Drei Jahrzehnte später, Watergate ist eine Mahnung
von Norman Solomon
10.07.2002 — ZNet Kommentar
Dreißig Jahre sind vergangen, seit die beiden Reporter der Washington Times, Bob Woodward und Carl Berstein damit begannen die Watergate Story aufzudecken. Ihr Handeln steht - unglücklicherweise - noch heute als außergewöhnliches Beispiel für investigativen Journalismus.
Lange nachdem die fünf Einbrecher in das Büro des Vorstandes der Demokratischen Partei am Morgen des 17. Juni 1972 verhaftet wurden, haben die herkömmlichen Medien die Darstellung des Weißen Hauses, dass dies ein minder schweres Verbrechen ohne politische Bedeutung war, akzeptiert. Während des Sommers und des Herbstes, haben einige wenige Journalisten sehr viel Zeit darauf verwendet den Watergate Vorfall ,der dazu führte das Präsident Nixon bei der Wiederwahl im November eine erdrutschartige Niederlage hinnehmen musste, zu überprüfen.
Bernstein sagte später, dass „es zur Zeit der Watergate Skandale 2000 Vollzeitreporter in Washington gab, die für die Nachrichtenorganisationen arbeiteten. In den ersten sechs Wochen nach dem Ausbruch ... wurden 14 dieser Reporter von ihren Nachrichtenorganisationen abgestellt, um die Watergate Story in Vollzeit aufzudecken. Von diesen 14 waren vielleicht ein halbes Dutzend Leute, die man investigative Journalisten hätte nennen könnte.“
Bei einer Rede am Institut für Politik in Harvard, fügt Bernstein hinzu: „Die Presse hat sich seitdem in ein Art Orgie der Selbstbeglückwünschung, über ihr Verhalten im Watergate Skandal und im Verhalten bei der Aufdeckung von Nachrichten, gesteigert. Es scheint mir das keine Haltung ungerechtfertigter sein könnte.“ Er war auf dem richtigen Weg.
Helen Thomas ist eine der erfahrensten und offensten Mitglieder des Presseamtes des Weißen Hauses. Sie wird mit den Worten zitiert: „Wir haben erkannt, dass wir bei den Watergate Skandalen einen lausigen Job gemacht haben. Wir saßen nur herum und nahmen was sie uns vorsetzten.“
Das ist aber so ziemlich das Standardvorgehen der Medien. Die Behauptungen des Präsidenten haben viel Fragen aufgeworfen und waren Anlass zu großem Zweifel und bevor die Presse einen großen Nationalen Skandal ausrief, mussten sich einige der Leute die als treibende Kraft hinter den Artikeln standen, totärgern.
Ein zentraler Faktor der Watergate Story war das faule Spiel einer Fraktion der Elite gegen eine andere. Der verpfuschte Einbruch im Watergate Komplex vor 30 Jahren war Teil einer geheimen und rechtswidrigen Operation einer Republikanischen Organisation, dem Komitee um den Präsidenten wiederzuwählen ( Committe to Re-Elect the President, Akronym CREEP), welche Dokumente im Hauptquartier einer anderen Unternehmenspartei klauen wollten.
Aber was wäre wenn – anstatt in einen Einbruch bei der Demokratischen Partei verwickelt zu sein – das Weiße Haus in einen Einbruch bei einer politischen Partei ohne Einfluss verwickelt gewesen wäre? Wir müssen darüber gar nicht spekulieren. Während der Watergate Ära hat die US Regierung weitaus schlimmere politische Verbrechen gegen die Partei der Sozialistischen Arbeiter begangen. Während es so scheint als ob kein Journalist mit Mainstreameinschlag sich jemals darum gekümmert hätte.
Ein rückblickender 1995 veröffentlichter Artikel der Los Angeles Times fasst die Geschichte nochmals zusammen: „Vor 38 Jahren begann das FBI eine Kampagne zur Infiltration und Belästigung gegen eine kleine trotzkistische Organisation, die sich Socialist Worker Party nannte. Das FBI inszenierte Einbrüche, setzte gefälschte News Storys in die Welt und versuchte die Partei und ihre Mitglieder zu diskreditieren, welche obwohl sie eine radikale Politische Agenda hatten, sich in friedlichen und gesetzlichem politischen Verhalten engagierten. Die 38 Jahre die 1976 endeten, produzierten keine einzige Festnahme.“
Anstatt die besten Reportagen über den Watergate Skandal als Beispiel auf dem man aufbauen kann zu sehen, wurde es von den meisten als die Lorbeeren betrachtet auf denen man sich ausruhen kann. Ben Bradlee, der Chefredakteur der Washington Post, erkannte dies kurz vor seiner Pensionierung in einem Interview mit Mark Hertsgaard, fast 12 Jahre später sagte Bradlee: „Die Kritik an uns war, dass wir zu weit gehen würden und versuchen würden aus allem ein Watergate zu machen.“ Und ich glaube wir waren dieser Kritik gegenüber weitaus sensibeler als wir es hätten sein sollen und ließen nach.“
Durch diese nette Haltung der unerschrockenen Wachhunde, neigen die großen Nachrichtenmedien zu diesem Nachlassen. Die gesamte Dynamik könnte als „aggressiv-passiv“ bezeichnet werden. Der Wachhund knurrt ab und zu, während er mit großer Routine seinen Hintern schaukelt.
Und so waren die Medienstrategen des Weißen Hauses sehr erfreut nach dem Generalbundesanwalt Ashcroft die Verhaftung eines Mannes verkündete, der angeblich plante eine radioaktive Bombe innerhalb der USA zu zünden.
In der typischen Art und Weise, zeigten die Titelseite der New York Times die gut zusammengesponnenen Schlagzeile -- „ Die Neutralisation der Kritik an Bush: die Verhaftung zeigt die Bedrohung und deren Beantwortung auf“ – über einer Story die eine implizierende und präskriptive Beschreibung der neusten Nachrichten enthält. Bevor der Artikel auf die letzte Seite der Zeitung verbannt wurde, wurde in autoritärem Ton berichtet: „Die heutige Mitteilung wird die Amerikaner nochmals hinter ihrem Präsidenten zusammenschweißen und die Ansicht bestätigen das sich Amerika noch immer im Krieg befindet.“ Es war die Art von Story die ein anderer Präsident der Kriegszeiten - Richard Nixon - auch begrüßt hätte.
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