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Maulkorb für Michael

Hände weg vom fetten Kerl im Hühnchenanzug, Mr. Mogul

von Gregory Palast

08.05.2004 — ZNet

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Als die gemästeten Katzen bei Disney den Bann über Michael Moores neuen Film “Fahrenheit 9-11“ sprachen, taten sie mehr als nur einen Künstler zu zensieren. Moore mundtot zu machen ist lediglich der neuste Winkelzug, um höchst unbequeme Fakten zu unterdrücken: auf Veranlassung der Bush-Administration wurden die Untersuchungen über Saudi Arabiens finanzielle Förderung des Terrorismus ausgesetzt, einschließlich der Beweise, die einige Mitglieder der Familie Bin Ladens in den USA betrafen.

Ich weiß es, weil ich mit meinem Untersuchungsteam bei BBC Television und dem britischen Guardian die Originalberichte schrieb und filmte, auf denen Moores neue Dokumentation beruht.

Am 11. November 2001, gerade mal zwei Monate nach dem Anschlag, legte BBC Television´s Newsnight Dokumente vor, die darauf hindeuteten, dass FBI-Agenten davon abgehalten wurden, Ermittlungen über zwei Mitglieder der Familie Bin Ladens anzustellen, die einer „mutmaßliche terroristische Vereinigung“ aus Falls Church, Virginia, vorstanden – das heißt, bis zum 13. September 2001. Zu dieser Zeit waren diese Vögel ausgeflogen.

Wir berichteten weiterhin, dass hochrangige Agenten in der US Regierung BBC informiert haben, dass die Bush-Administration die Untersuchungen über die pakistanischen Khan-Laboratorien behindert haben, welche einen Flohmarkt für Atombombenbaupläne betrieben. Warum wurden die Ermittlungen gehemmt? Weil die Spur finanzieller Transaktionen zurück zu den Saudis führte.

Am nächsten Tag berichtete unser Guardian-Team, dass Agenten davon abgehalten wurden, der bei einer Sondersitzung in Paris beginnenden Geldspur zu folgen. Dort, im Hotel Monceau Royale, haben Saudische Milliardäre angeblich vereinbart, Al-Qaidas „erzieherische“ Bemühungen finanziell zu unterstützen.

Diese Berichte liefen ganz oben in den Abendnachrichten in Großbritannien und weltweit, aber nicht in den USA. Warum?

Unser Nachrichtenteam bekam mehrere Auszeichnungen, einschließlich einer, die ich besonders zu kriegen hasste: eine „Auszeichnung für zensierte Projekte“ der Schule für Journalismus der Staatsuniversität Kalifornien.

Es ist der Preis, den man für eine sehr wichtige Reportage erhält, die einfach von der amerikanischen Presse ausgeschlossen wurde.

Und das tat weh. Ich bin Amerikaner, ein Junge aus L.A., den man ins journalistische Exil nach England geschickt hat.

Was geht hier vor?

Warum zum Teufel können Agenten dem Geld nicht folgen, sogar wenn es sie nach Arabien verschlägt? Weil - wie wir wiederholt von denen gehört haben, die innerhalb der Agenturen mundtot gemacht wurden - saudische Geldquellen zurück zu George H.W. Bush und seinen sehr begünstigten Söhnen wie anderen Familienfreunden führten. Wir bei BBC berichteten auch davon, ganz oben in den Abendnachrichten; überall außer in Amerika.

Warum haben Amerikas Medienbarone Angst davor, diese Geschichte in den USA zu bringen? Die BBC und Guardian-Berichte waren die hässlichen, kleinen Punkte, die von einem einzigen Thema verbunden wurden: Ölverseuchung in der amerikanischen Politik und Geldvergiftung im Blut unserer mächtigsten politischen Familie. Und das sind Nachrichten, die ihren Namen nicht zu nennen wagen.

Dies ist nicht das erste Mal, dass Michael Moore versucht hat, unsere BBC-Untersuchungsberichte an der US-Medien-Grenzpatrouille vorbeizubekommen. In der Tat, ein Witz in unserer Londoner Redaktion ist, sollten wir unseren Bericht nicht in den amerikanischen Äther bekommen, so können wir ihn einfach dem fetten Kerl im Hühnerkostüm zuschieben. Moore könnte es an den Zensoren als „Unterhaltung“ vorbeischmuggeln.

Hier ist ein Beispiel von Moores U-Bahn-Operationen, harte Nachrichten nach Amerika zu bringen: Im Guardian und auf BBC TV berichtete ich, dass Floridas damalige Innenministerin, Katherine Harris, zehntausende schwarze Bürger kurz vor der Wahl 2000 aus der Wählerliste entfernen ließ. Ihr Büro verwendete eine Liste von angeblichen „Verbrechern“ – eine Liste, von der ihr Büro wusste, dass sie Blödsinn war und die fast ausschließlich mit Unschuldigen gefüllt war.

Ich druckte den ersten Teil der Geschichte im Guardian, als Al Gore immer noch im Rennen war. Die Washington Post veröffentlichte meinen Bericht sieben Monate später. Zu diesem Zeitpunkt konnte es mit einem Kichern in Bushs Weißem Haus gelesen werden.

Die Geschichte mit der „Ausradierung“ der schwarzen Wähler hätte niemals das Tageslicht in den USA erblickt, ganz zu schweigen von den Titelseiten in aller Welt, wenn dies nicht von Michael Moore in der Einleitung seines Buches „Stupid White Men“ aufgedeckt worden wäre.

Also mach weiter, Mr. Micky-Maus-Mogul, zensier den Kerl mit der Baseball-Mütze, lass die Kinoleinwände dunkel werden, verbreite die Blindheit, die uns umbringt. Zeig uns dafür gefälschte Flieger-Jungs, die die mit ihren aufgezeigten Daumen „Mission ausgeführt“ signalisieren. Mit den ausgeschalteten Lichtern ist es so viel einfacher für die Scheichs, ihre Kreditkarten an Killer auszuleihen, um den Ölpreis hochzutreiben, während unsere Politiker den Raub der nächsten Wahl vorbereiten, diesmal per Computer. Machen wir uns nichts vor. Fernsehnachrichten in den USA sind jetzt durch und durch Fox-ifiziert (bezogen auf die erzkonservative Fox Sendergruppe, Anm.d.Ü.) und Printmedien, mit einigen Ausnahmen, katzbuckeln immer noch vor den ausweichenden Äußerungen unseres Oberbefehlshabers. Vielleicht steigere ich mich zu sehr hinein. Schließlich ist es bloß ein Film. Aber die Verbreitung von Moores Film abzuwürgen sieht verdächtig nach einer „Suchen und Zerstören“-Mission von unerwünschten Nachrichten aus, sogar wenn diese Nachrichten in einer spaßhaften Dokumentation versteckt sind. Warum sollten die Medienmogule hierbei Halt machen? Wie wäre es mit einem extragroßen orangefarbenen Anzug für Michael für den neuen Hollywoodzweig auf Guantanamo?

Orginalartikel: Muzzling Michael
Übersetzt von: Chi-Huy Tran
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