Der Kältere Krieg
von John Pilger
29.01.2002 — The Mirror / ZNet
Letzte Woche gab die US Regierung bekannt, dass sie dabei ist die grösste Kriegsmaschinerie aller Zeiten aufzubauen. Militärausgaben werden auf $379 Milliarden anwachsen, von denen $50 Milliarden für ihren "Krieg gegen den Terrorismus" bestimmt sind. Es wird eine Sonderfinanzierung geben für neue, verbesserte Massenvernichtungswaffen und für "Militäroperationen" - Invasionen anderer Länder.
Von allen aussergewöhnlichen Nachrichten seit dem 11. September, ist dies die alarmierendste. Es ist Zeit unser Schweigen zu brechen.
Das heisst, es ist Zeit für andere Regierungen ihr Schweigen zu brechen, insbesondere der Regierung von Tony Blair, deren Mittäterschaft bei dem amerikanischen Wüten in Afghanistan, ihr Verständnis für die wahren Pläne und Ambitionen der Bush Regierung nicht leugnen kann.
Die neuesten Erklärungen der britischen Minister über die Rechtfertigung des "herausragenden Erfolges" in Afghanistan würde komisch wirken, wenn der Preis ihres "Erfolges" nicht mit den Leben mehr als 5.000 unschuldiger afghanischen Zivilisten bezahlt worden wäre, und der Unfähigkeit Osama bin Laden oder irgendeine wichtige Figur des al-Qaeda Netzwerkes zu fassen.
Die vom Pentagon veröffentlichte, absichtlich provozierende Aufnahmen von Gefangene in Camp X-Ray auf Kuba, sollte diese Unfähigkeit vor der amerikanischen Öffentlichkeit verbergen, die wie der Rest von uns darauf konditioniert werden, einen ständigen Krieg zu akzeptieren, dessen Grundlage an die Paranoia erinnert, die den Kalten Krieg aufrechterhalten und verlängert hat.
Die Gefahren des "Terrorismus", einiges davon wahr, das meiste davon erfunden, ist die neue Rote Gefahr. Die Parallelen sind auffallend.
In Amerika diente die Rote Gefahr in den 50´er Jahren dazu, den Wachstum der Kriegsindustrie, die Aufhebung der demokratischen Rechte und das zum Schweigen bringen von Dissidenten zu rechtfertigen. Das gleiche geschieht jetzt.
Erstens, hat der amerikanische Industriekomplex einen neuen Feind, mit dem er sein gigantisches Appetit auf öffentliche Resourcen rechtfertigen kann - das neue Militärbudget reicht aus um alle wichtigsten Ursachen der Armut in der Welt zu tilgen.
Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagt, er hätte dem Pentagon gesagt "das Undenkbare zu denken".
Vizepräsident Dick Cheney, Bushs Sprecher, sagte die US würden militärische Aktionen gegen "40 bist 50 Länder" in Erwägung ziehen, und warnt davor, dass der neue Krieg bis zu 50 Jahre oder mehr dauern könnte. Ein Bush Berater, Richard Perle erklärte. "Es wird keine Etappen geben", sagte er.
"Das ist der totale Krieg. Wir bekämpfen zahlreiche Feinde. Es gibt viele von ihnen da draussen... wenn wir unsere Vision von der Welt nur vorausgehen lassen, und sie ganz akzeptieren, und nicht versuchen schlaue Diplomaten zu schustern, sondern nur einen totalen Krieg führen, werden unsere Kinder Jahre später grosse Lieder über uns singen."
Ihre Worte rufen George Orwells grosses prophetische Werk 1984 in Erinnerung. In der Novelle wird die Gesellschaft von drei Slogans dominiert: Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei, und Unwissenheit ist Stärke.
Auch der heutige Slogan, Krieg gegen den Terrorismus, verfälscht die Bedeutung. Krieg ist Terrorismus. Der nächste amerikanische Angriff wird sich wahrscheinlich gegen Somalia richten, ein zutiefst verarmtes Land in Afrika.
Washington behauptet, dass sich dort terroristische al-Qaeda Zellen befinden würden.
Dabei handelt es sich mit grösster Sicherheit um eine Fiktion, die von Somalias anmassendem Nachbar, Äthiopien, verbreitet wird, um sich selbst bei Washington beliebt zu machen. Natürlich gibt es auch riesige Erdölfelder an der Küste Somalias. Für die Amerikaner ist das eine zusätzliche Attraktion um "eine Rechnung zu begleichen".
