Das Ende der Abbitte
von Alexis Dudden
16.02.2005 — ZNet
—
abgelegt unter:
Japan
In den vergangenen Monaten haben die Überlebenden des so genannten Systems der Frauen zur Entspannung eine Anzahl von Schlägen von einer qualitativ neuen Grausamkeit einstecken müssen.
Ende Januar verkündete der bedrängte Fonds Asiatischer Frauen, dass er sich 2007 auflösen werde. Während seiner zehnjährigen Geschichte war der Fonds von allen Seiten angegriffen worden, und doch gelang es diesem Fonds trotz all seiner Unzulänglichkeiten, den Geschichtsstreit voranzubringen, auch wenn vielleicht nur um ein Geringes, wie ein Redaktionsartikel der Asahi Shinbun hervorhob. Die Asahi zitierte Mitarbeiter des Fonds, die sich erinnerten, wie es einigen der Frauen gelang, durch Kontakt mit dem Fonds ihre entsetzlichen persönlichen Geschichten in gewissem Maße zu bewältigen. Die Entscheidung, den Fonds Asiatischer Frauen aufzulösen, fiel so leise wie Schnee, reihte sich aber hinter auf dem Aufsehen erregenden Skandal ein, bei dem die Führung der Liberal-Demokratischen Partei LDP und der Japanischen Rundfunkgesellschaft NHK gegen die Asahi standen und der die wohlbekannte Zensur über einen Dokumentationsfilm von 2001 über die Sexsklaven des Militärs betraf. Der Intendant der NHK trat zwar zurück, doch weigerten sich die Verantwortlichen von Japans staatlichem Fernsehen, Fehlverhalten einzuräumen oder gar zuzugeben, dass sie von mächtigen LDP-Parlamentariern dazu gedrängt worden waren, Teile der ursprünglichen Sendung wegzuschneiden.
Bei all der Aufregung waren natürlich die Frauen selbst und zuförderst ihre Geschichte die ersten Opfer; sie wurden bei dem Tumult weitgehend ignoriert. Inzwischen sind die grundlegenden Fakten für eine Leserschaft in Japan und auf der ganzen Welt zugänglich. Im Zuge der Gräueltaten, die japanische Truppen in Nanking begingen, errichtete die japanische Regierung ein System, um Sex für seine Truppen und zivilen Mitarbeiter an allen Fronten in Asien und im Pazifik verfügbar zu machen, wofür sie schließlich 100.000 bis 200.000 Frauen zu sexueller Zwangsarbeit versklavte, die meisten davon Chinesinnen und Koreanerinnen. Diese Daten, einst schwer zu fassen wegen Bemühungen der Regierung alle Belege zu zerstören, können nun ohne weiteres durch die Art von staatlicher Archivdokumentation untermauert werden, die Regierungshistoriker und Gerichtshöfe so hochschätzen. Warum jetzt also alles daransetzen, die wenigen überlebenden Frauen jetzt im Stich zu lassen?
Die große Tragödie für die schwindende Zahl überlebender Opfer dieses Verbrechens ereignete sich schon deutlich vor Neujahr, und obschon sie viel weniger Aufmerksamkeit erregte, verlieh sie den fortbestehenden Dimensionen des Problems scharfe Konturen. Ende November wies der oberste Gerichtshof die Klage in einem dreizehnjährigen Gerichtsprozess zurück, der von einer Gruppe ehemaliger Sexsklavinnen aus Südkorea gegen die japanische Regierung geführt worden war. Über Jahre haben die Gerichtshöfe Gleichgültigkeit gegenüber der Würde der Frauen gezeigt, indem sie derartige Fälle mit der Begründung zurückwiesen, dass der Vertrag von San Francisco und die ihm folgenden Normalisierungsabkommen die Entschuldigungs- und Entschädigungsfrage ein für allemal beigesetzt hätten. Die Entscheidung vom letzten November ging über diese Standardargumentation der Apologeten hinaus. Der Gerichtshof argumentierte, dass der Fall der Frauen innerhalb des japanischen Rechtssystems keine rechtliche Grundlage habe, da die von ihnen beschriebenen Ereignisse ihre Versklavung sich ereignet hätten, bevor die Verfassung von 1947 in Kraft getreten war. Japan war damals ein anderes Land, wie sie erklärten, womit sie sagen wollten, dass die Frauen und ihre Geschichte nicht in der Verantwortung des neuen Japans liegen könnten. Einige Tage nach der Entscheidung begrüßte der japanische Bildungsminister Nakayama Nariaki das Urteil des Gerichtshofs sowie das abnehmende Gewicht, dass in Schulbüchern auf die sexuelle Sklaverei gelegt wird, mit gewohntem Einfühlungsvermögen: Es ist gut. Wir sollten uns nicht so sehr auf das Negative konzentrieren. All diese Momente zusammengenommen lässt sich mit Gewissheit sagen, dass wir das Ende des Jahrzehnts der Abbitte gewahren.
