Ein bittersüßer Tag in Beirut
von Walden Bello
20.08.2006 — ZNet
—
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Naher Osten
Heute tritt in Beirut die Waffenruhe in Kraft. Die Stimmung ist bittersüß. "Wir haben gewonnen, doch zu welchem Preis? So viele vertriebene Menschen, so viele Tote, so viele zerstörte Gebäude". Diese Worte von Rahul, dem Taxifahrer, bringen die Stimmung vielleicht am besten auf den Punkt.
Die endgültige Kriegsbilanz steht noch aus - es wird noch gezählt. Wahrscheinlich muss mit mehr als 1400 Toten und einem wirtschaftlichen Schaden von $6 Milliarden gerechnet werden.
Kaum trat die 'Einstellung der Feindseligkeiten' um 8 Uhr in kraft, begannen sie Richtung Süden zu rollen - die Autos, Vans, Lastwagen. Es sind Flüchtlinge aus Beirut und anderen Landesteilen, die in ihre Heimat zurück wollen. "Höchstwahrscheinlich finden sie ihre Häuser nicht mehr vor, aber ihr Land ist noch dort, und es gibt schließlich keinen Ort wie die Heimat", so Anwar El Khalil, Parlamentsabgeordneter von Marieyoun, wo letzte Woche ein ziviler Konvoi von israelischen Fliegern angegriffen wurde. Auch Khalil will unbedingt nach Hause. Ein Drittel der Bevölkerung des Libanon wurde aus ihren Häusern vertrieben. Auf den wichtigsten Autobahnen ist mit einem enormen Verkehrsaufkommen zu rechnen, der Verkehr wird sich die nächsten Tage nur schleppend vorwärtsbewegen.
Die Verlierer
Der Verlierer des Kriegs steht zweifellos fest. Jeder mit dem ich hier spreche - an diesem Tag des nationalen Stolzes - gibt dem Leitkommentator des Daily Star (einer liberalen, englischsprachigen libanesischen Zeitung) Recht, wenn er schreibt: "Die israelische Regierung ist diskreditiert, ernste Verwerfungen in der amerikanisch-israelischen Beziehung werden sichtbar. Nun müssen sich die Israelis mit einer durcheinandergewirbelten politischen Arena abfinden". Selbst Regierungsmitglieder im Kabinett von Premierminister Ehud Olmert sagen, Israel habe den Krieg verloren. Der jüdische Staat stürzt in seine gravierendste politische Krise seit Jahren. Folgender Aufruf des Haaretz-Kommentators Zeev Schiff scheint die Grundstimmung des israelischen Establishments widerzuspiegeln: "Man muss das militärische und strategische Management überdenken - nachdem die Fakten belegen, dass die Armee nicht mehr in der Lage ist, sich dem Kampfstil, der ihr von Hisbollah aufgezwungen wird, anzupassen".
Auch über den zweiten Verlierer kann es keine Zweifel geben. Viele libanesische Politiker und Analysten sind ziemlich überzeugt, der aktuelle Krieg wurde in Washington geplant und zwar lange bevor die Hisbollah Anfang Juli bei einem Überfall jenseits der Grenze zwei israelische Soldaten kidnappte. Bei einem kurzen Besuch unserer Friedensdelegation beim libanesischen Präsidenten Emile Lahoud sagte dieser: "Wir wissen, die israelische Offensive war lange vorher geplant und zwar mit Unterstützung externer Kräfte". Der Abgeordnete El Khalil hat keine Scheu, die USA offen als eigentlichen Urheber des Krieges zu benennen. Er verweist auf einen aktuellen Artikel im New Yorker. Darin schreibt Seymour Hersh, die amerikanischen Neokonservativen hätten bereits seit 1996 einen Großplan zur Umgestaltung des Nahen/Mittleren Ostens mithilfe des israelischen Militärs verfolgt.
