Der wahre Transfer-Alptraum
von Gadi Algazi und Azmi Bdeir
16.11.2002 — Ha'aretz / ZNet
Die beiden Autoren sind Mitglieder von ‘Ta’ayush’ - einer israelisch- arabischen Freundschafts-Bewegung. Der eine lebt in Tel-Aviv, der andere in Kfar Kassem. Kontaktiert werden können sie unter: algazi@post.tau.ac.il Während wir dies hier schreiben, existiert Khirbet Yanun noch - aber auch wieder nicht. 15 der 25 Familien, die dort einst lebten, sind noch (bzw. wieder) da. Das ist andererseits gar nicht so wenig. Der Leser möge sich erinnern: Am 18. Oktober gab es in Khirbet Yanun nurmehr zwei alte Männer. Die beiden Alten hatten sich eisern geweigert fortzugeh’n, selbst als die letzten Familien das Dorf verlassen hatten. Die alten Männer krallten sich mit Händen u. Füßen an ihrem Dorf fest - trotz der Misshandlungen der (jüdischen) Siedler. Alle Übrigen hatten ihre Sachen gepackt u. beschlossen, in die nächste Stadt zu flieh’n, nach Akrabeh. Khirbet Yanun existiert wieder, aber seine Existenz hängt nach wie vor am seidenen Faden. Sie ist provisorisch: Es gibt noch keinen Strom u. auch kein fließendes Wasser, in den Häusern fehlen die Möbel. Und, wie gesagt, nur einige Dorfbewohner sind wieder zurück. Deren Sicherheitslage ist kritisch.
Anfang letzter Woche waren immer noch israelische u. ausländische Freiwillige - Mitglieder der ‘Ta’ayush’-Bewegung, Juden u. Araber - vor Ort, aber auch diesen war klar, dass das nur temporär sein kann. Und wenn die (jüdischen) Siedler dann das nächstemal angreifen - früher oder später - wird Khirbet Yanun wohl endgültig verwaisen. Viele Israelis, die nach wie vor an ein Leben in Frieden u. Gerechtigkeit in diesem Land glauben, sind anscheinend überzeugt, es existiere immer noch diese rote Linie; trotz des Horrors der Okkupation u. trotz der Gewaltätigkeit des Konflikts sind sie immer noch der Meinung, (wenn es denn soweit käme,) würden sie dafür sorgen, dass Ariel Scharon u. dessen Regierung diese Linie nicht überschreiten. Ein ‘Transfer’ komme nicht infrage. Sobald der kritische Moment gekommen sei, würden sie einfach aufsteh’n u. die Sache stoppen. Dabei übersehen diese Leute aber, dass so ein ‘Transfer’ nicht immer dramatisch daherkommen muss. Es ist nicht jener drastische Moment, in dem plötzlich alle Leute zur Flucht gezwungen sind, aus ihren Städten u. Dörfern vertrieben werden. Unter ‘Transfer’ ist nicht nur eine geplante, organisierte Maßnahme zu verstehen - bei der Busse u. Lastwagen vorfahren, um die Menschen abzutransportieren - wie damals 1967 in Qalqilyah. ‘Transfer’ kann vielmehr auch ein langfristiger, ein schleichender Prozess sein - einer, der den Menschen verborgenbleibt. Dieser Prozess wird nicht auf Kamerafilm festgehalten - kaum dokumentiert - u. doch findet er direkt vor unseren Augen statt. Diejenigen aber, die auf eine dramatische Zuspitzung warten, verpassen die ganze (Tragödie). Hauptkomponente dieses Prozesses ist die schleichende Unterminierung der infrastrukturellen Lebensbedingungen der palästinensischen Zivilbevölkerung in den ‘Gebieten’. Die kontinuierliche Strangulierung (palästinensischen) Lebens mittels Abriegelungen u. Belagerungen hindert die Palästinenser daran, zur Arbeit zu kommen oder zur Schule. Sie können auch nicht mehr zum Arzt. Die Wassertankwagen werden nicht mehr durchgelassen - ebensowenig die Ambulanzen. Auf diese Weise werden die Palästinenser praktisch in die Steinzeit zurückkatapultiert. Sie