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Fürchtet euch sehr - Bush Productions in Aktion

von Robert Fisk

17.08.2002 — Independent / ZNet

— abgelegt unter:

Ich hatte schon immer eine Leidenschaft für Monumentalfilme. Seitdem mein Dad mich mitnahm um Quo Vadis zu sehen - der mit dem Zenturio Robert Taylor endet, der mit seiner Braut im Arm seiner Hinrichtung entgegengeht - bin ich filmsüchtig gewesen. Mein Dad machte keinen großen Unterschied zwischen große Filme und B-Movies; er brachte es fertig "Hercules in Atlantis" zwischen Ben Hur und Spartacus zu zwängen. Aber die unglaubliche Aussetzung des Unglaubens, die das Kino mit sich bringt, trug mich geradewegs zu Titanic, Perl Harbor und Gladiator. Sie mögen schrecklich sein. Aber sie sind spektakulär.

Aber das wichtige, wie mein Vater mir zu sagen pflegte, war sich daran zu erinnern, dass Kino nicht wirklich die Wirklichkeit nachahmt. Frisch konvertierte christliche Zenturios gingen nicht so friedlich in ihrem Tod, und auf der Titanic regierte nicht die Liebe. Die Kampfpiloten von Pearl Harbor waren nicht so heldenhaft, und hinterhältige römische Kaiser starben nicht so jung. Seit John Waynes "The Green Berets", haben uns Kriegsfilme was das Leben und den Tod angeht angelogen. Nach den Verbrechen gegen die Menschheit in New York und Washington im letzten September, war es wahrscheinlich unvermeidbar, dass der Pentagon und die CIA Hollywood um Ideen anhauen würde - ja, die Filmjungs gingen tatsächlich nach Washington für eine kleine Synergie mit den lokalen Prinzen der Finsternis. Aber als Vizepräsident Cheney und der Verteidigungsminister Rumsfeld gemeinsam bei der Prämiere von Black Hawk Dawk auftauchte, fing ich an mir Sorgen zu machen.

Wenn die Bush Regierung schließlich so scharf auf Krieg ist, sollte sie lieber den Unterschied zwischen Hollywood und dem wahren Leben herausfinden. Was wir aber stattdessen kriegen, ist eine Filmversion der Wirklichkeit, ein fiktives Werk um die Aussicht eines "endlosen Krieges" zu rechtfertigen. Es begann natürlich, mit all dem Gefasel über "Kreuzzüge" und dem "Krieg gegen den Terror" und "Krieg gegen das Böse" an, mit dem mittlerweile berühmten "sie hassen uns, weil wir eine Demokratie sind", die "Achse des Bösen", und das allerneueste - es wäre zum totlachen, wenn dieser Müll nicht von der Rand Corporation kommen würde - dem "Kern des Bösen". Das letztere sollte übrigens Saudi Arabien sein, aber es könnte genauso der Iran, der Irak, Syrien, oder sonst alles westlich der Pecos gewesen sein. Damit einhergehend wird Geschichtsfälschung betrieben. Sogar ein Krimi liefert ein Motiv für das Verbrechen, aber nach dem 11. September erlaubten Bush Productions keinerlei Diskussionen über Motive. Die Identität und Religion der Täter war zulässige Information: sie waren Araber, Muslime. Aber sobald irgendeiner von uns vorschlug, ein Blick auf die Gegend, aus der diese Araber stammten zu werfen - ein Gebiet voller Ungerechtigkeit, Unterdrückung, Besetzung und UN-sanktionierter Kindersterblichkeit - wurden wir, wie bereits in dieser Kolumne beschrieben, einer Verleumdungskampagne unterworfen.

Als Bushs regionale Feinde anfingen zahlreicher zu werden, um nicht nur die al-Qa`ida zu umfassen, sondern auch den Irak, den Iran und deren Verbündeten, fing man an ein Geflecht von Märchen zu weben. Im letzten Juni zum Beispiel, spann Donald Rumsfeld Geschichten über den Iran. Auf einer Pressekonferenz in Qatar - diese Lügen können wohlgemerkt sowohl im Westen als auch in der arabischen Welt gesponnen werden - erzählte uns Rumsfeld, dass die Iraner "terroristische Aktivitäten betreiben, und Leute durch Damaskus und in dem Bekaa Tal durchschleusten. Sie haben der al-Qa'ida Unterschlupf gewährt, und die Bewegungen der al-Qa'ida aus Afghanistan durch den Iran erleichtert."

