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Medien pflastern den Weg zum Irankrieg

von Norman Solomon

06.08.2005 — ZNet Kommentar

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Am Dienstag schrillten in der Echokammer unserer nationalen Medien die Alarmglocken. Die großen amerikanischen Nachrichtenorgane bewiesen, dass sie ihre Lektion gelernt haben. Die Nuklearaktivitäten des Iran stellten eine Gefahr dar, sagten sie - vor allem, weil dies ein paar hochgestellte Herrschaften in Washington so behaupten. Da störte es auch wenig, dass am selben Morgen in der Washington Post Folgendes zu lesen war: “Laut einer maßgeblichen Einschätzung des US-Geheimdienstes braucht der Iran noch rund ein Jahrzehnt, um den wichtigsten Stoff zum Bau einer Atombombe herzustellen. Frühere Einschätzungen waren von 5 Jahren ausgegangen. Dieser Zeitrahmen wurde grob verdoppelt, so verlauten Regierungsquellen, die die neue Analyse aus erster Hand kennen. Die sorgfältig verhehlten Einschätzungen - innerhalb der US-Geheimdienste unumstritten - stehen im Widerspruch zu den kraftvollen öffentlichen Äußerungen des Weißen Hauses“.

Mehrere Stunden nachdem die iranische Regierung verkündet hatte, ihre Aktivitäten zur Urananreicherung nicht länger aussetzen zu wollen, kommentierte die amerikanische Presse die Vorgänge am Abend sehr ernst. Im Mittelpunkt standen Statements von Offiziellen aus Frankreich, Deutschland und Großbritannien, die sich auf die Seite der Bush-Regierung stellten. Und im US-Fernsehen drückte sich der (übliche) kleine Klüngel aus Talking Heads um das Thema atomare Heuchelei der USA herum.

Ja, gestanden die Offiziellen aus Washington und ihre Verbündeten ein, eine Wiederaufnahme des Atomanreicherungsprogramms des Iran wäre durchaus kein Verstoß gegen den Atomwaffensperrvertrag. Aber schließlich, so die Washington Post am Mittwoch, laufe das iranische Nuklearprogramm seit 18 Jahren geheim. Diese Geheimniskrämerei rund um das Programm habe unter anderem in Washington tiefen Argwohn ausgelöst, was die Intentionen des Iran angehe.

Im Gegensatz hierzu ist “Argwohn“ bei den Nuklearaktivitäten von Israel und Pakistan unangebracht - zwei der erbittertsten Feinde des Iran. Beide Staaten sind Atomwaffenproduzenten. Aber im Gegensatz zum Iran weigern sich diese Verbündeten Amerikas, den Atomwaffensperrvertrag zu unterzeichnen bzw. Inspektionen der Internationalen Atomaufsichtsbehörde (IAEA) zuzulassen.

Nur zum Vergleich: Letzten Monat verkündete die US-Regierung, sie plane mit der Regierung Indiens eine Kooperation im Bereich „Atomprojekte zur Energiegewinnung„. Indien ist im Besitz der Atombombe und hat den Atomwaffensperrvertrag nicht unterzeichnet.

Die Nuklearmoralisten aus Washington haben kein Problem mit den israelischen, pakistanischen und indischen Atomwaffen - Waffen, die diese Länder voller Verachtung für den Atomwaffensperrvertrag produzieren und lagern. Im Gegensatz hierzu beharrt das Weiße Haus bzw. die amerikanischen TV-Talking-Heads darauf, dass der Iran nicht das Recht habe zu praktizieren, was ihm (und den anderen Unterzeichnern) laut Atomwaffensperrvertrag zusteht, nämlich die Atomenergie zur (offensichtlichen) Stromproduktion zu nutzen.

Die neuerliche Empörung der US-Medien über das iranische Atomprogramm zeigt vor allem eines: Für die Neocons in Washington - die von einem Regimewechsel in Teheran träumen -, reifen die Blütenträume. Kurzfristig realistisch erscheint, dass sich die Bush-Regierung auf einen US-Luftschlag gegen den Iran vorbereitet.

“Die Vorstellung, die Vereinigten Staaten bereiteten sich auf einen Angriff gegen den Iran vor, ist einfach lächerlich“, so Präsident Bush auf einer Pressekonferenz Ende Februar. Im gleichen Atemzug fährt er fort: “Nachdem das gesagt ist, (füge ich hinzu), alle Optionen liegen auf dem Tisch.“ Die versammelte Journaille brach in Lachen aus.

Norman Solomons neues Buch trägt den Titel: „War Made Easy: How Presidents and Pundits Keep Spinning Us to Death“. Kostproben unter www.WarMadeEasy.com

Übersetzt von: Andrea Noll
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