Henri Barkey, Vorsitzender des Lehigh University's International Relations Department und früheres Mitglied des politischen Planungsstabes im US-Außenministerium, behauptet, das Ziel der Zerschlagung der Hisbollah sei den USA womöglich noch wichtiger als Israel. In einem aktuellen Artikel schreibt Barkey, Israel könne mit einer Hisbollah nördlich des Litani-River leben - die USA nicht. Der entscheidende Grund sei das "Modell Hisbollah", "das die alptraumhafte Metamorphose einer gut ausgebildeten und versorgten Miliz repräsentiert. Wenn dieses Modell im Libanon funktioniert, könnte es sich überall auf der Welt verbreiten... Hisbollah ist viel eingebundener und versierter als Kaida. Es ist unmöglich, sie zu besiegen, ohne dass es zu zivilen Opfern kommt. Das ist die Stärke der Hisbollah: Sie kalkuliert mit ein, dass die Welt da draußen angesichts von zivilen Opfer nachgibt". Aus Barkeys Sicht wäre ein Triumph der Hisbollah über Israel das schlimmste aller Szenarien.
Der Sieger
Weit davon entfernt die libanesische Sicht. Während dieses 30-Tage-Kriegs rückte fast das gesamte Land und die meisten politischen Gruppen eng zusammen, um den Kampf - mit der schiitisch-muslimischen Hisbollah-Organisation an der Spitze - gegen die israelische Aggression zu unterstützen. Oberster Unterstützer war der maronitisch-christliche Präsident des Libanon, Emile Lahoud, der nicht vor dem Lob zurückschreckt: "Die Hisbollah führt den nationalen Widerstand an". Alle sind sich einig in der Anerkennung der militärischen Leistungen der Hisbollah. Sie seien der Quell "dieses nie da gewesenen Maßes an Unterstützung" in der libanesischen Gesellschaft, so der Daily Star. Zu Beginn des Krieges hatten interne Kritiker der Hisbollah noch vorgeworfen, mit der Entführung zweier israelischer Soldaten zum Zwecke des Gefangenenaustauschs das Land in einen Krieg zu verwickeln. Heute - in den Tagen des nationalen Stolzes - sind diese Kritiker verstummt.
Die Ereignisse der letzten 30 Tage haben vor allem eines bewirkt: Die Lüge, die Hisbollah sei eine Terrororganisation, wurde beerdigt. Dass die Israelis bewusst auf Zivilisten zielten - während sich die Hisbollah-Kämpfer auf die israelische Soldaten konzentrierten -, hat den Stiel umgedreht. Laut ertönt der Ruf verschiedener Gruppen der internationalen Zivilgesellschaft, die politische Führung Israels und die israelische Armeeführung gehörten wegen Kriegsverbrechen und staatlich gefördertem Terror vor Gericht gestellt.
Doch die Hisbollah konnte nicht nur ihre militärische Kühnheit unter Beweis stellen, sondern - wie im Falle der Vertriebenen - auch ihre enorme Leistungsfähigkeit im sozialen Bereich. In einem Land wie dem Libanon, wo die sozialen Dienstleistungen, vor allem für die Armen, sehr rückständig sind, ist die von der Hisbollah bereitgestellte soziale Infrastruktur ein Modell für moderne Effizienz. So betreibt die Hisbollah 46 medizinische Zentren und ein Hospital. Hisbollahs 'Dschihad des Aufbaus' hat während der 90ger Jahre die soziale und materielle Infrastruktur des Südlibanon beaufsichtigt. Nun steht sie bereit, eine noch größere Nachkriegs-Wiederaufbauarbeit zu managen.
Sowohl international als auch im Libanon sind talentierte Intellektuelle und Sprecher der Hisbollah ins Rampenlist gerückt, so Dr. Ali Fayyad, Leiter des 'Consultive Center for Studies and Documentation' (CCSD). Das Zentrum beherbergt mehr als 300 Berichte zu sozialen, ökonomischen, politischen und verwaltungstechnischen Themen.
Dr. Ali ist ein Stadtintellektueller. Er nennt uns drei Gründe für den Sieg der Hisbollah. Erstens hätten deren Raketen die israelische Airpower neutralisiert und so für freien Luftraum ohne Flugzeuge gesorgt; von diesem Luftraum aus konnte angegriffen werden. Als zweiten Grund nennt er die Guerillataktik der Hisbollah, die die israelische Armee kalt erwischte, da diese an den Kampf mit konventionellen arabischen Streitkräften gewöhnt sei. Drittens sei der einzelne Hisbollah-Kämpfer "nicht nur ein Guerillakämpfer, der gelernt hat, sich zu verteidigen, er ist auch erfüllt von der ideologischen Überzeugung, auf dem richtigen Weg zu sein".
