Das Anheizen des Iran-Irak Krieges
Die Heuchelei von "Massenvernichtungswaffen" und viel mehr
von Larry Everest
05.09.2002 — ZNet
—
abgelegt unter:
Irak
Wenn Sie denken Sie haben alles über U.S.- imperialistische Heuchelei, über Lügen, Manipulation und Massenabschlachtungen gehört - warten sie einen Moment. Es gibt noch mehr.
Im Moment schlägt die US Regierung gerade die Kriegstrommeln für einen präventiven Krieg gegen den Irak. Präsident Bush spricht in legerer Kleidung, auf seinem monatelangen Urlaub in Texas, ungezwungen von einem "Regime- Wechsel" in Bagdad -- ein Euphemismus für einen U.S.- Militärschlag, der mehrere Zehntausende Leben kosten könnte.
Die Vor- und Nachteile von verschiedenem Kriegsplänen - wie ein "rein- raus" Blitzkrieg in Bagdad mit 50.000 bis 100.000 U.S. Truppen und massiven Luftangriffen, werden öffentlich und schamlos in den Medien diskutiert. Die New York Times berichtetet (am 19. August) über "die ersten handfesten Zeichen eines logistischen Aufbaus rund um den Irak."
Bisher ist noch kein Beweis erbracht worden, dass der Irak die U.S.A. militärisch bedrohen könnte, oder das das Land irgendetwas mit dem 11. September zu tun haben könnte. Dennoch verlangen jene, die das U.S.- Imperium beherrschen, den Kopf von Saddam. Warum? Weil sie es verurteilen, dass Saddam Hussein versucht "Massenvernichtungswaffen" zu erwerben - und die Bereitschaft gezeigt hat sie einzusetzen. Bush Beamte haben die Verwendung von Giftgas im Iran-Irak Krieg von 1980 bis 1988 immer wieder als Beweis dieser Bereitschaft herangezogen und benutzen sie als Rechtfertigung für einen Angriff.
Jetzt hat die Times enthüllt, dass zum Zeitpunkt als die Regierung des Iraks chemische Waffen gegen iranische Truppen und seine eigene kurdische Bevölkerung einsetzte, die U.S.-Regierung vor Ort war - und ihnen helfend zur Seite stand.
Die Times berichtete ("Offiziere berichten, dass die U.S.A. den Irak trotz der Verwendung von Giftgas unterstützt haben", 8/18/02) dass, hohen Militäroffizieren zufolge, dies mit direktem Wissen der amerikanischen Geheimdienste stattfand, U.S.- Beamte "versorgten den Irak mit kritischer Kampfplanungshilfe zu der Zeit, als amerikanische Geheimdienste wussten, dass irakische Kommandanten chemische Waffen beim den entscheidenden Kämpfe des Iran-Irak Krieges einsetzten."
Es ist seit langem bekannt, dass die USA den Irak mit Satellitenaufklärung und anderer militärischer Unterstützung versorgt haben um einen iranischen Sieg zu verhindern. Das neue an der Times Story ist das Ausmaß der U.S. Beteiligung: "Mehr als 60 Offiziere des Verteidigungsgeheimdienstes [DIA, Defense Intelligence Agency] beschafften detaillierte Geheimdienstinformationen über iranischen Einsätze, taktische Planung für Kämpfe, Pläne für Luftangriffe und Abschätzungen der Bombenschäden für den Irak."
Dieses Pentagon-Programm ging sogar weiter, als es klar wurde, dass "das irakische Militär chemische Waffen in ihr Arsenal integriert hatte und diese in die Kriegspläne, welche die amerikanischen Berater vorgeschlagen oder vorbereitet hatten, einbezogen wurden." Die offensichtliche Schlussfolgerung - die von der Times nicht gezogen wurde - ist, dass die U.S.- Pläne mit dem Wissen verändert wurden, dass der Irak chemische Waffen einsetzen würde. Bob Woodward von der Washington Post berichtete folgendes (12/15/86): 1984 begann die CIA damit die Iraker mit Geheimdienstinformationen zu beliefern, welche dazu benutzt wurden Senfgasangriffe gegen iranische Truppen "zu kalibrieren". Schätzungsweise 50.000 Iraner wurden von den irakischen Gasangriffen getötet. (Bruce Jentleson, With Friends Like These - Reagan, Bush, und Saddam, 1982-1990, S. 77)
Ein DIA- Offizier sagte der Times, dass "das Pentagon von Iraks Verwendung von Gas nicht sonderlich entsetzt war. Es war nur ein weiterer Weg Menschen zu töten - ob dies mit einer Kugel oder mit Phosgen gemacht wird, macht keinen Unterschied. " Ein weiterer U.S.- Geheimdienstler sagte, dass "die Verwendung von Gas auf dem Schlachtfeld durch die Iraker keine Frage von tiefer strategischer Besorgnis war." Und führt weiter aus, "was Mr. Reagan besorgte, war das der Iran durch die Fao Reninsula brechen könnte und die islamische Revolution nach Kuwait und Saudi-Arabien tragen könnte."
