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Dannys Boot

Dannys Boot - Unter-16jährige schwule Jugend erringt einen wichtigen Sieg

von Doug Ireland

15.02.2007 — Gay City News/Direland

— abgelegt unter:
Die schwule Jugend der Niederlande unter dem rechtlichen Mündigkeitsalter[1] von 16 hat letzte Woche einen bedeutenden Sieg errungen, als der Amsterdamer Bürgermeister Job Cohen schlussendlich sein Einverständnis gab für ein eigenes Boot für diese Jugendlichen bei der jährlichen Canal Pride-Bootparade durch den berühmten Wasserweg im Stadtzentrum, ein Ereignis, für das eine Erlaubnis von der Stadt erforderlich ist.

Der Bürgermeister von der Partij van de Arbeid hatte laut der überregionalen Tageszeitung De Volkskrant[2] ursprünglich die Genehmigung für das Jugendboot verweigert und Zweifel darüber geäußert, dass diese Gruppe "noch zu verwundbar" sei, um sie in die jährliche Prozession mit einzubeziehen. Aber Cohen änderte seine Meinung nach einem Treffen mit Frank van Dalen, dem Vorsitzenden des COC Niederlande[3], der ältesten LGBT-Gruppe[4] der Welt, die 1946 gegründet worden ist.

Das gesonderte homojongerenboot oder Homojugendlichenboot in dieser traditionell farbenprächtigen und festlichen Canal Pride-Bootparade, die dieses Jahr am vierten August im Zuge von drei Tagen von Pride-Feiern und Events stattfinden wird, wird laut der staatlichen niederländischen Nachrichtenagentur ANP Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 16 Jahren vorbehalten sein[5], und die Jugendlichen werden auf dem Boot von ihren Eltern begleitet werden[6].

Die Initiative für das Boot für minderjährige Jugendliche ging vom 14jährigen Danny Hoekzema aus, einem schwulen Jugendlichen, der für die Idee auf seiner eigenen Webseite geworben hatte (I).

"Mein Ziel mit dem Boot ist es, mehr Aktivitäten bei schwulen und lesbischen Teenagern im ganzen Land anzuregen", berichtete er Gay City News in einem ausführlichen, per Email durchgeführten Interview (II).

Danny sagte, dass er täglich eine Lawine von Unterstützungsemails bekomme.

"Dutzende Teenager in meinem Alter haben mir Mails geschickt und gesagt, dass sie auch finden, dass es nicht genug Aktivitäten speziell für unsere Altersgruppe gibt", sagt er und fügt hinzu: "Ungefähr dreißig davon haben sich schon dafür eingeschrieben, mit mir aufs Teenagerboot zu gehen. Andere schreiben, dass sie meine Initiative unterstützen, aber sich immer noch nicht trauen sich zu outen. Sie hoffen, dass sich vieles ändern wird angesichts der Aufmerksamkeit und dem wachsenden Verständnis für schwule Teenager jetzt. Das wird ihnen helfen sich zu outen. Die Mutter eines schwulen Teenagers von 12 Jahren hat mir geschrieben, dass ihr Sohn sich wegen meiner Initiative geoutet hat. Beide werden auf dem Boot im August dabei sein."

Danny erzählte mir, er habe die vollkommene Unterstützung seiner Eltern für sein Projekt:

"Ich hatte mein Coming out vor 21 Monaten, als ich 12 war. Ich bin jetzt grade 14. Ich hab es meinen Eltern mit einem Brief gesagt, den ich auf das Kopfkissen in ihrem Schlafzimmer gelegt hatte. Am nächsten Morgen wachten sie um acht Uhr auf. Dann hatten wir ein wirklich gutes Gespräch darüber. Meine Mutter arbeitet als Vertriebsleiterin bei einer Zeitung und mein Vater ist Buchhalter. Sie haben wirklich gut reagiert, als ich ihnen von meiner Initiative für das Teenagerboot bei der Canal Parade erzählt habe. Sie unterstützen mich und werden mich aufs Boot begleiten. Ist das nicht großartig?"

