Krieg und das Vergessen -- Ein blutiges Medienspiel
von Norman Solomon
01.08.2002 — ZNet
Vor dreieinhalb Jahren erreichten einige Schlüsselinformationen über die U.N. Waffeninspekteure kurz die Titelseiten von Amerikas Zeitungen -- und verschwanden sofort wieder. Lassen sie uns jetzt, wo das gerechten Kriegsgetrommel laut in Washington geschlagen wird in die Tiefen des Orwellschen Gedächtnisloches der Nachrichtenmedien gehen und uns die Story nochmals vor Augen führen.
Die Schlagzeile auf der Titelseite der New York Times verkündete am 7. Januar 1999: " Beamte berichten: U.S.A. spionieren den Irak unter U.N. Deckmantel aus." Der Artikel war unmissverständlich: "Beamte der Vereinigten Staaten sagten heute, dass amerikanische Spione Undercover in den Teams der Waffeninspektoren der Vereinten Nationen gearbeitet haben und darüber hinaus im geheimen irakischen Waffenprogrammen herumgeschnüffelt haben. ... Als Teil des Inspektorenteams, erwarben die Amerikaner durch die Untersuchungen Wissen aus erster Hand und über die aktuellen Sicherheitsvorkehrungen in Bagdad."
Ein Tag später wies eine nachfolgender Times Artikel darauf hin, das "Berichte das die Vereinigten Staaten die Waffeninspektoren der Vereinten Nationen als Deckmantel benutzten um im Irak zu spionieren die Chancen für das Überleben des Inspektionssystems veringern.
Die durch die Spionage beschädigte Glaubwürdigkeit überlebte das U.N. Inspektionssystem nicht. Ein weiterer Faktor in seinem Niedergang war die Erklärung der U.S. Regierung das die Sanktionen aufrecht erhalten würden, egal ob Bagdad den Anordnungen der Inspektoren folgen würde oder nicht.
Aber solche Tatbestände sind dem konditionierten Medienreflex Saddam Hussein für alles verantwortlich zu machen nicht dienlich. Egal wie gründlich Sie die größeren amerikanischen Mediendatenbanken in den letzten Jahren nach einer Erwähnung der Spion- Gaunerei durchsuchen, Sie werden mit leeren Händen dastehen. George Orwell hätte verstanden warum.
Statt eine komplette Zusammenfassung aller wichtigen Ereignisse darzustellen, sind US- Mainstream Journalisten und Politiker froh, sich auf taktische Vor- und Nachteile von verschiedenen aggressiven militärischen Szenarien zu konzentrieren. Während ein paar Experten vorsichtige die Warnflaggen schwenken, kann sogar der absurdesten Schweizer Käse ohne Probleme als Grund herangezogen werden um eine gewaltsame "Ablösung des Regimes" in Bagdad zu erzwingen.
Ende Juli forderten zwei ehemalige Bevollmächtigte des Justizministeriums in einem Essay im Wall Street Journal das die U.S.A. "völlig innerhalb ihrer Rechte" agieren würden, wenn sie den Irak anzugreifen und das Regime stürzen würden -- basierend auf "der bekannten Völkerrechtsdoktrin der präventiver Notwehr." Natürlich, wenn uns diese präventive Notwehr nicht erlaubt wird, ist dies ein vernünftiger Grund um einen Krieg zu beginnen, die irakische Regierung könnte die gleiche Entschuldigung benutzen um einen Angriff auf die Vereinigten Staaten zu rechtfertigen (was sogar eher der Realität entspricht, weil die USA jahrelang die "Flugverbotszone" innerhalb Iraks bombardiert haben.)
Unter jenen die als erstes bei der jüngsten Anhörung im Senatsausschuss für Auslandsbeziehungen zum Irak aussagten war der "Strategie-Gelehrte" Anthony Cordesman, ein früherer Pentagon- und Außenministeriums- Beamter. Er nahm in der Tradition teil, dafür zu werben eine weitere Runde Steuerzahlerfinanziertem Blutbad als eine lobenswerte Neuerung anzubieten -- "unser erster präventiver Krieg."
Ein Fürsprecher Cordesmans war dabei Richard Butler, der Chef des U.N. Waffeninspektionsprogramm im Irak zu der Zeit, als es für Washington spionierte. In der Senatsanhörung deutete Butler an, dass die russischen Regierung veranlasst werden könnte, Bagdad zu sagen: "Sie werden ernsthafte Rüstungskontrollen zulassen oder Sie werden gebraten."
Wie zahllose andere Beamte die vom nationalen Pressekorps mit großer Hochachtung behandelte werden, bemühte sich Butler zuvorkommend und geschickt zu erscheinen als er die Weisheit von High- Tech- Angriffen ausspricht um Truppen und Zivilisten zu verbrennen. Weil sie es als eine Frage von Routine betrachten sind U.S- Journalisten zu diskret, um unangenehme Teile der Geschichte hervorzubringen, die nicht in das einseitige Darstellung amerikanischer Tugenden passen.
Die vielen außenpolitischen Themen in den Medien und der große Nachrichtenfluss beweisen eine bemerkenswerte Fähigkeit die Fakten die Washingtons Politiker nicht dabei haben wollen runterzuspielen oder diese Fakten völlig über Bord zu werfen. Die Story der Spione, die Anfang 1999 herauskam, ist einer dieser Fälle. Aber die kurze Aufregung und kritische Analyse, die zu dieser Zeit aufkam sollte man sich nochmals vor Augen führen.
"Das amerikanische Spione Operationen im Irak durchführen sollte keine Überraschung sein", sagte ein Hartford Courant Leitartikel am 10. Januar 1999. "Das die Spione die Vereinten Nationen als Deckmantel benutzen ist aber beklagenswert".
Während "Saddam Husseins zahlreicher Beschwerden, dass die U.N. Inspektoren Amerikanische Spionen einschleusen würden – war dies angeblich nicht vorstellbar.", schreibt die Zeitung und erwähnt das die Spione "Lauschgeräte in der Hoffnungen auf Mithören platzierten, die Mr. Hussein genauso gut bewachten wie auch nach verheimlichten Armeevorräten hätten suchen können.
Das U.S. Nachrichtenmedien verloren schnell das Interesse an jener Story. Wir sollten fragen warum.
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