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Freistoß für Nike

von Robert Weissman und Russell Mokhiber

23.09.2003 — ZNet

— abgelegt unter:
Weshalb legte Mark Kasky seine Klage gegen Nike, für eine Zahlung in Höhe von $1,5 Millionen an die Fair Labor Association nieder, eine Gruppierung, die von Nike und andere große Schuhfabrikanten kontrolliert wird?

Kasky, der in zahlreiche Presseberichte als "Arbeitsaktivist" und "Stechmücke" bezeichnet wurde, verdient sicher Anerkennung, für die mutige Einreichung einer Klage gegen Nike bei einem Kalifornischen Gericht, in der die Firma beschuldigt wurde, über ihre Operationen im Übersee und die Behandlung der Arbeiter durch seine Lieferanten gelogen zu haben.

In 2002 wies das Oberste Gerichtshof von Kalifornien Einsprüche der Nike-Anwälte ab, denen zufolge der Erste Zusatzartikel der Firma Immunität gegen Klagen unter dem Verbraucherschutzgesetz gewähren würde.

Nike legte beim Obersten U.S. Gerichtshof Berufung ein, und in einem Sieg für Kasky am Anfang dieses Jahres, überstellte den Fall an Kalifornien.

Aber Anfang September legte Kasky die Klage gegen den Schuhgigant nieder.

Im Rahmen des Ausgleiches, stimmte Nike zu der Fair Labor Association (FLA) in Washington D.C., eine Zahlung von 1,5 Millionen Dollar zu leisten.

In einer gemeinsamen Presseerklärung von Kasky und Nike heißt es, "Mr Kasky ist zufrieden, dass diese Beilegung, den Willen von Nike zeigt, positive Änderungen für die Arbeiter herbeizuführen."

Sweatshop-Aktivisten zeigten sich letzte Woche empört über den Ausgleich, und wiesen darauf hin, dass FLA von Nike und Schuh- und Bekleidungsindustrie kontrolliert wird.

"Nike und seine Konzernkumpel leiten praktisch die FLA ," sagte Andy Eisen, ein Student am Lake Forest College und Mitglied der Studentenvereinigung gegen Sweatshops (United Students Against Sweatshops - USAS). "Sie wird von und für die Konzerne geleitet, die sie eigentlich überwachen sollte."

Konzerne halten sechs der Sitze im Vorstand der FLA, und die FLA Grundsatzerklärung besagt, dass einer überwiegende Mehrheit der Konzerne im Vorstand für die alle Bewilligung wichtiger Entscheidungen vonnöten sei.

Studenten griffen auch die Tätigkeiten der FLA als verschlossen und ineffektiv, und sagten, dass die wichtigsten Informationen der Öffentlichkeit vorenthalten würden.

"Diese Organisation besteht schon seit Jahren, und kann bis heute praktisch keine einzige Errungenschaft vorzeigen." sagte Julia Plascencia, eine Studentin der Universität von Kalifornien, Los Angeles. "Wir fordern nichts unmögliches - eine wirklich unabhängige Überwachungsorganisation wie das Worker Rights Consortium veröffentlich regelmäßig ausführliche Berichte über spezifische Fabriken für die Öffentlichkeit, während die FLA Jahre brauchte, um einen einzigen Bericht zu veröffentlichen, der nicht einmal die Adressen der Fabriken enthielt."

Kasky, der für die San Diego Naval Training Center Foundation in San Diego, Kalifornien, arbeitet, verweigerte jedes Kommentar.

Er hat ähnliche Klagen gegen andere Konzerne eingereicht, darunter auch gegen die Tarrant Apparel Group in 1997. Dieser Fall wurde von einem Kalifornischen Staatsgericht abgewiesen. Kaskys Anwalt, Alan Caplan, von Caplan & Fielding in San Francisco, verweigerte jedes Kommentar.

Die New York Times berichtete in September, dass "andere Bedingungen der Beilegung wurden nicht veröffentlichen, und Anwälte beider Seiten weigerten sich zu enthüllen, ob Nike Mr. Kaskys gerichtliche Gebühren bezahlt hat oder andere Zahlungen leistete."

Jeffrey Ballinger, ausführender Direktor von Press for Change, die Gruppe, die einst die Konzernkampagne gegen Nike in den 90er Jahren initiiert hatte, sagte er hätte Kaskys Anwälte Alan Caplan und Phil Neumark im Juli dieses Jahres in Italien getroffen, um die Beweisführung für den kommenden Prozess zu besprechen.

Ballinger sagte, die Anwälte hätten nichts über eine mögliche Beilegung erwähnt - sie sprachen nur über die bevorstehende Beweisführung und den Prozess.

Nachdem er von der Beilegung erfahren hatte, rief Ballinger bei Caplan an um eine Erklärung zu fordern, aber Caplan rief niemals zurück.

"Die Bedingungen der Beilegung wurden gänzlich von Nike gestellt," sagte Ballinger. "Wenn Nike irgendwelches Geld lockermachen sollten um diese Art von Klage beizulegen, sollte es an die Arbeiter gehen, die von Nike betrogen worden sind. Ende der Geschichte. Nike wurde niemals gezwungen für den Betrug zu zahlen, der in ihren Vertragsfabriken geleistet wurde - eine Betrug, der über mehrere Jahre hinweg in seine indonesischen Fabriken dokumentiert worden ist. Zehntausende von Arbeiter wurden mit einem illegalen Lehrlingsgehalt entlohnt. Nike gab das in 1996 zu."

Ballinger schätzt, dass Nike den indonesischen Arbeiter etwa zwischen $8 und $12 Millionen schuldet, "nur für den Lohnbetrug."

"Man könnte auch die sexuelle Belästigung erwähnen," sagte er. "Eine Art Wiedergutmachung sollte da geleistet werden. Nach Nikes eigenes Eingeständnis, fand eine weitverbreitete sexuelle Belästigung statt. 2001 gab es dazu ein Bericht, der von einer Nike-gesponserten falschen NGO veröffentlich wurde - die Global Alliance."

Ballinger weist darauf hin, dass Nike sein Reichtum auf zahlreiche Lobbygruppen verteilt hat - an Jesse Jacksons Rainbow Coalition, an das Robert F. Kennedy Menschenrechtszentrum - in einer sehr erfolgreichen Bemühung, sich hinsichtlich des Missbrauchs der Nike-Arbeiter Schweigen zu erkaufen.

Die Beweisführung im Kasky Fall hatte das Potential, die Nike Akten für die öffentliche Aufmerksamkeit zu öffnen, und die Misshandlung von Arbeiter auf der ganzen Welt, sowie den Geldfluss von Nike an öffentliche Lobbygruppen zu dokumentieren.

Und Kasky und seine Anwälte legten diesen potentiell historischen Fall für eine Spende von $1,5 Millionen, an eine Gruppe nieder, die von der Schuh- und Bekleidungsindustrie kontrolliert wird. Und jetzt wollen sie nicht darüber reden.

Ende der Geschichte?

Wir denken nicht.

Russell Mokhiber ist Herausgeber des Corporate Crime Reporter, in Washington D.C. http://www.corporatecrimereporter.com. Robert Weissman ist Herausgeber des Multinational Monitor, , in Washington D.C. http://www.multinationalmonitor.org.

Gemeinsam sind sie Co-Autoren von 'Corporate Predators: The Hunt for MegaProfits and the Attack on Democracy' (Monroe, Maine: Common Courage Press; http://www.corporatepredators.org).

Orginalartikel: Nike Gets a Pass
Übersetzt von: Dana
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