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Jenseits des Medienlobs

von Mickey Z

26.03.2007 — ZNet

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Ein Held des American Football mag dahingegangen sein, aber die Details um seinen mysteriösen Tod in Afghanistan wollen einfach nicht aus der Diskussion verschwinden. Als letztes berichtete das Time Magazine: "Neun Offiziere, darunter bis zu vier Generäle, sollten für Fehltritte in der Zeit nach dem Tod des Army Rangers Pat Tillman durch freundliches Feuer zur Verantwortung gezogen werden [weil das Militär seinen Tod in einem konventionellen Gefecht vorzuspiegeln versucht hatte]".

Dieser Zeitpunkt ist so gut wie jeder andere, um darüber nachzusinnen, warum Pat Tillman in eine Situation geriet, in der er durch seine Kameraden getötet wurde. Hier erstmal, wie die New York Times Tillmans anlässlich seines Todes beschrieb: "Ein Absolvent der Arizona State University, spielte Tillman, ein Verteidiger, vier Spielzeiten lang bei den Arizona Cardinals. Aber als Spieler mit vollen Verhandlungsrechten nach vier Jahren [(Spieler in der National Football League können erst nach vier Jahren frei mit den Vereinen verhandeln, die sie beschäftigen, und unterliegen vorher einem obligatorischen Auswahlverfahren)] lehnte er ein Angebot der Cardinals von 3.6 Mio. $ für drei Jahre ab und trat in die Armee ein."

Entsprechend folgten, als Tillman getötet wurde, die vorhersehbaren Plattitüden:

Der Verteidiger Corey Sears von den Houston Texans, der von 1999 bis 2000 bei den Cardinals zusammen mit Tillman gespielt hatte, sagte: "All die Typen, die sagen, es ist zu heftig [im Trainingslager] oder sie haben nicht genug Geld, das ist nicht das wirkliche Leben. Das Ding vom wirklichen Leben, das ist, er ist für das gestorben, woran er geglaubt hat."

Ich frage mich, ob Sears Iraker, die für das sterben, an was sie glauben, für ein "Ding vom wirklichen Leben" hält oder ob das ausschließlich Amerikanern vorbehalten bleibt. Wenn Tillman noch am Leben wäre, würde ich ihn gern fragen, an was genau er genug "glaubte", um dafür zu sterben. War das, sagen wir, ein System aus profitorientierter Krankenpflege für einige wenige oder prä-emptive Kriege oder die Wohlfahrt der Unternehmen oder vielleicht die Todesstrafe? Wie wäre es mit Einkaufsmeilen, Reality TV, Kleinbussen oder Handys? Vielleicht das Recht, für das nächste American Idol [Amerika sucht den Superstar] zu stimmen? Ich hätte nur gerne etwas Erläuterung.

Dave McGinnis, der frühere Cheftrainer der Cardinals, sagte, Tillman, der "alles repräsentiert hat, was gut ist am Sport - verzichtete stolz auf eine Karriere im Football zugunsten einer höheren Berufung."

Definition von "höherer Berufung": Ein Ex-NFL-Spieler, der erbarmungslos vom CIA geschaffene Talibankämpfer jagt im Rahmen eines fehlgeleiteten, kurzsichtigen Versuchs, den 11. September zu rächen. "Pat Tillman personifizierte die besten Werte seines Landes und der NFL", erklärte NFL-Präsident Paul Tagliabue.

Was für Werte, Herr Tagliabue? Die Werte, die in unseren Geschichtsbüchern in der Schule skizziert werden, oder die Werte des Militarismus und der Gier, die diese Nation über 200 Jahre lang gelebt hat? (Haben Tagliabue oder Tillman jemals, sagen wir, Howard Zinns "Eine Geschichte des amerikanischen Volks" oder William Blums "Killing hope" [auch auf Deutsch unter diesem Titel] gelesen?) Könnte jemand mir einen Gefallen tun und die "besten Werte" von sowohl Amerika als auch der NFL auflisten? "Woher kriegen wir Männer wie diese? Wo finden wir diese Leute, die bereit sind, sich für Amerika einzusetzen", fragte der Republikaner J. D. Hayworth, Arizona.

Für welches Amerika hat sich Tillman eingesetzt - für das Amerika der Bosse bei Halliburton oder für das des Obdachlosen, den ich jeden Tag auf der Treppe zur U-Bahn sehe? Kennst du irgendjemanden, der es nötig hatte, dass Tillman sich für ihn "einsetzte", indem er wahl- und kritiklos Zerstörung über Irak und Afghanistan brachte? Sind wir so taub den Klischees gegenüber, dass wir sie ohne Kommentar und Überlegung an uns vorbeiziehen lassen?

Mehr von Hayworth: "Er wählte die Tat statt des Worts. Er versuchte seinem Land zu dienen."