Fayyed wechselt das Thema. "Prinzipiell bestimmen natürlich libanon-interne Erwägungen" die Politik der Hisbollah, "aber wir denken auch an den Kampf der Palästinenser und an internationale Solidarität". Diese arabische/internationalistische Perspektive bringt der Hisbollah viel Resonanz ein - nicht nur aus der gesamten arabischen Welt, sondern auch aus anderen Erdteilen. Mit Bewunderung sprechen Führer der Hisbollah beispielsweise vom venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez, und es heißt, die Bewunderung sei wechselseitig.
Fayyad ist Mitglied des Politbüros der Hisbollah. Während des 30-tägigen Krieges wurde er zu einem öffentlichen Gesicht der Hisbollah. Fast jeden Abend musste er Quartier und Fahrzeuge wechseln, denn es war davon auszugehen, dass er eines der gefährdetsten Ziele der Israelis war.
Am heutigen Abend des 14. August ist Beirut eine Stadt der Trauer und des Stolzes - doch Letzteres überwiegt eindeutig. Überall in der Stadt sieht man Autokorsos, die Hisbollah und deren Generalsekretär Hassan Nasrallah feiern. Gegen 21 Uhr erscheint Nasrallah im Fernsehen. Alle schalten ein. Nasrallah verkündet einen "unglaublich großen strategischen Sieg für den Libanon". Hisbollah sei bereit, so verkündet er, ihre Kämpfer hinter den Litani-Fluss zurückzuziehen.
Während Nasrallah spricht, sagt ein hoher Offizieller der Libanesischen Kommunistischen Partei (vielleicht die Verkörperung der säkularen Politik des Libanon?) über den Mann, der der islamischen Politik sein Gesicht gegeben hat: "Das ist unser arabischer Che Guevara... mit Turban".
Walden Bello ist Professor für Soziologie an der University of the Philippines und leitender Direktor des Forschungs- und Advokativinstituts 'Focus on the Global South' in Bangkok. Als Mitglied der 'International Civil Society and Parliamentary Peace Mission' besuchte er den Libanon.
Anmerkung der Übersetzerin
Der Inhalt des Artikels spiegelt nicht meine persönliche Meinung wider.
Die endgültige Kriegsbilanz steht noch aus - es wird noch gezählt. Wahrscheinlich muss mit mehr als 1400 Toten und einem wirtschaftlichen Schaden von $6 Milliarden gerechnet werden.
Kaum trat die 'Einstellung der Feindseligkeiten' um 8 Uhr in kraft, begannen sie Richtung Süden zu rollen - die Autos, Vans, Lastwagen. Es sind Flüchtlinge aus Beirut und anderen Landesteilen, die in ihre Heimat zurück wollen. "Höchstwahrscheinlich finden sie ihre Häuser nicht mehr vor, aber ihr Land ist noch dort, und es gibt schließlich keinen Ort wie die Heimat", so Anwar El Khalil, Parlamentsabgeordneter von Marieyoun, wo letzte Woche ein ziviler Konvoi von israelischen Fliegern angegriffen wurde. Auch Khalil will unbedingt nach Hause. Ein Drittel der Bevölkerung des Libanon wurde aus ihren Häusern vertrieben. Auf den wichtigsten Autobahnen ist mit einem enormen Verkehrsaufkommen zu rechnen, der Verkehr wird sich die nächsten Tage nur schleppend vorwärtsbewegen.
Die Verlierer
Der Verlierer des Kriegs steht zweifellos fest. Jeder mit dem ich hier spreche - an diesem Tag des nationalen Stolzes - gibt dem Leitkommentator des Daily Star (einer liberalen, englischsprachigen libanesischen Zeitung) Recht, wenn er schreibt: "Die israelische Regierung ist diskreditiert, ernste Verwerfungen in der amerikanisch-israelischen Beziehung werden sichtbar. Nun müssen sich die Israelis mit einer durcheinandergewirbelten politischen Arena abfinden". Selbst Regierungsmitglieder im Kabinett von Premierminister Ehud Olmert sagen, Israel habe den Krieg verloren. Der jüdische Staat stürzt in seine gravierendste politische Krise seit Jahren. Folgender Aufruf des Haaretz-Kommentators Zeev Schiff scheint die Grundstimmung des israelischen Establishments widerzuspiegeln: "Man muss das militärische und strategische Management überdenken - nachdem die Fakten belegen, dass die Armee nicht mehr in der Lage ist, sich dem Kampfstil, der ihr von Hisbollah aufgezwungen wird, anzupassen".
