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Marsch zur Verteidigung Zanons

von Grupo Alavio

17.09.2004 — ZNet

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Am 14. September reiste eine Delegation Zanon-Arbeiter und Mitglieder der Arbeitslosenbewegung (MTD) von Neuquén nach Buenos Aires, um eine nationale Kampagne zur Verteidigung Zanons zu organisieren. Hunderte Arbeiter marschierten durchs Stadtzentrum und forderten die definitve Enteignung aller besetzten Fabriken und Unternehmen Argentiniens. Schon seit März 2002 setzen die Zanon-Arbeiter ein Zeichen: Selbstorganisierte/-gemanagte Arbeiter produzieren sogar besser als mit Besitzer, Boß und Vorarbeiter. Eine Delegation von 170 Aktivisten (100 Zanon-Arbeiter und 70 Mitglieder der Sozialbewegungen, die die Fabrik unterstützen) kamen am Morgen in Buenos Aires an. Man marschierte vor ein örtliches Gericht und zum Nationalkongreß: gegen eine Räumung der Fabrik durch die Regierung. Mitarbeiter der Druckerei Chilavert, der Kleiderfabrik Brukman, der Druckerei Conforti, der Junin-Gesundheitsklinik, der Ados-Gesundheitsklinik, des Schuhunternehmens Gattic, der Nudelfabrik Sasetru, Mitarbeiter von Bauen Hotel und von Renacer Electronics aus Usuhia sowie Leute aus verschiedenen Arbeitslosenorganisationen beteiligten sich am Marsch.

Die Arbeiter der Bewegung der wiedereröffneten Fabriken übergaben dem Kongreß einen Antrag auf definitive Enteignung (der vormaligen Besitzer) aller wiedereröffneten Unternehmen und Fabriken. Gleichzeitig wiesen die Demonstranten mit Nachdruck darauf hin, wie wichtig es ist, die Fabriken um jeden Preis zu verteidigen - mit oder ohne Rechtsgrundlage. Die letzten Wochen waren alarmierend für die Zanon-Arbeiter. Es gab Druck vonseiten des Provinz-Gouverneurs, die Arbeiter sollten ihre Jobs in der Fabrik aufgeben und stattdessen lieber in Arbeitslosenprojekten arbeiten - von der Regierung gesponserten Mini-Unternehmen. Nach drei Jahren unter Arbeiterkontrolle wird Zanon von der Provinz-Regierung von Neuquén nun also erneut angegriffen - und das in einem Monat, in dem die Arbeiter Rekordzahlen bei Produktion, Verkauf und Qualität vermelden können. Kürzlich hatte sich ein Richter geweigert, Zanon als Arbeiterkooperative anzuerkennen und die Fabrik zu legalisieren.

Der Marsch ist Teil einer landesweiten Strategie der Bewegung der wiederhergestellten Unternehmen. In Argentinien gibt es mittlerweile über 200 besetzte Fabriken/Unternehmen mit etwa 10 000 Mitarbeitern. Die von Arbeitern besetzte Keramikfabrik Zanon in der südlichen Provinz Neuquén ist das wohl eindrucksvollste Beispielen für eine (Produktions-)Erfahrung unter Arbeiterkontrolle. Zanon beschäftigt derzeit 420 Mitarbeiter. Die Fabrik produziert im Monat rund 3000 Meter Keramikfliesen. Im März 2002 hatten 240 Stammarbeiter die Fabrik besetzt. Seither kamen mehr als 180 neue Arbeiter hinzu: Leute aus Arbeitslosenorganisationen, die ins Fabrikteam aufgenommen wurden.

Die Demonstranten erklärten: Die einzige (konkrete) Lösung für die von Arbeitern wiedereröffneten, genehmigungspflichtigen Unternehmen sei die definitive Enteignung (der Besitzer) - unter Arbeiterkontrolle - damit man ohne Furcht vor Räumung bzw. vor staatlicher Übernahme produzieren könne. Nach der Krise vom 19./20. Dezember 2001 hatte die Regierung den Arbeitern, die Unternehmen besetzten, vielfach eine Übergangserlaubnis zum Betreiben der Fabriken oder Büros erteilt. Diese temporären Genehmigungen waren allerdings auf 2 Jahre befristet. Die Genehmigungen für Chilavert, die Druckerei Grissanopolis und eine Bierstengelfabrik, die von Arbeitern wieder auf die Beine gestellt wurde, laufen noch in diesem Jahr aus. Wie die jetzige Regierung mit dem Konflikt umgehen wird, ist ungewiß. Die Protestierenden haben zum Ausdruck gebracht, daß sie nicht daran glauben, daß die Regierung würdige Arbeit für die Arbeitslosen im Land schafft. Stattdessen verfolge sie weiter eine Politik, die darauf abzielt, die sozialen Proteste zu kontrollieren, indem sie die Armen kriminalisiert.

Nachdem Argentinien 2001 von einer schweren Finanzkrise erschüttert wurde, hat sich die argentinische Wirtschaft inzwischen anscheinend stabilisiert. Ökonomen weisen mit Nachdruck darauf hin, die Wirtschaft stabilisiere sich, ein steigendes Bruttosozialprodukt sei zu verzeichnen. Nach wie vor ungelöst sind jene wirtschaftlichen Probleme, die fast den gesamten Arbeitsmarkt betreffen. Zwar vermelden ausländische Investoren und Großunternehmen einen Aufschwung, aber das Wachstum kommt nicht am Arbeitsmarkt an. Derzeit liegt die Arbeitslosenrate bei 19,5%. Und von denen, die Arbeit haben, sind mindestens 15,7% unterbeschäftigt. Das heißt, mindestens 35,2% haben massive Job-Probleme (5,2 Millionen Arbeiter).

Die argentinische Fabrikbesetzer-Bewegung hat die wohl fortschrittlichsten (Widerstands-) Strategien zur Verteidigung der Arbeiterklasse gegen den Kapitalismus entwickelt. Es sind diese Erfahrungen mit Arbeiterselbstverwaltung und -organisierung, die die kapitalistischen Strukturen - Privateigentum, die organisatorische Ausrichtung der Unternehmen einzig auf Profit sowie die Enteignung von Fähigkeiten und Wissen (Maschinen) der Arbeitenden - auf sehr direkte Weise herausfordern. Veteidigt Zanon und alle von Arbeitern besetzten Fabriken! Wenn sie einen von uns linken, dann alle von uns! (Was wir fordern ist) die endültige Enteignung aller Fabriken und Unternehmen, die unter Arbeiterkontrolle produzieren. Grupo Alavio

http://www.revolutionvideo.org/alavio

Orginalartikel: March in Defense of Zanon
Übersetzt von: Andrea Noll
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