Benutzerspezifische Werkzeuge
Sie sind hier: Startseite Artikel San José de Apartadó - der massakrierte Frieden
Artikelaktionen

San José de Apartadó - der massakrierte Frieden

von Javier Giraldo

07.04.2005 — Actualidad Colombiana / ZNet Deutschland

— abgelegt unter:
Am 23. Februar 05 liess mich ein Telefonanruf verwirrt und aufgewühlt zurück. Luis Eduardo Guerra, einer der tapfersten Förderer der Friedensgemeinschaft von San José de Apartadó war verschwunden. Auf der anderen Seite der Telefonverbindung sagte mir eine der aktuellen Führungsleute der Friedensgemeinschaft, dass alles darauf hinweise, dass Luis Eduardo ermordet worden sei. Grosse Gruppen der Friedensgemeinschaft waren bereits auf die Suche nach Luis gegangen, allerdings ohne grosse Hoffnungen. Die Anrufe vermehrten sich im Verlauf der Stunden und im Morgengrauen des 25. Februar 05 reiste ich in Begleitung von Gloria Cuartas, der ehemaligen Bürgermeisterin von Apartadó, nach San José de Apartadó. Wir traten die Reise bereits mit der tragischen Gewissheit an, dass die Leiche von Luis Eduardo zusammen mit den Leichen seiner Frau Bellanira und seinem 11-jährigen Sohn Deiner Andrés aufgefunden worden waren. Eine weitere Führungsperson der Friedensgemeinschaft, Alfonso Tuberquia, den ich ebenfalls kannte und dessen Sohn Santiago ich vor wenigen Wochen getauft hatte, war ebenfalls zusammen mit seiner Frau und seinen Kindern umgebracht worden.

Nach 8 Jahren der Registrierung der gegen diese heroische Gemeinschaft verübten Abscheulichkeiten und ihrer Anklage vor allen möglichen Instanzen, war es für mich schwierig, eine klare Analyse der Vorfälle zu machen. Einerseits kamen mir die mehr als 500 bisher angeklagten Aggressionen gegen die Gemeinschaft in den Sinn und es schien mir, dass alles in der gleichen Logik und im gleichen Stil der Verfolgung und Auslöschung geschah, welcher die Friedensgemeinschaft seit ihrer Gründung im Jahr 1996 ausgesetzt ist. Ich erinnerte mich erschüttert an die vielen früheren Massaker und die dauernden Feindseligkeiten gegen die Führungspersonen und die Mitglieder der Friedensgemeinschaft. Alles schien mir eine Schlussfolgerung aufzuzwingen, welche ich nicht akzeptieren wollte aufgrund ihrer demoralisierenden Folgen: Nichts hat sich geändert; das Urteil zur Auslöschung wird unausweichlich weiter geführt, auch wenn die Diskurse des Staates sich verändert haben. Doch ich erinnerte mich andrerseits an die vielen Sitzungen zur Suche nach Übereinstimmungen mit dem Staat, dies in Umsetzung der Schutzmassnahmen, welche die Interamerikanische Menschenrechtskommission seit Oktober 2000 von der kolumbianischen Regierung insistent gefordert hatte, und denen bereits seit November 1997 besondere Schutzmassnahmen der Interamerikanischen Menschenrechtskommission vorangegangen waren. Ich erinnerte mich besonders an die vielen Beteuerungen des Vizepräsidenten Francisco Santos und anderer Mitglieder seines Büros, welche versicherten, dass die Friedensgemeinschaft nicht zerstört werde, sondern vom Staat geschützt würde, und dass es ein klarer Entscheid der jetzigen Regierung sei, mit der Gemeinschaft selber Massnahmen zu ihrem Schutz abzusprechen.

Voller Fragen kam ich in San José de Apartadó an diesem Freitag, den 25. Februar an. Ein Armeehelikopter überflog den Ort mit einer grossen, angehängten Plastikhülle, welche im Wind hin und her schwankte. Die Nachrichten, welche über Satellitentelefon von den internationalen Begleitpersonen mitgeteilt worden waren, kündigten uns an, dass im Gebiet, in dem das Massaker verübt worden war, die Leichen von fünf Opfern bereits ausgegraben und gerichtlich erfasst worden waren: Von Alfonso Tuberquia, seiner Frau Sandra Milena Muñoz, ihrer Kinder Natalia (5 Jahre) und Santiago (18 Monate) und von Alejandro Pérez Castaño, eines weiteren Bewohners des Gebietes. Alle Leichen waren verstümmelt und hatten Spuren abscheulicher Folter.

