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Die Welt ignoriert die Anzeichen für einen Bürgerkrieg im Libanon

von Robert Fisk

29.01.2007 — The Independent / ZNet

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Genau so hatte der Libanonkonflikt zwischen 1975 und 1990 begonnen: Ausbrüche von sektiererischem Hass, Aufrufe zur Mäßigung, der Westen und die arabischen Nationen versprechen Hilfe - und weigern sich absolut zu begreifen, dass Bürgerkriege eben genau so beginnen.

Gestern morgen hob die libanesische Armee die nächtliche Ausgangssperre für Beirut auf. Ausgebrannte, rauchende Autos und Trucks nach einer Schießerei - das Ganze nur noch getoppt durch die rhetorische Hetze der verbittertsten Antagonisten im Land. In der Beiruter Morgenpresse sind drastische Fotos von bewaffneten Kämpfern zu sehen - sunnitische, regierungstreue Sunniten und schiitische Hisbollah-Anhänger. Die Bilder lassen keinen Zweifel: organisierte Bewaffnete durchziehen die Straßen der Hauptstadt Beirut. Die libanesische Armee - chronisch auf der Suche nach Hilfe bei den Führern auf allen Seiten - hatte enorme Schwierigkeiten, die aktuellen Kämpfe niederzuringen.

Ein Foto, das weite Verbreitung fand, zeigt einen Geschäftsmann, wie er mit einer Pistole auf Schiiten schießt. Es entstand während der Gefechte rund um die Lebanese Arab University. Ein zweites Foto zeigt einen Mann mit Kapuze auf einem Hausdach - mit einem Gewehr, wie es Heckenschützen benutzen.

Bei den drei Getöteten handelt es sich allesamt um männliche Hisbollah-Anhänger. Sie wurden gestern in Südbeirut bzw. im Bekaa-Tal beigesetzt. Bei den Beerdigungsfeiern wurden Rufe nach Vergeltung laut. Bei einer der Beerdigungen war eine Ehrengarde von Milizionären anwesend, Salutschüsse über das Grab wurden abgefeuert. Der Tote war der 29jährige Adnan Shamas. Seine Witwe und sein kleines Kind wurden zur Beerdigung nach Ouzai gebracht. "Blut für Blut", wurde vereinzelt gerufen.

Das alles ist sehr weit weg von den Selbstbeweihräucherungen jener westlichen und arabischen Führer, die sich gestern in Paris trafen. Die europäischen und amerikanischen Diplomaten in Paris schienen gestern doch tatsächlich zu glauben, sie retteten die libanesische Regierung Siniora vor den islamistischen Kräften ("Extremisten"), weil sie 4 Milliarden Britische Pfund an Libanonhilfe zusammentrommelten (das Geld wird selbstverständlich an Bedingungen geknüpft sein).

Samir Geagea - im Libanonkrieg ein Killermilizionär - ist zum treuen Anhänger der libanesischen Regierung geworden und spielte diese Woche Gastgeber für den US-Botschafter. Gestern attackierte Geagea Hisbollah-Führer Sayad Hassan Nassrallah mit wütenden Worten und machten den Hisbollah-Chef für den Krieg mit Israel im vergangenen Sommer verantwortlich (damals hatten schiitische Kämpfer Tausende Raketen auf Israel abgefeuert). "Denken Sie ja nicht, Sayad Hassan, Beirut sei Haifa oder Mount Carmel", warnte er. "Setzen wir uns zusammen und diskutieren die Dinge gemeinsam... andernfalls steht dem Land das Schlimmste bevor".

Talal Arslan, der pro-syrische Drusenführer, zog zornig über Gruppierungen innerhalb der libanesischen Regierung her und bezeichnete sie als "organisiertes Syndikat von Kriminellen", das den Libanon in einen zweiten (neuen) Irak verwandeln wolle.

Exakt die gleiche Rhetorik wie 1975. In Paris schien derweil alles weit weg. In der französischen Hauptstadt unterhielt sich (der libanesische Regierungschef) Fouad Siniora mit hier ansässigen Libanesen und Journalisten. Seltsamerweise musste er Fragen zur libanesischen Agrarindustrie bzw. zu künftigen Tourismusoptionen beantworten. Gewiss gibt es im Libanon für Touristen jede Menge Geschichtliches zu entdecken. Momentan allerdings sieht es danach aus, als sei ein weiteres furchtbares Kapitel dieser Geschichte aufgeschlagen - und der Rest der Welt sieht untätig zu.

Copyright 2007 The Independent

Übersetzt von: Andrea Noll
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