Das Wesen der CIA-Intervention in Venezuela
Interview mit Philip Agee
von Jonah Gindin
23.03.2005 — Venezuelanalysis.com / ZNet
Philip Agee ist ein früherer CIA-Agent, der dem Geheimdienst 1967 den Rücken kehrte, nachdem er von der Unterstützung für den Erhalt des Status quo in Südamerika durch die CIA desillusioniert war. Er sagte damals: " Ich fing an zu begreifen, dass meine CIA-Arbeit und die meiner Kollegen in Lateinamerika nichts anderes als die Fortsetzung der Ausbeutung, des Völkermords etc. war. Ich begann dann daran zu denken, etwas zu tun, was bis dahin undenkbar gewesen war, nämlich ein Buch darüber zu schreiben, wie das alles abläuft." Das Buch "Inside the Company - CIA Diary", wurde gleich nach Erscheinen zum Bestseller und schließlich in über dreißig Sprachen verlegt. 1978, drei Jahre nach der Veröffentlichung des CIA-Tagebuchs, begannen Agee und eine Gruppe gleich gesinnter Journalisten mit der Veröffentlichung des Covert Operations Information Bulletin (heute: Covert Action Quarterly) als Teil eines "Guerillajournalismus", der darauf zielte die CIA zu destabilisieren und ihre Operationen aufzudecken.
Es überrascht nicht, dass die Reaktion der USA und der CIA besonders auf Agees Arbeit aggressiv war und er gezwungen wurde, seit den 1970ern in Deutschland und auf Kuba zu leben. Gegenwärtig vertritt er eine kanadische Erdöltechnologie-Firma in Lateinamerika.
Trotz der kürzlich erschienenen unüberlegten Leitartikel gegen Chávez in der US-Presse und der Drohgebärden einer ganzen Reihe hoher Beamter sowohl aus dem Außen- als auch aus dem Verteidigungsministerium, sieht Agee eine tückischere US-Strategie in Venezuela. Auf der Grundlage der Arbeit des Wissenschaftlers William I. Robinson über die US-Intervention in den 1980ern und kürzlich veröffentlichter Dokumente, in denen die Aktivitäten der US-Regierung und der CIA genau beschrieben werden, behauptet Agee, dass die CIA-Strategie der "Förderung der Demokratie" in Venezuela betrieben wird.
Wie in Nicaragua in den 1980ern finanziert eine Reihe von Stiftungen, die einige Millionen Dollar bereitstellen, oppositionelle Kräfte in Venezuela. Das Geld wird von einer privaten Beratungsgesellschaft ausgeteilt, die einen Vertrag mit der United States Agency for International Development (USAID), eine "selbständige" Organisation der US-Regierung, hat Der stellvertretende Staatssekretär des Bureau of Western Hemisphere, Roger Noriega, bestätigte kürzlich, dass das Außenministerium diese Strategie anwende und erklärte dem Komitee für auswärtige Beziehungen im Senat am 02. März 2005: "Wir werden demokratische Kräfte in Venezuela unterstützen, so dass sie weiterhin in der Lage sind, den politischen Raum zu behalten, der ihnen zusteht." Die Finanzierung dieser "demokratischen Kräfte" hat als eigentliches Ziel, die zersplitterte venezolanische Opposition (die früher als loses Bündnis unter dem Namen Coordinadora Democratica bestand) für die kommenden Präsidentschaftswahlen im Jahre 2006 zu vereinigen. Wenn bei den Wahlen 2006 der Sieg ausbleibt, warnt Agee, werden die CIA und andere am Ball bleiben und ihr Augenmerk auf die Wahlen 2012 und die Wahlen 2018 etc. richten, "denn die Stabilität des politischen Systems der USA und die Sicherheit der politischen Klasse der USA stehen auf dem Spiel."
Wie sehen Sie die letzten Entwicklungen in Venezuela?