Mit anderen Worten, die U.S.- Führer haben kein Problem mit dem Einsatz chemischer Waffen oder Massenmorden, solange sie ihren strategischen Interessen dienen.
Die Enthüllungen der Times - Kratzen an der Oberfläche
Die Enthüllungen der Times mögen schockierend sein, aber sie kratzen nur an der Oberfläche der ungeheuer zynischen, manipulativen und mörderischen Aktionen die von den U.S.A. während des Iran- Irak Krieges durchgeführt wurden. Man könnte über eine ebenso niederträchtige Geschichte berichten, nämlich wie die USA dabei behilflich waren, den Krieg zu beginnen.
Anfang 1979 wurde der Schah - der treue Polizist der U.S.A. für den Persischen Golf - im Iran gestürzt. Der U.S.- Botschafter in Teheran wurde von militanten Studenten im November ermordet und einem Monat später, an Heiligabend fiel die Sowjetunion im Nachbarland Afghanistan ein.
Diese Entwicklung erschütterte die U.S.A.. Sie sahen sich der Gefahr ausgesetzt, ihren Einfluss in der ölreichen Golfregion zu verlieren und möglicherweise ihren sowjetischen Rivalen einen großen geopolitische Vorteil zu verschaffen. Der U.S. Gegenangriff, und eine Front (und es gab viele andere) schienen den Irak ermutigt zu haben, in den Iran einzufallen. Die Ziele der U.S.A. waren: den Iran zu schwächen und seine Fähigkeit zu beschränken die U.S.- Klientenstaaten zu unterminieren, während man gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit für einen amerikanischen Einfluss auf beide Länder erhöhte und eine direkte US Militärpräsens in der Region etabliert.
Es überrascht dabei nicht, das die Beamten der Carter Administration dementieren, dem Irak "grünes Licht" für seine Invasion am 22. September 1980 gegeben zu haben. Es gibt mittlerweile aber Beweise, dass sie genau dies taten. Am 14. April 1980, fünf Monate vor der irakischen Invasion signalisierte der Sicherheitsberater von Präsident Carter, Zbigniew Brzezinski, die Bereitschaft der U.S.A mit dem Irak zusammenzuarbeiten: "Wir sehen keine fundamentalen Interessenkonflikte zwischen den Vereinigten Staaten und dem Irak.... Wir glauben nicht, dass die amerikanisch- irakischen Beziehungen in Antagonismus einfrieren müssen." Im Juni, enthüllten iranischen Studenten eine geheime Notiz von Brzezinski an den Staatssekretär Cyrus Vance, in dem er die "Destabilisierung" Irans islamischer Republik durch seine Nachbarn empfiehlt.
Den Aussagen des damaligen iranischen Präsident Abol Hassan Bani-Sadr entsprechend, traf sich Brzezinski direkt mit Saddam Hussein in Jordanien, zwei Monate vor dem irakischen Angriff. Bani- Sadr schrieb, "Brzezinski hatte Saddam Hussein versichert, dass die Vereinigten Staaten die Abtrennung Khuzestans (Provinz im Südwesten des Iran) vom Iran nicht bekämpfen würden." Der Journalist Robert Parry berichtet (Consortiumnews.com, 1/31/96) das der Staatssekretär Al Haig in einer geheimen Notiz in dem er seine Reise in den Nahen Osten zusammenfasste, bemerkte, "es war interessant zu bestätigen, dass Präsident Carter den Irakern grünes Licht für den Krieg gegen den Iran und gegen [den Prinz und späterer König] Fahd gab.“
Die Financial Times in London berichtete, dass die USA über dritte Welt Länder Satellitenaufklärung in den Irak exportierten, was dazu führte das der Irak glaubte, dass die iranische Armee schnell zusammenbrechen würde, wenn sie angegriffen werden würden (sie tat es nicht). Während die U.S.- Medien lange und ausführlich über Saddam Hussein als den "brutalen Aggressor" sprechen, halfen die USA dabei den Irak in einen langen und blutigen Krieg zu stürzen.