1989, was jetzt lange vergangen erscheint, fiel Kaiser Hirohitos Tod mit dem Ende des Kalten Krieges und spezifischer mit dem Anwachsen der weit verbreiteten Demokratiebewegungen in den asiatischen und pazifischen Staaten von Japans einstigem Imperium zusammen, was tausende lange ignorierter und zum Schweigen gebrachter Stimmen dazu ermutigte, vorzutreten und ihre Geschichten zu erzählen. Zusätzlich zu den Opfern sexueller Sklaverei nutzten koreanische Opfer der Atombomben, versklavte Minen- und Fabrikarbeiter und zwangsweise verpflichtete Soldaten das neue Klima, um die nationalistischen Wahrheiten von Japans zwanzigstem Jahrhundert infrage zu stellen. Manchmal beabsichtigt und manchmal zufällig fielen ihre Forderungen nach Wiedergutmachung mit einem weltweiten Trend von Entschuldigung und Versöhnung zusammen, wodurch etwas aufkam, was sogar von den Gegnern der Bewegung als ein Jahrzehnt der Entschuldigungspolitik eingeräumt wird.
Wie wohl bekannt ist, gehört in Japan zu den Höhepunkten dieser Zeit, wie 1992 der Historiker Yoshimi Yoshiaki ein Dokument aus der japanischen Kriegszeit dem Fernsehpublikum präsentierte, um die Behauptungen zu widerlegen, dass die japanische Regierung an der sexuellen Sklaverei keinen Anteil hatte. Der Höhepunkt der Bewegung war wohl erreicht, als sich im Dezember 2000 Hunderte überlebender Frauen in Tokio zu einem Völkertribunal versammelten, das Hirohito als persönlich für Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich befand. Ereignisse wie diese vermischten sich international mit Deutschlands zunehmenden Äußerungen der Buße gegenüber und Entschädigungen für Holocaust-Überlebende, und Australiens Versuchen, sich mit seiner Aboriginalfrage zu arrangieren, was dort zur Einrichtung eines Nationalen Tages des Bedauerns führte.
In Japan wurden die 90er Jahre Zeuge des Niedergangs der so genannten Wunderökonomie im Anschluss an das Platzen der Wirtschaftsblase. Politische Führer diskutierten sehnsüchtig Japans Nationalinteressen im Lichte ihrer Bestrebungen, Japan wieder einen normalen Staat im internationalen System sein zu lassen, wobei sie normal hauptsächlich als einen Staat mit ständigem Sitz im UN-Sicherheitsrat und einem international aktiven Militär definierten. Beides ist jedoch teuer zu unterhalten. Obschon häufig ignoriert und vehement in politischen Parteien bestritten, kam es dazu, dass Japans Entschuldigungen sich für die Führer des Landes eng mit Japans Nationalinteressen verbanden. Im Zuge der weitreichenden Entschuldigungen für die japanische Vergangenheit von Japans Premierministern Hosokawa und Murayama in der Mitte der 90er Jahre steuerte die herrschende LDP auf das zu, was viele als die pragmatische Herangehensweise bezeichnen sollten. Diese vertrat, dass es in Japans nationalem Interesse läge sich zu entschuldigen, um Japans Beziehungen zu seinen asiatischen Nachbarn zu stärken. Anders gesagt förderte ein solches Vorgehen auch den unbelasteten Handel in diesen Regionen.
Die Grenzen dieser Herangehensweise waren einfach zu sehen. Die feige Weigerung der Regierung sich direkt bei den Opfern sexueller Sklaverei zu entschuldigen führte z.B. zur Errichtung des quasi-privaten, immer suspekten Fonds Asiatischer Frauen. Obgleich, wie oben erwähnt, seine Organisatoren äußern, dass einige Frauen durch seine Arbeit mit der Geschichte fertig werden konnten, wurde der Fonds nur von 285 Frauen in ganz Asien genutzt. Was ist mit dem Rest der Frauen und, wichtiger noch, mit dem unterliegenden Problem, das Japans Beziehungen zu dieser Region trübt und die Darstellung der modernen japanischen Geschichte betrifft?