"Ganz verschiedene Leute, die mir ihre Unterstützung zeigen wollen, schicken mir Mails. Wie ältere Schwule, die sich an die Zeit erinnern, wo sie in meinem Alter waren. Sie hatten in meinem Alter auch gewusst, dass sie schwul waren, aber sie waren einsam und kannten niemanden gleiches. Und Heteros mailen mir auch. Sie meinen, dass es eine wirklich coole Idee ist und wollen mich ermutigen, damit so weiterzumachen. Der Bedarf nach Aktivitäten bei schwulen und lesbischen Teenagern ist wirklich da. Die Leute reden jetzt darüber - jetzt endlich. Ich bin sicher, dass wird etwas bringen."
Von den 30 anderen Unter-16jährigen, die sich für das Teenboot eingeschrieben haben, ist der Jüngste 12 und das durchschnittliche Alter ist 14, sagt van Dalen vom COC. Als er hörte, dass so viele dieser Jugendlichen an der Pride Parade durch die Kanäle teilnehmen wollen, hat der Bürgermeister sogar gesagt "Wir brauchen ein größeres Boot.", so van Dalen über das erfolgreiche Treffen mit dem Bürgermeister.

Aber der Sieg für Danny und sein Boot kam erst nach einem großen Rummel in den Medien über Pädophilievorwürfe vonseiten einer kontroversen Figur aus der Amsterdamer Schwulenszene, Beschuldigungen, die einem international bekannten schwulen Wissenschaftler eine Reihe von Todesdrohungen bescherten.

Der Hintergrund zu dem Stahlgewitter über Pädophilie ist der anhaltende Kampf um die Kontrolle über die Canal Pride. Von 1996 bis 2005 waren Canal Pride und die anderen Pride-Feiern von Gay Business Amsterdam (GBA) unter ihrem Vorsitzenden Siep de Haan organisiert worden. Aber es gab eine wachsende Unzufriedenheit mit de Haans Führung und Vorwürfe finanzieller Untreue.

Letztes Jahr berichtete das niederländische Magazin Gay News, das seit 1992 besteht: "Die Amsterdamer Wirtschaftsleute scheinen schließlich genug von Siep de Haan zu haben. Sie beschweren sich, dass sie der GBA 475 Euro pro Zapfhahn bezahlen müssen, während die Lizenz im Rathaus nur 35 Euro kostet. Mehr und mehr Leute wundern sich, was mit all dem Geld geschieht, das in die GBA fließt. Insbesondere, da die Leute, die die Straßenpartys organisieren, alle ihre Kosten selbst tragen. Sie kosten die GBA keinen Cent! Niemals gab die GBA einen zufriedenstellenden Bericht über ihre finanziellen Transaktionen. Da Peter Kramer, der Partner von Siep de Haan, der Schatzmeister der Stiftung ist, fangen die Leute an, misstrauisch zu werden."

"Dieses Jahr wird unser Gay Pride um die 200.000 Euro kosten, während de Haan, der viel weniger Events hatte, angab, dass sein Budget dreimal höher war - wohin ist das zusätzliche Geld geflossen?" sagte mir van Dalen und fügte hinzu: "Viele Barbesitzer haben ihm eine Menge Geld bezahlt, weil er ihnen sagte: 'Wenn ihr eine Straßenparty haben wollt, müsst ihr mich bezahlen.' Wir glauben, er hat das Geld in seine eigene Tasche gesteckt."

De Haan hat auf eine Email von mir, in der er um Stellungnahme zu den Anschuldigungen gebeten wurde, nicht geantwortet.

Diese Anschuldigungen brachten das Rathaus dazu, seine Genehmigung für die Pride-Veranstaltungen von de Haans Gruppe zurückzuziehen und sie einem neuen Organisator zu überlassen, Pro Gay, einer Organisation, an der COC beteiligt ist.