In 1993, in den letzten Tagen der Präsidentschaft von George Bush Senior, wurden 18 amerikanische Soldaten in Somalia getötet, nachdem US Marines dort eingefallen waren, um "Hoffnung wiederherzustellen", wie sie es ausdrückten.
Ein aktueller Hollywoodfilm, Black Hawk Down, glorifiziert und lügt über diese Episode. Er verschweigt die Tatsache, dass die eingefallenen Amerikaner zwischen 7.000 und 10.000 tote Somalier zurückgelassen haben.
Wie die Opfer der amerikanischen Bombardierung von Afghanistan, und Irak, und Kambodscha, und Vietnam, und viele andere geplagten Länder, sind die Somalier Unmenschen, deren Tod im Westen keinen politischen oder medienwirksamen Wert haben.
Wenn Bush Juniors heroische Marines in ihre Black Hawk mit Technologie beladenen Kampfschiffe zurückkehren werden, um nach "Terroristen" zu suchen, werden ihre Opfer wieder einmal namenlos sein. Wir können uns dann schon auf die Prämiere von Black Hawk Down II einstellen.
Unser Schweigen brechen bedeutet, nicht zu erlauben, dass die Geschichte unserer Zeit auf diese Weise geschrieben wird, mit Lügen und dem Blut unschuldiger Menschen. Um die Lüge dessen zu verstehen, das Blair/Straw/Hoon als den "überragenden Erfolg" in Afghanistan bezeichnen, sollte man das Werk des Verfassers von "Total War" lesen, ein Mann namens Zbigniew Brzezinski, Präsident Carters ehemaliger Berater für Nationale Sicherheit, und immer noch ein mächtige Gestalt in Washington.
Brzezinski enthüllte vor nicht allzu langer Zeit, dass Präsident Carter am 3. Juli 1979, ohne Wissen der amerikanischen Öffentlichkeit und des Kongresses, insgeheim $500 Millionen zur Schaffung einer terroristischen Bewegung autorisiert hat, der in Zentralasien den islamischen Fundamentalismus verbreiten sollte um die Sowjetunion zu "destabilisieren."
Die CIA nannte dies Operation Cyclone, und steckte in den folgenden Jahren $4 Milliarden um in Pakistan islamische Ausbildungsschulen einzurichten (Taliban bedeutet "Schüler").
Junge Zeloten wurden in die Ausbildungslager der CIA in Virginia geschickt, wo zukünftigen al-Qaeda Mitglieder "Sabotagekenntnisse" beigebracht wurden - Terrorismus.
Andere wurden an den islamischen Schulen in Brooklyn, New York, rekrutiert, in Sichtweite der schicksalsträchtigen Twin Towers.
In Pakistan wurden sie von britischen MI6 Offizieren geleitet und von der SAS ausgebildet.
Das Ergebnis scherzte Brzezinski, waren "ein paar aufgeregte Muslime" - womit der Taliban gemeint ist.
Zur selben Zeit, in den späten 70´er Jahren, bestand der amerikanische Ziel darin, die erste progressive, säkulare Regierung Afghanistans zu stürzen, die die Gleichberechtigung der Frauen eingeführt, Gesundheitsfürsorge und Alphabetisierungsprogramme eingerichtet, und sich daran gemacht hatte den Feudalismus zu beenden.
Als der Taliban in 1996 die Macht ergriff, hängten sie den ehemaligen Präsidenten an einer Strassenlampe in Kabul auf.
Sein Körper war immer noch öffentlich ausgestellt, als die Clinton Regierung und leitende Angestellte der Erdölgesellschaften, Talibanführer in Washington und Houston Texas bewirteten. Der Wall Street Journal erklärte: "Der Taliban sind die Spieler, die am besten dazu befähigt sind Frieden zu erreichen. Darüber hinaus waren sie entscheidend für die Sicherung des Landes als eine Haupttransportroute für den Export der riesigen zentralasiatischen Erdöl - und Erdgasreserven, und anderer natürlichen Resourcen."
Keine amerikanische Zeitung wagt es anzudeuten, dass die Gefangenen im Camp X-Ray das Produkt dieser Politik sind, noch, dass sie eins der Faktoren war, die zu den Angriffen vom 11. September geführt haben.
Noch fragen sie sich: wer waren die wahren Gewinner der 11. Septembers?
Am Tag als die Wall Street Börse nach der Zerstörung der Twin Towers öffnete, waren die wenigen Firmen die in Wert gestiegen waren, die riesigen Waffenhersteller Alliant Tech Systems, Northrop Gruman, Ratheon (ein New Labour Beitragender) und Lockheed Martin.
