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Qatar macht Einfluss des 11. September auf Handelskrieg sichtbar

von Judy Rebick

07.11.2001 — ZNet Kommentar

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Nach Jahren der Auseinandersetzung haben die Befürworter der Globalisierung der Wirtschaft in Quatar einen Sieg davon getragen. In einem Bericht im Internetradio Qatar www.canadians.org berichtet Maude Barlow, dass NGOs, die während der Gespräche bei der Welthandelsorganisation (WTO) in Quatar anwesend waren, "am Boden zerstört seien".

Wie Sie sich erinnern, war die WTO vor ein paar Jahren in Seattle das erste Ziel der großen Aktion gegen die Globalisierung der Wirtschaft. Zusammen mit dem Widerstand von Entwicklungsländern gegen die Pläne der WTO brachte diese Demonstration diese Gesprächsrunde zum Scheitern, stärkte den Protest und machte ihn sichtbar. Jetzt finden wieder Gespräche statt.

Die Vereinigten Staaten und andere reiche Länder benützen den "Krieg gegen Terrorismus" dazu, arme Länder einzuschüchtern und zu bestechen, die WTO zu unterstützen, durch die die Macht der Unternehmen vergrößert und der Abstand zwischen arm und reich immer größer wird.

Durch die Auswirkungen der ungeheuerlichen Ereignisse des 11. September und ihr Nachspiel wurden die Position der reichen Länder gestärkt und die Antiglobalisierungskräfte, besonders in Nordamerika, geschwächt.

In diesem polarisierten Klima der Angst, in dem jede Kritik sofort heftig angegriffen wird, haben es Bewegungen, die für sozialen Wandel eintreten, besonders schwer. Für die Antiglobalisierungsbewegung ist die Gefahr besonders groß, da sie die effektivste und sichtbarste Bewegung für Veränderung war und ist und ihre Stärke in der nicht ganz einfachen Koalition verschiedenster Kräfte liegt.

Der institutionalisierte Teil der Bewegung, einschließlich der Gewerkschaften und großen Nichtregierungsorganisationen zieht sich anscheinend etwas aus der Mobilisierung zurück. Da sich die Gewerkschaften unsicher sind über die Unterstützung durch ihre Mitglieder und die NGOs um ihre Finanzierung durch Spenden und Regierung fürchten, sind diese Gruppen etwas vorsichtiger geworden. Der radikalere Flügel der Bewegung hingegen sieht anscheinend jede größere Änderung in der Taktik als Rückschritt.

Am 17. November wird in Ottawa eine Demonstration stattfinden, die augenscheinlich wie vorherige Demonstrationen in Quebec and Windsor aussehen wird. Global Democracy, die Gruppe vor Ort, die die Veranstaltung organisiert, erwartet "Tausende". Bei der Demonstration soll es kreative Konfrontationen wie das Teddybärkatapult in Quebec geben. In der langen Liste der Aktivitäten findet sich auch ein Teach-in, das der Council of Canadians organisiert wird und an dem Stars der Antiglobalisierungsbewegung wie Susan George teilnehmen werden.

Was fehlt, ist jedoch die Unterstützung durch die meisten institutionalisierten Gruppen. In Seattle, Quebec, Windsor und Genua gab es zwar Meinungsverschiedenheiten zwischen den verschiedenen Flügeln der Bewegung, aber alle Gruppen, die institutionalisierten und die radikalen Gruppen mobilisierten für diese Termine.

Außer dem Council rufen weder Gewerkschaften noch NGOs zur Teilnahme auf in Ottawa. Ein Grund ist die kurze Vorbereitungszeit, die die Organisierung für die Gewerkschaften schwierig macht. Zweifellos sind dies aber bereits die ersten Auswirkungen der Ereignisse vom 11. September, die die bereits vorhandenen Gräben in der Bewegung vertiefen.