Die Unterstützung und Manipulation beider Seiten.
Die New York Times hätte sich genauso gut eingehend damit befassen können, wie die U.S.A. dabei behilflich waren, sowohl dem Iran als auch den Irak zu bewaffnen, und sie dann zu manipulieren, um sicherzustellen das keiner von beiden einen entscheidendenden Sieg erringen konnte. 1983 erklärte ein U.S.- Beamter, "Solange das Iran-Irak Blutbad unsere Verbündeten nicht beeinflusst oder die Balance der Macht verändert ist uns alles völlig egal." (Dilip Hiro, The Longest War, S. 121)
Seit 1982 verlagerte sich der Impuls des Krieges in den Iran und bedrohte Basra, die zweitgrößte Stadt des Irak. Einer eidesstattlichen Erklärung eines Mitglieds von Reagans Sicherheitsberaterstab Howard Teicher (den die U.S.- Regierung aus Gründen der "Nationalen Sicherheit" vor ein nichtöffentliches Gericht brachte) zu Folge, war es "Im Frühjahr 1982, als der Irak am Rand einer Niederlage gegen den Iran war. ... Im Juni 1982 entschied Präsident Reagan, dass die Vereinigten Staaten ... alles tun würden, was notwendig und legal wäre, um den Irak vor einer Niederlage zu bewahren." (RealHistoryArchives.com)
Teicher sagt aus, dass nachdem Reagan eine geheime Nationale Sicherheits- Anweisung im Juni 1982 unterschrieb, dass "die Vereinigten Staaten die irakischen Kriegsanstrengung aktiv unterstützten, indem man die Iraker mit Krediten in Höhen von mehreren Milliarden Dollar versorgte und man sie mit U.S.- Militärgeheimdienstinformationen und Beratung unterstützte." Waffenverkäufe von der Dritten Welt in den Irak wurden sehr genau beobachteten, um sicherzustellen, dass der Irak die militärische Ausrüstung hatte die sie benötigten.
Anti-Personen Clusterbomben waren der Favorit der U.S.A.. "Der CIA-Direktor [William] Casey bestand darauf, dass Clusterbomen ein perfekter `Multiplizierer', für den Irak wären", Teicher sagt aus, dass die CIA Cardoen [den Lieferanten] bei der Fertigung und dem Verkauf von Clusterbomben und anderer Munition in den Irak behilflich war und es genehmigte.“
Über einem Zeitraum von 8 Jahren leisteten die U.S.A. ungefähr 5 Milliarden Dollar Wirtschaftshilfe, und sie ermutigten ihre Verbündeten den Irak mit Waffen in Höhe von mehrerenMilliarden Dollar zu versorgen. Die Briten verkauften dem Irak Panzer, Raketenteile, und Artillerie; die Franzosen beschaffte Haubitzen, Exocet- Raketen, und Mirage Kampfflugzeuge; und Westdeutschland lieferten die Technologie, die in irakischen Fabriken dazu benutzt wurde um Nerven- und Senfgas zu produzieren.
Die U.S.A. versorgten den Irak auch direkt mit biologischen Waffen. William Blum schreibt, dass einem Senatsbericht zufolge, "von 1985 bis 1989, wenn nicht schon früher, ein teuflisches Gebräu von biologischen Materialien von privaten amerikanischen Lieferanten ausgeführt wurde, was vom U.S.- Finanzministerium genehmigt und lizensiert wurde." (Counterpunch, 8/20/02)
Die tödliche Mischung schloss Milzbrand, Botulism und E. coli- Bakterien ein. Blum fügt hinzu, dass der Senats-Bericht aussagte, "das diese von den Vereinigten Staaten ausgeführten Microorganismen identisch waren mit jenen die Inspektoren der Vereinten Nationen im irakischen Biokriegsprogramm gefunden haben.
Eine zynische Strategie des Umschwenkens
Während des Iran-Irak Krieges kippten die U.S.A. zynisch zu einer Seite, dann zu der anderen, um ihre weiterreichende Agenda zu verfolgen -- was den Versuch einschloss, ihren Einfluss im Iran wiederzuerlangen. Eine CIA Notiz an Direktor Casey vom Mai 1985 besagt, dass "unsere Neigung zum Irak auf den Kampf des Iraks gegen die islamische Revolution zeitlich begrenzt war. Vielleicht ist jetzt die Zeit gekommen umzuschwenken...."