Als Chávez zum ersten Mal gewählt wurde und ich begann die Ereignisse hier zu verfolgen, konnte ich die Zeichen erkennen, so wie damals 1970 in Chile und 1979-80 in Nicaragua. Es bestanden keine Zweifel bei mir, dass die USA versuchen würden den Gang der Dinge in Venezuela zu ändern, wie sie es in Chile, Nicaragua und davor in verschiedenen anderen Ländern getan hatten. Ich hatte leider nicht die Zeit die Ereignisse Tag für Tag zu verfolgen, aber ich verfolgte sie aus der Ferne, und als schließlich Eva Golinger mit ihrer Website begann und ich darauf aufmerksam wurde, fing ich an, einige Dokumente auf der Website zu lesen und ich konnte feststellen, dass hier nach denselben Mechanismen vorgegangen wurde wie in Nicaragua in den 1980ern, das Sicheinmischen in die Zivilgesellschaft und die Anstrengungen, den politischen und den Wahlprozess hier in Venezuela zu beeinflussen. In Nicaragua hatte ich um 1979, direkt nachdem die Sandinistas an die Regierung gekommen waren, eine Analyse über das geschrieben, was meiner Meinung nach das Programm der USA dort sein würde, und praktisch all das, was ich schrieb, passierte, denn diese Methoden der CIA, der USAID, des Außenministeriums und seit 1984 der National Endowment for Democracy (Nationale Stiftung für Demokratie) folgen einem bestimmten Muster. In Nicaragua wurde das Programm zur Beeinflussung der Wahlen von 1990 eineinhalb Jahre vor den Wahlen gestartet, um die Opposition zu vereinigen, eine Bürgerbewegung zu gründen, eben all das was jetzt wiederum in Venezuela passierte. Deshalb ist es mein politisches Interesse in Venezuela, den Verlauf der künftigen Geschehnisse herauszufinden und von Zeit zu Zeit darüber zu schreiben.
Welches war die bedeutendste Strategie des Geheimdienstes zu Ihrer Zeit in der CIA, um die "strategischen Interessen" in Lateinamerika zu schützen?
Als ich von Ende der 1950er bis Ende der 1960er CIA-Agent war, liefen CIA-Operationen international, regional und national um zu versuchen, in die Machtinstitutionen überall auf der Welt einzudringen und diese zu manipulieren, und genau das tat ich im Auftrag der CIA: das Eindringen in und das Manipulieren von politischen Parteien, Gewerkschaften, der Jugend- und Studentenbewegung, Intellektuellen, Berufs- und Kulturorganisationen, religiösen Gruppen und Frauengruppen und besonders öffentlichen Informationsmedien. Zum Beispiel bezahlten wir Journalisten dafür unsere Informationen so zu veröffentlichen, als wären diese von den Journalisten selbst recherchiert worden. Die Propagandaoperationen liefen ohne Unterbrechung. Wir gaben auch Unsummen für die Einmischung in Wahlen aus, um unsere Kandidaten gegenüber den anderen zu bevorzugen. Die CIA nahm eine manichäische Sicht der Welt ein, das heißt, es gab Menschen, die auf unserer Seite standen und Menschen, die gegen uns waren. Und Aufgabe der CIA war es, die politischen Kräfte, die als Feinde betrachtet wurden, normalerweise diejenigen, die links von der Sozialdemokratie stehen, zu durchdringen, schwächen, teilen und zu zerstören, und auf der anderen Seite diejenigen politische Kräfte, die den US-Interessen in den vorher erwähnten Institutionen freundlich gesonnen waren, zu unterstützen und zu stärken.
Ein ständiges Problem, dass die CIA bei dieser Art von Operationen von Beginn an hatte, also seit 1947, war die Schwierigkeit, welche die Leute und Organisationen hatten, die Geld erhielten. Sie mussten dies verschleiern, denn es kann schwierig sein, den Empfang von Geld zu verbergen. Deshalb gründete die CIA schon früh eine Reihe von Stiftungen oder traf Absprachen mit bestehenden Stiftungen. Manchmal bestanden die Stiftungen des Geheimdienstes einfach nur auf dem Papier und wurden im Auftrag der CIA von einem Rechtsanwalt in Washington geleitet.
