Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Artikel Hindutva und Zionismus: Kompradorenstaaten des Pentagon, Inc.
Artikelaktionen

Hindutva und Zionismus: Kompradorenstaaten des Pentagon, Inc.

von Vijay Prashad

08.10.2001 — ZNet Kommentar

— abgelegt unter: ,

George W. Bush hat eine Katze, die India (Indien) heißt. Empört über diese Nachricht protestierten ca. 30 Aktivisten der BJP, der Partei der hinduistischen Rechten, vor der amerikanischen Botschaft in Neu Delhi. «Wir sind keine Katzen, wir sind Löwen», sagte einer. Löwen poussieren nicht mit Lämmern oder Ziegen.

Und deshalb will sich die Regierung der Hindu-Rechten auch nicht mit Pakistan einlassen, sie bevorzugt die anderen Löwen der Region, wie Israel, und die USA, den großen Löwen des Planeten.

Der Wutausbruch gegen Bush II hat wenig zu tun mit Antiimperialismus. Während der eine Teil der Regierung der Hindu-Rechten (unter der Leitung des Ministeriums für De-Investition) die wirtschaftliche Unabhängigkeit Indiens zugunsten der internationalen Konzerne und des Dollars vernichtet, präsentiert der andere Teil derselben Regierung (unter der Leitung dessen, was man getrost Ministerium für Desinformation nennen könnte) den Kindern der Nation eine chauvinistische Version der Geschichte: die große Hindu-Nation bringe das nächste universale Imperium hervor. Die Hindu-Rechte ist das trojanische Pferd der kapitalistischen Globalisierung, auch wenn sie sich selbst als den siegreichen Löwen des neuen Jahrhunderts ausgibt.

Ob es um Raketenabwehr geht oder Globalisierung – bei einer Vielzahl der heute strittigen Themen schlägt sich die Regierung Indiens sklavisch auf die Seite der USA (selbst dann, wenn es unter den im Allgemeinen unterwürfigen G8 Widerspruch gibt). Diese Politik steht im Gegensatz zu allen Erwartungen an die Regierung eines Landes, das einmal den Ruf hatte, sich unbeirrbar für einen Dritten Weg in der internationalen Politik, für friedliche Koexistenz und gegen Nuklearwaffen und Armut einzusetzen. Nehru war kein Castro, aber er war keinesfalls ein Hindu-Rechter.

Die Regierung der Hindu-Rechten träumt von einer Allianz mit den Löwen der Welt, mit den USA und Israel, die es Indien erlauben soll, an der Tafel der Reichen mitzuspeisen. Den militärischen Beziehungen wird der Handel folgen, glauben sie.

Folglich betreibt die Hindu-Rechte einen umfassenden Ausverkauf zugunsten der außen- und militärpolitischen Ziele der USA und Israels. In ihrem Buch «Empire» meinen die Autoren Hardt und Negri, der Begriff Imperialismus sei veraltet; die heutige politische und ökonomische Welt habe kein wirkliches Zentrum. Um zu diesem Ergebnis zu kommen, müssen sie die Welt des Militärs (und bis zu einem gewissen Grad auch die des Dollars - siehe hierzu Peter Gowans «The Global Gambit») ignorieren. Und sie haben falsche Vorstellungen von den Auseinandersetzungen zwischen früheren Imperialismen. Die Imperialismen der Vergangenheit (der englische, der französische, der deutsche, der japanische) blieben beispielsweise jeweils auf bestimmte Regionen beschränkt, und diese auf Nationen basierenden Gebilde gerieten in Konflikt zueinander. Wenn auch die Briten eine Zeitlang über die anderen dominierten, so hieß dies nicht, dass sie nicht mehr den Druck der übrigen europäischen Anwärter gespürt hätten. Dieses Modell ist, mit Modifikationen, durchaus heute noch gültig. Die USA sind Hegemon nicht im totalen Sinne, sondern durch die Bündnisse mit subimperialistischen Mächten (in Westasien mit Israel, in Ostasien mit Japan und Südkorea usw.) und durch Militärabkommen mit geringeren Mächten (die US-Marine führt gemeinsame Manöver z.B. in Asien mit Singapur, Indien, Indonesien, Malaysia und vielen anderen durch). Wenn man die Rolle der offiziellen Streitkräfte (des Militärs) und der inoffiziellen Truppen (der paramilitärischen Einheiten) ausklammert, dann hat man keinen Begriff von der Funktionsweise des Imperialismus.

Mitmischen bei den großen Jungs

Anders als Hardt und Negri sieht die Hindu-Rechte sehr wohl, welche Rolle der US-Imperialismus und der israelische Sub-Imperialismus spielen, und wollen in Südasien Teilhaber sein. Die Hindu-Rechte strebt anscheinend eine Art Franchise-Konzession als US-Lakai gegen «islamischen Fundamentalismus» und «chinesischen Kommunismus» an. Im Austausch gegen Handelsvereinbarungen und einen Sitz bei den großen Jungs (im UN-Sicherheitsrat) will die Regierung der Hindu-Rechten den USA Indien zum größten Flugzeugträger in Asien (und Diego Garcia und Okinawa überflüssig) machen. Seitdem Rajiv Gandhi den Golfkriegsflugzeugen 1991 das Auftanken in Mumbai/ Bombay erlaubt hat, stand die Tür dazu offen. Und die Hindu-Rechte brauchte nur noch einzutreten.