Im geheimen förderten die U.S.A. Waffenlieferungen in den Iran in den frühen 80ern, und begannen 1985 damit die islamische Republik, als Teil der berüchtigten Iran- Contra Affäre, direkt zu beliefern. Im September 1986 versprach der Reagan Beamte Oliver North dem Iran sogar, dass die U.S.A. "ihren Einfluss dazu nutzen könnten um gewisse befreundete arabische Nationen zu dulden" um das Hussein-Regime zu vertreiben.
Etwas früher, im Februar 1986 als diese geheimen Beratungen stattfanden, errang der Iran einen größeren Sieg durch die Eroberung von Iraks Fao Peninsula. Die New York Times (1/19/87) berichtete, dass irakische Beamte glaubten, dass ihre Niederlage bei Fao "durch den U.S.- Geheimdienst verursacht wurde." Der Irak bemerkte iranische Truppenbewegungen, sagte ein irakischer Beamter, aber die U.S.A. "erzählen uns immer wieder, dass sich der iranische Angriff nicht gegen Fao richten würde."
In der Tat, meldete die Times (1/12/87), dass "amerikanische Geheimdienste den Iran und den Irak absichtlich mit verzerrten oder ungenauen Geheimdienstdaten in den letzten Jahren belieferten". Das Motiv findet sich in der Titelzeile der Times: "Beide Seiten davon abzuhalten zu gewinnen." Oder wie Henry Kissinger es kalt ausdrückte "zu schade, dass sie nicht beide verlieren können."
In seinem Buch "Veil - The Secret Wars of the CIA 1981-1987", summiert Woodward die Ergebnisse diese US Doppelstrategie: "Indem wir unsere taktischen Daten beiden Seiten aushändigten, brachten wir unseren Geheimdienst in eine Position ein Patt zu arrangieren. Dies war keine reine Abstraktion. Der Krieg war blutig.... fast eine Million Menschen sind getötet worden, verwundet oder auf beiden Seiten gefangen genommen worden. Dies war kein Spiel in einem Operationszentrum. Es war eine Schlacht. " (S. 507)
Zurückschwenken Richtung Baghdad
Die Angst vor einer irakischen Niederlage und eines Zusammenbruchs der geheimen Beziehungen mit dem Iran führten zu einem Zurückschwenken in Richtung des Iraks. Woodward schreibt, dass Casey Ende 86 mit hohen Irakern zusammentraf ... um sie zu weiteren Angriffen auf den Iran zu ermutigen, besonders gegen wirtschaftliche Ziele." Teicher, sagt aus, dass "Präsident Reagan 1986 eine geheime Nachricht an Saddam Hussein sandte und ihm sagte, dass der Irak seinen Luftkrieg und seine Bombardements auf den Iran ausbauen sollten..." Das war während des "Krieges auf die Städte", als sich viele irakische Bombenangriffe gegen wirtschaftlich- und zivile Ziele richteten.
1988, nachdem ein Giftgasangriff 5000 Kurden in Halabja im Norden des Iraks getötet hatte, erhöhten die USA ihre Unterstützung. Einem Artikel der Los Angeles Times (2/13/91) zu Folge, berichteten U.S.- Geheimdienste, dass die von Amerika gelieferten Hubschrauber dazu benutzt wurden, um genau solche chemischen Angriffe auf irakische Kurden durchzuführen.
*****
Präsident Bushs Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice hat kürzlich behauptet, dass die U.S.A. eine "moralische Rechtfertigung" für einen Krieg gegen den Irak haben.
Man muss nur in die Grube der Täuschung, Manipulation und Mitschuld in dem Massenblutbad hinabsteigen und die Aufzeichnungen über die U.S. Aktionen im Iran- Irak Krieg prüfen, um den Gestank dieser "Moral" zu riechen, den Rice und den Rest der herrschenden Klasse der USA leitet. Diese Imperialisten dachten sich nichts dabei als sie die schaurigen Abschlachtungen die zu über einer Millionen getöteten und verletzten Iranern und Irakern führte, zu unterstützen und zu ermutigen.
Der Krieg, mit dem die U.S.A. jetzt drohen, wäre ebenso kriminell, ungeheuer zerstörerisch, und aus einer Motivation heraus, die genau wie damals einzig durch die Bedenken des Empires und seiner weltweiten Dominanz motiviert sind. Dem muss man sich entgegenstellen, bevor es beginnt.
