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Das "Weltsozialforum" (WSF) bzw. eine "Bewegung der Bewegungen"

von Michael Albert

23.12.2002 — ZNet

— abgelegt unter:

Von Korea bis Indien, von Südafrika bis USA, von Brasilien/Venezuela/ Argentinien/Kolumbien bis Italien u. Russland finden derzeit ganz unterschiedliche Kämpfe statt, deren Ansätze variieren - die Sache wächst rasant:

- schon Monate vor Kriegsbeginn gibt es unglaublich viele Friedensaktivitäten

- auch die Aktivitäten gegen die Konzern-Globalisierung nehmen weltweit zu

- Rassendiskriminierung, der Kampf ums Wasser, Immigration, manipulierte Lebensmittel, Hunger, Dämme, Obdachlosigkeit, Umweltverschmutzung, das Recht auf Land, Billiglöhne, ‘Dritte-Welt’-Schulden - bzgl. all dieser Probleme wird weltweit gekämpft

- Wir gewinnen Wahlen - kleine Wahlen, große Wahlen.

Reaktionäre: Sie verschlimmern die Probleme hinsichtlich hierarchischer Beziehungen zwischen Menschen unterschiedlicher Ethnien, zwischen Mann u. Frau sowie auf der politischen bzw. Klassenebene. Leute mit Geld u. Macht wollen immer nur das eine: noch mehr. Die Konzernglobalisierung manipuliert den internationalen Handel u. verhilft so ein paar tausend multinationalen Profiteuren zu noch mehr Profit, während Milliarden Menschen leerausgehen: Diese Menschen sind zu arm, sich Essen leisten zu können u. andererseits zu schwach, sich zu wehren. Und was diesen Krieg anbelangt: Krieg ist letztendlich nichts anderes als Gewalt im Namen der Globalisierung. Radikale sind dazu da, die Situation hinsichtlich hierarchischer Beziehungen zwischen Menschen unterschiedlicher Ethnien, zwischen Mann u. Frau sowie die hierarchischen Beziehungen auf politischer u. Klassenebene abzubauen bzw. durch gerechte, solidarische, den Pluralismus fördernde, selbstverantwortliche Strukturen zu ersetzen. Radikale wollen, dass auch die Armen partizipieren. Radikale wollen, dass deren Gewinne dazu genutzt werden, die Armut zu bekämpfen u. schließlich ganz zu eliminieren - neben Armut auch deren Entwürdigung u. Machtlosigkeit. Internationalismus ist das probate Mittel, um die Umwelt zu schützen, die Armen reicher zu machen, den Arbeitenden Macht zu verleihen u. den Entrechteten ihre Stärke u. Würde zurückzugeben. Endziel aber ist u. bleibt die Abschaffung aller auf Konkurrenz u. Profitstreben ausgerichteter Beziehungen.

Aber wie können wir Radikale es schaffen, immer mehr Menschen dazu zu bringen, die Dinge kritisch zu sehen - und noch entscheidender: wie können wir sie für unsere offensiven Aktionen gewinnen - auf Dauer gewinnen? Wie werden wir stark genug, damit wir wichtige Siege erringen in unserm Kampf um die Verbesserung der menschlichen Lebensbedingungen - u. zwar jetzt auf der Stelle? Wie können wir zu einer Trajektorie der Siege finden - im Interesse einer besseren Zukunft? Erstens: Potentiell neue Leute (Verbündete) brauchen gute Gründe, Gründe, die sie überzeugen, es lohnt sich, meine Zeit, meine Gefühle, meine Energien in den sozialen Kampf zu investieren, wir werden es schaffen u. wichtige Siege an Land ziehen. Nur so läßt sich der Zynismus überwinden, der da lautet: nur Idioten kämpfen gegen Ungerechtigkeit; so ein Kampf sei zwar moralisch hehr, bringe aber praktisch gesehen rein gar nichts. Ziel radikaler Organisierung muss es einerseits sein, die Leute davon zu überzeugen, dass Ungerechtigkeit existiert u. dass wir ohne sie viel besser dran wären (Krieg, Armut, usw.), zum andern u. das ist das eigentlich Wesentliche, müssen wir sie davon überzeugen, dass unsere Aktionen tatsächlich in der Lage sind, diese Übel zu kurieren u. so eine bessere Welt zu schaffen. Zweitens: (Je mehr wir unsere Kräfte vereinen, desto stärker sind wir.) Die Anstrengungen, die überall unternommen werden: wenn wir zu ihrer größtmöglichen Bündelung kämen, sodass diese Anstrengungen allen wechselseitig zugutekämen, uns also wechselseitig voranbrächten, würde dies unsere Kräfte maßgeblich steigern. Das würde nämlich bedeuten: jeder Einzelne vereint die Summe aller Kräfte in sich - u. das wäre doch entschieden besser, als wenn jeder nur so isoliert vor sich hin agiert oder, noch schlimmer, wir uns wechselseitig Konkurrenz machen. Was wir entwickeln müssen, ist daher eine Methode, um die breite Vielfalt unserer (einzelnen) Bewegungen zusammenzubringen, sodass wir uns wechselseitig befruchten, eine Methode, durch die jede einzelne Bewegung den großen Rest unterstützen u. voranbringen kann. Als Bewegung allein vor sich hinzuwursteln - ohne die Hilfe der anderen - das bringt einfach nichts.