Aber ist es nicht seltsam, dass sich die hinduistische Rechte mit Israel einlässt? In den 30er Jahren begeisterte sie sich für Hitler, und einer ihrer Gründer, V.D. Savarkar, wurde in der Nazi-Presse wegen seines Enthusiasmus für den Blitzkrieg gefeiert. (Ich habe darüber in einem Buch geschrieben, das in Kürze bei Beacon Press erscheint: «Everybody was Kung Fu Fighting: Afro-Asian Connections and the Myth of Cultural Purity», und eine sehr überzeugende Analyse von Raja Harish Swamy ist im Internet verfügbar: http://www.geo cities.com/virodhi2001/IndiaResistance2001.htm). Eine andere wichtige Figur der Hindu-Rechten, M.S. Golwalkar, schrieb zum Holocaust: «Hier äußert sich der Rassenstolz in seiner höchsten Form. Deutschland hat gezeigt, dass es nahezu unmöglich ist, grundlegend differierende Rassen und Kulturen zu einem einheitlichen Ganzen zu assimilieren, und das ist für uns in Hindustan eine wichtige Lektion, aus der wir Nutzen ziehen müssen.» Diese Haltung ist in der Tat das Herzstück der Ideologie der hinduistischen Rechten, die als Hindutva bekannt ist.

Doch das Bündnis mit Israel ist freilich gar nicht so merkwürdig; auf der ideologischen Ebene ist Hindutva dem Zionismus sehr ähnlich, beide rühmen die Bedeutung des Rassenstaats, und beiden ist die Existenz einer muslimischen Minderheit äußerst unlieb. Ein aus Indien stammender Mitarbeiter des zionistischen Freeman-Center in Houston, Texas, stellt genau diese Verbindung her: «Für islamische Faschisten ist Bharat [Indien] der geeignete Ort, um ihr irrationales Credo zu propagieren und Gewalt zu schüren. Indien versucht, sie zu besänftigen. Israel dagegen wirft sie raus. Das ist was Bharat auch tun sollte. Wenn sie das Hindu Rashtra [Reich – d. Übers.] so sehr hassen, steht es ihnen ja frei, in das dar-ul Islam [das Haus des Islams – d. Übers.] zu ziehen.» (Die Behauptung, dass Indien irgendjemand «besänftige», verblüfft mich freilich sehr, angesichts der gnadenlosen Aktionen der Polizei und des Militärs z.B. gegen die Bewohner des Kashmir-Tals!)

Die Beziehungen auf inoffizieller Ebene nehmen augenscheinlich zu. Die führende indisch-amerikanische Zeitung India abroad hat einen erfahrenen jüdischen Lobbyisten angeheuert. Ralph Nurembergers Aufgabe sei, das, was er nach Ansicht der Zeitung für Israel und die jüdischen Amerikaner getan hat, nun für die Amerikaner indischer Herkunft und für Indien zu tun. Die Meinung, die indischstämmigen Amerikaner dem jüdischen Weg zum «Weißsein» folgen und sich nicht in der Welt des «Farbigseins» rumtreiben, die den Rassismus loszuwerden versucht, ist sehr verbreitet.

Sehr enge Beziehungen gibt es unter den faschistoiden Kräften beider Seiten. Ich habe kürzlich herausgefunden, dass ich auf der Abschussliste des amerikanischen Arms des berüchtigten Bajrang Dal (des Schlägertrupps der hinduistischen Rechten) stehe, der in den USA als Hindu Unity bekannt ist. Dessen Website aber wird gesponsert von niemand anders als der Kahane-Gruppe (Haktiva), die für ihren Zionismus der «eisernen Faust» ja wohlbekannt ist.

Aber die eigentlichen Gefahren gehen von den offiziellen Stellen aus. Indien und auch Israel verdanken ihre Entstehung der Verlogenheit eines untergehenden englischen Imperialismus; der zauberte die Teilungsidee hervor, um sich seiner Probleme in West- und Südasien eiligst zu entledigen. Indien war vor allem wegen des an den Palästinensern begangenen Unrechts gegen Beziehungen mit Israel. Von Ende der vierziger Jahre bis 1992 gab es keine engeren Beziehungen zwischen den beiden Ländern (mit meinem indischen Reisepass durfte ich nicht nach Südafrika und Israel reisen, die beide als rassistische Staaten angesehen wurden).