Nochmal, welchem Land diente Tillman? Dem Land, das durch Kriegsverbrecher wie Bush, Clinton etc. repräsentiert wird? Dem Land, das durch Unternehmenskriminelle definiert wird? In der Tat diente Tillman nicht den zwei Millionen im Gefängnis oder den zwei Millionen, die gegen ihren Willen in Heimen weggeschlossen sind. Die Tat, die er Worten vorzog, hat unsere Luft und unser Wasser nicht sauberer gemacht oder die Städteausdehnung unter Kontrolle gebracht. Tillman hätte sich dazu entscheiden können, seinem Land zu dienen, indem er den von den Unternehmen abgesegneten Status quo infrage gestellt hätte - aber so laufen die Dinge hier nicht, oder?

Noch mehr von Hayworth: "Er war eine bemerkenswerte Person. Er lebte den amerikanischen Traum, und er kämpfte um den amerikanischen Traum und unsere Lebensweise zu bewahren."

Welcher amerikanische Traum? Die Träume von Wal-Mart, Nike oder The Gap? Wessen Lebensweise? Die Lebensweise von Börsenspekulanten, Berufsathleten, oder digital - oder operativ - aufgewerteten Prominenten? Ich habe ihn sicherlich nicht gebeten, irgendjemanden zu töten, und er beschützte ganz sicher nichts, was mir teuer ist. Pat Tillman schien mir wie ein vorprogrammierter amerikanischer Mann - ein Erzeugnis von Jahrzehnten von verhaltenspsychologischer Konditionierung durch die Unternehmen und eines vom Staate verbreiteten Patriotismus.

Als Rich Tillman bei der San Jose Municipal Rose Garden-Gedenkveranstaltung für seinen großen Bruder Pat erschien, trug er "ein zerknittertes T-Shirt, kein Jackett, keinen Schlips, keinen Kragen" und "bat die Trauernden, ihre geistigen Plattitüden herunterzubeten." Er äußerte später: "Pat ist nicht bei Gott. Er ist verflucht tot. Er war nicht religiös. Also danke für eure Gedanken, aber er ist verflucht tot."

Pat Tillman, der Millionen ausschlug, um "für sein Land zu kämpfen", beeindruckt mich nicht - aber ich bin gebannt angesichts des Vermögens, Menschen so zu manipulieren, sodass sie konsistent gegen ihre eigenen Interessen und die Interessen des gesamten Planeten handeln. "Menschen werden häufig zu Armeen eingezogen, aber manchmal treten sie mit Begeisterung ein", erklärt Steven Pinker, Direktor des Zentrums für Kognitive Neurowissenschaften beim Massachusetts Institute of Technology. "Hurrapatriotismus", äußert sich Pinker, "ist erschreckend einfach herbeiführbar.""Krieg an sich ist verdorben, schmutzig, verwirrend und vielleicht das stärkste Narkotikum, das die Menschheit je erfunden hat", schreibt der New York Times-Kolumnist Chris Hedges: "Er erlaubt uns, das eigene Gewissen oder vielleicht sogar Bewusstsein zu unterdrücken, im Dienst für die Sache. Und wenige unter uns sind immun - das Kontaktgift des Krieges, der Sirenengesang der Nation, ist so stark, dass die meisten nicht widerstehen können."

Aber widerstehen müssen wir - und wenn wir in Amerika nicht neue, starke und zwingende Wege finden zu widerstehen, können wir von den Opfern unserer Gleichgültigkeit und Unfähigkeit nicht erwarten, dass sie nicht jeden von uns verantwortlich machen. Wie Ward Churchill erklärt, ist es nicht annehmbar oder realistisch zu glauben, dass die "braunhäutigen Leute, die millionenweise sterben, um diese Lebensweise aufrecht zu erhalten - ewig auf jene warten können, die vorgeben, hier die Opposition zu sein, auf dass sie einen für sie persönlich bequemen und reinen Weg finden, um eine Umwälzung zu wirken, die diesen nicht nur tödlichen, sondern völkermordenden Prozessen Einhalt gebietet."

Stell dir selbst diese Frage: Wer verzichtete auf ein Leben in Luxus und wandte sich von riesigen Geldbeträgen ab, um in den Bergen und Höhlen von Afghanistan für das zu kämpfen, woran er glaubte und wird deshalb von Millionen als "Held" verehrt?

Abhängig davon, wer du bist und wo du lebst, könntest du antworten "Pat Tillman", oder "Osama bin Laden".

Die Welt braucht keine weiteren "Helden" wie Tillman oder Osama. Eines der ersten Dinge, die sie braucht, ist, dass sich das amerikanische Volk so schnell wie möglich aus seinen propaganda-erzeugten Vernebelungen herausreißt und nach einer "höhere Berufung" im eigentlichen Sinne sucht.

Übersetzt von: Benjamin Brosig
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