Vor diesem Hintergrund begann de Haan, nachdem er von den Plänen für ein Boot mit minderjährigen Jugendlichen gehört hatte, eine Kampagne, um die Organisation des Pride-Events durch Pro Gay und die COC mit Pädophilievorwürfen zu unterminieren, wie sich Artikel in der niederländischen Presse und lokale Aktivisten mir gegenüber äußerten.

Und er entschloss sich, sich dabei auf Gert Hekma zu konzentrieren, einen international bekannten schwulen Wissenschaftler, der Schwule und Lesbische Studien an der Universität Amsterdam unterrichtet. Seit de Haan seine Kampagne begonnen hat, ist Hekma das Ziel mehrerer Todesdrohungen geworden.

Hekma, 55, der Autor, Herausgeber oder Mitherausgeber von 16 wissenschaftlichen Werken über Homostudien, von denen eine Anzahl auch in Englisch verfügbar ist, hat in Artikeln in wissenschaftlichen Zeitschriften viel über Pädophilie geschrieben. Der ausgezeichnete britische Historiker und Auden-Biograph Richard Davenport-Hines schreibt in seiner Rezension von "Gay Life and Culture: A world history" (III), ein monumentaler Sammelband, zu dem Hekma einen Text beigesteuert hat: "Gert Hekma äußert mutig einige unsagbare Wahrheiten - 'im Allgemeinen erleiden junge Menschen keine negativen Konsequenzen aus Sex zwischen den Generationen, solange dies nicht innerhalb der Familie geschieht und solange keine Gewalt gegen sie angewandt wird' - und setzt die vorherrschende westliche Hysterie über den sexuellen Missbrauch von Kindern intelligent in einen größeren Kontext."

Hekma erklärte mir die Ursprünge der Kontroverse per Telefon: "Die Ratsleute wollten de Haan loswerden und die Pride-Veranstaltung, die bisher aus Trinken und Tanzen bestand, um kulturelle, sportliche und akademische Veranstaltungen erweitern."

Hekmas Name war auf dem ursprünglichen Antrag auf Genehmigung der Pride-Veranstaltung, und deshalb erschien sein Name in frühen Presseberichten über das geplante Boot für minderjährige Jugendliche, obwohl er damit nichts zu tun hatte.

De Haan schickte daraufhin einer Anzahl Journalisten Zitate aus einem Interview, das 2004 die pädophile Zeitschrift Martijn mit Hekma geführt hatte[7].

"In diesem Interview", sagte mir Hekma, "das anlässlich der Veröffentlichung meines Buches 'Homosexualität in den Niederlanden von 1730 bis in die Moderne'[8] stattfand, war ich taktisch unvorsichtig in meinen Äußerungen, insofern/wie einige Leute mich später tadeln sollten. Ich sagte, dass die heteronormative Kultur sich so sehr gegen Sex für junge Menschen engagiert, während wir junge Leute gleichzeitig zu vielen Dingen zwingen, die gut für sie sind wie zur Schule zu gehen, auf die Ernährung zu achten, Schwimmen zu lernen etc. Und, weil ich damals grade an einem Aufsatz über de Sade schrieb, führte ich de Sade an und sagte, dass es vielleicht eine gute Idee wäre, Kinder mit Zwang zum Sex zu bringen. Ich war ironisch dabei, und vielleicht ein bisschen geschmacklos. Was ich meinte und was ich auch klarer hätte ausdrücken sollen war, dass, statt die sexuelle Entwicklung mit Gewalt zu unterbinden, es viel besser wäre, das Gegenteil zu tun und sie dazu anzuspornen, selbstbewusste sexuelle Bürger zu werden."