Auch über den zweiten Verlierer kann es keine Zweifel geben. Viele libanesische Politiker und Analysten sind ziemlich überzeugt, der aktuelle Krieg wurde in Washington geplant und zwar lange bevor die Hisbollah Anfang Juli bei einem Überfall jenseits der Grenze zwei israelische Soldaten kidnappte. Bei einem kurzen Besuch unserer Friedensdelegation beim libanesischen Präsidenten Emile Lahoud sagte dieser: "Wir wissen, die israelische Offensive war lange vorher geplant und zwar mit Unterstützung externer Kräfte". Der Abgeordnete El Khalil hat keine Scheu, die USA offen als eigentlichen Urheber des Krieges zu benennen. Er verweist auf einen aktuellen Artikel im New Yorker. Darin schreibt Seymour Hersh, die amerikanischen Neokonservativen hätten bereits seit 1996 einen Großplan zur Umgestaltung des Nahen/Mittleren Ostens mithilfe des israelischen Militärs verfolgt.
Henri Barkey, Vorsitzender des Lehigh University's International Relations Department und früheres Mitglied des politischen Planungsstabes im US-Außenministerium, behauptet, das Ziel der Zerschlagung der Hisbollah sei den USA womöglich noch wichtiger als Israel. In einem aktuellen Artikel schreibt Barkey, Israel könne mit einer Hisbollah nördlich des Litani-River leben - die USA nicht. Der entscheidende Grund sei das "Modell Hisbollah", "das die alptraumhafte Metamorphose einer gut ausgebildeten und versorgten Miliz repräsentiert. Wenn dieses Modell im Libanon funktioniert, könnte es sich überall auf der Welt verbreiten... Hisbollah ist viel eingebundener und versierter als Kaida. Es ist unmöglich, sie zu besiegen, ohne dass es zu zivilen Opfern kommt. Das ist die Stärke der Hisbollah: Sie kalkuliert mit ein, dass die Welt da draußen angesichts von zivilen Opfer nachgibt". Aus Barkeys Sicht wäre ein Triumph der Hisbollah über Israel das schlimmste aller Szenarien.
Der Sieger
Weit davon entfernt die libanesische Sicht. Während dieses 30-Tage-Kriegs rückte fast das gesamte Land und die meisten politischen Gruppen eng zusammen, um den Kampf - mit der schiitisch-muslimischen Hisbollah-Organisation an der Spitze - gegen die israelische Aggression zu unterstützen. Oberster Unterstützer war der maronitisch-christliche Präsident des Libanon, Emile Lahoud, der nicht vor dem Lob zurückschreckt: "Die Hisbollah führt den nationalen Widerstand an". Alle sind sich einig in der Anerkennung der militärischen Leistungen der Hisbollah. Sie seien der Quell "dieses nie da gewesenen Maßes an Unterstützung" in der libanesischen Gesellschaft, so der Daily Star. Zu Beginn des Krieges hatten interne Kritiker der Hisbollah noch vorgeworfen, mit der Entführung zweier israelischer Soldaten zum Zwecke des Gefangenenaustauschs das Land in einen Krieg zu verwickeln. Heute - in den Tagen des nationalen Stolzes - sind diese Kritiker verstummt.
Die Ereignisse der letzten 30 Tage haben vor allem eines bewirkt: Die Lüge, die Hisbollah sei eine Terrororganisation, wurde beerdigt. Dass die Israelis bewusst auf Zivilisten zielten - während sich die Hisbollah-Kämpfer auf die israelische Soldaten konzentrierten -, hat den Stiel umgedreht. Laut ertönt der Ruf verschiedener Gruppen der internationalen Zivilgesellschaft, die politische Führung Israels und die israelische Armeeführung gehörten wegen Kriegsverbrechen und staatlich gefördertem Terror vor Gericht gestellt.