Militärische Flirts

Dies galt für die politische Ebene, anders sah es auf der militärischen aus. Im Januar 1963, einige Monate nach dem Grenzkrieg zwischen Indien und China, wandte sich die Regierung Indiens an das israelische Militärestablishment und begann einen Dialog. (Die Geschichte wurde öffentlich bekannt durch die Hindustan Time vom 15. Mai 1980.) Zwei Jahre später (1965) besuchte das israelische Kabinettsmitglied Yigal Alon Indien. Mossad und Indiens Geheimdienst Research Analysis Wing (RAW) tauschen seit den spätern Siebzigern Informationen aus.

1992 flirtete Indien offen mit dem israelischen Militär. Für diesen Politikwechsel gibt es mehrere Gründe. Erstens suchten die indischen Militärs dringend einen Lieferanten für Rüstungsgüter, da die Sowjetunion mittlerweile ausgefallen war. Zweitens führte 1991 die enthusiastische Bekehrung der indischen Regierung zum IWF-Fundamentalismus zur Ketzerei eines rapiden Pro-Amerikanismus und in dessen Schlepptau Pro-Zionismus. Das Jahr 1992 sah die Hindu-Rechte auch zu einem ersten Anwärter auf die zentralen Staatsämter aufsteigen, und ihre Ideologie war weitaus kompatibler mit der der USA und Israels als die der Linken und der linken Mitte.

Wenige Monate nach der Aufnahme voller diplomatischer Beziehungen kam ein sechsköpfige Gruppe der israelischen Streitkräfte nach Indien, um Waffengeschäfte mit dem indischen Verteidigungsministerium zu erörtern. Die Militärs wurden also zu Vorreitern der Politik.

Ganz oben auf Indiens erster Einkaufliste standen Flugzeuge, hauptsächlich um die recht altersschwachen MIG-21 und MIG-29 zu ersetzen. Aber als die Hindu-Rechte 1998 an die Macht kam, wurde die Liste wesentlich länger und komplexer, auch dies ein Hinweis auf ihre subimperialen Ambitionen in Südasien. Im Mai 1998, nur wenige Tage nach den Atomtests, reiste eine Delegation der israelischen Flugzeugindustrie an, um ihre unbemannten Anti-Schiff-Raketenflugzeuge anzubieten. Seit mindestens drei Jahren wird in Indien an Bestandteilen eines Raketenabwehrsystems gearbeitet. Gegenstand mehrerer Kaufverträge zwischen Waffenhändlern in Indien und Israel war Material für die Luftwaffe (MIGs, leichte Kampfflugzeuge, AWACs), für die Marine (Flugzeugträger, Seeradar, Kampfschiffe), für das Heer (Kampfpanzer und moderne leichte Hubschrauber) und für die Raketenabteilung des Militärs (die indischen Waffeneinkäufer wollen israelische Lenk- und Abschusssysteme für die Boden-Boden-Raketen Prithvi und für die See-Land-Sagarika-Systeme, aber Indien erhofft sich auch Israels Hilfe für die Akash, ein mit der M-11 verwandtes Raketensystem). Diese Waffen würden Indien zur größten Macht nicht nur Südasiens, sondern vielleicht auch zu der zweiten Front gegen China machen. Eine solche Entwicklung würde den USA erlauben, ihre Militärdoktrin, wonach sie nur einen großen Krieg führen können, zu revidieren; in dem neuen Szenario könnten die Stellvertretermächte sich des zweiten annehmen. Darüber hinaus könnten die Raketenabwehrkomponenten des Deals in Indien fantastische Hoffnungen nähren, die atomare Option Pakistans neutralisiert und das Gleichgewicht von 1998 zunichte gemacht zu haben. Indiens Drang nach Raketenabwehr ist Teil des Bestrebens der hinduistischen Rechten, die pakistanischen Tests in der Chagai-Region durch bloße Willensanstrengung aus der Welt zu schaffen.

Während der indisch-pakistanische Gipfel am 17. Juli im Sande verlief, trafen sich die indischen und israelischen Rüstungshändler in Israel und beschlossen ein Geschäft von 2 Milliarden US-Dollar, durch welches die indischen Kampfjets aufgerüstet und Indien mit Boden-Boden-Raketen des Barak-Typs und mit Teilen eines Raketenabwehrsystems (unbemannte Luftfahrzeuge und Radarsysteme) versorgt werden soll. Die Jungs und ihre Spielzeuge hatten in Agra bereits alle politischen Bedenken unterminiert.

Die rastlosen Tiger West- und Südasiens schließen sich den Tigern Ostasiens an, um China und die hauptsächlich muslimischen Staaten West- und Zentralasiens zu umzingeln. Die großen Katzen sind in Genua, aber sie treffen sich bezeichnenderweise auch in militärischen Hauptquartieren und in den sicheren Büros der Waffenhändler auf der ganzen Welt, bestrebt, die politischen Prozesse mit jeglicher Art Hardware zu untergraben, die sicherstellt, dass unsere Welt undemokratisch bleibt. Das Imperium lebt und es geht ihm gut.

Übersetzt von: Gisela Blomberg
Artikelaktionen