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Fragwürdige Medienberichte in Israel - nur in Israel ?

Beispiel: 6 bewaffnete Palästinenser in Tulkarem getötet ( Haaretz Juli 2004)

von ISM

31.07.2004 — ISM / ZNet Deutschland

— abgelegt unter:

Von ISM in Tulkarem Nach Haaretz-daily online hieß es am Sonntagabend: „6 bewaffnete Palästinenser wurden von einer Undercover-Grenzpolizeitruppe in der Westbank-Stadt Tulkarem am Sonntag getötet. Nach militärischen Quellen heißt es, die 6 seien Mitglieder von Fatahs militärischem Flügel, den Al-Aqsa –Märtyrerbrigaden, gewesen, die auf dem Weg waren, einen Terrorakt zu begehen... ein Schusswechsel folgte, in dem die 6 getötet wurden, einschließlich von zwei lokalen Führern der Gruppe“ Die Beschreibung in Haaretz hat wenig Ähnlichkeit mit dem, was vor Ort geschehen ist. 6 Palästinenser wurden 100m von der Wohnung, in der sich zu diesem Zeitpunkt drei ISM-Leute aufhielten, ermordet .Nur zwei der ermordeten Pal. waren Mitglieder der Al-Aqsa-Märtyrer –Brigaden. Nach verlässlichen Quellen in Tulkarem waren die anderen vier einfach unschuldige Passanten. Der Haaretz-Bericht , der auf israelischen Militärquellen beruht, verdreht die Wirklichkeit, indem er alle Opfer als Mitglieder des bewaffneten Widerstands bezeichnet und suggeriert, dass die Palästinenser das Feuer eröffnet hätten und im Begriff waren einen „Terrorakt“ zu begehen. Er versäumt zu bemerken, dass vier der Getöteten palästinensische Zivilisten waren und dass es wenigstens drei Verwundete gab und dass medizinischem Personal der Weg zu ihnen verweigert wurde.

Dieser Bericht in Haaretz, wahrscheinlich die angesehenste israelische Zeitung, bietet den Israelis und der Welt eine ungenaue Beschreibung einer israelischen Militäraktion in den besetzten Gebieten dar, und wie die Palästinenser die israelische Besatzung erfahren. Der Haaretz-Bericht macht sich mitschuldig, indem er das brutale militärische Töten von vier unschuldigen palästinensischen Zivilisten vertuscht. Hunderte von jährlich gedruckten Geschichten dieser Art, in denen jeder getötete Palästinenser ein „Militanter“ war, der auf dem Weg war, einen „Terrorakt zu begehen“ geben eine völlig andere Realität von dem wieder , was täglich vor Ort geschieht. Diese Art von einseitigen Berichten entmenschlichen die Palästinenser und vertuschen die israelischen militärischen Verbrechen mehr als dass sie das Verständnis und das Wissen der Leser vermehren.

1.„6 Mitglieder der Al-Aqsa-Brigaden“? Von den 6 Ermordeten waren nur zwei Mitglieder der Brigaden: Hani Awaida (27) und Mahdi Tambouz (25) waren bekannte Führer der Al-Aqsa-Märtyrer-Brigaden in Tulkarem, die das israelische Militär schon viele Male zu töten oder zu fangen versucht hatte. Z.B. vor drei Wochen besuchten ISM-Freiwillige einen Friseurladen, kurz nachdem 6 Palästinenser ( einschließlich drei Barbieren) von israelischen Soldaten festgenommen worden waren. Nur wenige Minuten vorher hatte Mahdi den Laden verlassen. Alle sagten, dass die Soldaten an diesem Tag nach Mahdi suchten. Sayed Abu Qumra (24) und Ahmed Barouk (26), beide getötet, waren Zivilisten, die zufällig in der Nähe waren und Freunde besuchten. Sie hatten keine Verbindung zum bewaffneten Widerstand Abderrahim Hassan Shahid (34) wurde auch getötet. Er war ein Vertreter der paläst. Sicherheitsdienste, der auf dem Weg zur nahen Polizeistation war. Er war – wie berichtet worden - mit seinem Handy in Kontakt mit seinen Kollegen und sagte, dass da irgendwas los sei – plötzlich war die Linie tot. Der 18 jährige Mohammed Shanti war unser nächster Nachbar. Er hatte vor kurzem sein Abitur mit Erfolg bestanden. Er hatte keine Verbindung zum palästinensischen Widerstand.