********
Im Moment schlägt die US Regierung gerade die Kriegstrommeln für einen präventiven Krieg gegen den Irak. Präsident Bush spricht in legerer Kleidung, auf seinem monatelangen Urlaub in Texas, ungezwungen von einem "Regime- Wechsel" in Bagdad -- ein Euphemismus für einen U.S.- Militärschlag, der mehrere Zehntausende Leben kosten könnte.
Die Vor- und Nachteile von verschiedenem Kriegsplänen - wie ein "rein- raus" Blitzkrieg in Bagdad mit 50.000 bis 100.000 U.S. Truppen und massiven Luftangriffen, werden öffentlich und schamlos in den Medien diskutiert. Die New York Times berichtetet (am 19. August) über "die ersten handfesten Zeichen eines logistischen Aufbaus rund um den Irak."
Bisher ist noch kein Beweis erbracht worden, dass der Irak die U.S.A. militärisch bedrohen könnte, oder das das Land irgendetwas mit dem 11. September zu tun haben könnte. Dennoch verlangen jene, die das U.S.- Imperium beherrschen, den Kopf von Saddam. Warum? Weil sie es verurteilen, dass Saddam Hussein versucht "Massenvernichtungswaffen" zu erwerben - und die Bereitschaft gezeigt hat sie einzusetzen. Bush Beamte haben die Verwendung von Giftgas im Iran-Irak Krieg von 1980 bis 1988 immer wieder als Beweis dieser Bereitschaft herangezogen und benutzen sie als Rechtfertigung für einen Angriff.
Jetzt hat die Times enthüllt, dass zum Zeitpunkt als die Regierung des Iraks chemische Waffen gegen iranische Truppen und seine eigene kurdische Bevölkerung einsetzte, die U.S.-Regierung vor Ort war - und ihnen helfend zur Seite stand.
Die Times berichtete ("Offiziere berichten, dass die U.S.A. den Irak trotz der Verwendung von Giftgas unterstützt haben", 8/18/02) dass, hohen Militäroffizieren zufolge, dies mit direktem Wissen der amerikanischen Geheimdienste stattfand, U.S.- Beamte "versorgten den Irak mit kritischer Kampfplanungshilfe zu der Zeit, als amerikanische Geheimdienste wussten, dass irakische Kommandanten chemische Waffen beim den entscheidenden Kämpfe des Iran-Irak Krieges einsetzten."
Es ist seit langem bekannt, dass die USA den Irak mit Satellitenaufklärung und anderer militärischer Unterstützung versorgt haben um einen iranischen Sieg zu verhindern. Das neue an der Times Story ist das Ausmaß der U.S. Beteiligung: "Mehr als 60 Offiziere des Verteidigungsgeheimdienstes [DIA, Defense Intelligence Agency] beschafften detaillierte Geheimdienstinformationen über iranischen Einsätze, taktische Planung für Kämpfe, Pläne für Luftangriffe und Abschätzungen der Bombenschäden für den Irak."
Dieses Pentagon-Programm ging sogar weiter, als es klar wurde, dass "das irakische Militär chemische Waffen in ihr Arsenal integriert hatte und diese in die Kriegspläne, welche die amerikanischen Berater vorgeschlagen oder vorbereitet hatten, einbezogen wurden." Die offensichtliche Schlussfolgerung - die von der Times nicht gezogen wurde - ist, dass die U.S.- Pläne mit dem Wissen verändert wurden, dass der Irak chemische Waffen einsetzen würde. Bob Woodward von der Washington Post berichtete folgendes (12/15/86): 1984 begann die CIA damit die Iraker mit Geheimdienstinformationen zu beliefern, welche dazu benutzt wurden Senfgasangriffe gegen iranische Truppen "zu kalibrieren". Schätzungsweise 50.000 Iraner wurden von den irakischen Gasangriffen getötet. (Bruce Jentleson, With Friends Like These - Reagan, Bush, und Saddam, 1982-1990, S. 77)
Ein DIA- Offizier sagte der Times, dass "das Pentagon von Iraks Verwendung von Gas nicht sonderlich entsetzt war. Es war nur ein weiterer Weg Menschen zu töten - ob dies mit einer Kugel oder mit Phosgen gemacht wird, macht keinen Unterschied. " Ein weiterer U.S.- Geheimdienstler sagte, dass "die Verwendung von Gas auf dem Schlachtfeld durch die Iraker keine Frage von tiefer strategischer Besorgnis war." Und führt weiter aus, "was Mr. Reagan besorgte, war das der Iran durch die Fao Reninsula brechen könnte und die islamische Revolution nach Kuwait und Saudi-Arabien tragen könnte."
