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Die elegantesten Lügner der Welt

von Eduardo Galeano

14.08.2003 — TomDispatch.com / ZNet

— abgelegt unter:

Fünfundvierzig Jahre verbrachte der Iraker Ahmad Chalabi im Exil. Um seinen Kummer zu erleichtern, gründete er die Petra Bank in Jordanien. Als die Bank Pleite ging, wechselte Chalabi in ein anderes Land über. Bei seinem Weggang ließ er 500 Millionen Dollar verschwinden und raubte so Tausende Aktienbesitzer aus.

1992 verurteilte ihn ein jordanisches Gericht in Abwesenheit zu einer 20jährigen Gefängnisstrafe und Zwangsarbeit. Im gleichen Jahr wurde der Irakische Nationalkongress in London gebildet und Chalabi zum Führer der demokratischen Opposition gegen die korrupte Tyrannei Saddam Husseins bestimmt.

Der allgegenwärtige Chor zorniger Gegner konspirierte in den folgenden Jahren gegen ihn und beschuldigte ihn, einen Teil der Spenden vom CIA zu erhalten. Eine der geistesabwesenden Taten auf der Liste der Anklagen gegen ihn war, dass er 4 Millionen Dollar in die eigene Tasche gesteckt habe.

Nichts von all dem hielt Chalabi davon ab, zum Lieblingsberater der Streitkräfte zu werden, die vor kurzem in den Irak einfielen. Seine Kollaboration versetzte die Invasoren in die Lage, während der von ihnen ausgeführten Morde und danach, mit bewundernswertester Geradheit zu lügen. Und Präsident Bush bestätigte, er habe eine gute Wahl getroffen. Dieser neue Verbündete besaß die gleichen Gewohnheiten wie seine Freunde bei Enron.

Seit 1958 hat Chalabi den Irak nicht betreten. Endlich hat er den Weg zurück gefunden und ist jetzt das Lieblingsmaskottchen der Besatzungstruppen.

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In Afghanistan ist Hamid Karzai, der vorgibt, Präsident zu sein, das Lieblingsmaskottchen der Besatzungstruppen.

Vor dem Irak wurde Afghanistan zum Ort für das Bombardement in die Geographie des Bösen des neuen Jahrhunderts auserkoren. Dank des donnernden Sieges der Invasoren gibt es jetzt dort Freiheit. Freiheit für die Drogenhändler.

Nach Informationen verschiedener Sonderorganisationen der Europäischen Union und der Vereinten Nationen ist Afghanistan weltweit zum Hauptlieferanten von Opium, Heroin und Morphium geworden.

Schätzungen dieser Organisationen zeigen, dass im ersten Jahr nach der Befreiung die Drogenproduktion um das 18fache, von 185 auf 3400 Tonnen, im Wert von 1,2 Milliarden Dollar, gestiegen ist. Sogar Tony Blair musste im vergangenen Januar eingestehen, dass 90 Prozent des in England konsumierten Heroins aus Afghanistan kam.

Die Regierung von Hamid Karzai, die ausschließlich die Stadt Kabul kontrolliert, ist eng mit Washington liiert. Von den sechzehn Ministern der Regierung besitzen zehn einen US-Pass. Und Karzai selbst, der früher als Berater des US-Ölkonzerns Unocal tätig war, lebt von US-Soldaten umgeben, die ihm Befehle erteilen und ihn bewachen, wo immer er auch hingeht, selbst wenn er schläft.

Die Invasoren sollten ursprünglich nur zwei Monate bleiben, aber sie sind immer noch da. Dies ist der Grund: Die unbestechlichen Krieger des Anti-Drogenkrieges haben in Afghanistan ein Geschäft eröffnet, um die Freiheit des Anbaus, des Handels und die des Grenzübertritts zu garantieren.

Es wird kaum noch über den Wiederaufbau dieses zerstörten Landes gesprochen. Ahmed Karzai, der Bruder des virtuellen Präsidenten und prominentes Mitglied der Regierung beklagte sich kürzlich: "Was haben sie für uns getan? Nichts. Die Leute sind erschöpft und ich weiß nicht, was ich ihnen sagen soll."

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Der Internationale Währungsfond (IWF) und die Weltbank schießen keine Raketen ab. Sie haben andere Waffen, um Länder zu bombardieren und zu erobern sowie deren Ruinen zu besetzen.

Nachdem die beiden Organisationen Argentinien ausgenommen hatten, schickten sie Anfang des Jahres ein Spezialteam in das Land, um sich einen Überblick über die Konten zu verschaffen. Eines der Mitglieder dieser Finanzpolizei, Jorge Barca Campodonico, war angeklagt, Steuern hinterzogen zu haben.

