Frohes Trauern, Amerika
von Mickey Z
08.06.2004 — ZNet
Als ich hörte, dass Ronnie Raygun endlich den Löffel abgegeben hat, sagte ich laut: "Ein Verbrecher weniger auf dieser Welt."
Als Präsident (sic) Bush die gleiche Nachricht hörte, erklärte er Freitag, den 11. Juni, zum "Tag der nationalen Trauer" für den toten Präsidenten.
Ich sehe Dubya und gebe das zurück: Ich erkläre Freitag, den 11. Juni, zum
nationalen Feiertag für Rayguns Opfer. Wie Bill Blum schreibt, Ronnies "größte Verbrechen waren die blutige militärische Aktionen zur Unterdrückung sozialer und politischer Veränderungen in El Salvador, Nicaragua, Guatemala und Afghanistan." Reagen nannte die Nicaraguanische Contras "das moralische Äquivalent zu den amerikanischen Gründerväter" und diese noble Gruppe von "Friedenskämpfer" griffen regelmäßig Zivilisten an, schnitten Frauen die Brüste und Männern die Testikel ab, rissen Augen aus, köpften Babys, benutzten Kinder als Übungsziele und schlitzten Kehlen auf und zogen die Zunge der Opfer durch den Schnitt.
Trauern wir doch für das 14-jährige Nicaraguanische Mädchen, die von Reagens moralischen Helden mehrfach vergewaltigt und geköpft wurde . und deren Kopf danach auf einen Pfahl aufgespießt wurde, als Warnung für die Regierungsanhänger ihres Dorfes. (Der Vorsitzende von America Watch und Helsinki Watch zog den Schluss: "die US können sich der Verantwortung für diese Greueltaten nicht entziehen.")
Aber warum bei denen aufhören, die auf Geheiß von Kriegsverbrecher Nr. 40 gestorben sind? Trauern wir um Sacco und Vanzetti, Julius und Ethel, Fred Hampton, Rachel Corrie, Ken Saro Wiwa, und die Tausende, die von Pinochets Handlanger in das Chilenische Fußballstadion zusammen getrieben worden sind. Drei Millionen Tote in Südostasien verdienen einen Tag der Trauer, oder? Wie steht es um die 100 und mehr, die von Dubya in Texas hingerichtet wurden, und die Zehntausende die er im Irak und Afghanistan zum Tode verurteilt hat? Vergessen wir auch nicht die Vietnamesen, die die "Greueltaten" zu erleiden hatten, an die John Kerry zugibt teilgenommen zu haben, oder die Opfer der NAFTA oder des Wohlfahrtsaufhebungsgesetz, den Kerry unterstützte.
Zum Teufel mit Raygun. Ich will einen globalen Trauertag für die amerikanischen Ureinwohner und die Opfer des afrikanischen Sklavenhandels. Die Millionen Opfer in Indonesien, in den 60ern, die 300.000 in Osttimor in der 70ern, die halbe Million Irakische Kinder in den 90ern.
Ich könnte ewig so weitermachen ... aber ich bin sicher Sie begreifen die Grundidee. Es herrschte niemals Mangel an U.S.- gesponserte und unterstützte Greueltaten, und zwangsläufig herrscht auch kein Mangel an Medienpropaganda, um diese Greueltaten in edle Siege zu verwandeln. Ein ausschlaggebendes Element der linken Medienkritik betrifft die Enthüllung des vorhersagbaren Verhaltens der Massenmedien in solchen Situationen:
Ereignis A findet statt. Reaktion A erfolgt. Die öffentliche Meinung wird gebildet.
Reagen stirbt. Die Medien sprechen ihn heilig und ignorieren seine Verbrechen. Amerika trauert.
Aber wie reagieren die Linken? Reagen verröchelt ... und das Standard-Programm wird angewendet:
a) Seine tatsächliches Lebenswerk wird dokumentiert und der Medienverzerrung entgegengehalten. b) Historische Beispiele werden vorgelegt um zu demonstrieren, dass ein derartiges Verhalten von U.S. Führer nichts ungewöhnliches ist c) Ein paar motivierte Linken vertiefen sich in Reagens Errungenschaften und stauben ein Buchvertrag ab.
Spulen wir vor zu Kissingers Tod in, sagen wir, 2007. Ein ähnliches Muster wird sich abzeichnen ... und ein paar Bücher mehr werden publiziert werden. Sicher, die Nation Linken werden sich mit den Counterpunch Linken herumstreiten, aber die Konzern/militärische Maschine rollt weiter.
Etwas muss sich ändern...
Ronnie Raygun war nur eine symptomatische Eiterbeule einer ernsteren Krankheit. Selbst wenn er entwürdigt in einer Gefängniszelle gestorben wäre (wie er es verdient hätte), er bleibt dennoch nur eine mickrige Bazille. Wir müssen die schnellen Sofortheilmittelchen aufgeben, und unser langzeitliches Immunsystem vor systematischen Krankheiten stärken, die Männer wie ihn an die Macht bringen.
Wie viele weitere Ronnie Rayguns können wir schließlich überleben?
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