Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Artikel Knacken wir die Glasdecke
Artikelaktionen

Knacken wir die Glasdecke

von Holly Sklar

06.06.2004 — ZNet Kommentar

— abgelegt unter:

Das Weiße Haus hat schon viele Frauen beherbergt – keine als Präsidentin. Wir hatten zwei John Adams und zwei George Bush aber keine Präsidentin Abigail oder Barbara, Victoria, Margaret, Shirley oder Elizabeth. In vielen Ländern gibt/gab es Präsidentinnen oder Premierministerinnen – Großbritannien, Irland, Indien, Israel, Pakistan, Indonesien, Philippinen, Nicaragua, Norwegen, Finnland, Guyana, Sri Lanka, usw. – nicht in den USA. Frauen stellen 51% der amerikanischen Bevölkerung aber lediglich 14% der Kongressmitglieder. Von 435 Mitgliedern des Repräsentantenhauses sind 59 weiblich, von 100 Senatoren 14. Wollte der Kongress unsere Nation tatsächlich repräsentieren, müsste das Repräsentantenhaus 222 weibliche Mitglieder umfassen, der Senat 51. Die Hälfte aller Bundesstaaten entsendet keine einzige Frauen in den Kongress. Wie das ‚Center for American Women and Politics„ an der Rutgers University berichtet, haben folgende 5 Bundesstaaten noch nie weibliche Mitglieder in das Repräsentantenhaus oder den Senat entsandt: Delaware, Iowa, Mississippi, New Hampshire, Vermont. Frauen und Legislative auf nationaler Ebene - 65 Nationen weisen hier eine positivere Bilanz auf als die USA. In Schweden waren im Jahr 2003 45% aller Parlamentssitze von Frauen besetzt, in Dänemark 38%, in Costa Rica 35%, in Deutschland 31%, in Südafrika 30%, in Spanien 27% und in Kanada 24%.

Dass Frauen politisch unterrepräsentiert sind, erklärt, weshalb die US-Regierung zwar viel von Familienwerten redet, ihr Familien aber nicht viel wert sind. Die USA sind die einzige Industrienation ohne allgemeine Krankenversicherung. Viele Menschen leiden bei uns an vermeidbaren Krankheiten, an vermeidbarer Behinderung, sie gehen an Medizin-Rechnungen bankrott und sterben eines vermeidbaren Todes. Die meisten Mütter – inklusive der meisten Mütter von Kleinkindern – arbeiten bei uns außerhalb. Öffentliche Vorschulen sind dünn gesät, die Zuschüsse für Kinderbetreuung jämmerlich inadäquat. Rund 128 Länder bieten im Fall einer Geburt bezahlten Urlaub mit Schutz des Arbeitsplatzes an(‚Clearinghouse on International Developments in Child, Youth and Family Policies„, Columbia University) – nicht so die USA. Durchschnittlich beträgt der bezahlte Mutterschutz 16 Wochen. In den USA gibt es den ‚Family and Medical Leave Act„: höchstens 12 Wochen unbezahlter Urlaub bei Schutz des Arbeitsplatzes – allerdings nur, falls die Firma mehr als 50 Mitarbeiter hat. Fast die Hälfte aller Arbeitenden fällt nicht unter dieses Gesetz, die übrigen können sich einen unbezahlten Urlaub häufig nicht leisten. Frauen stellen fast die Hälfte unserer Workforce. Die meisten College-Absolventen sind weiblich und rund ein Drittel der MBAs. Dennoch haben nur 17 Firmen der ‚Fortune 1000„ weibliche Geschäftsführer - weniger als 2% also. Unterhalb der Glasdecke stellen Frauen allerdings 97% der Jobs – als Sekretärinnen und Assistentinnen der Administrative. Aber die Glasdecke ist nicht nur schlecht für die Frauen und ihre Familien – sie ist auch schlecht fürs Geschäft. ‚The Bottom Line„ lautet der Titel einer neuen Studie zu ‚Fortune-500„-Firmen. Durchgeführt wurde sie von der Forschungsorganisation Catalyst. Ergebnis: Verglichen mit den ‚Fortune-500-‚Firmen mit der geringsten Frauenquote konnte die Untergruppe, bei der Frauen in leitenden Funktionen des Management-Teams am stärksten vertreten waren, 35% höhere Kapitalrenditen und 34% höhere bereinigte Aktionärs-Ausschüttungen verzeichnen.

Die typische vollbeschäftigte Frau verdient 77 Cents, der typische vollbeschäftigte Mann hingegen 1 Dollar. Wo ein Mann $10 000 verdient, verdient eine Frau nur $7,700 – macht ein Minus von $2,300. Verdient ein Mann $30 000, gehen einer Frau gleich $6,900 verloren. Überlegen Sie sich einmal, was Sie und ihre Familie mit diesem „verlorenen“ Gehalt alles anfangen könnten. Zwischen ihrem 25. und 64. Lebensjahr verdient eine durchschnittliche (vollzeitarbeitende) Highschool-Absolventin insgesamt $450 000 weniger als ihr männliches Pendant. Bei Beschäftigten mit Bachelor-Abschluss weitet sich die Kluft auf $900 000 aus. „Wer als Mann einen professionellen Abschluss hat, kann davon ausgehen, während seines Arbeitslebens fast $2 Millionen mehr zu verdienen als sein weibliches Pendant“, so das statistische Bundesamt (Census Bureau). Seit 1955 hat sich die Einkommenskluft zwischen den Geschlechtern um lediglich 13 Cents verringert. 1955 kamen auf jeden Dollar, den ein Mann verdiente, 64 Cents für eine Frau. Bleibt eine 23-Cent-Kluft, die es zu beseitigen gilt. Bei dieser Geschwindigkeit bräuchten wir allerdings 87 Jahre, bis (in diesem Punkt) Gleichheit zwischen Mann und Frau erreicht wäre. Also, knacken wir die Glasdecke – an der Wahlurne und bei Entscheidungen am Arbeitsplatz. Um es mit den Worten des ‚White House Projects„ und dessen neuer unabhängiger ‚Vote Run Lead“ Initiative zu sagen: „Go vote, Go run, Go lead, Go girl.“ Abigail Adams und Victoria Woodhull (die erste weibliche amerikanische Präsidentschaftskandidatin (1872)) wären stolz auf Sie.

Holly Sklar ist Co-Autorin von ‚Raise the Floor: Wages and Policies That Work for All Of Us„ (www.raisethefloor.org) E-mail-Adresse: hsklar@aol.com

Orginalartikel: Break That Glass Ceiling
Übersetzt von: Andrea Noll
Artikelaktionen