Dann, sagte Hekma, "begannen" die sensationalistischeren und konservativen Teile der niederländischen Presse und sogar einige Radio- und Fernsehsender "mich mit den Worten 'wir sollten Kinder dazu zwingen, Sex zu haben' vollkommen aus dem Zusammenhang gerissen zu zitieren und mich als einen 'Verteidiger von Pädophilen' zu bezeichnen. Als ich interviewt wurde, erklärte ich, dass es für einen Wissenschaftler normal sei, sich mit allen Themen und insbesondere mit schwierigen Themen wie Pädophilie auseinanderzusetzen - dies habe ich in meinem ganzen Werk getan."

In der Tat unterscheiden sich Hekmas akademische Ansichten nicht sonderlich von denen in Judith Levines umstrittenen Buch "Harmful to minors: the perils of protecting children from sex" (IV), das durch ein Vorwort der früheren Sanitätsbeauftragten des US-Senats ["Surgeon general"] Jocelyn Elders eingeleitet wird und in dem die Autorin schreibt: "Die Bedrohung durch Pädophilie und Misshandlung wird von Erwachsenen übertrieben, die jungen Leuten die Möglichkeit einer positiven sexuellen Erfahrung vorenthalten wollen."

"Amerikas Streben, Kinder vor Sex zu schützen, schützt sie vor nichts - Stattdessen schadet es ihnen häufig", schreibt sie weiterhin.

Ebenfalls den Punkt ansprechend, den Davenport-Hines zu Hekma äußerte, schreibt sie: "Die Forschung zeigt, dass in einer (bestimmten) Minderheit von Fällen junge, sogar sehr junge Leute eine positive [sexuelle] Erfahrung mit einem Erwachsenen haben können."

Bei der Erörterung von de Haans öffentlichen Bemühungen, die Pride-Feier zu sabotieren, erzählte mir Hekma: "Der rote Faden bei dem Trubel hier war die Idee, dass das Boot etwas mit Pädophilen zu tun hätte, und mich machte man irgendwie zum Hauptverbindungspunkt zwischen dem Boot und den Pädophilen."

Aber, wie Hekma sagte: "Ich hatte nichts zu tun mit dem Boot der Jungendlichen, und das Boot der Jugendlichen hatte nichts zu tun mit Pädophilie. Was für Pädophile würden sich zu einem Boot begeben, das von Presse und Eltern umgeben ist? Und diese Jugendlichen hätten überhaupt keinen Grund, zu diesem Zeitpunkt an einem solchen Mann interessiert zu sein."

Van Dalen von dem COC erzählte mir: "Niemand in der Community möchte noch weiter mit Siep de Haan zusammenarbeiten, der immer versucht, Unruhe zu stiften und die Aufmerksamkeit auf sich selbst zu ziehen. Siep de Haan steckte hinter der [Pädophiliedebatte], er tut alles, was er kann, um uns zu bekämpfen, darunter die Organisation eines Medienaufstandes in Zusammenhang mit Hekma. Außerdem, das Teenagerboot bezieht sich nicht aufs Sexhaben, es bezieht sich auf Identität!"

Der Medienaufruhr über das Homojongerenboot verbreitete sich wie ein Buschfeuer im Internet und führte zu Anfragen im niederländischen Parlament durch die kleine Staatkundig Gereformeerde Partij, eine rechte christliche Gruppierung.

Hekma und auch seine Universität begannen eine Menge Hassemails und Morddrohungen zu bekommen.

"Ich fuhr meinen Computer hoch und da war die erste Morddrohungen mit den Worten 'Ich werde deine Scheiße durch deinen Hals stopfen, bevor ich dich tot trete', erinnert sich der Wissenschaftler: 'Es gab sechs weitere vergleichbare, alle unterschrieben.'"

Hekma besprach sich mit seinem Dekan über die Morddrohungen und die Universität benachrichtigte die Polizei - "die sie ernst nehmen", wie Hekma sagte, womit er die noch nicht lange zurückliegenden politischen Morde an dem bekennend schwulen rechten Politiker Pim Fortuyn und dem Immigrationsgegner und Filmemacher Theo Van Gogh in den Raum stellte.