2.„Es folgte ein Schusswechsel“ ? Aus 100 m Entfernung hörten die ISM –Leute die ganze Schießerei. Es gab eine lange Schusssalve, eine kurze Salve und Minuten später noch eine mittellange Salve. Es gab kein Geräusch vom Schießen aus paläst. Waffen. Zeugen bestätigten, dass es kein Schießen von palästinensischer Seite gab und dass die sechs sofort erschossen wurden und zwar aus ziemlicher Nähe von israelischen Spezialkräften, die mit einem Wagen mit palästinensischem Nummernschild kamen. Sie hatten gar keine Zeit zu reagieren.

3.„Sechs bewaffnete Palästinenser“? Zwei von ihnen mögen bewaffnet gewesen sein, obwohl die Zeugen keine Waffen gesehen haben. Palästinensische Quellen vermuten, dass es möglich war, dass zu dieser Zeit Mahdi und Hani bewaffnet waren, da sie häufig bewaffnet waren. Wenn sie Waffen gehabt haben, müsste die israelische Armee sie ihnen weggenommen haben, denn es waren neben den Leichen keine Waffen zu finden, nachdem sich die Soldaten zurückgezogen hatten. Der Sicherheitsagent Abderrahim Shahid war unbewaffnet, wie auch die anderen drei Zivilisten.

4.„Auf ihrem Weg, um einen Terrorakt auszuführen?“ Awaida und Tambouz standen am Straßenrand und aßen etwas, als sie ermordet wurden. Die israelische Armee hatte in den letzten Monaten vielfach versucht, die beiden, die dem pal. bewaffneten Widerstand angehörten zu töten. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass sie in dem Moment, in dem sie getötet wurden, dabei waren, einen Angriff auszuführen. Es geschah in dem Augenblick, als den Soldaten – wieder einmal – ein Tip von einem Kollaborateur gegeben worden war.

5.Wichtige Punkte sind im Haaretz-Artikel vergessen worden.: Zusätzlich zur fehlenden Bemerkung, dass von den 6 Ermordeten vier unschuldige Zivilisten waren, berichtet Haaretz nicht über folgende Punkte: Die israelischen Soldaten verweigerten dem palästinensischen Sanitätern für 20-30 Minuten den Zugang zu dem Bereich, in dem die Angeschossenen lagen. Wenigstens 15 Minuten standen drei ISMler mit leuchtend oranger Weste in Sichtweite der Soldaten und ca 70 m entfernt vom 18jährigen Mohammed Shanti, der auf der Straße liegend starb. Die ISMlers schrieen, dass er medizinische Hilfe benötigt. Die Antwort eines isr. Soldaten war, dass er mit einem Lasersichtgewehr auf die Brust eines ISMler zielte.

6.Drei andere Zivilisten wurden vom israelischen wahllosen Herumschießen verwundet. Der 10 jährige Mohsen Naim wurde ins Bein geschossen. Der 60jährige Khalil Zeidan wurde in den Rücken geschossen, während er auf der Straße saß, und der 19jährige Hashim Jarrad wurde ins Handgelenk geschossen, während er im Barbierladen seines Onkels in Deckung zu gehen versuchte.

Ich fürchte, wir werden nicht den Mut haben, unsern Nachbar zu erzählen, dass Haaretz der Welt berichtet, dass ihr 18 jähriger Sohn Mohammed, der gerade das Abitur gemacht hatte und zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort war, ein gefährlicher Terrorist wäre. (Für nähere Information aus Tulkarem: Pat: 00972-54-6253 451; Phyllis: 00972-54 7834 954 )

Orginalartikel: Dieser Artikel ist NICHT auf www.zmag.org erschienen!
Übersetzt von: Ellen Rohlfs
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