Mit anderen Worten, die U.S.- Führer haben kein Problem mit dem Einsatz chemischer Waffen oder Massenmorden, solange sie ihren strategischen Interessen dienen.
Die Enthüllungen der Times - Kratzen an der Oberfläche
Die Enthüllungen der Times mögen schockierend sein, aber sie kratzen nur an der Oberfläche der ungeheuer zynischen, manipulativen und mörderischen Aktionen die von den U.S.A. während des Iran- Irak Krieges durchgeführt wurden. Man könnte über eine ebenso niederträchtige Geschichte berichten, nämlich wie die USA dabei behilflich waren, den Krieg zu beginnen.
Anfang 1979 wurde der Schah - der treue Polizist der U.S.A. für den Persischen Golf - im Iran gestürzt. Der U.S.- Botschafter in Teheran wurde von militanten Studenten im November ermordet und einem Monat später, an Heiligabend fiel die Sowjetunion im Nachbarland Afghanistan ein.
Diese Entwicklung erschütterte die U.S.A.. Sie sahen sich der Gefahr ausgesetzt, ihren Einfluss in der ölreichen Golfregion zu verlieren und möglicherweise ihren sowjetischen Rivalen einen großen geopolitische Vorteil zu verschaffen. Der U.S. Gegenangriff, und eine Front (und es gab viele andere) schienen den Irak ermutigt zu haben, in den Iran einzufallen. Die Ziele der U.S.A. waren: den Iran zu schwächen und seine Fähigkeit zu beschränken die U.S.- Klientenstaaten zu unterminieren, während man gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit für einen amerikanischen Einfluss auf beide Länder erhöhte und eine direkte US Militärpräsens in der Region etabliert.
Es überrascht dabei nicht, das die Beamten der Carter Administration dementieren, dem Irak "grünes Licht" für seine Invasion am 22. September 1980 gegeben zu haben. Es gibt mittlerweile aber Beweise, dass sie genau dies taten. Am 14. April 1980, fünf Monate vor der irakischen Invasion signalisierte der Sicherheitsberater von Präsident Carter, Zbigniew Brzezinski, die Bereitschaft der U.S.A mit dem Irak zusammenzuarbeiten: "Wir sehen keine fundamentalen Interessenkonflikte zwischen den Vereinigten Staaten und dem Irak.... Wir glauben nicht, dass die amerikanisch- irakischen Beziehungen in Antagonismus einfrieren müssen." Im Juni, enthüllten iranischen Studenten eine geheime Notiz von Brzezinski an den Staatssekretär Cyrus Vance, in dem er die "Destabilisierung" Irans islamischer Republik durch seine Nachbarn empfiehlt.
Den Aussagen des damaligen iranischen Präsident Abol Hassan Bani-Sadr entsprechend, traf sich Brzezinski direkt mit Saddam Hussein in Jordanien, zwei Monate vor dem irakischen Angriff. Bani- Sadr schrieb, "Brzezinski hatte Saddam Hussein versichert, dass die Vereinigten Staaten die Abtrennung Khuzestans (Provinz im Südwesten des Iran) vom Iran nicht bekämpfen würden." Der Journalist Robert Parry berichtet (Consortiumnews.com, 1/31/96) das der Staatssekretär Al Haig in einer geheimen Notiz in dem er seine Reise in den Nahen Osten zusammenfasste, bemerkte, "es war interessant zu bestätigen, dass Präsident Carter den Irakern grünes Licht für den Krieg gegen den Iran und gegen [den Prinz und späterer König] Fahd gab.“
Die Financial Times in London berichtete, dass die USA über dritte Welt Länder Satellitenaufklärung in den Irak exportierten, was dazu führte das der Irak glaubte, dass die iranische Armee schnell zusammenbrechen würde, wenn sie angegriffen werden würden (sie tat es nicht). Während die U.S.- Medien lange und ausführlich über Saddam Hussein als den "brutalen Aggressor" sprechen, halfen die USA dabei den Irak in einen langen und blutigen Krieg zu stürzen.
