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Dem terroristischen Komplott wurde ein Strich durch die Rechnung gemacht

Aber die Demokratie muss wachsam bleiben, da weitere terroristische Komplotte folgen werden

von Justin Podur

10.05.2004 — ZNet

— abgelegt unter:

Einer belagerten und von anhaltenden terroristischen Attacken seitens rastloser, verdorbener und höchst einfallsreicher TerroristInnen bedrängten Demokratie ist es gestern gelungen, einem terroristischen Komplott einen Strich durch die Rechnung zu machen. Mittels einer schnellen und entschiedenen Polizeiaktion ist ein gesamtes Camp voll mit ausländischen Kämpfern und ausländischen Agitatoren aufgegriffen worden. Trotz der verdorbenen Natur der terroristischen Bedrohung der Demokratie, hält der demokratische Staat selbst jedoch an den höheren Standards der Menschenrechte und des demokratischen Prozesses fest.

Am Sonntag, dem 9. Mai, wurden 88 kolumbianische Paramilitärs auf der Ranch, El Hatillo, in der Nähe von Caracas in Venezuela festgenommen. Diese 88 waren Teil einer größeren Gruppe von 130, die in das Land einreisten. Laut der Aussage einer der inhaftierten Kolumbianer, trainierte und bereitete sich die Gruppe auf eine erneute Operation zum Sturz der Regierung Chávez vor.

Der Plan, wie ihn www.Vheadline.com beschreibt, wirkt bizarr:

„Gemäß den Stellungnahmen, die diesen Morgen [9. Mai] vom [venezolanischen Polizei-] Kommissar Miguel Rodriguez veröffentlicht wurden, bestand der Plan darin, in dieser Woche eine Militärstation in Caracas anzugreifen, möglicherweise das städtische Sicherheitshauptquartier der Nationalgarde. Am Montag sollten die Paramilitärs auf eine andere Ranch verlegt werden, wo sie ihr Abschlusstraining mit Waffen und Munition absolvieren sollten, um Mittwoch die Attacke durchzuführen. „Wir sollten eine Militärbasis angreifen, die über Tunnel verfügt, in denen Waffen gelagert werden“, sagte der angebliche Paramilitär. Zweck der Aktion war, laut einem der anti- Chávez „Generäle“, Waffen von der Basis zu stehlen, um sie einer 3.000 Mann starken paramilitärischen Gruppe auszuhändigen, die 8 Tage später in Venezuela eintreffen sollte.“ (1)

Gemäß venezolanischen Behörden waren auch aktive Mitglieder der venezolanischen Armee an dem Komplott beteiligt. Zusätzlich zu dem Plan, den Staat zu übernehmen, waren andere terroristische Attacken geplant.

Die Ranch gehört Robert Alonso, einem anti- Castro Cubaner und hochrangigem Mitglied der venezolanischen „Opposition“ (Bruder der Schauspielerin Maria Conchita Alonso). Doch die Aussage des kolumbianischen Paramilitär, die den Kampfplan beschreibt, ist verdächtig.

Das von dem Journalisten Darvin Romero Montiel durchgeführte Interview besteht aus Kameraaufnahmen eines gefangen genommenen Kolumbianers, der eine Maske trägt (aus offensichtlichen Sicherheitsgründen) und dementsprechend anonym bleibt. Er behauptet, dass die Kolumbianer ungefähr 250 U.S. Dollar für die Arbeit erhielten. Der Mann, ein kolumbianischer Armeereservist, sagt, dass er den Eindruck gehabt habe, dass er solle landwirtschaftliche Arbeit auf dem Land verrichten, er aber dann informiert worden sei, dass er für eine große Militäraktion trainiere. „Als wir erfuhren, was wirklich vor sich ging“, sagt er, „wollte mehr als ein Kolumbianer fliehen. Einer versuchte es, aber sie schnappten ihn nach 100 Metern und sagten ihm, dass sie ihn beim nächsten Mal umbringen, dann nahmen sie seine Papiere an sich“.

Dies hört sich nach einer unwahrscheinlichen Geschichte an. Es sind nämlich zahlreiche Kampf erprobte, kaltblütige, gut ausgebildete kolumbianische Paramilitärs und Soldaten, die bereits an der venezolanisch- kolumbianischen Grenze an Operationen teilgenommen haben [unter den Inhaftierten; d. Ü.]. Würden die Planer eines Putsches wirklich überlistete Reservisten für die Vorhut einer Mission auswählen, die aus Infiltration, terroristischen Attacken und dem Sturz einer Regierung bestehen soll? Außerdem haben die inhaftierten Paramilitärs, nach allem, jeden Grund zu lügen.