Ab Anfang 1950 wurde das internationale Programm der National Students Association (NSA) der USA - eine Studentenorganisation, die praktischer an jeder Universität existiert - in Wirklichkeit von der CIA geleitet, bei dem gesamten internationalen Programm der NSA handelte es sich also um eine CIA-Operation. Und jeder neuer Präsident der NSA wurde bei seinem Amtsantritt darüber aufgeklärt, wie das Programm unter der Führung der CIA ablief. Aber als der neue Präsident der NSA 1966, zur Zeit des Vietnamkriegs und der Protestbewegung, in sein Amt eingeführt wurde, weigerte er sich mitzumachen, und er berichtete dem Ramparts Magazine in Kalifornien, einer Illustrierten, die Verbindungen zur katholischen Kirche unterhielt, die ganze Geschichte. Und Ramparts veröffentlichte diese, was einen enormen Skandal auslöste. Aber das war nicht alles, denn alle Medien griffen die Ramparts-Enthüllung auf und im Februar 1967 veröffentlichte die Washington Post ein umfangreiches Exposé über das internationale Finanznetzwerk der CIA. Mit anderen Worten, sie nannten Stiftungen und viele ausländische Organisationen, die von der CIA Geld erhielten, Institutionen, die ich schon zuvor erwähnt habe, politische Parteien, Gewerkschaften, Studentenverbände etc.- das war für den US-Geheimdienst eine Katastrophe. Ich befand mich damals in den Hauptquartieren in Ecuador und Uruguay, wo ich Aufträge auszuführen hatte, das war schon eine Riesenkatastrophe für die CIA.
Innerhalb von weniger als zwei Monaten nach dem Zusammenbruch dieser internationalen Finanzierungsmechanismen schlug Dante Fascell, ein Mitglied des Repräsentantenhauses für Miami mit engen Beziehungen zur CIA und rechten Kuba-Amerikanern in Miami, im Kongress die Errichtung von regierungsunabhängigen Stiftungen vor, die vom Kongress finanziert werden und das Geld offen an verschiedene Organisation, die bis zu diesem Zeitpunkt heimlich von der CIA finanziert worden waren, vergeben sollten. Das war 1967 und der außenpolitische Konsens zwischen den Demokraten und den Republikanern war, abgesehen von einem Punkt, nicht mehr vorhanden, so dass Fascells Vorschlag ins Leere ging. Aus diesem Grund blieb die CIA, auch nach dem Zusammenbruch ihres internationalen Finanzierungsmechanismus, die Behörde, die für die US-Regierung "verdeckte Operationen" durchführte. Die CIA war zum Beispiel seit 1970 für die Unterminierung der Regierung von Salvator Allende in Chile verantwortlich. Beinahe wäre Allende schon 1958 gewählt worden. In Chile finden alle sechs Jahre Präsidentschaftswahlen statt und vor den folgenden Wahlen von 1964 begann die CIA früh, mehr als ein Jahr vorher, daran zu arbeiten, Allendes Wahl zu verhindern. Das Geld wurde teils zur Diskreditierung Allendes, der Sozialistischen Partei und der Koalition Unidad Popular und zu anderen Teilen zur Finanzierung des Wahlkampfes von Eduardo Frei und der Christdemokraten verwendet. Frei gewann diese Wahl, aber bei der Wahl im Jahre 1970 wurde Allende schließlich gewählt. Allende übernahm die Regierung und die CIA war die treibende Kraft beim Schüren von Unzufriedenheit in der Bevölkerung, bei der ständigen Propaganda gegen Allende und seiner Regierung, beim Anfachen von schädigenden Streiks, von denen der Streik der LKW-Besitzer der wichtigste war. Er stoppte über einige Monate die Lieferung von Waren und Dienstleistungen und provozierte schließlich im September 1973 den Staatstreich von Pinochet gegen Allende.
Gab es bedeutende Veränderungen bezüglich der CIA-Strategie, seit sie 1968 aus dem Geheimdienst ausschieden?
Ja, absolut. In den 1970ern gab es in ganz Südamerika - in Uruguay, Argentinien, Paraguay, Brasilien und natürlich in Chile mit Pinochet - brutale Militärdiktaturen. Diese wurden übrigens alle von der CIA unterstützt. Zu dieser Zeit setzte bei den Machern der US-Außenpolitik ein Umdenken ein, das zu dem Ergebnis kam, dass diese Militärdiktaturen mit ihrer Repression, dem Verschwinden von Menschen, den Todesschwadronen etc. vielleicht nicht der beste Weg seien, die US-Interessen in Lateinamerika und anderswo zu wahren. Das Umdenken beinhaltete, dass die Wahrung amerikanischer Interessen am besten durch die Wahl demokratischer Regierungen erreicht werden könnte, die von politischen Eliten gebildet würden, die sich mit der politischen Klasse der USA identifizierten. Damit meine ich nicht Volksbewegungen, sondern die traditionellen politischen Klassen in Lateinamerika, die "Oligarchien". Und so wurde das neue amerikanische Programm, das unter dem Namen "Projekt für Demokratie" bekannt wurde, übernommen und die US-Politik versuchte, freie, faire und transparente demokratische Wahlen zu fördern, allerdings so, dass diese sicher stellten, dass die Macht an die Eliten und nicht ans Volk ging.
