handeln."

Nachdem er fast 35 Jahre in der Keramik-, Stein- und Ziegelfabrik gearbeitet hatte, schloss sich Rojas den anderen Arbeitern der Cerámica de Cuyo an, die begannen, sich in einer Genossenschaft zu organisieren. Es waren zwei Dutzend. Damals befand sich Argentinien in einer wirtschaftlichen Krise, die Arbeiter waren Teil der nationalen Bewegung. Im ganzen Land schlossen Hunderte Firmen, Geschäfte und Hotels ihre Türen und schickten die Arbeiter nach Hause. Viele Arbeiter, wie die der Cerámica de Cuyo, beschlossen hierauf, ihr Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Wie die Geschichte dieser Arbeiter verdeutlicht, ist der genossenschaftliche Weg kein leichter.

Die Cerámica de Cuyo liegt, von Weinbergen und Künstlerhäusern umgeben, in der unkonventionellen (Künstler-)Gemeinde Bermejo, direkt vor den Toren Mendozas in Argentinien. Staub weht auf dem von der Sonne verbrannten Fabrikhof, während ich mit Rojas und seinem Mitarbeiter Francisco Avila zusammentreffe. Rojas trägt ein ausgewaschenes blaukariertes Hemd, Avila eine Baseball-Kappe auf seinem ergrauten Haar. Wir sitzen im Besprechungsraum der Cerámica de Cuyo. Die Schaumstoffpolster der alten Stühle sind zerkrümelt. Telefonnummern und Che-Guevera-Sprüche sind an die Wände gekritzelt. In diesem Raum ist die Abnutzung, die das Arbeitsleben mit sich bringt, leicht spürbar.

Im August 1999 kürzte der Besitzer der Cerámica de Cuyo die Löhne. Obwohl er versprach, es sei nur vorübergehend, brachte der Mangel an Geld viele Arbeiter dazu, sich woanders nach Arbeit umzusehen. Manche verließen aus Verzweiflung das Land. "Der Chef versprach weiterhin Geld, deshalb warteten wir ab," sagt Rojas. "Wir arbeiteten an den Wochenenden, warteten und warteten, aber es kam kein Geldscheck. Wir mussten unsere Familien unterstützen, unsere Rechnungen und alles andere bezahlen." Im Februar 2000 wurden alle Arbeiter entlassen. Ein Jahr später entschlossen sie sich, eine Genossenschaft zu gründen und die Fabrik eigenständig zu betreiben.

Als sie die Genossenschaft organisierten, mussten sie die Fabrik bewachen, um zu verhindern, dass keine teuren Maschinen oder Geräte geklaut werden. Nachbarn halfen den Arbeitern über diese kritische Zeit hinweg, indem sie Essen, Holz und Decken beschafften. "Arbeiter von anderen Genossenschaften kamen in die Fabrik und unterrichteten uns, wie man eine Kooperative organisiert," sagt Avila. "Diese Art Solidarität ist allgegenwärtig."

Die Cerámica de Cuyo produziert Dachziegel und Mauersteine. Sie beschäftigt circa 32 Leute. Vor Gründung der Genossenschaft war die Einkommensskala typisch: Der Besitzer verdiente viel mehr als seine Arbeiter. Jetzt wird jeder gleich entlohnt, und allen Arbeitern steht eine Woche Urlaub zu. Regelmäßige Versammlungen werden organisiert, um Verwaltungs- und Finanzthemen zu besprechen oder neue Arbeiter einzustellen. Seit Gründung der Genossenschaft konnte man zudem neuere Maschinen anschaffen".

"Früher hätte der Chef uns nicht in das Verwaltungsbüro gelassen. Nun gehört es uns," sagt Rojas. "Wir gehen immer hin, um uns über Aufträge zu informieren und sind so auch in diesen Geschäftsbereich eingebunden."

Wir gehen nach draußen in die heiße Sonne. Ein Lastwagen entlädt gerade eine Ladung Erde, während Ton zu Steinen und Ziegeln geformt wird und in einem großen Ofen verschwindet. Als Mechaniker ist Rojas Mädchen für alles. Er repariert alles - vom Gabelstapler bis zum Fließband. Als wir die Haupthalle der Fabrik betreten, wird aus drei Richtungen gleichzeitig nach ihm gerufen. Er soll Fragen beantworten und Probleme lösen. Dampf steigt auf von den heißen, feuchten, kürzlich zurechtgeschnittenen Steinen. Im ganzen Raum riecht es wie in einem Töpferofen.

Während Rojas sich mit der Kontrollstelle eines Fließbandes beschäftigt, nimmt mich Avila mit zu seinem Arbeitsplatz über dem großen Ofen. Hier steigt die Temperatur um circa 20 Grad Fahrenheit. Es fühlt sich an wie in einer Sauna. Avila ist dennoch wohlauf und dreht das Radio bei einem populären kolumbianischen Lied lauter. Es ist ein gefährlicher Job: "Manchmal, wenn der Strom ausgefallen ist und das Gas weiter fließt, kann es zu Explosionen kommen, deshalb muss ich aufpassen."

"Es war nicht einfach," sagt Avila. "Früher waren wir Arbeiter. Heute sind wir Anwälte, Buchhalter, alles. Früher machten wir uns keine Sorgen um die Maschinen. Jetzt gehören sie alle uns, und wir achten mehr auf sie. Wenn heute eine Maschine kaputt geht, müssen wir auf Werkzeuge und Teile warten."

Beide geben zu, dass es mit zum Schwersten bei der Genossenschaftsarbeit gehört, allen den gleichen Lohn zu zahlen, egal, ob alt oder jung. Rojas sagt: "Manche Leute, die überhaupt keine Erfahrung haben, verdienen den gleichen Stundenlohn wie einer, der 35 Jahre Erfahrung als Mechaniker hat."

Avila stimmt zu. "Manche Arbeiter wollen mehr Geld verdienen und weniger arbeiten. Am Anfang hieß es, Companero hier, Companero da, alles war toll. Aber als wir begannen, mehr zu arbeiten, brachen viele Konflikte über die Bezahlung aus."

Zurück im Besprechungsraum erklärt Rojas, dass auftretende Probleme mittlerweile offen in Versammlungen geklärt werden. "Es gibt immer Konflikte, aber das Gute ist, dass wir sie gemeinsam lösen. Genau hier!" Er schlägt mit der Faust auf den Konferenztisch.

Benjamin Dangl ist Autor des Buches: 'The Price of Fire: Resource Wars and Social Movements' (erschienen im März 2007 bei AK Press) www.boliviabook.com

Übersetzt von: Daniel Pleus
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