sind wieder angewiesen auf Esel u. Eselskarren. All diese Maßnahmen zusammengenommen sorgen dafür, dass es den Palästinensern immer schwerer fällt, im Land zu bleiben - in ihrem Land. Denn wenn der Lastwagen mit dem Wasser nicht ins Dorf gelangt, wenn der Weg zur Arbeit zum immer unkalkulierbareren Risiko wird, wenn die Schulen schließen u. das Krankenhaus (in der nächsten Stadt) unerreichbar wird - in einer derartigen Situation bricht ein Ort allmählich auseinander, verliert das Leben seine Substanz: Ein Teil der jungen Leute, die außerhalb Arbeit haben, bisher aber abends immer noch heimkamen, bleiben plötzlich weg. Sie wollen morgens einfach nicht mehr jedesmal durch die endlosen Straßenblockaden. Auch Familien, denen sich eine Chance bietet, ziehen jetzt weg - an einen sichern Ort bzw. dorthin, wo sie Arbeit haben, in den bevölkerungsreichen Zentren. Alles summiert sich: Der Metzger aus Jerusalem ist verzweifelt, weil es ihm kaum noch gelingt, durch die Qalandiyah-Straßensperre zu kommen. Also muss er sein Geschäft aufgeben, weil es nördlich der Sperre liegt. Oder der Jerusalemer Taxifahrer, der aus seiner Wohnung in Nord-Jerusalem auszieht u. wieder zurück in sein übervölkertes Elternhaus in der Jerusalemer Altstadt - um so wenigstens die Chance zu haben, zur Arbeit zu gelangen. Oder jene Familie aus einem Westbank-Dörfchen. Der Sohn will studieren - gleich nebenan in Nablus - aber seit neuestem kommt man ja kaum noch nach Nablus hinein, nicht mal mehr via öffentlichen Transit, also fühlt sich die Familie gezwungen, ganz nach Nablus zu ziehen. All dies sind Beispiele, wie den Palästinensern ihr Land allmählich entgleitet.
Kein Einzelfall
Was die israelische Armee mit ihren Abriegelungen u. Belagerungen nicht schafft, das erreichen die (jüdischen) Siedler. Denn jede neue Siedlung, jeder Außenposten benötigt eines: Schutz - u. ‘Schutz’ ist für die (jüdischen) Siedler gleichbedeutend mit Vertreibung der Palästinenser aus dem Umland; das landwirtschaftlich genutzte Land wird so zur Todeszone, denn jeder, der es betritt, beispielsweise um Oliven zu ernten oder den Boden zu beackern, haftet ja mit seinem Leben. Eine Hand voll Siedler beherrscht auf diese Weise fast schon die Hälfte der besetzten Gebiete. Dazu braucht es natürlich einer organisierten Kampagne, eines Eroberungsfeldzugs, überall müssen Türme u. Palisaden errichtet werden. Die Siedler sind bewaffnet, sie sind gut organisiert u. reichlich mit Subventionen ausgestattet. Auf diese Weise fällt es ihnen leicht, die palästinensischen Bewohner der Dörfer systematisch zu drangsalieren. Das Ganze erinnert stark an jene paramilitärischen Einheiten in Lateinamerika, die von den Hazienda-Besitzern angeheuert werden, die Bauern unter der Knute zu halten. Auch diese Leute stehen ja über dem Gesetz. Auf diesem Hintergrund muss auch die Kampagne der (jüdischen) Siedler gegen die (diesjährige) Olivenernte bewertet werden. Die Kampagne stellte ein wichtiges (strategisches) Element beim Versuch dar, den Dorfbewohnern vollends den Teppich unter den Füßen wegzuzieh’n, ihnen auch noch das Bisschen wegzu- nehmen, das ihnen geblieben war. Außerdem sollte den Palästinensern eindeutig demonstriert werden, wer hier der Herr ist - nämlich die Siedler: Sie können ganz ungestraft die Oliven der Dorfbewohner abernten, u. diejenigen, die sie daran hindern wollen, dürfen die Siedler mit Waffengewalt verscheuchen.