Eine Stiftung namens American Political Foundation wurde 1979 unter Beteiligung der größten Gewerkschaft, der AFL-CIO, der US-Handelskammer, der Demokratischen und der Republikanischen Partei ins Leben gerufen, vier große Organisationen und die Finanzierung dieser Stiftung erfolgte sowohl durch die Regierung als auch durch private Quellen. Ihre Aufgabe war es zu untersuchen, wie die USA am besten das neue Denken zur Demokratieförderung umsetzen konnten. Die Lösung hieß National Endowment for Democracy (NED) und deren vier angegliederten Stiftungen: das International Republican Institute (IRI) der Republikaner, das National Democratic Institute (NDI) der Demokraten, das American Center of International Labor Solidarity (ACILS) der AFL-CIO und das Center for International Private Enterprise (CIPE) der US-Handelskammer. Bezüglich der AFL-CIO-Stiftung nahm man eine bestehende Organisation, die jahrelang Hand in Hand mit der CIA gearbeitet hatte, das American Institute for Free Labor Development (AIFLD), das man einfach umbenannte. (1)
Wie arbeitet die NED genau mit der CIA zusammen?
Das lief folgendermaßen ab: Der Kongress stellte der NED mehrere Millionen Dollar zur Verfügung und diese leitete das Geld weiter an die vier "Kernstiftungen", die oben genannten angegliederten Stiftungen, die ihrerseits das Geld an ausländische Empfänger verteilten.
Das alles fing 1984 an und einer der ersten Geldempfänger von der NED war die Cuban American National Foundation (CANF), die damals das Sammelbecken der extremistischsten Castro-Gegner, sowohl von Einzelpersonen als auch von Organisationen, in den USA war. Aber der erste echte Test für dieses neue System kam in Nicaragua. Seit 1979-1980 führte die CIA das Programm zur Organisierung konterrevolutionärer Streitkräfte und paramilitärischer Truppen, die als Contras bekannt wurden, durch. Die Logistik, die Organisierung und die Unterstützung der Contras erfolgte von Honduras aus. Sie schleusten schließlich ca. 15.000 Guerillakämpfer ins Land, die von den Sandinistas besiegt wurden. Bis 1987 terrorisierten sie ländliche Gebiete, töteten 3000 Menschen und machten viele andere zu Krüppeln. Es handelte sich zweifellos dabei um eine terroristische Organisation in ländlichen Regionen, die in all diesen Jahren nicht in der Lage war, auch nur ein kleines Dorf einzunehmen und dieses zu halten. Aus diesem Grund wurden die Contras militärisch besiegt.
Spätestens 1987 war Mittelamerika kriegsmüde: El Salvador, Guatemala, Nicaragua. Es gab ein Treffen der Präsidenten dieser drei Staaten in einer guatemaltekischen Stadt namens Esquipulas, wo diese selbständig eine Reihe von Abkommen vereinbarten - die USA nahmen an diesem Treffen nicht teil - einschließlich der Entwaffnung der Contras und Waffenstillstände in den verschiedenen Staaten. So gab es in Nicaragua einen Waffenstillstand, aber die CIA entwaffnete die Contras nicht, weil sie wussten, dass 1990 Wahlen bevorstanden und sie wollten die Contras als Faustpfand in der Hinterhand behalten. Obwohl die Contras 1987 militärisch besiegt worden waren, hatten sie doch enorme ökonomische Probleme verursacht und das Volk von Nicaragua litt schrecklich unter der Zerstörung.