Japans Beziehungen zu China sind auf das niedrigste Niveau seit Jahren herabgesunken, und Japan hat sich auch eindeutig zu einer Phase zunehmenden Konflikts mit Nord- und Südkorea entschieden, was einen wirklichen Beginn des so genannten Jahres der Freundschaft einläutet, welches das vierzigjährige Jubiläum der Normalisierung der Beziehungen zwischen beiden Ländern feiert. Äußerungen jüngeren Datums stellen jedoch klar, dass Entschuldigung und die damit einhergehenden Entschädigungen nicht mehr so wichtig für Japans Führer sein mögen. Bei all ihren offensichtlichen Mängeln erlaubte die Zeit der Entschuldigung den vormals von Japan versklavten Frauen, eine Stimme zu finden trotz all dem Betäuben und kollektiven Schweigen, und so Japans lange vertretene Behauptung zu erschüttern, dass die Regierung keine Verantwortung trage, da sie nichts mit dem Leiden der Frauen zu tun gehabt hätte. Es war natürlich möglich dies so aufzufassen, dass das offizielle Japan lediglich ein Spiel des Wartens auf den unvermeidlichen Tod der Frauen betrieb, um die Dinge für sich einfacher zu machen, aber es war auch möglich, immer noch auf eine Veränderung hauptsächlich aufgrund der gefühlsmäßigen und intellektuellen Stärke dieser Frauen zu hoffen, mit der sie sich in die japanische Geschichte einschrieben. Einige von ihnen, scheint es, konnten vor ihrem Tode den Glauben erringen, dass ihre Existenz eine Rolle gespielt hat. Jedoch scheint es für die ältesten noch verbleibenden Überlebenden, dass Japan sie schließlich doch beiseite legen wird.
Anmerkungen
Alexis Dudden steuerte diesen Artikel zu ZNets Japan Focus bei. Alexis Dudden ist Außerordentlicher Professor für Geschichte am Connecticut College und Autor von Japans Colonization of Korea: Discourse and Power (Japans Kolonisierung Koreas: Diskurs und Macht.
Über den neuerlichen Aufruht über die Unterdrückung eines NHK-Films über Bequemlichkeitsfrauen siehe Gavan McCormacks Bericht im Japanfokus, War and Japan's Memory Wars: the media and the globalization of consciousness [www.zmag.org/content/showarticle.cfm?SectionID=17&ItemID;=7140].
[Ein Zeitzeugenbericht einer der koreanischen Zwangsprostituierten findet sich auf http://www.freitag.de/2004/03/04030901.php. (Anm. d. Übers.)]
Ende Januar verkündete der bedrängte Fonds Asiatischer Frauen, dass er sich 2007 auflösen werde. Während seiner zehnjährigen Geschichte war der Fonds von allen Seiten angegriffen worden, und doch gelang es diesem Fonds trotz all seiner Unzulänglichkeiten, den Geschichtsstreit voranzubringen, auch wenn vielleicht nur um ein Geringes, wie ein Redaktionsartikel der Asahi Shinbun hervorhob. Die Asahi zitierte Mitarbeiter des Fonds, die sich erinnerten, wie es einigen der Frauen gelang, durch Kontakt mit dem Fonds ihre entsetzlichen persönlichen Geschichten in gewissem Maße zu bewältigen. Die Entscheidung, den Fonds Asiatischer Frauen aufzulösen, fiel so leise wie Schnee, reihte sich aber hinter auf dem Aufsehen erregenden Skandal ein, bei dem die Führung der Liberal-Demokratischen Partei LDP und der Japanischen Rundfunkgesellschaft NHK gegen die Asahi standen und der die wohlbekannte Zensur über einen Dokumentationsfilm von 2001 über die Sexsklaven des Militärs betraf. Der Intendant der NHK trat zwar zurück, doch weigerten sich die Verantwortlichen von Japans staatlichem Fernsehen, Fehlverhalten einzuräumen oder gar zuzugeben, dass sie von mächtigen LDP-Parlamentariern dazu gedrängt worden waren, Teile der ursprünglichen Sendung wegzuschneiden.
Bei all der Aufregung waren natürlich die Frauen selbst und zuförderst ihre Geschichte die ersten Opfer; sie wurden bei dem Tumult weitgehend ignoriert. Inzwischen sind die grundlegenden Fakten für eine Leserschaft in Japan und auf der ganzen Welt zugänglich. Im Zuge der Gräueltaten, die japanische Truppen in Nanking begingen, errichtete die japanische Regierung ein System, um Sex für seine Truppen und zivilen Mitarbeiter an allen Fronten in Asien und im Pazifik verfügbar zu machen, wofür sie schließlich 100.000 bis 200.000 Frauen zu sexueller Zwangsarbeit versklavte, die meisten davon Chinesinnen und Koreanerinnen. Diese Daten, einst schwer zu fassen wegen Bemühungen der Regierung alle Belege zu zerstören, können nun ohne weiteres durch die Art von staatlicher Archivdokumentation untermauert werden, die Regierungshistoriker und Gerichtshöfe so hochschätzen. Warum jetzt also alles daransetzen, die wenigen überlebenden Frauen jetzt im Stich zu lassen?