Khirbet Yanun ist kein Einzelfall. Dutzende Dörfer in der Gegend von Tul Karm, Qalqilyah, Salfit u. Nablus stehen schon seit Monaten unter unerträglichem Druck - unter unerträglichem existenziellem Druck. Dabei ist nicht in erster Linie an dramatische Ereignisse - an Todesopfer u. Verletzte - zu denken. Was man hier vielmehr beobachten kann, ist organisierte Drangsalierung, ist eine sich ganz allmählich zuziehende Schlinge, sind konstant sich verschlechternde Lebensbedingungen u. eine zunehmend isolatorische Abriegelung der Menschen von den Zentren der palästinensischen Gesellschaft - in wirtschaftlicher, kultureller u. politischer Hinsicht. All dies sind Langzeitprozesse - strukturelle Langzeitprozesse. Sie führen dazu, dass der (palästinensischen) Bevölkerung ihr Land langsam aber sicher entgleitet. Das beste Beispiel ist Khirbet Yanun. Khirbet Yanun - das ist eine kleine, abgelegene Ansiedlung, nur wenige hundert Meter von den Außenposten entfernt, die die (jüdischen) Siedler von Itamar errichtet haben. Gebaut wurden diese Außenposten erst in den späten 90gern - in den Hügeln über Yanun u. zwar unter den Auspizien des “Friedensprozesses”. Die Stadt Akrabeh ist nur 15 Fahrminuten von Yanun entfernt. Die unbefestigte Straße dorthin ist allerdings in sehr schlechtem Zustand u. leicht zu blockieren. Wer sich nachts in Yanun aufhält u. auf die Dorfstraße hinaustritt, sieht das kleine Dorf vor idyllischer Kulisse in der Dunkelheit daliegen. Aber selbst hier im Dorf sind die Bewohner nicht unter sich. Auf dem einen Hügel sieht man die Wachtürme der Siedler steh’n, auf dem entgegengesetzten deren Autos u. Wohnmobile. Schon von weitem zu erkennen die Scheinwerfer der Patrouillenfahrzeuge. Die Leute von Yanun leben zwar in ihrer eigenen Heimat, aber sie sind umzingelt - wie in einer Art Reservat, das kurz vor der Auflösung steht. Jeden Moment können die Siedler wiederkommen - u. sie kommen tatsächlich. Sobald die Kinder des Dorfs deren Geländewagen hören, verstecken sie sich. Und wenn die Dorfbewohner bei der Olivenernte sind, u. die Siedler tauchen plötzlich auf, sieht man die Menschen zur Salzsäule erstarren.
Auch dieser Fall ist kein Einzelfall: Begeben wir uns in die südlichen Hügel von Hebron, am Rande der Wüste. Hier müssen einheimische Palästinenser in Zelten hausen, in Susya zum Beispiel, denn auch hier haben die Einheimischen keinen Platz mehr zum leben. Der Himmel über uns ist sternenübersät, aber blickt man um sich, dann fühlt man: auch hier ist man umzingelt: Armee-Fahrzeuge patrouillieren die Straßen - die Palästinenser dürfen sich den Straßen nicht mal mehr nähern. Auf der andern Seite die (jüdischen) Siedler der Siedlung Susya. Wehe demjenigen, der den Feldern neben der Siedlung ein bisschen zu nahe gerät! Und Susya expandiert immer weiter. Hinter uns eine beleuchtete ‘Sicherheitsstraße’ ins Wadi hinab. Und schauen wir gen Norden, dann sehen wir die Lichter der nahen (israelischen) Armeebasis. Sogar die knatternden Lautsprecheransagen können wir hier hören. Die Botschaft, die von dieser Realität ausgeht, ist unmissverständlich: He, ihr Reservats-Bewohner, ihr seid umzingelt. Gebt auf, denn es ist in euerm eignen Interesse! Und so lauteten auch die Worte der (jüdischen) Siedler während ihrer jüngsten Attacken auf Khirbet Yanun. Sie äußerten diese Worte, während sie in die Häuser der Dorfbewohner eindrangen, während sie Abd al-Latif Bani Jaber vor den Augen seiner Familie zusammenschlugen: Verschwindet hier, geht nach Akrabeh!