Nach den Übereinkünften von Esquipulas änderten die USA ihre Politik. Es wurde mehr Betonung auf das Sicheinmischen in die Zivilgesellschaft und die Stärkung der Opposition gegen die Sandinistische Befreiungsfont (FSLN) gelegt, und eine der Maßnahmen war die Stärkung der so genannten Coordinadora Democratica Nicaraguense, die aus selbständigen Geschäftsleuten, Gewerkschaften, die antisandinistisch eingestellt waren, antisandinistischen politischen Parteien und antisandinistischen zivilen Vereinigungen bestand. Eine private Beraterfirma namens Delphi International Group erhielt einen Vertrag, Operationen zu leiten, welche die bevorstehenden Wahlen von 1990 beeinflussen sollten. Und es stellte sich heraus, dass sie das meiste Geld bekamen und die Schlüsselrolle im Vorfeld der Wahlen spielten. Die NED war seit 1984 auch in Nicaragua aktiv gewesen, und die NED und ihre vier angegliederten Stiftungen - alle vier - waren aktiv bei der Einmischung und dem Versuch, den politischen Wahlprozess in Nicaragua, der ungefähr1988 begann, aber erst 1989 richtig einsetzte, zu beeinflussen. Um die antisandinistischen Kräfte an die Wahlurnen zu bekommen, die Wahlen zu überwachen und eine antisandinistische politische Front zu schaffen, errichteten CIA und NED eine bürgerliche Front namens Via Civica und ihre vordergründige Aufgabe war die politische Bildung, politischer Aktivismus, Bürgeraktionen, und parteipolitisch unabhängige Aktionen. Ihre gesamten Tätigkeiten waren darauf gerichtet, die antisandinistischen Kräfte zu stärken. Zuerst gab es die Coordinadora, dann Via Civica und schließlich die Vereinigung der Opposition, die sie erst im August 1989 erreichten, sechs Monate vor der Wahl, das war zwar ziemlich spät, aber sie hatten lange daran gearbeitet, und von den zwanzig Oppositionsparteien beteiligten sich vierzehn - viele einfach aufgrund von Bestechung - an der Vereinigung, die sie Vereinigte Nicaraguanische Opposition (UNO) nannten. Und die UNO stellte die von den USA auserkorene Violetta Chamoro als Präsidentschaftskandidatin auf.
Im September 1989 gab es ein seltsames Abkommen zwischen der US-Regierung und den Sandinistas, in dem die Sandinistas es den USA gestatteten, 9 Millionen Dollar zur Unterstützung der Opposition zur Verfügung zu stellen, falls die USA versprachen, dass die CIA kein weiteres Geld zur Verfügung stellte, dass gegen die Sandinistas verwendet wurde. Und seltsamerweise gaben die Sandinistas ihre Einwilligung, und das erste was passierte war, dass die CIA natürlich einige Millionen Dollar ins Land brachte. Der Mann, der ein Buch über Nicaragua in 1980ern schrieb, war Bill Robinson, ein Wissenschaftler, der in den 1980ern eine Zeit lang in Nicaragua gelebt hatte. Sein Buch hat den Titel " A Faustian Bargain" (Ein Faustscher Handel). Es ist ein ausgezeichnetes Buch, sehr gut dokumentiert und gut geschrieben. Er schätzt, dass die USA mehr als 20 Millionen Dollar für die Wahlen im Jahr 1990 ausgaben. Und wie man weiß verloren die Sandinistas, die UNO-Koalition gewann ungefähr 56% der Stimmen und die Sandinistas ca. 40%. Und diese Operationen, die lanciert wurden, um die Niederlage der Sandinistas bei den Wahlen von 1990 zu gewährleisten, wurden fortgesetzt, um sicher zu gehen, dass die Sandinistas auch bei den folgenden Wahlen nicht wieder an die Macht kommen sollten, und das war dann auch der Fall.
Wie wurde dieses Modell auf Venezuela angewandt?
