Krieg braucht gute Public Relations
von Norman Solomon
26.10.2001 — ZNet Kommentar
Die Rendon Group, ein PR-Unternehmen mit Niederlassungen in Boston und Washington, erhielt jetzt die erfreuliche Nachricht, dass ein 397.000-Dollar-Vertrag zustande kam: sie soll dem Pentagon helfen, bei der Bombardierung Afghanistans gut auszusehen. Der Deal läuft über vier Monate mit der Option einer Verlängerung für fast ganz 2002. Das ist ein Job für gewitzte PR-Profis, die wissen, wie man humanistisch klingt: «Wir von der Rendon Group glauben an die Menschen», heißt es in der Selbstdarstellung des Unternehmens, die «unsere Bewunderung und unsere Achtung für kulturelle Vielfalt» ausdrückt und das Anliegen verkündet, «Leuten zu helfen, auf dem globalen Markt zu gewinnen».
Ein Presseoffizier des Pentagon erklärte, warum Rendon den Zuschlag bekam. «Wir brauchten eine Firma, die uns sofort mit strategischem Rat zur Seite stehen konnte», sagte Oberstleutnant Kenneth McClellan. «Wir suchten nach jemand, von dem wir wussten, dass er rasch würde herkommen können um die Herausforderung zu meistern, mit einer Vielzahl von Gruppen überall auf der Welt zu kommunizieren.»
Als PR-Team hat Rendon Umgang mit mächtigen Wirtschaftskreisen, zu seinen Kunden zählen offizielle Handelsvertretungen der Vereinigten Staaten, Bulgariens, Russlands und Usbekistans. In Washington half die Firma eine Reihe von Konferenzen über «Postprivatisierungsmanagement in den Bereichen globale Telekommunikation, Elektrizität, Öl und Gas, Banken, Finanzen und Transportwesen» zu organisieren. Ein Teil ihrer Klientel war eher liberaler oder sensibler Natur: Handgun Control Inc. und die American Massage Therapy Association.
Rendon vermerkt stolz seine «Tätigkeit als Öffentlichkeits- und Medienberater für die Monsanto Chemical Company bei deren Bemühen um die Dekontaminierung verschiedener Standorte». In Übersee half Rendon der Kuwait Petroleum Corporation, mit Arbeitskonflikten und schlechter Presse bei der Schließung einer Raffinerie in Neapel fertig zu werden. Einige Klienten waren eher öffentlichkeitsscheu. In den frühen 90er Jahren arbeitete Rendon für die Regierung von Kuwait. Und eine Menge Geld verdiente die Firma durch einen CIA-Auftrag, wonach sie Pressearbeit für den Irakischen Nationalkongress, eine Organisation, die Saddam Hussein zu stürzen versucht, zu erledigen hatte.
Jetzt steht die Rendon Group vor ihrer bislang vielleicht schwierigsten Aufgabe – der Welt einen Krieg in Afghanistan schmackhaft zu machen. Rendon wird die Medieninhalte in 79 Ländern ins Auge fassen und dabei die Standardwerkzeuge des PR-Geschäfts wie Zielgruppen, Websites und gründliche Analyse der Berichterstattung anwenden.
Verteidigungsminister Donald Rumsfeld sagte, «wir müssen unsere Arbeit verbessern, um sicherzustellen, dass die Leute nicht verwirrt sind, worum es eigentlich geht.» Es ist typisch für die Kriegsmacher, dass sie behaupten, das große Problem seien die fehlerhaften Wahrnehmungen anderer, und nicht etwa ihre eigenen tödlichen Befehle. Aber noch so viel PR-Hexerei kann nichts an den eiskalten Fakten ändern: wenn eine Bombe ein Altersheim oder ein Krankenhaus oder ein Wohngebiet trifft, oder wenn der Luftkrieg zur Katastrophe einer Hungersnot führt.
Wenn manche Leute wegen dieses Kriegs «verwirrt» sind, dann möglicherweise deshalb, weil sie sich an seinen Grund erinnern: Tausende von Zivilisten zu töten ist gewissenlos.
Obwohl das Fernsehen und die Titelseiten der Zeitungen darüber wenig verraten, steht eine Großzahl von Afghanen – darunter viele Kinder und ältere Menschen – vor dem Verhungern, weil die Bombenangriffe immer wieder den Stopp der Lastwagenkonvoys mit Hilfslieferungen aus Pakistan nach Afghanistan erzwingen. Etwa 100.000 Menschen sind heute schon, so befürchten Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, in unmittelbarer Gefahr. Kommt der Winter, könnte die Zahl in die Millionen gehen.
Währenddessen aber sehen wir im Fernsehen Szenen mit abgeworfenen Lebensmittelpäckchen, die allenfalls 1 Prozent dessen ausmachen, was erforderlich wäre, um die Menschen vor dem Hungern zu bewahren. Das nennt man gute PR-Arbeit.
Das Drehbuch des Pentagon-Medienspiels folgt hier vertrauten Mustern. Eugene Secunda, Professor für Marketing und früher stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender von J. Walter Thompson, stellte 1991 fest. «Die Operation Wüstensturm ließ nur eine Sicht auf die Schlacht zu: die vom Militär erlaubte. Wie Touristen, die im Bus ihrem Reiseführer folgen, konnten die Fernsehteams Videos von den ‹Panoramablicken› vor ihnen machen und wurden dann zum nächsten offiziell genehmigten Zielort weitergescheucht.»
Vor einem Jahrzehnt hat Secunda die Art von Berichterstattung vorhergesagt, die wir jetzt erleben. «Nach dem Krieg gegen den Irak prüfen die Strategen jetzt zweifellos, in Vorbereitung auf künftige Kriege, die Lehren, die sich aus dieser triumphalen Erfahrung ziehen lassen. Eine der wichtigsten Lehren ist die Notwendigkeit, starke öffentliche Unterstützung mithilfe eines einflussreichen und strikt kontrollierten PR-Programms zu mobilisieren; wobei einer positiven Berichterstattung besonderes Augenmerk gelten muss.»
Und während die Bomben auf Afghanistan fallen, ist genau dies die Art von Berichterstattung, die die Fernsehschirme in den USA beherrscht. Im Augenblick jedenfalls ist das Pentagon dabei, seinen PR-Krieg zuhause zu gewinnen.
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