Interessant in diesem Zusammenhang, dass sowohl das ‘Weltsozialforum’ (WSF) als auch die daraus entstandene, breiter angelegte ‘Sozialforumsbewegung’ beiden Aufgaben Priorität einräumen. Vom 23. - 28. Jan. 2003 findet das dritte internationale Treffen des ‘Weltsozialforums’ - WSF 3 - statt, wieder im brasilianischen Porto Alegre. Ursprünglich geht die Veranstaltung auf französische u. brasilianische ‘Brainstorming sessions’ zurück. Die organisatorische Kraft bzw. das Engagement zahlreicher brasilianischer Gruppen - wie der ‘Bewegung landloser Bauern’ (MST) u. der Brasilianischen Arbeiterpartei (PT) - haben die Sache anschließend auf die Beine gestellt. Inzwischen hat sich das WSF von einer 5-tägigen 1 000-Leute-Veranstaltung zu einem Treffen von 40 000 Menschen entwickelt - im letzten Jahr. Für dieses Jahr, also jetzt, am 23. Januar, könnten es sogar schon 100 000 sein. Aber was noch vielversprechender ist: das Forum beschränkt sich nicht mehr nur auf dieses Einzelformat. Wir haben es nicht mehr mit einer internationalen Einzelveranstaltung (einmal pro Jahr), die sich ‘WSF’ nennt, zu tun, vielmehr gibt es inzwischen vielerorts auch Vor-Ort-Foren: auf der Ebene ganzer Kontinente (Asien, Afrika, Europa), auf der Ebene einzelner Staaten, auf der Ebene staatlicher Gebilde innerhalb von Staaten sowie weltweit in Städten u. Großstädten. In Italien zum Beispiel existieren bereits um die 100 ‘Sozialforen’ auf lokaler Ebene. Natürlich ist Italien mit dieser Leistung keinesfalls die Regel, aber Italien ist Vorreiter und kündigt einen weltweiten Trend an. In den einzelnen Foren treffen sich Aktivisten, Organisatoren, Autoren - einfach Leute, die sich für den sozialen Wandel einsetzen. Sie versammeln sich im Namen zweier sehr allgemein gehaltener Prinzipien: ‘Solidarität’ u. ‘Vision’:

(1) Solidarität bedeutet: Zusammenarbeit; Sektiererei vermeiden; Strategien entwickeln, um einander wechselseitig zu unterstützen.

(2) Vision bedeutet: Sich stets vor Augen halten: ‘Eine andere Welt ist möglich’ u. sich klarmachen, wir können diese andere Welt bereits in Aspekten definieren.