In Venezuela geschieht etwas ähnliches: wir haben hier die Coordinadora Democratica, die aus den gleichen Berufsgruppen und Organisationen wie in Nicaragua zusammengesetzt ist, allerdings ist das Bündnis zum jetzigen Zeitpunkt - wie ich gelesen habe - auseinander gebrochen. Aber sie werden es wieder zum Leben erwecken, da bin ich mir ziemlich sicher. Es gibt hier eine Organisation, die angeblich parteipolitisch unabhängig und bestrebt ist, die Leute an die Wahlurne zu bekommen und sicher zu gehen, dass die Wahlen sauber ablaufen, das ist Súmate. Es gibt hier ein private US-Beratergruppe, die sich Development Alternatives Incorporated (DAI) nennt, welche die gleiche Aufgabe erfüllt wie die Delphi International Group damals in Nicaragua, und sowohl das International Republican Institute als auch das National Democratic Institute besitzen Büros in Caracas. Es gibt hier also drei Büros, die mehrere zehn Millionen Dollar aushändigen, private Büros, die in Wirklichkeit von der US-Botschaft, dem Außenministerium in Washington und der Agency for International Development (AID) gesteuert werden. (2)
Den ersten Vertrag vom AID erhielt Development Alternatives, während die NED-Programme mit einer Summe von ca. 1 Million Dollar jährlich fortgesetzt wurden. Im Anschluss an den missglückten Staatsstreich im April 2002 wurde in Washington die Entscheidung getroffen, das Gleiche zu tun wie damals in Nicaragua, nämlich eine Beraterfirma anzuheuern, die vor Ort Geld von der AID aushändigen sollte, Beträge, die wesentlich höher waren als das Geld von der NED. Der erste Vertrag, der etwas mehr als 10 Millionen Dollar über die nächsten zwei Jahre für politische Aktivitäten in Venezuela gewährte, wurde am 30. August 2002 unterzeichnet. Und sie eröffneten ihr Büro im August 2002 und schickten fünf Leute aus Washington nach Venezuela, fünf Leute, die von der AID benannt worden waren. Stellen Sie sich das vor, sie heuern eine Beraterfirma an, benennen aber selbst die Leute. Und von jedem Venezolaner, der bei Development Alternatives eingestellt wird, verlangt der Vertrag, dass die Einstellung von der AID in Washington bestätigt wird. So bleibt einem nichts anderes übrig, als die drei Büros hier vor Ort als Einrichtungen der US-Botschaft zu betrachten, und zu bedenken, dass hinter den Kulissen dieser drei Organisation die CIA steht.
Und was von besonderem Nutzen ist, diese Stiftungen und die Beraterfirma zu haben, die Geld aushändigt, dass es der CIA die Möglichkeit gibt, Organisationen, die bereits offen Geld erhalten, mit viel Geld zu versorgen, das macht es für die Empfängerorganisationen in Venezuela leichter, dies zu verschleiern. Wenn also die AID Development Alternatives 5 Millionen Dollar zur Verfügung stellt und dazu noch eine Million Dollar von der NED kommt, haben wir es insgesamt mit einer Summe von 6 - 7 Millionen Dollar zu tun. Diese Zahlen stammen übrigens aus Unterlagen, die Eva Golinger erhalten hat. Sie hat hervorragende Arbeit geleistet. Auf jeden Fall kann die CIA eine Menge zusätzliches Geld zu den 6-7 Millionen Dollar hinzugeben, und in den Dokumenten befinden sich dafür als Beweise die Unterstützung des Ölstreiks, dem nationalen Streik, der vom Dezember 2002 bis zum Februar 2003 ging und dann die Abwahlkampagne. Beide Operationen gingen verloren und jetzt müssen sie sich auf die Wahlen 2006 konzentrieren. (3)
Venezuela ist gewiss nicht das einzige Land, in dem diese Operationen zur Stärkung der Zivilgesellschaft, Förderung der Demokratie und zur politischen Bildung vor den Wahlen ablaufen, die in Wirklichkeit nur eine Hülle sind; die wirkliche Absicht besteht darin, gewisse politische Kräfte gegenüber anderen zu bevorzugen. Venezuela ist keineswegs der einzige Ort, an dem das so abläuft. Es besteht eine Notwendigkeit, eine wirkliche Notwendigkeit, auf diesem Gebiet zu forschen, denn Development Alternatives International ist auf der ganzen Welt ansässig, man muss nur einmal einen Blick auf ihre Website werfen. Nicht alle ihre Programme werden von der US-Regierung finanziert, auch von der Weltbank und aus anderen Quellen, an die ich mich momentan nicht erinnern kann. Man kann sich ihre Programme ansehen und herausfinden, welche denen in Venezuela ähneln. Das gleiche gilt für das National Democratic Institute und die drei anderen Stiftungen, die der NED angegliedert sind, und man kann sehen, wo sie ihre politische Einmischung, natürlich zusammen mit der CIA, konzentrieren. Ich denke, dass es notwendig ist, dies öffentlich zu machen und es als das zu brandmarken, was es ist, nämlich im Grunde eine Lüge. Demokratie zu fördern bedeutet in der Realität, Regierungen zu stürzen, einen Regimewechsel zu erreichen oder gefällige Regierungen, die bereits an der Macht sind, zu stärken.
