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Der Kampf um Brukman geht weiter

von Marie Trigona

20.04.2003 — Indymedia Argentinien / ZNet

— abgelegt unter:

Der Kampf der Arbeiter der besetzten Anzugs-Fabrik Brukman geht weiter. Nach der überraschenden Räumung Donnerstagnacht, versuchen sie jetzt, ihre Fabrik zurückzuerlangen. Gestern gingen rund 3000 Demonstranten zur Unterstützung der Brukman-Leute auf die Straße. Die Verhandlungen ziehen sich mit ziemlicher Sicherheit noch bis Montag hin - Verhandlungsteilnehmer sind: Nationalregierung, Stadt, mehrere Menschenrechtsgruppen, die Rechtsanwälte der Arbeiter, die 55 Brukman-Arbeiter selbst u. Richter Rimoldi, der die Räumung angeordnet hat. Seit der überraschenden Räumung - angeordnet, weil ein neuer Richter den Fall übernahm -, sieht man jede Menge Demonstranten auf den Straßen rund um die Fabrik, aber auch Polizei; der Richter hat den Polizisten befohlen, die Fabrik kontinuierlich gegen eine mögliche Neuesetzung zu bewachen. Während gestern die Demonstranten auf Nachricht über den Verhandlungsausgang warteten, konnte man ihre wachsende Entschlossenheit spüren: Man will die Arbeiter in ihrem Kampf für die Fabrik unterstützen.

Für die 55 Arbeiter war es schon die dritte Räumung - seit sie im Dezember 2001 ihre eigene Fabrik besetzt haben. In jenem Monat hatte der formale Besitzer, Brukman, seine Fabrik aufgegeben - und zwar ohne seine Arbeiter zu informieren oder auszuzahlen. Vielen war nicht einmal mehr das Geld für die Heimreise geblieben. Also wartete man auf die Rückkehr des Besitzers. Als keiner kam, beschlossen die Arbeiter, ihre Fabrik einfach selber zu übernehmen. Seither haben die Arbeiter ein Exempel statuiert - sie haben gezeigt, Arbeit kann auch anders funktionieren: selbstbestimmt und in Würde. Der formale Besitzer hatte den Arbeitern massive Fabrikschulden hinterlassen. Die Arbeiter haben sie inzwischen beglichen - Strom- u. Gasrechnungen. Zudem wurden neue Geräte angeschafft. Seit 16 Monaten produziert die Fabrik nun schon unter der Leitung der Arbeiter. Der Vorbesitzer findet hier eine lebensfähige Firma vor - die ansonsten zum Kurswert des abgewerteten Pesos liquidiert worden wäre.

Wir wissen nicht, ob die Polizei Maschinen zerstört hat - wie bei früheren Räumungen bzw. Material beschlagnahmt. "Wir haben 3000 Hosen dadrinnen, die wir unbedingt fertigmachen und ausliefern müssen", sagt die Brukman-Arbeiterin Cela. Eine Neubesetzung der Fabrik sei also dringend nötig. Bei Brukman arbeiten Frauen, Mütter u. (männliche) Arbeiter. Sie alle haben alles dafür getan, dem Produktionsprozess seine Würde wiederzugeben - einem Produktionsprozess unter Arbeiterkontrolle.

Wo die Verhandlungen hinführen werden, kann noch keiner sagen. Gestern hatten manche den Eindruck,der Richter sei wenig interessiert, sich die Forderungen anzuhören - beispielsweise die Arbeiter-Forderung nach Abzug der schwerbewaffneten Polizei. Auch die Regierung legt es scheinbar darauf an, sich hart zu zeigen - 'Null Toleranz' mit Oppositionellen, schließlich stehen in einer Woche Wahlen an. Die Rechtsanwälte der Arbeiter argumentierten gestern, als sie deren Sache vertraten: Die überfallsartige Räumung mitten in der Nacht, die militärische Polizei-Präsenz in der Region sowie die Art, wie der Richter die Sache handhabe, zeigten, dass Argentiniens Militärdiktatur sich für unantastbar halte. Die Räumung bei Brukman ist Teil einer Räumungs- u. Terrorkampagne, die derzeit unsere nationale Lage bestimmt. So bedroht man beispielsweise auch die Arbeiter von Zanon, einer Keramikfabrik, - seit Wochen - auch sie würden demnächst geräumt.

Die Verteidigungsbarrikaden von gestern, die Demonstrantenketten, machen klar: Die Arbeiter werden ihre Fabrik verteidigen, kämpfen um jeden Preis. Die Parole der Brukman-Arbeiter lautet: 'Die Fabrik den Arbeitern - oder überhaupt niemandem'. Weitere Aktionen sind geplant - solange, bis die Fabrik wieder unter Arbeiterkontrolle steht.

Übersetzt von: Andrea Noll
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