Reaktionen folgten schnell und heftig. Venezuelas Präsident, Hugo Chávez, fasste das Thema ausdrücklich mit anti- Terror Begriffen. „Wir haben einen Schlag gegen Putschisten, Destabilisierer und Terroristen im endlosen Kampf gegen Terrorismus, Destabilisierung und die Feinde der Demokratie und der Menschen geführt.“ Die gesamte Operation sei ein Mordversuch gewesen: „Sie kamen hier her, um mich zu töten.“

Zudem machte er eine besondere Anmerkung zur Behandlung der kolumbianischen Gefangenen durch die venezolanischen Streitkräfte. „Es wird keine Folter, keine Kapuzen, die über den Kopf gezogen werden, kein Sadomasochismus geben, weil unsere Soldaten und unsere Polizei nicht sadistisch sind.“

Die Vereinigten Staaten, deren Streitkräfte sich an beträchtlichen Foltermaßnahmen beteiligt, Gefangenen Kapuzen übergezogen und sadistisch gehandelt haben, dementieren jede Idee, dass dieser Komplott von den USA ausgegangen sein könnte, ohne Details zu liefern. Richard Boucher, der Sprecher des U.S. Außenministeriums, sagte: „Ich weiß, dass es Anschuldigungen gibt, dies sei Teil einer U.S. Verschwörung, um die Regierung Chávez zu stürzen. Wir weisen diese Erklärungen und schandlosen Beschuldigungen kategorisch zurück.“

Die kolumbianische Regierung hat bekannt gegeben, dass sie darauf vorbereitet sei, den Vorfall zusammen mit Venezuela zu untersuchen. Aufgrund der ausführlich dokumentierten Tatsache, dass die kolumbianischen Paramilitärs mehr als nur ein kleiner Teil des Militärs sind (2) und dass der kolumbianische Senat kürzlich einen Antrag verabschiedet hat, mit dem die venezolanische Regierung verurteilt wird, ist es unwahrscheinlich, dass diese „Zusammenarbeit“ eine große Hilfe für Venezuela sein wird.

Mit einem cleveren Schachzug hat allerdings Kolumbiens Vizepräsident auf die Inhaftierung der Paramilitärs reagiert, die eine terroristische Aktion gegen Venezuela planten, indem er sagte, dass Venezuela dem Terrorismus entschieden entgegentreten müsse!

Die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Denn wenn m. William Blums „Watergate Gesetz der Politik“ („Glaube nichts, bevor es von offizieller Seite dementiert wird“) im Hinterkopf behält, dann ist dies nur eine Fortsetzung „einer U.S. Verschwörung, um die Regierung Chávez zu stürzen“. Da die venezolanische Elite für diesen Job nicht geeignet zu sein scheint, werden das kolumbianische Militär und die kolumbianischen Paramilitärs mit ihm betraut. Dieser Plan ist seit Jahren in der Vorbereitung und seit einem Jahr gibt es paramilitärische Überfälle in Venezuela (3). In Kolumbien selbst wird eine weitere Großoffensive mit dem Namen „Plan Patriotica“ entworfen, vermutlich um die Guerillas in Südkolumbien (oder aber vielleicht, um in Venezuela?) anzugreifen. Das Southern Commmand der U.S. Armee fordert, Beschränkungen zahlreicher U.S. Truppen in Kolumbien zu lockern. Und obwohl U.S. Truppen sich ihren Weg durch Najaf und Fallujah schlagen, obwohl Fotos von sadistisch folternden U.S. Truppen um die Welt gingen, werden diese Truppen als die „Lösung“ für eine Art Problem, das zwischen Kolumbien und Venezuela existiert, präsentiert.

Doch sie sind das Problem, nicht die Lösung.

(1) http://www.vheadline.com/readnews.asp?id=21056 (2) Um einen erst kürzlich erschienen Artikel zu diesem Thema mit vielen jüngeren Beweisen, siehe Fernando Garavito „Colombia´s Para/military“ (http://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?SectionID=15&ItemID=5455) Außerdem ist Hector Mondragons „March of the Orcs“ (http://www.zmag.org/sustainers/content/2004-03/30mondragon.cfm) aufschlussreich. (3) Vor ungefähr einem Jahr schrieb ich: “Colombia Attacks Venezuela – Why?“ (http://www.zmag.org/content/showarticle.cfm?SectionID=20&ItemID=3389 ; auch auf dt.: www.zmag.de/artikelphp?id=560)

Orginalartikel: Terrorist Plot Foiled!
Übersetzt von: christian stache
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