Die Unterstützung und Manipulation beider Seiten.
Die New York Times hätte sich genauso gut eingehend damit befassen können, wie die U.S.A. dabei behilflich waren, sowohl dem Iran als auch den Irak zu bewaffnen, und sie dann zu manipulieren, um sicherzustellen das keiner von beiden einen entscheidendenden Sieg erringen konnte. 1983 erklärte ein U.S.- Beamter, "Solange das Iran-Irak Blutbad unsere Verbündeten nicht beeinflusst oder die Balance der Macht verändert ist uns alles völlig egal." (Dilip Hiro, The Longest War, S. 121)
Seit 1982 verlagerte sich der Impuls des Krieges in den Iran und bedrohte Basra, die zweitgrößte Stadt des Irak. Einer eidesstattlichen Erklärung eines Mitglieds von Reagans Sicherheitsberaterstab Howard Teicher (den die U.S.- Regierung aus Gründen der "Nationalen Sicherheit" vor ein nichtöffentliches Gericht brachte) zu Folge, war es "Im Frühjahr 1982, als der Irak am Rand einer Niederlage gegen den Iran war. ... Im Juni 1982 entschied Präsident Reagan, dass die Vereinigten Staaten ... alles tun würden, was notwendig und legal wäre, um den Irak vor einer Niederlage zu bewahren." (RealHistoryArchives.com)
Teicher sagt aus, dass nachdem Reagan eine geheime Nationale Sicherheits- Anweisung im Juni 1982 unterschrieb, dass "die Vereinigten Staaten die irakischen Kriegsanstrengung aktiv unterstützten, indem man die Iraker mit Krediten in Höhen von mehreren Milliarden Dollar versorgte und man sie mit U.S.- Militärgeheimdienstinformationen und Beratung unterstützte." Waffenverkäufe von der Dritten Welt in den Irak wurden sehr genau beobachteten, um sicherzustellen, dass der Irak die militärische Ausrüstung hatte die sie benötigten.
Anti-Personen Clusterbomben waren der Favorit der U.S.A.. "Der CIA-Direktor [William] Casey bestand darauf, dass Clusterbomen ein perfekter `Multiplizierer', für den Irak wären", Teicher sagt aus, dass die CIA Cardoen [den Lieferanten] bei der Fertigung und dem Verkauf von Clusterbomben und anderer Munition in den Irak behilflich war und es genehmigte.“
Über einem Zeitraum von 8 Jahren leisteten die U.S.A. ungefähr 5 Milliarden Dollar Wirtschaftshilfe, und sie ermutigten ihre Verbündeten den Irak mit Waffen in Höhe von mehrerenMilliarden Dollar zu versorgen. Die Briten verkauften dem Irak Panzer, Raketenteile, und Artillerie; die Franzosen beschaffte Haubitzen, Exocet- Raketen, und Mirage Kampfflugzeuge; und Westdeutschland lieferten die Technologie, die in irakischen Fabriken dazu benutzt wurde um Nerven- und Senfgas zu produzieren.
Die U.S.A. versorgten den Irak auch direkt mit biologischen Waffen. William Blum schreibt, dass einem Senatsbericht zufolge, "von 1985 bis 1989, wenn nicht schon früher, ein teuflisches Gebräu von biologischen Materialien von privaten amerikanischen Lieferanten ausgeführt wurde, was vom U.S.- Finanzministerium genehmigt und lizensiert wurde." (Counterpunch, 8/20/02)
Die tödliche Mischung schloss Milzbrand, Botulism und E. coli- Bakterien ein. Blum fügt hinzu, dass der Senats-Bericht aussagte, "das diese von den Vereinigten Staaten ausgeführten Microorganismen identisch waren mit jenen die Inspektoren der Vereinten Nationen im irakischen Biokriegsprogramm gefunden haben.
Eine zynische Strategie des Umschwenkens
Während des Iran-Irak Krieges kippten die U.S.A. zynisch zu einer Seite, dann zu der anderen, um ihre weiterreichende Agenda zu verfolgen -- was den Versuch einschloss, ihren Einfluss im Iran wiederzuerlangen. Eine CIA Notiz an Direktor Casey vom Mai 1985 besagt, dass "unsere Neigung zum Irak auf den Kampf des Iraks gegen die islamische Revolution zeitlich begrenzt war. Vielleicht ist jetzt die Zeit gekommen umzuschwenken...."