Positiv ist über das WSF zu sagen, dass es eine große Bandbreite an Teilnehmern vereint. Diese Bandbreite reicht von eher passiven Sozialdemokraten u. Akademikern/Intellektuellen, über die wesentlich aktiveren sozialdemokratischen Reformbewegungen bis hin zu noch aggressiveren Bewegungen des sozialen Widerstands u. schließlich militant revolutionären Parteien u. Bewegungen. Das WSF bringt Themen wie ‘Macht’, ‘Rasse’, ‘Geschlechterbeziehungen’, ‘Klasse’, ‘Ökologie’, ‘internationale Beziehungen’ zusammen. Das WSF kann Staats- u. andere Grenzen überwinden, es überbrückt Sprachbarrieren u. kulturelle Barrieren. (Soweit die Positivliste.) Negativ anzumerken ist, dass das WSF international gesehen noch ziemlich weit entfernt ist von demokratischen bzw. partizipatorischen Strukturen, wenngleich vor Ort sehr locker u. lokal konzentriert organisiert wird. Bei der diesjährigen WSF-Veranstaltung z.B. wurde über sämtliche großen vom WSF gesponserten Events bzw. Strategien wiedermal äußerst zentral entschieden - durch ein kleines Konsortium, dem vor allem die ursprünglichen Initiatoren aus Frankreich u. Brasilien angehörten. Daneben wird es auf dem WSF 3 aber auch noch ungefähr 1000 ‘Nachmittagsveranstaltungen’ geben - zu allen nur denkbaren Themen - wirklich die ganze Palette. In diesem Sinne ähnelt das internationale Treffen (WSF) ein wenig einer Website: mit einem redaktionell gestalteten Teil (über den ein kleiner Redaktionsstab bzw. Vorstand wacht) u. einem völlig freien Raum, den (fast) jeder, der Zeit u. Lust bzw. Energie hat, mitgestalten darf. Sowas funktioniert sicher im Falle einer Website oder Konferenz (aber nicht, wenn es um ein Event geht). Schwierig zu sagen, wie man die Sache verbessern könnte. Ich sehe da nur eine Möglichkeit, nämlich, indem man dafür sorgt, dass die zentrale Planungsgruppe sich öffnet u. demokratischer wird bzw. Rechenschaft abzuliefern hat - Bestrebungen in diese Richtung gibt es bereits. Zum Thema internationale Foren: Damit dieses Phänomen sich zum Projekt entwickeln kann - zu einer internationalen ‘Bewegung der Bewegungen’ - müssten die Foren vorher natürlich ihren Charakter als reine Treffpunkte überwinden. Fragen der Struktur u. der Partizipation müssten viel, viel deutlicher geklärt werden, u. es muss weit mehr Demokratie u. mehr Verbindlichkeit geschaffen werden, damit sich dieser höhere Anspruch auch verwirklichen läßt. (Bisher läuft das ja so:) Man trifft sich u. redet, aber die administrative Struktur wird im wesentlichen bereitgestellt durch eine zentrale Gruppe, die niemandem Rechenschaft schuldet. In Ordnung. Aber auf dieser Basis eine internationale ‘Bewegung der Bewegungen’ auf die Beine zu stellen, wäre total inakzeptabel, denn die würde zwar formal eine Menge Leute weltweit repräsentieren, aber eben ohne deren Partizipation, d.h., ohne effektive partizipatorische Mechanismen der Entscheidungsfindung. Vielleicht ist es kurzfristig gesehen genau das Richtige, das Projekt der Foren beizubehalten - als ein sich ständig erweiterndes Foren-Netzwerk, um sich zu begegenen u. Treffen abzuhalten, ein Projekt, das dem Zweck dient, die Prinzipien ‘Solidarität’ u. ‘Vision’ voranzutreiben -, aber eben ‘nur’ diesem Zweck. Gleichzeitig aber müsste die Basis derjenigen, die wirklich in Entscheidungsprozesse einbezogen sind, ganz allmählich verbreitert werden. Deren Beziehungen wiederum müssten sich nach demokratischen Spielregeln gestalten. Andererseits wäre es natürlich falsch, den Erfolg des WSF dadurch zu gefährden, dass man Zuvieles zu schnell will. Schließlich ist u. bleibt das WSF ein exzellentes ‘Venue’-Projekt. Jedenfalls wird das offensichtlich von den meisten Organisatoren des WSF im Moment so gesehen.