Hekmas Recht, frei zu sprechen und zu schreiben, wurde von seiner Universität unterstützt, aber sowohl das COC als auch Pro Gay distanzierten sich von ihm, indem sie in ihren Stellungnahmen seine Ansichten kritisierten.

"Hekma befürwortet die Senkung des Mündigkeitsalters, aber das steht nicht auf unserer Agenda", sagte mir van Dalen, "und wir lehnen ab, was er gesagt hat."

COCs Stellungnahme, in der Hekma kritisiert wurde, argumentiert: "Die Schwulenbefreiung hat sich gegen den diskriminatorischen Aspekt des Mündigkeitsalters gerichtet, nicht gegen das Mündigkeitsalter als solches. Nachdem das Mündigkeitsalter für heterosexuellen und schwul-lesbischen Sex angeglichen worden ist [1972 in den Niederlanden], hörte das Mündigkeitsalter für die niederländische LGBT-Bewegung auf, ein Problem zu sein."

"Ich bin ein Opfer des Kampfes zwischen de Haan und COC und Pro Gay", antwortete Hekma darauf: "Sie ließen mich fallen, weil sie Angst hatten, als Verteidiger von Pädophilen bezeichnet zu werden. Ich fühle mich verletzt dadurch, als ein Pädoprofessor und Pädophiler dargestellt worden zu sein, aber ich habe aus Prinzip der Versuchung widerstanden zu leugnen, dass ich pädophil bin, um nicht zu der Anti-Pädophilen-Hysterie beizutragen. Der Unterschied zwischen mir und van Dalen ist, dass ich ein Wissenschaftler bin, offen für Spekulationen und etwas Ironie, während er als ein Politiker taktisch und strategisch denken muss."

Van Dalen sagte, dass "es keinen Raum für Ironie gibt, wenn man über Gewalt redet."

Das Mündigkeitsalter war in den Niederlanden im Jahre 2002 auf 16 heraufgesetzt worden. Bis dahin gab es im Gesetz für die Altersgruppen zwischen 12 und 16 nichts wie das Konzept einer Vergewaltigung de iure. Wie eine Broschüre von COC aus dieser Zeit es formulierte: "zwischen 12 und 16 sind sexuelle Kontakte nur dann strafbar, wenn Beschwerde erhoben wird - nur das Kind, seine oder ihre Eltern, oder der Raad voor de Kinderbescherming können Klage erheben."

Ein Vergleich der Positionen von COC vor 2002 und heute legt nahe, dass sich die Haltung der Gruppe verändert hat. Wie es ein Pamphlet der Gruppe in Verteidigung des bestehenden Rechtes damals formulierte: "niemand darf sich einmischen" in sexuelle Kontakte zwischen Erwachsenen und Kindern, "solange sie auf gegenseitigem Einverständnis beruhen, aber sollten sich Probleme ergeben, so ist eine sexuelle Beziehung sicherlich strafbar."[9]

Jetzt lautet die Position der Organisation: "Das COC sieht die Notwendigkeit eines Mündigkeitsalters, 16 in den Niederlanden. Eine sexuelle Beziehung zwischen einem Erwachsenen und einem Minderjährigen sollte immer Verdacht erwecken und eine Untersuchung nach sich ziehen. Dass solch eine sexuelle Beziehung gesetzlich strafbar ist, ist gerechtfertigt, weil es eine notwendige Warnung an Pädophile [ist], solche Kontakte mit Minderjährigen nicht zu suchen, und also einen gewissen Schutz für Minderjährige bietet. Aber das COC unterstützt die niederländische Klausel, dass Minderjährige im Alter zwischen 12 und 16 immer von der Staatsanwaltschaft vernommen werden sollen, bevor eine Entscheidung, den Erwachsenen zu verfolgen, getroffen wird."[10]

Während der Medienrummel zunahm, sagte van Dalen, verschob sich die Debatte von sexuellem Verhalten zu einer beliebigen Diskussion über minderjährige homosexuelle Jugendliche.

