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Die Schule fauler Äpfel

von Yitzhak Laor

26.08.2005 — ZNet Deutschland

— abgelegt unter:
Wer hat nur den barbarischen Mord an Eden Natan Zada begangen? Wir kennen sie nicht. Irgendwann werden wir uns mit ihnen befassen. Israel ist ein gesetzestreues Land. Die Durchsetzung des Gesetzes ist wichtig. Gelegentlich setzt der Staat sogar Gesetze gegen Juden durch, die Araber töten. Nicht immer – wie z.B. im Fall des Siedlers Pinhas Wallerstein. Falls jemand darüber nachdenken sollte - wir kennen auch die Opfer von Natan Zadas nicht. Allgemein gesprochen sind sie ein Teil der demographischen Gefahr. Die Gebärmutter ihrer Mütter ist eine tickende Bombe – einigen ihrer Söhne wird nicht einmal erlaubt, mit ihrem Vater zu reden auf Grund der hohen Mauern von Gesetzen, oder Mauern aus Beton und Stacheldraht und zwingt sie, mit ihnen allein übers Telefon zu reden und zu fragen, wann sie ihn oder die Großmutter besuchen kommen können.

Weil sie eine „demographische Gefahr“ darstellen – und das müssen sie täglich hören, weil sie Kinder zeugen – und falls ihre Kinder die Rückständigkeit überwinden, die von oben auf sie gelegt wird, und sie es trotzdem bis zur Universität schaffen, dann werden sie auch hier wissenschaftlichen Diskussionen zuhören, in denen es um die Gefahr ihres natürlichen Wachstums geht.

Wer wird denn jetzt unter anderem auch an die Experten der „demographischen Gefahr“ denken, die für die Hetze ( gegen Araber) verantwortlich sind? Als Regel gilt, dass die Araber eine Gefahr sind, es ist nur eine Frage der Zeit. Wie viel Zeit? Das ist nicht klar. Aber bis dahin gehören sie im öffentlichen Diskurs nicht auf die gleiche politische Ebene. Wir werden darum gebeten, sie nicht in die demokratische Mehrheit einzuschließen, die das Schicksal des Landes entscheidet, eben weil sie nicht in diese Diskussion gehören. Auf jeden Fall gehören sie nicht zu anderen alltäglichen Diskussionen – über Kino, Tourismus, Musik oder Architektur. Sie sind nur ein Teil des Problems.

Der Mord wurde von denen ausgeführt, die niemals in die Versöhnungskampagne der Tzav Piyus-Organisation eingeschlossen wurden, die zig Millionen Shekel gekostet hat, weil sie nicht auf Bilder passen, die jüdische Lebensfreude zeigen. Ihren Städten fehlt es an Geld, die Dörfer erhalten nicht die Straßen, wie sie die Herren des Landes erhalten, und es ist legitim, vorzuschlagen, dass sie in den palästinensischen Staat ausgewiesen werden sollen, falls der überhaupt eine Chance hat. Sie sind es, die ihre Wohngebiete nicht über 2% des Landes ausdehnen dürfen, obwohl sie 20% der Bevölkerung darstellen. Sie sind es, für die seit 75 Jahren kein neuer Ort gegründet wurde, abgesehen von ein paar armseligen Städten im Negev. Die Arbeitslosenrate ist dort groß und wird immer größer.. Sie können nur weit weg von zu Hause und ihren Kindern Arbeit finden. Oder bei der Grenzpolizei.

Im allgemeinen stärkt ein Mord, wie ihn Natan Zada beging, die Solidarität der Mehrheit und festigt sie in ihren Positionen. Das ist die Funktion eines Verbrechens und der Worte: „ er war ein fauler Apfel“ oder „ es ist die Tat eines Wahnsinnigen“. So geschah es auch nach der Ermordung von Rabin. Statt gegen die zu kämpfen, die die Gräueltat ausführten, bemühte man sich, sie zu umarmen, und ein Gewissenskampf en masse begann. Zwischen wem? Natürlich zwischen Juden. Nach dem Goldstein-Massaker ( Baruch Goldstein, ein jüdischer Arzt, ermordete 1994 29 betende Araber in der Abrahamsmoschee in Hebron) war es nicht anders. Nach Jahren erhielt die „Jüdische Gemeinde in Hebron“ sogar gelegentlich Komplimente von Armee-Offizieren – trotz des Slogans „ Araber in die Gaskammern !“, die die „faulen Äpfel“ dort an die Mauern schmierten – und trotz der täglichen Schikanen gegenüber den Hebroner Bewohnern. Die Schulen der Aufrührer liegen überall in den besetzten Gebieten in den Siedlungen. Natan Zada erhielt seine Schulung in solch einer Siedlung, die zusammen mit ihren Nachbarn, auf täglicher Basis die palästinensischen Olivenpflücker und Palästinenser bei der Erntearbeit misshandelte und schikanierte. Die Gerichte haben ihre Verbrechen immer sehr milde verurteilt.

Natan Zada kam aus einem elenden Stadtteil von Rishon Lezion, wuchs in einer erbärmlichen und sozial hoffnungslosen Schicht auf und wurde Mitglied einer neuen in Israel gegründeten Religion – der Religion des Landes, die eine Verbindung zwischen religiösen und säkularen Leuten bildete und die sogar Zeitungen als Teil einer Stimmung verkauft, wie: „Zusammen werden wir den Abzug aus dem Gazastreifen schon schaffen!“ Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl schließt nie die ein, von denen Natan Zada einige tötete. Diese sehen uns nur dann vom Fernsehschirm an, wenn etwas Schreckliches geschehen ist.

Als ich einmal mit meinem fünfjährigen Sohn in Metula war, stellte ich ihm den Dichter Salman Masalha vor und sagte ihm: „Salman ist ein Araber.“ Das Kind sagte ganz ruhig zu mir: „Er sieht aber gar nicht wie ein Araber aus.“ Ich fragte ihn: „ Wie sieht denn ein Araber aus?“ Er sagte in aller Ernsthaftigkeit: „Wie jemand, der sich nach einem Autounfall schrecklich aufregt.“ Araber existieren hier nur als Sicherheitsproblem. Natan Zada hatte dies verstanden. Aber er hatte nicht verstanden, dass man dies Problem nicht mit zwei vollen Magazinen einer Waffe lösen kann. Vielleicht hat er nicht mal gelernt, wie man eine Waffe neu auflädt.

Orginalartikel: Dieser Artikel ist NICHT bei www.zmag.org erschienen!
Übersetzt von: Ellen Rohlfs
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