Das alles macht jedoch eines keineswegs überflüssig: ein zweites, mehr oder weniger paralleles Projekt zum WSF bzw. zum Projekt der Foren - unabhängig von deren Weiterverfolgung u. ganz allmählicher, vorsichtiger, breitangelegter Optimierung. Dieses zweite Projekt, das man versuchen sollte zu etablieren, muss eine echte internationale ‘Bewegung der Bewegungen’ sein. Und anstatt sich nur auf eine einzige Priorität zu verständigen, um die sich dann alle scharen, müsste diese Superbewegung quasi die Totalsumme all ihrer Komponenten verkörpern. Sämtliche Agenda-Prioritäten sämtlicher beteiligter Bewegungen müssten in einer Art Superagenda zusammenfließen, um die man sich zusammenschließt. Davon abgesehen wäre es vielleicht wünschenswert bzw. sollten sich die Teilnehmer dieses (neuen) Projekts darauf verständigen, nicht jeden Sozialdemokraten u. Liberalen in ihre neue Struktur aufzunehmen - siehe WSF bzw. lokale Foren. Nur Leuten, die sich tatsächlich zum Antikapitalismus bekennen bzw. nicht sektiererisch sind, sollte das Projekt als Mitglieder offenstehen - damit es sich nämlich wirklich zum Projekt einer antikapitalistischen Internationalen entwickeln kann. Dies würde bedeuten: radikale Bewegungen aller Kontinente - Bewegungen mit unterschiedlichen Schwerpunkten, Zielen, ja Methoden - werden hier zusammengebracht, sie können hier ihre Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten aber auch ihre Unterschiede - echte, ernstzunehmende Unterschiede. Danach müssten Diskussionen folgen, um einen Weg zu finden, diese Unterschiede - in einem wechselseitigen Prozess - abzubauen. Anschließend müssten weltumspannende Strukturen geschaffen werden bzw. eine Methodologie entwickelt u. zwar mit der folgenden Zielsetzung: wechselseitiger Austausch von Energien, Agenda-Koordination, Ressourcenteilung. Dies schließt jedoch nicht aus, dass sämtliche Akteure weltweit die selbstverwalterische Kontrolle über ihre eigenen Aktivitäten behalten, zudem müssen sie ein angemessenes proportionales Mitspracherecht hinsichtlich übergreifender internationaler Operationen erhalten.

Natürlich ist mir klar, wie gelinde gesagt, kühn das alles wirken muss. Aber stellen Sie sich bitte vor, was es uns einbrächte, wenn wir simultan weltweit mehrere Events auf die Beine stellen könnten. Und stellen Sie sich des weiteren vor, wie die Mitglieder jeder einzelnen Bewegung von den Erfahrungen u. dem Wissen anderer Einzelpersonen profitieren könnten, u. weit mehr noch von der gewaltigen Unterstützung durch andere Bewegungen, die einen ganz anderen Kampf führen. Stellen Sie sich beispielsweise vor, die linken Medien weltweit arbeiteten plötzlich zusammen u., unterstützten sich in ihrer Arbeit wechselseitig. Oder wie wäre es mit einer internationalen Agenda gegen den Krieg? Visionäre Perspektiven - ökonomischer, sozialer u. politischer Art - von Bewegungen auf der ganzen Welt eingebracht, würden diskutiert u. debattiert; wobei die Diskussionen sowohl zwischen den Bewegungen als auch innerhalb der einzelnen Bewegung verliefen. Manche dieser Perspektiven würden anschließend vielleicht sogar für geeignet befunden, weltweit vertreten zu werden. Das alles verlangt natürlich viel, viel Phantasie. Aber schließlich: laufen die Dinge nicht bereits in diese Richtung? Worin soll also das Problem liegen bei dieser Entwicklung - wenngleich alles, wie ich zugebe, erstmal reichlich hochgestochen klingt? (Wo aber liegen die Befürchtungen?) Hält man ‘Zusammenrücken’ etwa für eine Gefahr anstatt für eine einmalige Chance? Oder glaubt man, mehr internationale Organisierung würde zu mehr Ungerechtigkeit führen anstatt zu mehr Gerechtigkeit, weil dadurch die Kreativitätsenfaltung auf nationaler bzw. lokaler Ebene auf der Strecke bliebe bzw. das Engagement der Leute allzufrüh kanalisiert würde bzw. Bürokratie genährt - Bürokratie, jener Spannungs- u. Kreativitätskiller?