Der Unterton war: "Wie kann ein 14jähriger wissen, ob er schwul ist oder nicht - sie sind zu jung dafür."

Als ich den jungen Erfinder der Idee des Teenagerbootes fragte, wie er auf solche Kritik reagiert, antwortete Danny: "Die Sexualität von Hetero-Teens wird niemals in Zweifel gezogen. Sie ist genauso bei schwulen und lesbischen Teens. Les einfach ihre Emails an mich oder die Emails von älteren Schwulen, die sich an ihre Situation erinnern, als sie in unserem Alter waren. Sich jung zu outen, das ist das einzige Neue."

Danny sagte weiter: "Es gibt einfach nicht genug Aktivitäten und nicht genug spezielle Treffpunkte für Jugendliche in meinem Alter. Diese Aktivitäten müssen organisiert werden. Nicht von Individuen, sondern von professionellen Organisationen. Darum bin ich so froh darüber, dass das COC Niederlande mich unterstützt. Es gibt massenhaft professionelle Organisatoren, die mit Hetero-Teens arbeiten. Niemand hat je die Notwendigkeit dafür infrage gestellt oder die Absichten der Leute und Organisationen, die ihnen solche Aktivitäten bieten, in Zweifel gezogen. Es ist nichts als blanke Homophobie, ihre Absichten in Zweifel zu ziehen. Warum sollte es für schwule und lesbische Teens irgendwie anders sein? So sehe ich die Sache."

Sieht Danny sich selber als zukünftigen schwulen Aktivisten?

"Das ist nur der Anfang. Ich möchte wirklich etwas für die Homoemanzipation tun", sagte er mir: "Ich würde gerne für das COC Niederlande arbeiten. Sicherstellen, dass die Leute nicht einfach Schwule und Lesben ausschließen. Insbesondere Teens wie mich, denn im Moment sind wir wirklich außen vor gelassen. Aber es gibt noch viel mehr Menschen, die noch in Isolation leben und sich einsam fühlen. Es muss immer noch eine Menge getan werden und ich möchte meinen Teil dazu beitragen, das zu ändern."


Anmerkungen des Autors:

(I) http://www.dannysparade.nl
(II) Obwohl Danny etwas Englisch spricht, sind seine Antworten und deren Übersetzungen mit der Unterstützung von COC zustande gekommen.
(III) Aldrich, Robert (Hrsg.) (2006): Gay Life and Culture: A World History. Thames & Hudson Ltd. [und auf Deutsch: Aldrich, Robert (Hrsg.) (2007): Gleich und anders. Eine globale Geschichte der Homosexualität. Murmann Verlag.]
(IV) Levine, Judith (2002): Harmful to minors: the perils of protecting children from sex. University of Minnesota Press.

Anmerkungen des Übersetzers:

