Jean-Juste frei!
von Brian Concannon
29.01.2006 — ZNet
Großartige Neuigkeiten: Der haitianische politische Gefangene Gerard Jean-Juste - "Fr. Gerry" - sitzt im Flugzeug Richtung Miami. Sein Flieger ist von Port-au-Prince auf Haiti gestartet und befindet sich derzeit in der Luft. Ein Krebszentrum in Florida hat sich bereiterklärt, Fr. Gerrys Leukämie zu behandeln. Er wird sich umgehend einer Krebstherapie unterziehen müssen und eine Lungenentzündung behandeln lassen, die er sich letzte Woche zugezogen hat.
Fr. Gerry wurde nur vorläufig auf freien Fuß gesetzt, das heißt, er muss nach der Behandlung wieder zurück nach Haiti, um sich bezüglich der gegen ihn erhobenen Anklagen, die nach wie vor anhängig sind, zu verantworten. Die aktuellen Anklagen sind so haltlos wie es frühere waren (die fallengelassen wurden). Fr. Gerrys Anwälte vom Bureau des Avocats Internationaux (BAI) haben den Anklagepunkten widersprochen und verlangen die Niederschlagung der Anklage. Der angerufene Appeals Court hat die Möglichkeit, dem Widerspruch auch in Abwesenheit von Fr. Gerry stattzugeben. Dann bräuchte der Pater nicht vor Gericht erscheinen und der Fall könnte ohne ihn abgeschlossen werden. Falls es anders kommt und er erneut vor Gericht erscheinen muss, werden die BAI-Anwälte weiter gegen die Anklagen kämpfen.
In der Zwischenzeit wird Fr. Gerry in relativer Sicherheit sein und seine Leukämie behandeln lassen. Die Ärzte, die ihn untersucht haben, sind zuversichtlich, dass die Krankheit noch in einem behandelbaren Stadium ist und erfolgreich behandelt werden kann. Um sicher zu sein, sind jedoch weitere Tests nötig.
Der Sieg am heutigen Tag bestätigt das haitianische Sprichwort: "men anpil, cheay pa lou-:" (viele Hände machen die Last leicht). Die Mobilisierung für Fr. Gerry war mit Abstand die größte und kontinuierlichste Anstrengung, die ich in meinen zehn Jahren Arbeit auf Haiti erlebt habe. Alle können stolz auf sich sein - diejenigen, die mit haitianischen und amerikanischen Offiziellen telefoniert, gefaxt und gemailt haben, diejenigen, die eine Petition unterschrieben und alle, die Informationen über Fr. Gerry an ihre Kirche, an Freunde und Verwandte weitergeleitet haben. Fast ein Dutzend Menschenrechtsgruppen, über 50 US-Kongressabgeordnete und Hunderte religiöse Führer/innen und Leiter/innen von politischen Gruppen und Menschenrechtsgruppen auf der ganzen Welt haben sich in dieser Sache zusammengetan. Sie alle haben diesen Moment erst möglich gemacht.
Gemeinsam haben wir gezeigt, dass die Welt nicht gleichgültig ist; Gerechtigkeit ist möglich und 'collective action' funktioniert. Durchaus kein kleiner Sieg.
In einem Brief aus dem Gefängnis hat Fr. Gerry noch am Freitag geschrieben: "Versteht, dass ich möchte, dass ihr euch alle nicht nur für mich einsetzt, sondern für so viele politische Gefangene wie irgend möglich - überall auf dem Planeten Erde. Sicher ist euch klar, es gibt eine große Zahl politischer Gefangener auf der Welt. Vergesst sie nicht und gedenkt ihrer in eurem Herzen... Ich bin Amnesty International sehr dankbar - euch allen - weil ihr für die Menschenrechte aller politischen Gefangenen kämpft, in Haiti und auf der ganzen Welt. Halten wir diesen Aktionismus (momentum) aufrecht - damit Gerechtigkeit, Frieden, Liebe und die Bereitschaft zu teilen überall auf der Welt obsiegen können, wie es Gottes Wille ist."
Heute ist die Zeit, uns auf die Schulter zu klopfen, aber morgen müssen wir wieder an die Arbeit - um den politischen Gefangenen zu helfen, die Fr. Gerry auf Haiti zurücklassen musste.
Anmerkung d. Übersetzerin
Siehe 'Brief aus dem haitianischen Gefängnis' von Gerard Jean-Juste
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