Doch die Hisbollah konnte nicht nur ihre militärische Kühnheit unter Beweis stellen, sondern - wie im Falle der Vertriebenen - auch ihre enorme Leistungsfähigkeit im sozialen Bereich. In einem Land wie dem Libanon, wo die sozialen Dienstleistungen, vor allem für die Armen, sehr rückständig sind, ist die von der Hisbollah bereitgestellte soziale Infrastruktur ein Modell für moderne Effizienz. So betreibt die Hisbollah 46 medizinische Zentren und ein Hospital. Hisbollahs 'Dschihad des Aufbaus' hat während der 90ger Jahre die soziale und materielle Infrastruktur des Südlibanon beaufsichtigt. Nun steht sie bereit, eine noch größere Nachkriegs-Wiederaufbauarbeit zu managen.
Sowohl international als auch im Libanon sind talentierte Intellektuelle und Sprecher der Hisbollah ins Rampenlist gerückt, so Dr. Ali Fayyad, Leiter des 'Consultive Center for Studies and Documentation' (CCSD). Das Zentrum beherbergt mehr als 300 Berichte zu sozialen, ökonomischen, politischen und verwaltungstechnischen Themen.
Dr. Ali ist ein Stadtintellektueller. Er nennt uns drei Gründe für den Sieg der Hisbollah. Erstens hätten deren Raketen die israelische Airpower neutralisiert und so für freien Luftraum ohne Flugzeuge gesorgt; von diesem Luftraum aus konnte angegriffen werden. Als zweiten Grund nennt er die Guerillataktik der Hisbollah, die die israelische Armee kalt erwischte, da diese an den Kampf mit konventionellen arabischen Streitkräften gewöhnt sei. Drittens sei der einzelne Hisbollah-Kämpfer "nicht nur ein Guerillakämpfer, der gelernt hat, sich zu verteidigen, er ist auch erfüllt von der ideologischen Überzeugung, auf dem richtigen Weg zu sein".
Fayyed wechselt das Thema. "Prinzipiell bestimmen natürlich libanon-interne Erwägungen" die Politik der Hisbollah, "aber wir denken auch an den Kampf der Palästinenser und an internationale Solidarität". Diese arabische/internationalistische Perspektive bringt der Hisbollah viel Resonanz ein - nicht nur aus der gesamten arabischen Welt, sondern auch aus anderen Erdteilen. Mit Bewunderung sprechen Führer der Hisbollah beispielsweise vom venezolanischen Präsidenten Hugo Chavez, und es heißt, die Bewunderung sei wechselseitig.
Fayyad ist Mitglied des Politbüros der Hisbollah. Während des 30-tägigen Krieges wurde er zu einem öffentlichen Gesicht der Hisbollah. Fast jeden Abend musste er Quartier und Fahrzeuge wechseln, denn es war davon auszugehen, dass er eines der gefährdetsten Ziele der Israelis war.
Am heutigen Abend des 14. August ist Beirut eine Stadt der Trauer und des Stolzes - doch Letzteres überwiegt eindeutig. Überall in der Stadt sieht man Autokorsos, die Hisbollah und deren Generalsekretär Hassan Nasrallah feiern. Gegen 21 Uhr erscheint Nasrallah im Fernsehen. Alle schalten ein. Nasrallah verkündet einen "unglaublich großen strategischen Sieg für den Libanon". Hisbollah sei bereit, so verkündet er, ihre Kämpfer hinter den Litani-Fluss zurückzuziehen.
Während Nasrallah spricht, sagt ein hoher Offizieller der Libanesischen Kommunistischen Partei (vielleicht die Verkörperung der säkularen Politik des Libanon?) über den Mann, der der islamischen Politik sein Gesicht gegeben hat: "Das ist unser arabischer Che Guevara... mit Turban".
Walden Bello ist Professor für Soziologie an der University of the Philippines und leitender Direktor des Forschungs- und Advokativinstituts 'Focus on the Global South' in Bangkok. Als Mitglied der 'International Civil Society and Parliamentary Peace Mission' besuchte er den Libanon.
Anmerkung der Übersetzerin
Der Inhalt des Artikels spiegelt nicht meine persönliche Meinung wider.
Orginalartikel:
A Bittersweet Day
Übersetzt von:
Andrea Noll
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