[1] "Mündigkeitsalter" (age of consent) ist ein Begriff für das Alter, ab dem eine juristische Instanz einer Person das Recht und die Fähigkeit zubilligt, in sexuelle Kontakte zu einer erwachsenen Person oder überhaupt mit irgendjemandem "einzuwilligen". Einvernehmlicher Geschlechtsverkehr, der diesen Altersvorschriften nicht entspricht, entbehrt damit einer juristisch gültigen Einverständniserklärung und wird als de jure Vergewaltigung ("statutory rape") gehandhabt. In Deutschland ist das Mündigkeitsalter bei 16 festgelegt, wobei 14jähirge und 15- bis 16jährige Altersgruppen darstellen, für die bestimmte Sonderregelungen gelten.
[2] http://www.volkskrant.nl/binnenland/article392818.ece/Amsterdam_tegen_boot_voor_jonge_homos
[3] "COC (zonder puntjes tussen de letters) betekent Cultuur en Ontspannings-Centrum en was de neutrale naam die in de vijftiger jaren voor de organisatie werd gebruikt." ( http://www.coc.nl/dopage.pl?thema=any&pagina=algemeen&algemeen_id=113)
[4] Lesbian-Gay-Bisexual-Transgender. "T" wird manchmal auch anders umgeschrieben, aber eine nützliche Erklärung dazu und zum Begriff selbst findet sich bei Wikipedia
[5] Ein Mindestalter von zwölf Jahren konnte ich nicht bestätigen; laut ANP (worauf der in der Volkskrant angeführte Artikel basiert) und Dannys Webseite scheint vielmehr 11 Jahre das Mindestalter zu sein. Das Höchstalter liegt nach dem Zeitungsartikel in der Volkskrant bei UNTER 16 (also nur Personen unter dem Mündigkeitsalter), aber laut Dannys Webseite (Stand 9.3.07) liegt es inzwischen bei 17 Jahren (also Personen unter dem Erwachsenenalter).
[6] Das war nicht der ursprüngliche Gedanke, dass sich die Eltern AUF dem Boot befinden sollten. Der Artikel in der Volkskrant berichtete noch vom Plan, die Eltern in einem gesonderten Boot zu chauffieren, der übrigens von dem COC eingebracht worden zu sein schien: "Wij wilden de jongeren begeleiden, zorgden dat er een boot met de ouders zou meevaren en konden regelen dat de wat pikantere boten verder weg zouden varen." (van Dalen in der Volkskrant, s.o.)
[7] http://www.martijn.org/info/OK90_1.html
[8] Hekma, Gert (2004): Homoseksualiteit in Nederland van 1730 tot de moderne tijd.
[9] Im englischen Text: "nobody is allowed to interfere" with adult-child sexual contacts "as long as the situation is mutually agreeable, but should problems arise, then the sexual relation is certainly punishable." Dies würde in der Tat genau hinter dem alten Gesetzestext stehen, aber es ist mir nicht gelungen, in der ca. 22 Seiten langen Stellungnahme der COC zu diesem Thema (http://martijn.org/page.php?id=111010 ) eine dieser Passage entsprechende Passage zu finden; insofern die grundlegende Herangehensweise der COC an diese Gesetzesinitiative Lobbyismus gewesen zu sein scheint, wäre auch kein umfangreicheres Schrifttum zu diesem Thema zu erwarten.
Der Text selber ist zwar sehr versöhnlich formuliert, aber fasst recht gut die grundlegenden Gefahren einer US-Amerikanisierung, Kriminalisierung und Pathologisierung der Sexualität Minderjähriger zusammen; im Prinzip stellte der Text mit seiner Argumentation die prinzipielle Daseinsberechtigung eines Mündigkeitsalters infrage, aber diese Linie wird nicht explizit verfolgt. Eine sehr empfehlenswerte Lektüre - wer Niederländisch nicht ganz fließend liest, wird mithilfe der beiden Online-Wörterbücher http://www.infos-aus-germanien.info/woerter/index.php?wort=zeden&id=17 und http://www.vandale.nl/opzoeken/woordenboek klarkommen. (Wenn jemand beim Lesen obige Passage identifiziert, bitte Email an timo@zmag.de! Ich würd das gern nachtragen.)
[10] Es ist mir auch bei dieser Passage soweit nicht gelungen, sie zu belegen, was hier aber wichtiger ist als vorher, da sonst schwer zu belegen ist, dass COC im Moment überhaupt eine positive Position zu dieser Frage vertritt. Eine Email an das COC mit Bitte, diese Stelle zu belegen, ist zum Zeitpunkt der Insnetzstellung dieser Übersetzung fünf Tage lang nicht beantwortet worden; sollte eine spätere Antwort erfolgen, werde ich sie nachtragen.
Übersetzt von: Benjamin Brosig
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