Die große Tragödie für die schwindende Zahl überlebender Opfer dieses Verbrechens ereignete sich schon deutlich vor Neujahr, und obschon sie viel weniger Aufmerksamkeit erregte, verlieh sie den fortbestehenden Dimensionen des Problems scharfe Konturen. Ende November wies der oberste Gerichtshof die Klage in einem dreizehnjährigen Gerichtsprozess zurück, der von einer Gruppe ehemaliger Sexsklavinnen aus Südkorea gegen die japanische Regierung geführt worden war. Über Jahre haben die Gerichtshöfe Gleichgültigkeit gegenüber der Würde der Frauen gezeigt, indem sie derartige Fälle mit der Begründung zurückwiesen, dass der Vertrag von San Francisco und die ihm folgenden Normalisierungsabkommen die Entschuldigungs- und Entschädigungsfrage ein für allemal beigesetzt hätten. Die Entscheidung vom letzten November ging über diese Standardargumentation der Apologeten hinaus. Der Gerichtshof argumentierte, dass der Fall der Frauen innerhalb des japanischen Rechtssystems keine rechtliche Grundlage habe, da die von ihnen beschriebenen Ereignisse ihre Versklavung sich ereignet hätten, bevor die Verfassung von 1947 in Kraft getreten war. Japan war damals ein anderes Land, wie sie erklärten, womit sie sagen wollten, dass die Frauen und ihre Geschichte nicht in der Verantwortung des neuen Japans liegen könnten. Einige Tage nach der Entscheidung begrüßte der japanische Bildungsminister Nakayama Nariaki das Urteil des Gerichtshofs sowie das abnehmende Gewicht, dass in Schulbüchern auf die sexuelle Sklaverei gelegt wird, mit gewohntem Einfühlungsvermögen: Es ist gut. Wir sollten uns nicht so sehr auf das Negative konzentrieren. All diese Momente zusammengenommen lässt sich mit Gewissheit sagen, dass wir das Ende des Jahrzehnts der Abbitte gewahren.
1989, was jetzt lange vergangen erscheint, fiel Kaiser Hirohitos Tod mit dem Ende des Kalten Krieges und spezifischer mit dem Anwachsen der weit verbreiteten Demokratiebewegungen in den asiatischen und pazifischen Staaten von Japans einstigem Imperium zusammen, was tausende lange ignorierter und zum Schweigen gebrachter Stimmen dazu ermutigte, vorzutreten und ihre Geschichten zu erzählen. Zusätzlich zu den Opfern sexueller Sklaverei nutzten koreanische Opfer der Atombomben, versklavte Minen- und Fabrikarbeiter und zwangsweise verpflichtete Soldaten das neue Klima, um die nationalistischen Wahrheiten von Japans zwanzigstem Jahrhundert infrage zu stellen. Manchmal beabsichtigt und manchmal zufällig fielen ihre Forderungen nach Wiedergutmachung mit einem weltweiten Trend von Entschuldigung und Versöhnung zusammen, wodurch etwas aufkam, was sogar von den Gegnern der Bewegung als ein Jahrzehnt der Entschuldigungspolitik eingeräumt wird.
Wie wohl bekannt ist, gehört in Japan zu den Höhepunkten dieser Zeit, wie 1992 der Historiker Yoshimi Yoshiaki ein Dokument aus der japanischen Kriegszeit dem Fernsehpublikum präsentierte, um die Behauptungen zu widerlegen, dass die japanische Regierung an der sexuellen Sklaverei keinen Anteil hatte. Der Höhepunkt der Bewegung war wohl erreicht, als sich im Dezember 2000 Hunderte überlebender Frauen in Tokio zu einem Völkertribunal versammelten, das Hirohito als persönlich für Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich befand. Ereignisse wie diese vermischten sich international mit Deutschlands zunehmenden Äußerungen der Buße gegenüber und Entschädigungen für Holocaust-Überlebende, und Australiens Versuchen, sich mit seiner Aboriginalfrage zu arrangieren, was dort zur Einrichtung eines Nationalen Tages des Bedauerns führte.