Im geheimen förderten die U.S.A. Waffenlieferungen in den Iran in den frühen 80ern, und begannen 1985 damit die islamische Republik, als Teil der berüchtigten Iran- Contra Affäre, direkt zu beliefern. Im September 1986 versprach der Reagan Beamte Oliver North dem Iran sogar, dass die U.S.A. "ihren Einfluss dazu nutzen könnten um gewisse befreundete arabische Nationen zu dulden" um das Hussein-Regime zu vertreiben.
Etwas früher, im Februar 1986 als diese geheimen Beratungen stattfanden, errang der Iran einen größeren Sieg durch die Eroberung von Iraks Fao Peninsula. Die New York Times (1/19/87) berichtete, dass irakische Beamte glaubten, dass ihre Niederlage bei Fao "durch den U.S.- Geheimdienst verursacht wurde." Der Irak bemerkte iranische Truppenbewegungen, sagte ein irakischer Beamter, aber die U.S.A. "erzählen uns immer wieder, dass sich der iranische Angriff nicht gegen Fao richten würde."
In der Tat, meldete die Times (1/12/87), dass "amerikanische Geheimdienste den Iran und den Irak absichtlich mit verzerrten oder ungenauen Geheimdienstdaten in den letzten Jahren belieferten". Das Motiv findet sich in der Titelzeile der Times: "Beide Seiten davon abzuhalten zu gewinnen." Oder wie Henry Kissinger es kalt ausdrückte "zu schade, dass sie nicht beide verlieren können."
In seinem Buch "Veil - The Secret Wars of the CIA 1981-1987", summiert Woodward die Ergebnisse diese US Doppelstrategie: "Indem wir unsere taktischen Daten beiden Seiten aushändigten, brachten wir unseren Geheimdienst in eine Position ein Patt zu arrangieren. Dies war keine reine Abstraktion. Der Krieg war blutig.... fast eine Million Menschen sind getötet worden, verwundet oder auf beiden Seiten gefangen genommen worden. Dies war kein Spiel in einem Operationszentrum. Es war eine Schlacht. " (S. 507)
Zurückschwenken Richtung Baghdad
Die Angst vor einer irakischen Niederlage und eines Zusammenbruchs der geheimen Beziehungen mit dem Iran führten zu einem Zurückschwenken in Richtung des Iraks. Woodward schreibt, dass Casey Ende 86 mit hohen Irakern zusammentraf ... um sie zu weiteren Angriffen auf den Iran zu ermutigen, besonders gegen wirtschaftliche Ziele." Teicher, sagt aus, dass "Präsident Reagan 1986 eine geheime Nachricht an Saddam Hussein sandte und ihm sagte, dass der Irak seinen Luftkrieg und seine Bombardements auf den Iran ausbauen sollten..." Das war während des "Krieges auf die Städte", als sich viele irakische Bombenangriffe gegen wirtschaftlich- und zivile Ziele richteten.
1988, nachdem ein Giftgasangriff 5000 Kurden in Halabja im Norden des Iraks getötet hatte, erhöhten die USA ihre Unterstützung. Einem Artikel der Los Angeles Times (2/13/91) zu Folge, berichteten U.S.- Geheimdienste, dass die von Amerika gelieferten Hubschrauber dazu benutzt wurden, um genau solche chemischen Angriffe auf irakische Kurden durchzuführen.
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Präsident Bushs Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice hat kürzlich behauptet, dass die U.S.A. eine "moralische Rechtfertigung" für einen Krieg gegen den Irak haben.
Man muss nur in die Grube der Täuschung, Manipulation und Mitschuld in dem Massenblutbad hinabsteigen und die Aufzeichnungen über die U.S. Aktionen im Iran- Irak Krieg prüfen, um den Gestank dieser "Moral" zu riechen, den Rice und den Rest der herrschenden Klasse der USA leitet. Diese Imperialisten dachten sich nichts dabei als sie die schaurigen Abschlachtungen die zu über einer Millionen getöteten und verletzten Iranern und Irakern führte, zu unterstützen und zu ermutigen.
Der Krieg, mit dem die U.S.A. jetzt drohen, wäre ebenso kriminell, ungeheuer zerstörerisch, und aus einer Motivation heraus, die genau wie damals einzig durch die Bedenken des Empires und seiner weltweiten Dominanz motiviert sind. Dem muss man sich entgegenstellen, bevor es beginnt.
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Orginalartikel:
Fueling the Iran-Iraq Slaughter
Übersetzt von:
Timo
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