Als der grösste Lieferant des US Militärs, stieg der Aktienwert von Lockheed Martin um schockierende 30%.
Innerhalb von sechs Wochen nach dem 11. September, hatte die Firma (mit Hauptniederlassung in Texas, George Bushs Heimatstaat) den grössten Militärvertrag in der Geschichte abgesichert: ein Vertrag über $200 Milliarden für die Entwicklung eines neuen Kampfflugzeuges. Das grösste Tabu von allen, den Orwell sicher erkennen würde, ist die lange Geschichte der Vereinigten Staaten als terroristischer Staat und Zufluchtsort für Terroristen.
Diese Wahrheit ist der amerikanischen Öffentlichkeit praktisch unbekannt, und verwandelt Bushs (und Blairs) Statements, sie würden "Terroristen jagen wo immer sie auch sind" in einen Witz.
Sie müssen nicht sehr weit suchen.
Florida, das gegenwärtig vom Bruder des Präsidenten regiert wird, Jeb Bush, hat Terroristen Zuflucht gewährt, die, wie die Bande vom 11. September, Flugzeuge und Boote mit Kanonen und Messer entführt haben. Die meisten von ihnen sind nie irgendeines Verbrechens angeklagt worden.
Wieso? Sie sind alle anti-Castro Kubaner. Der ehemalige Verteidigungsminister von Guatemala, der unter der Anklage steht "eine wahllose Terrorkampagne gegen Zivilisten geplant und ausgeführt zu haben", einschliesslich der Folterung einer amerikanischen Nonne und dem Abschlachten von 8 Personen aus der selben Familie, studierte an der Harvard University, mit einem Stipendium der US Regierung.
Während der 80`er Jahren wurden Tausende Menschen von Todesschwadronen ermordet, die mit der Armee von El Salvador in Verbindung stehen, deren ehemaliger Leiter heute gemütlich in Florida lebt.
Dem ehemaligen Diktator von Haiti, General Prosper Avril, gefiel es die blutigen Opfer seiner Folter im Fernsehen vorzuführen.
Als er gestürzt wurde, wurde er von der US Regierung nach Florida eingeflogen und erhielt politisches Asyl.
Ein führendes Mitglied der chilenischen Armee während der Herrschaft von General Pinochet, dessen besonderes Aufgabengebiet Hinrichtungen und Folter waren, lebt in Miami.
Der iranische General der die berüchtigten Gefängnisse des Iran leitete, ist ein wohlhabender Exilierter in den Vereinigten Staaten.
Einer der wichtigsten Handlangern Pol Pots, der kambodschanische Flüchtlinge zurück in ihren sicheren Tod lockte, lebt in Mount Vernon, New York.
Was all diese Menschen gemeinsam haben, von ihrer terroristischen Geschichte abgesehen, ist, dass sie entweder direkt für die US Regierung gearbeitet, oder die schmutzige Arbeit der US Politik ausgeführt haben.
Die al-Qaeda Trainingslager sind Kindergärten in Vergleich mit der grössten Universität des Terrorismus der Welt, in Fort Benning, Georgia. Bis vor kurzem noch als die Schule der Amerikas (School of the Americas) bekannt, gehören zu ihren Absolventen fast die Hälfte der Regierungsminister der völkermörderischen Regierungen in Guatemala, zwei Drittel der Armeeoffiziere von El Salvador, die den Vereinten Nationen zufolge, die schlimmsten Greueltaten des Bürgerkrieges dieses Landes verübt haben, und die Führungsschicht von Pinochets Geheimpolizei, die die chilenischen Konzentrationslager leiteten.
Eine schreckliche Ironie ist hier am Werk. Die humane Reaktion von Menschen auf der ganzen Welt auf den Terrorismus des 11. Septembers, ist seit langem von jenen in Beschlag genommen worden, die eine räuberische grosse Macht ausüben, mit einer Geschichte des Terrorismus ohnegleichen. Globale Vorherrschaft, nicht der Sieg über den Terrorismus ist das Ziel, nur die politisch Blinden glauben etwas anderes.
Die "wachsende Kluft zwischen den Besitzenden und den Besitzlosen der Welt", erklärt ein bemerkenswert aufrichtiges Dokument des US Space Command, stellt "neue Forderungen" an die grösste Supermacht der Welt, denen man nur durch eine "Dominanz des ganzen Spektrums" begegnen kann - die Dominanz von Land, See, Luft und Weltraum.
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