Die Bewohner von Yanun beschwerten sich bei der (israelischen) Polizei. Und diese Beschwerde legt Zeugnis ab für die Transformation eines Dorfs (Yanun) in eine Geisterstadt. Khirbet Yanun liegt nämlich in ‘Gebiet C’ - das heißt, es unterliegt der voll- ständigen Kontrolle u. Verantwortung Israels, sowohl verwaltungstechnisch als auch was Sicherheitsbelange angeht. Die Dorfbewohner sind überzeugt, es bestehe eine stillschweigende Übereinkunft zwischen der (israelischen) Armee u. den (jüdischen) Siedlern. Jegliche Entwicklung im Dorf wird blockiert. Die ‘Ziviladministratur’ der Israelis verbietet jedes Bauvorhaben - u. das seit 1992. Die Felder sind zum gefährlichen Aufenthaltsort geworden. Und immer wieder stürmten in der Vergangenheit Siedler den Hügel herunter u. benahmen sich, als gehöre das Dorf schon ihnen. Die Dorfbewohner zitieren einen der Itamar- Siedler mit den Worten, die ganze Gegend unterstehe seiner alleinigen Kontrolle. “Ich werde hier sein”, so seine Drohung, “wenn Polizei u. Presse weg sind”. Die Dorfbewohner sagen auch, es sei dieser Siedler gewesen, der die Überfälle auf das Dorf geleitet hat.
Lange bevor jemand im April 2002 einfach den Stromgenerator von Yanun in Brand steckte, litt die Dorf-Infrastruktur, der Alltag hier, bereits an einer graduell sich verschlimmernden Unterminierung. Die Kinder von Yanun besuchten früher die Grundschule in Yanun a-Tahta, das liegt bei Akrabeh. Aber die Überfälle häuften sich, die Straße wurde unsicher, also beschloss man, im Dorf selber eine kleine Schule einzurichten. Das war vor weniger als zwei Jahren gewesen. Als vor kurzem die letzten Familien das Dorf (vorübergehend) verließen, schloss auch die Schule ihre Pforten. Der Alltag war für die Dorfbewohner immer schwieriger geworden. Die nächste weiterführende Schule liegt beispielsweise in Akrabeh - Akrabeh aber liegt inzwischen unendlich weit weg. Also stellt sich jede Familie im Dorf die Frage: Schick’ ich meine Kinder überhaupt auf die weiterführende Schule? Das hieße nämlich wegzieh’n, Yanun den Rücken kehren u. in der Stadt leben. Aber auch wenn es dieses Problem nicht gäbe: Wer will schon in einem Dorf leben, das von Siedlern heimgesucht wird, wann immer es denen passt - bei Tag u. bei Nacht? Sie trampeln sogar auf den Hausdächern herum, dringen in die Häuser ein. Am Donnerstag, den 17. Oktober verabschiedete sich der Schulleiter der kleinen Schule von Yanun von seinen letzten Schülern. Am nächsten Tag verließen die letzten sechs Familien das Dorf. Zwei Tage später aber kamen, wie gesagt, die Freiwilligen von ‘Ta’ayush’ u. ermöglichten es den Bewohnern, wieder in ihr Dorf zurückzukehren. Die meisten zurückgekehrten Dorfbewohner sind bis jetzt geblieben.
Alarmsignal
Das Schicksal von Khirbet Yanun ist ein Alarmsignal, das nicht überhört werden darf: Zehntausende Menschen (Palästinenser) sind derzeit ja in Gefahr, vertrieben zu werden, zu Flüchtlinge zu werden. Hinzu kommt als Bedrohungsszenario: “Quellen” des israelischen Sicherheits- apparats lassen immer wieder durchsickern, sollte der Konflikt weiter eskalieren bzw. Israel sich im Kriegzustand befinden, könnte der Scharon-Regierung die Idee kommen, die organisierte Vertreibung sehr vieler Menschen auf einmal durchzuzieh’n. (Aber so oder so:) Die Verletzungen der Vertreibung - sie gehören nicht zu jenen Wunden, die die Zeit automatisch heilt. Noch sehr viele Jahre wird die israelische Gesellschaft dafür einen hohen Preis zu zahlen haben - den Preis der Gewalt. Denn letztendlich ist das hier ja nur die letzte einer ganzen Serie von Vertreibungen.