Die Implikation all dessen ist nun, dass al-Qa'ida Leute mit der Hilfe des Irans und Syriens in den Libanon geschleust worden sind. Wir wissen jedoch, dass der Iran, weit davon entfernt al-Qa'ida nach Syrien zu "transportieren ", sie nach Saudi Arabien verlud, dem Gefängnis und der möglichen Hinrichtung entgegen. Wir wissen, dass die Syrier einen wichtigen al-Qa'ida Offiziellen gefangen haben. Die Amerikaner haben seit dem all dies anerkannt. Und mit der Ausnahme von 10 Libanesen, die sich in einem palästinensischen Camp versteckt hatten - die wahrscheinlich keinen Kontakt zur al-Qa'ida hatten - hat Osama bin Laden keinen einzigen Anhänger im Libanon.

Die Hizbollah musste also für den Angriff erst aufgebaut werden. Die Washington Post schaffte dies im letzten Monat mit dem folgendem: "Die in libanesische Hizbollah Organisation, eine der schrecklichsten terroristischen Gruppen der ganzen Welt, arbeitet nach Informationen von US und europäischen Geheimdienstmitarbeiter und Terrorismusexperten, bei der Logistik und der Ausbildung für terroristische Operationen immer enger mit der al-Qa'ida zusammen." Dieser Unsinn wurde von Steven Simon bestärkt, der einst für den nationalen US Sicherheitsrat gearbeitet hatte, und verkündete, es gäbe eine "Konvergenz der Ziele. Da liegt was im "Zeitgeist" das inzwischen ziemlich fest errichtet ist." Außer, natürlich - trotz des Zeitgeistes - das dies einfach nicht wahr ist.

Die Washington Post hatte bereits die Palästinenser als Amerikas Feinde aufgebaut - wieder einmal waren "Terrorismusexperten" die Quelle der Geschichte - indem sie den Lesern in Mai erzählte, dass "die schlichte Zahl der Selbstmordattentäter die Israel in diesem Frühling angegriffen haben, Terrorismusexperten fürchten lässt, dass diese Taktik in die Vereinigten Staaten exportiert werden wird."

Ein ähnliches Thema wurde ursprünglich benutzt um Saddam Hussein als al-Qa' ida Verbündeten aufzubauen. In März erklärte der CIA Direktor George Tenet, dass Bagdad "ebenfalls Kontakte zum al-Qa'ida hat" , obwohl er diese kahle Erklärung etwas verdünnte, als er hinzufügte, "die gemeinsame Antipathie der zwei Seiten gegen die Vereinigten Staaten und dem saudischen Königshaus vermuten lässt, dass eine taktische Kooperationen zwischen ihnen möglich ist ". Man achte auf die Diskrepanz zwischen "hat ebenfalls Kontakte" und "ist möglich".

Was die Westbank angeht, hat Rumsfeld bereits über die "sogenannten besetzten" Gebieten geredet, eine Abschwächung der empörenden Kolumne von William Safire in der New York Times im letzten März, in der er uns ermahnte die besetzten Gebiete nicht besetzt zu nennen. "Sie als 'besetzt' zu bezeichnen, offenbart eine Voreingenommenheit gegen das Recht Israels auf das was 'sichere und geschützte' Grenzen sein sollten," schrieb er. Jetzt haben wir Condoleezza Rice, Präsident Bushs Beraterin für Nationale Sicherheit, die uns sagt dass "Arafat jemand ist, der es unterließ zu führen, als er die Chance hatte. Ehud Barak gab ihm eine großartige Gelegenheit zu führen. Und was haben sie im Gegenzug dafür erhalten? Arafat begann stattdessen die zweite Intifada, und schlug die angebotene Hand der Freundschaft aus".

Nun stimmt es, dass Ms Rices Kenntnisse über den Mittleren Osten mit jeder Woche schwächer werden, aber diese greifbare Fälschung ist nun die offizielle "Linie" Washingtons. Es wird natürlich nicht erwähnt, dass Arafats "Führung" darin bestehen sollte, die israelische Souveränität über ganz Jerusalem zu akzeptieren, keine Erwähnung des "Rechts auf Rückkehr" für einen einzigen Flüchtling, der israelischen Siedlungen, die illegal östlich vor Jerusalem errichtet wurden, der 10-Meilen breiten israelischen Pufferzone um "Palästina", der kaum 46% der 22% von Palästina, die nach Verhandlungen den Palästinenser übergeben werden sollte.

Es ist nicht schwer zu sehen was vor sich geht. Nicht nur die al-Qa'ida sind der "Feind". Auch der Irak, Syrien, der Libanon, Palästina und Saudi-Arabien. Bush Productions nehmen die arabische Welt im Angriff. Wir werden auf ein Monumentalfilm vorbereitet, ein Spektakel, unterstützt von Hollywood Fiktion und einem Geflecht von Lügen. Leider weilt mein Vater nicht mehr unter uns, um sie daran zu erinnern, dass das Kino nicht die Realität imitiert, dass Kriegsfilme über Leben und Tod lügen.

Orginalartikel: Be Very Afraid
Übersetzt von: Dana
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