Laut David Robbins, einem jungen Antiglobalisierungsaktivisten, der für Council of Canadians arbeitet, "sind die gemäßigten Gruppen vorsichtig geworden, was anscheinend heißt, dass man nichts tut." Hinzufügend sagt er, "dass dort immer noch ein Klassenkampf herrscht und wir die einzigen sind, von denen erwartet wird, dass sie aufhören zu kämpfen."

Die Hauptdemonstration am 17. November vormittags wird, gemäß der Homepage von Global Democracy web site www.flora.org/gdo, gewaltfrei sein. Aber am Tag vor und am Tag danach organisieren Gruppen, die keine Gewaltfreiheit versprechen, einige Aktionen.

Tatsächlich gibt es in der Antiglobalisierungsbewegung Gruppen, die die Theorie der "verschiedenen Taktiken" unterstützen. Die meisten dieser Gruppen wenden selbst keine Gewalt an, verurteilen oder stoppen aber diejenigen nicht, die sich für gewalttätige Aktionen entscheiden.

Das Problem mit diesen Argument der "verschiedenen Taktiken" ist, dass eine kleine Gruppe Leute, die Steine auf Polizisten werfen wollen, Tausende in Gefahr bringen kann, die sich nicht für die Gefahr entschieden haben. In Quebec und Genua wurde von den Organisatoren eine sichere oder Grünzone geschaffen, wie sie auch für Ottawa organisiert wird, aber als die Polizeigewalt eskalierte, war niemand mehr sicher.

Der radikale Flügel der Bewegung sieht die Durchsetzung von Regeln für eine Demonstration als Autoritarismus und wird sie einfach nicht akzeptieren. Sie sind auch dem Argument nicht zugänglich, dass die seit dem 11. September verstärkte Polarisierung und Unterdrückung eine neue Realität schaffen, in der Versprechen von Gewaltfreiheit bedeutender sind denn je zuvor.

In Gesprächen, die ich mit jungen Befürwortern von Gewaltfreiheit führte, erklärten sie mir, dass sie nicht auf Gewaltfreiheit bestehen können, da sonst ein wichtiger Teil der Bewegung ausgeschlossen würde. Das Problem ist aber, dass tatsächlich ein viel größerer Teil ausgeschlossen wird, der es sich nicht leisten kann, verhaftet oder gewalttätig zu werden oder dass die Mitgliederzahlen zurückgehen.

Eine Antikriegs- und Antiglobalisierungsbewegung könnte nun nach dem 11. September viele Migranten und Flüchtlinge erreichen. Diese verstehen sehr wohl den Preis dieses Krieges, der Preis für die Teilnahme an einer möglicherweise gewalttätigen Demonstration ist für sie aber zu hoch ist. Und Frauengruppen, die in Ottawa versuchten, solche Regeln für Gewaltfreiheit durchzusetzen, sind durch die Ablehnung dieser Übereinkunft ausgeschlossen.

Viele dieser Gruppen werden also abwandern. Kein Flügel der Bewegung kann ohne den anderen etwas bewirken. Der radikale Flügel hat Schwung und Dynamik in die Bewegung gebracht und junge Menschen animiert, sich zu engagieren, was die Antiglobalisierungsbewegung nach dem Versagen der alten Linken wieder auf die Tagesordnung gebracht hat. Der institutionalisierte Flügel stellt Ressourcen zur Verfügung, Kontinuität, Glaubwürdigkeit, Kontakte zu Institutionen und eine breite Basis.

Beide Gruppen sind der Meinung, dass ihre Meinungsverschiedenheiten mit der anderen Gruppe berechtigt sind. Allerdings ist der Preis zu hoch, um diese Unstimmigkeiten zu einer dauerhaften Spaltung werden zu lassen. Das ist genau das, was mit der Arbeiterbewegung im 1. Weltkrieg passierte.

Wir leiden immer noch unter den Folgen der Abspaltung der radikalen Kommunisten von den gemäßigten Sozialdemokraten. Infolge der Ereignisse des 11.September sind Dialog, Diskussion und Kompromisse innerhalb der Antiglobalisierungsbewegung aber dringender denn je. Das ist das Wichtigste.

Übersetzt von: Eva-Maria Bach
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