Aber nicht nur den Israelis sollte Khirbet Yanun eine Warnung sein - auch den Palästinensern - denn die Gefahr eines ‘Transfers’ wird greifbarer u. greifbarer. Um ihr wirkungsvoll zu begegnen, muss eine Menge Vor-Ort-Arbeit geleistet werden, u. auch die lokale Wirtschaft muss dringend gestärkt werden. Aber zuerst u. zuvörderst müssen wir die soziale Struktur unserer Gesellschaft erneuern u. die Solidarität innerhalb der palästinensischen Gesellschaft neu stärken. Denn: Falls wir das nicht schaffen, wird eine neue Flüchtlingswelle auf die alten Flüchtlingslager zuschwappen bzw. auf die urbanen Zentren. Symbolische Aktionen helfen nicht, um (die Tradition) des ‘Tsumud’ neu zu begründen (der Begriff ‘Tsumud’ bezeichnet das trotzige Festhalten an seinem Land, die Entschlossenheit dazubleiben - trotz Okkupation). Wir dürfen uns auch nicht auf die öffentliche Meinung im Ausland verlassen (u. dabei aus den Augen verlieren, wie schlimm’s hier aussieht). Genausowenig bringt uns aber eine Demonstration bewaffneter Stärke. Um dem schleichenden ‘Transfer’ wirksam begegnen zu können, muss die palästinensische Gesellschaft vielmehr ihre Humanressourcen mobilisieren: Wir müssen endlich lernen, um jeden Meter Land, jede Ziege zu kämpfen. Die Frage ist: werden wir auch auf israelischer Seite treue Verbündete für unseren Bürgerrechtskampf gegen die Enteignung finden?
Die Freiwilligen von ‘Ta’ayush’ kamen für 2 Wochen nach Khirbet Yanun, um die Bewohner zu verteidigen u. ihnen die Rückkehr nach Hause zu erleichtern. Ein weiteres Ziel bestand darin, die Öffentlichkeit aus ihrer Lethargie aufzurütteln. 15 Familien sind, wie gesagt, bislang zurückgekehrt nach Yanun - zögerlich u. voller Angst - u. der Rückkehrprozess ist längst nicht abgeschlossen. Während wir uns dort aufhielten, war die (israelische) Armee gezwungen, Präsenz zu zeigen. Aber aus leidvoller Erfahrung wissen die Bewohner, dass die Malträtierungen weitergeh’n werden - u. dass ihre Hilferufe dann ungehört verhallen. Selbst als wir noch da waren, gelang es den Itamar-Siedlern, ins Dorf einzufallen. Sie schlugen 2 Bewohner u. 4 Freiwillige übel zusammen. Keiner der Schläger wurde verhaftet - ein böses Zeichen. Unsere Anwesenheit in Khirbet Yanun war nur temporär. Mehr war nicht zu leisten, u. es wäre darüberhinaus auch grundfalsch, wenn es jedesmal der Präsenz israelischer Zivilisten bedürfte, um den Weiterbestand eines Palästinenserdorfs zu garantieren. Denn solange die Menschen in Israel sich nicht (insgesamt) gegen die Ungerechtigkeit erheben u. die Dorfbewohner unterstützen, werden diese weiterhin der Ungnade der Siedler ausgeliefert sein. Wann wird die nächste Attacke stattfinden? Etwa, wenn alle Bewohner gegangen sind? Werden (die Siedler) dann die Dorfhäuser in die Luft jagen? Oder werden sie selbst in die Häuser einzieh’n? Vor was machen diese Leute eigentlich noch halt?
Das Ganze ist jetzt drei Wochen her, aber die Bilder verfolgen uns noch immer. In jener mondhellen Nacht, in der wir in Yanun ankamen, war dieses arabische Dorf praktisch verwaist. Ja, man hatte den Bewohnern Zeit gelassen, sich vorzubereiten - ihre Sachen zusammenzupacken u. die weniger massiven Möbel mitzunehmen, bzw. die elektrischen Leitungen auszubauen. Als wir damals durch das Dorf gingen, hörten wir keinen einzigen Hund bellen. Aber wohin der Blick auch fiel, offene Häuser, zertrümmerte Türen, gähnende schwarze Löcher. Und auf den Hügeln ringsum die Wachtürme der Siedler von Itamar. So ungefähr muss es kurz nach 1948 in den palästinensischen Dörfern ausgesehen haben. Und jetzt sind wir also wieder an diesem Punkt - nach über 50 Jahren. Israelis u. Palästinenser - Gefangene einer Geschichte, aus deren bitteren Lektionen wir keine Lehre gezogen haben.
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