Der frühere CIA-Agent Felix Rodríguez erzählte einem Fernsehsender in Miami kürzlich, dass die USA einen Wechsel in Venezuela anstrebten, möglicherweise einen, bei dem man Gewalt anwenden würde. Als Beispiel nannte er das Attentat der Reagan-Administration auf den libyschen Präsidenten Muammar al-Ghaddafi. Ist das ein mögliches Szenario für eine US-Intervention in Venezuela?
Wir sollten uns daran erinnern, wenn es um die Person Ghaddafi geht, dass die USA glaubten, er habe das Bombenattentat auf die Diskothek in Berlin organisiert und der Angriff auf Tripolis war eine Vergeltungsmaßnahme. Chávez hat keine derartigen Provokationen unternommen, deshalb gibt es keinen Grund für einen Militärschlag und ich kann nicht glauben, dass die USA an einem Punkt angekommen sind, wo sie so unverhohlen versuchen, den Präsidenten eines anderen Landes zu ermorden. Ich weiß, dass es um die USA ziemlich schlecht steht, schlimmer als je zuvor, aber ich glaube nicht, dass sie zu diesen Maßnahmen greifen werden. Eins ist für die Chávez-Bewegung, die Bolivarische Bewegung hier sehr wichtig, man muss immer bedenken, dass die USA nie aufhören, die Uhren zurückzustellen. US-Interessen sind definiert als der ungehinderte Zugang zu den natürlichen Ressourcen, den Arbeitskräften und den Märkten ausländischer Staaten. Es sind Länder wie die lateinamerikanischen, die den Wohlstand in den USA sichern. Je mehr Regierungen an die Macht kommen, die ihre eigenen Programme haben, die ein nationalistisches Element enthalten und gegen die neoliberalen Vorstellungen der USA sind, desto mehr werden diese Bewegungen in Washington als Bedrohung angesehen, denn die Stabilität des politischen Systems der USA und die Sicherheit der politischen Klasse in den USA stehen auf dem Spiel. Deshalb müssen die Venezolaner um ihr Überleben kämpfen, genau so wie es die Kubaner in den letzten 45 Jahren mussten, und noch in 45 Jahren werden die USA versuchen, den politischen Prozess in Venezuela zu untergraben, sollte dieser so wie heute in Gang sein, genauso wie sie immer noch versuchen die kubanische Revolution zu zerschlagen. Präsidenten kommen und gehen, Fidel hat bis heute neun Präsidenten überlebt, deshalb ist es für die Venezolaner sehr wichtig zu verstehen, dass es permanent Einmischungsversuche geben wird und dass Wachsamkeit, Organisiertheit und Einigkeit der Schlüssel sind, um diese US-Programme zu vermeiden, um diesen US-Programmen, deren Hauptziel heißt: teile und erobere, Nahrung zu geben.
Links:
National Endowment for Democracy On The Offensive in Venezuela
Refuting the Deceptive Claims of the National Endowment for Democracy Regarding their Activities in Venezuela
U.S. Funds Aid Venezuelan Opposition
Government Funds Color Press Groups Objectivity on Venezuela and Others
[1 1997 löste AFL-CIO-Präsident John Sweeney das AIFLD auf und ersetzte es durch das ACILS, besser bekannt als Solidarity Center.
[2] Das Center for International Private Enterprise (CIPE) der US-Handelskammer ist auch in Venezuela aktiv gewesen. (http://www.cipe.org/regional/lac/index.htm). Im August letzten Jahres half das CIPE-CEDICE (Center for the Dissemination of Economic Information) der venezolanischen Anti-Chávez Regenschirm-Gruppe Coordinadora Democratica bei der Ausformulierung ihres politischen Programms. (siehe auch: http://www.rethinkvenezuela.com/downloads/cedice.htm und http://www.venezuelanalysis.com/news.php?newsno=1308).
[3] Die Originaldokumente, die aufgrund des Freedom of Information Act veröffentlicht wurden und Details über die Finanzierung der venezolanischen Opposition enthalten, können eingesehen werden bei www.venezuelafoia.info.
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