Viele der dynamischsten, aktivsten u. intelligentesten Aktivisten derzeit auf der Weltbühne sind glühende Verfechter der Organisierung von unten, sind Verfechter offener, transparenter Methoden, von breitangelegter Partizipation, von multitaktischen Ansätzen, von permanenter Innovation u. einem gerüttelt Maß an Spontaneität. Und sie sind antiauthoritär in ihrer Gesinnung. Diese Leute haben natürlich recht. Jedoch gibt es unter diesen aktiven u. klugen Akteuren nicht wenige, die gerade in großangelegten Phänomenen wie dem WSF eine Gefahr sehen (u. weniger in unserer hypothetischen internationalen ‘Bewegung der Bewegungen’). Sie fürchten, dieser Trend werde unweigerlich zu einer pervertierten, antidemokratischen u. überbürokratisierten Entwicklung führen, zu einer langweiligen, die Leute verdummenden Angelegenheit. Sie lehnen diese Entwicklung daher vehement ab. Ich sehe das nicht so krass. Ich denke, da wird eine berechtigte Angst einfach übertrieben. Das alles erinnert an jene Verfechter der Selbstverwaltungsidee, die glauben, alle Institutionen per se müssten schrecklich sein, nur weil die bestehenden Institutionen so schrecklich sind bzw. so hierarchisch. Aber auf diese Weise schüttet man das Kind (Institution) quasi mit dem (authoritären) Bade aus. Ich frage Sie: Wie kann jemand ernsthaft behaupten, ich bin für Selbstmanagement, Partizipation, Kreativität u. Vielfalt - wenn er oder sie gleichzeitig nicht daran glaubt, diese Eigenschaften, diese Tugenden, ließen sich auch in einer Institution, in unseren Institutionen, verwirklichen - oder eben nur in sehr kleinen? Es ist wichtig, dass wir unsere Ziele, u. vor allem die Möglichkeiten, diese Ziele zu erreichen, viel, viel ernster nehmen. Es kann doch nicht unser antiauthoritäres Ziel sein, klein u. allerkleinst vor uns hinzudümpeln. Nicht mal mit Mittelmaß sollten wir uns zufriedengeben. Nein, unser Ziel muss die Schaffung gewaltiger, ja weltumspannender Bewegungen sein - die nichtsdestotrotz dem Anspruch Partizipation, Diversität u. Selbstverwaltung gerecht werden können. Diversität, Kreativität u. partizionistische Selbstverwaltung werden wir nicht erreichen, indem wir das institutionelle Feld denen überlassen, die weder an Demokratie noch an Vielfalt glauben bzw. daran überhaupt nicht interessiert sind. Wir integrieren das Ziel Diversität, Kreativität u. Selbstverwaltung jedoch, indem wir den Kampf aufnehmen ohne dabei unsere Tugenden zu verraten, indem wir vorsichtig u. umsichtig zu Werke gehn’ u. uns unermüdlich bemühen, Diversivität, Kreativität u. Selbstverwaltung auf allen Ebenen mitzuverwirklichen.

Die Frage ist: Könnte das WSF bzw. das breitangelegte Projekt der Foren zu einer pervertierten, akademisch langweiligen u. bürokratisierten Angelegenheit verkommen, zu etwas, das nichts mehr bringt für den Aufstand der Aktivisten, für das Weiterwachsen (der Bewegung)? Die Gefahr besteht allerdings - und das Risiko wächst weiter, wenn wir nichts dagegen unternehmen. So muss vor allem die Ebene der Entscheidungsprozesse verbreitert werden. Diese Leute haben wirklich viel geleistet, in vielerlei Hinsicht, kein Zweifel, aber wenn mit dieser kleinen Führung weitergemacht wird, wird das das Potential der Bewegung schwächen. Zweite Frage: Kann das Phänomen WSF / Foren (weltweit bzw. vor Ort) uns bei der Schaffung einer zweiten, einer parallelen Bewegung unterstützen - bei einem mehr dezidiert antikapitalistischen Organisierungsprojekt, das wiederum helfen könnte, die so dringend benötigte Aufmerksamkeit auf Prioritäten wie ‘Solidarität’ u. ‘Vision’ zu lenken (die Foren tun das ja mit ihrem Ansatz schon sehr erfolgreich). Und: kann eine vereinte, sich wechselseitig unterstützende internationale ‘Bewegung der antikapitalistischen Bewegungen’ verwirklicht werden? Warum eigentlich nicht? Wir müssen es nur anpacken.

Übersetzt von: Andrea Noll
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