In Japan wurden die 90er Jahre Zeuge des Niedergangs der so genannten Wunderökonomie im Anschluss an das Platzen der Wirtschaftsblase. Politische Führer diskutierten sehnsüchtig Japans Nationalinteressen im Lichte ihrer Bestrebungen, Japan wieder einen normalen Staat im internationalen System sein zu lassen, wobei sie normal hauptsächlich als einen Staat mit ständigem Sitz im UN-Sicherheitsrat und einem international aktiven Militär definierten. Beides ist jedoch teuer zu unterhalten. Obschon häufig ignoriert und vehement in politischen Parteien bestritten, kam es dazu, dass Japans Entschuldigungen sich für die Führer des Landes eng mit Japans Nationalinteressen verbanden. Im Zuge der weitreichenden Entschuldigungen für die japanische Vergangenheit von Japans Premierministern Hosokawa und Murayama in der Mitte der 90er Jahre steuerte die herrschende LDP auf das zu, was viele als die pragmatische Herangehensweise bezeichnen sollten. Diese vertrat, dass es in Japans nationalem Interesse läge sich zu entschuldigen, um Japans Beziehungen zu seinen asiatischen Nachbarn zu stärken. Anders gesagt förderte ein solches Vorgehen auch den unbelasteten Handel in diesen Regionen.
Die Grenzen dieser Herangehensweise waren einfach zu sehen. Die feige Weigerung der Regierung sich direkt bei den Opfern sexueller Sklaverei zu entschuldigen führte z.B. zur Errichtung des quasi-privaten, immer suspekten Fonds Asiatischer Frauen. Obgleich, wie oben erwähnt, seine Organisatoren äußern, dass einige Frauen durch seine Arbeit mit der Geschichte fertig werden konnten, wurde der Fonds nur von 285 Frauen in ganz Asien genutzt. Was ist mit dem Rest der Frauen und, wichtiger noch, mit dem unterliegenden Problem, das Japans Beziehungen zu dieser Region trübt und die Darstellung der modernen japanischen Geschichte betrifft?
Japans Beziehungen zu China sind auf das niedrigste Niveau seit Jahren herabgesunken, und Japan hat sich auch eindeutig zu einer Phase zunehmenden Konflikts mit Nord- und Südkorea entschieden, was einen wirklichen Beginn des so genannten Jahres der Freundschaft einläutet, welches das vierzigjährige Jubiläum der Normalisierung der Beziehungen zwischen beiden Ländern feiert. Äußerungen jüngeren Datums stellen jedoch klar, dass Entschuldigung und die damit einhergehenden Entschädigungen nicht mehr so wichtig für Japans Führer sein mögen. Bei all ihren offensichtlichen Mängeln erlaubte die Zeit der Entschuldigung den vormals von Japan versklavten Frauen, eine Stimme zu finden trotz all dem Betäuben und kollektiven Schweigen, und so Japans lange vertretene Behauptung zu erschüttern, dass die Regierung keine Verantwortung trage, da sie nichts mit dem Leiden der Frauen zu tun gehabt hätte. Es war natürlich möglich dies so aufzufassen, dass das offizielle Japan lediglich ein Spiel des Wartens auf den unvermeidlichen Tod der Frauen betrieb, um die Dinge für sich einfacher zu machen, aber es war auch möglich, immer noch auf eine Veränderung hauptsächlich aufgrund der gefühlsmäßigen und intellektuellen Stärke dieser Frauen zu hoffen, mit der sie sich in die japanische Geschichte einschrieben. Einige von ihnen, scheint es, konnten vor ihrem Tode den Glauben erringen, dass ihre Existenz eine Rolle gespielt hat. Jedoch scheint es für die ältesten noch verbleibenden Überlebenden, dass Japan sie schließlich doch beiseite legen wird.
Anmerkungen
Alexis Dudden steuerte diesen Artikel zu ZNets Japan Focus bei. Alexis Dudden ist Außerordentlicher Professor für Geschichte am Connecticut College und Autor von Japans Colonization of Korea: Discourse and Power (Japans Kolonisierung Koreas: Diskurs und Macht.
Über den neuerlichen Aufruht über die Unterdrückung eines NHK-Films über Bequemlichkeitsfrauen siehe Gavan McCormacks Bericht im Japanfokus, War and Japan's Memory Wars: the media and the globalization of consciousness [www.zmag.org/content/showarticle.cfm?SectionID=17&ItemID;=7140].
[Ein Zeitzeugenbericht einer der koreanischen Zwangsprostituierten findet sich auf http://www.freitag.de/2004/03/04030901.php. (Anm. d. Übers.)]
Orginalartikel:
The End of Apology
Übersetzt von:
Benjamin Brosig
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