Er ist Experte auf diesem Gebiet. In seinem Heimatland Peru besteht ein Haftbefehl wegen verschiedener Anschuldigungen. Sobald er in Buenos Aires gelandet war, nahm ihn Interpol in Gewahrsam. Aber der IWF schritt ein und gab ein Vermögen für Anwälte aus, um eine Auslieferung seines Funktionärs zu verhindern.

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Der Vorstand des Weltfußballverbands FIFA hat für den Fußballsport ähnliche Funktionen wie der IWF: er wacht über die Transparenz der lukrativsten aller Sportarten.

Ricardo Teixeira führt seine edle Mission in Brasilien aus. Dies hatte sein Schwiegervater Joao Havelange beschlossen, als er König der FIFA war. Brasilien, dieses zauberhafte Land, produziert außergewöhnliche Spieler, Trainer, die es zum Millionär bringen und ruinierte Mannschaften.

Ende 2001, nachdem zwei Untersuchungsausschüsse drei Jahre getagt und 2400 Seiten Ergebnisse zusammengetragen hatten, verlangte der brasilianische Senat ein Gerichtsverfahren gegen Teixeira und 17 andere Manager. "Der Brasilianische Fußballverband ist wahrlich eine Verbrecherbude, die Unordnung, Anarchie, Inkompetenz und Unehrlichkeit offenbart", erklärte der brasilianische Senator Alvaro Diaz, Vorsitzender eines der Untersuchungsausschüsse.

Danach drohte Joseph Blatter, der den FIFA-Thron von Havelange geerbt hat, damit, Brasilien aus der WM 2002 herauszunehmen, "falls sie weiterhin ihre Nase in die Angelegenheit stecken".

Die Untersuchung im brasilianischen Parlament kam zu dem Ergebnis, dass Teixeira angeblich Gelder veruntreut, Darlehen umgeleitet, Geld gewaschen, Steuern hinterzogen, Dokumente gefälscht und zwanzig verschiedene kriminelle Delikte begangen habe und es ihm damit gelungen sei, den brasilianischen Fußball, den erfolgreichsten der Welt, in die roten Zahlen zu treiben.

Teixeira bleibt weiterhin Chef des brasilianischen Fußballs. Außerdem hat er jetzt eine wichtige Position in den oberen Rängen der FIFA: er ist als Mitglied der sechsköpfigen Revisionskommission verantwortlich für Gerechtigkeit und Fairness im Weltfußball.

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Der Weltcup, bei dem jedes Jahr verschiedene Teilnehmer in der französischen Stadt Moncrabeau miteinander wettstreiten, hat nichts mit Fußball zu tun. Es ist ein Wettbewerb der elegantesten Lügner der Welt. Die Teilnehmer schwören dabei, dass sie Lügen erzählen, ausschließlich Lügen und vollständige Lügen.

Dieser Artikel, der die Qualifikationen einiger möglicher Kandidaten präsentiert, erwähnt nicht Italiens Silvio Berlusconi oder Agentiniens Carlos Menem. Sie nehmen jedoch nicht an dem Wettbewerb teil. Sie sind einfach unschlagbar. Keiner von den beiden hat es bisher gewagt, die Wahrheit, die ganze Wahrheit oder einen winziges Körnchen Wahrheit zu sagen.

Um nicht außerhalb der Grenzen des Rechts zu streunen, einer unangenehmen Tätigkeit, kaufte es sich Menem einfach: Er kaufte sich das Recht mit dem Geld, dass er verdiente, als er das Land ausverkaufte. Genau wie Berlusconi verabschiedete er ein Gesetz nur für sich. Er verwarf das alte Gesetz und ersetzte es durch ein neues auf Bestellung italienischer Schneider.

Berlusconi ist immer noch an der Macht. Das argentische Volk hat andererseits Menem arbeitslos gelassen.

Aber früher oder später wird er im Dienste der Menschlichkeit, als Verantwortlicher irgendeiner internationalen Organisation, die beauftragt ist, Korruption, Waffen und Drogenhandel zu bekämpfen, wieder auf der politischen Bühne erscheinen. Seine Zeugnisse sind makellos. Diese Themen beherrscht er gut.

Copyright (C) 2003, Eduardo Galeano

[Dieser Artikel erschien zuerst in der Augustausgabe 2003 von The Progressive. Er erschien mit Genehmigung von The Progressive auf Tomdispatch.com, einem Weblog des Nation Institute, das regelmäßig alternative Quellen, Nachrichten und Kommentare von Tom Engelhardt, dem langjährigen Verlagsredakteur und Autor des kürzlichen erschienen Buches The End of Publishing (U Mass. Press), veröffentlicht.]

Übersetzt von: Tony Kofoet
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