Zusammen mit Gloria Cuartas und einigen internationalen Begleitpersonen entschieden wir, den Familien die leidvolle Identifizierung und Herausgabe der Leichen zu ersparen. Verschiedene Behörden waren am Samstag, 26. Februar auf dem Friedhof von Apartadó versammelt, wo die unendlichen Formalitäten zur Herausgabe der Leichen von heftigen Forderungen an die Behörden, aufgrund der greifbaren Nachlässigkeit bei der Leichenerhebung der übrigen Ermordeten, abwechselten. Tatsächlich waren die Leichen von Luis Eduardo und seiner Familie nicht gefunden worden, wie anfänglich geglaubt worden war. In keiner der beiden Gräber, in denen die Täter eilig ihre letzten Opfer in einem Feld mit Kakaobäumen auf dem Hof von Alfonso vergraben hatten, waren die Leichen von Luis Eduardo und seiner Familie gefunden worden. Vielmehr wurden sie im Freien, am Ufer des Mulatos-Flusses aufgefunden, bereits stark von Geiern und Schweinen angefressen. Obwohl die Staatsanwaltschaft bereits am Freitag, den 25. Februar vom exakten Fundort Kenntnis hatte, kam sie erst am Sonntag, den 27. Februar, um die Leichenerhebung zu machen, als die Erschöpfung der Suchgruppen bereits extrem war und sie sich entschieden hatten, die Körper ohne die offizielle Leichenerhebung weg zu transportieren.

Ein anderer Helikopter überflog das Gebiet mit der makabren Plastikhülle und an jenem Sonntagnachmittag wiederholten sich die schmerzlichen Formalitäten zur Herausgabe der Leichen, wobei die unnützen Legalismen die Gefühle und den Gemeinsinn verletzen. Ein Bestattungsinstitut, welches vom Bürgermeister von Apartadó nach der heftigen Intervention von Gloria Cuartas unter Vertrag genommen worden war, weigerte sich, die Leichen zu transportieren, da es bereits Nacht war. Ein junger Chauffeur einer Chiva riskierte es, uns zu transportieren. Zwei Tage später wurde er von einem Paramilitär, welcher unter dem Schutz von Oberst Duque, dem Kommandanten des Armeebataillons, welches die Region von San José kontrolliert, steht, mit dem Tode bedroht. Der klapprige Leichenwagen durchquerte kurz vor Mitternacht das Viertel Obrero von Apartadó, wo ein Volksfest in Gange war. Die Menge tanzte, animiert durch den grosszügigen Konsum von Alkohol. Niemand hatte die Würde, auch nur einen Blick des Respekts auf die Särge zu werfen und den Tanz zu unterbrechen. Es war eine traurige Bestätigung der dominierenden paramilitärischen Kultur in einer Stadt, welche sich früher durch ihr hohes soziales Bewusstsein ausgezeichnet hatte.

Sonntags, nach Mitternacht hatten wir die acht Särge im Rundbau vereint, in welchem so viele Gemeindeversammlungen stattgefunden haben und in dem so viele solidarische Beschlüsse gefasst worden sind. Eine Nachtwache mit Reflexionen, Gesängen und biblischen Texten versammelte viele Personen bis ins Morgengrauen des Montag, 28. Februar in Erwartung der Beerdigung, welche auf 8.00 Uhr angesetzt war. Mit brüchiger Stimmer stand ich dem Beerdigungsgottesdienst vor, während ich von intensiven Gefühlen durchdrungen wurde, die sich in jeder Geste und jedem Seufzer der Gottesdienstteilnehmer ausdrückten. Ich wählte einen Text des vierten Evangeliums aus, in dem Jesus betont: Niemand nimmt mir das Leben, sondern ich selber gebe mein Leben hin um es zu gewinnen. Diese Worte lösten bei seinen Zuhörern das Urteil aus, er sei verrückt geworden, während nur einige wenige nachdachten und meinten: Jemand, der den Blinden die Augen öffnet, kann nicht verrückt sein. (Johannes 10,17-21) Ich sah in diesem Text nicht nur das Mysterium des Todes und des Lebens reflektiert von Luis Eduardo und Bellanira, von Alfonso und Sandra, von Alejandro und von Kindern, die erst ins Leben einstiegen, geführt von überzeugten und heroischen Eltern, sondern auch das Leben und den Tod dieser ganzen Gemeinschaft, welche den Preis von über 150 Leben dafür bezahlt hat, sich nicht den Strukturen des Todes und der Unwürde zu unterwerfen, von denen wir umgeben sind.

Einige Journalisten und regionale Behörden fragten über Telefon nach, ob sie an der Beerdigung teilnehmen könnten. Jene, die ihnen antworteten, drückten die herrschende Entrüstung der Friedensgemeinschaft aufgrund der Haltung der Behörden und Journalisten aus, welche statt die schrecklichen Verbrechen zu verurteilen bereits eine gigantische Kampagne der Stigmatisierung der Opfer und der Gemeinschaft begonnen hatten, welche sich in den kommenden Wochen noch verstärken sollte.

Die Gespräche mit mehr als 10 Zeugen erlaubten mir, den Weg des Verbrechens zu rekonstruieren. Einige von ihnen waren illegal von der Armee festgenommen worden, welche am Samstag, den 19. Februar in den Weiler La Esperanza eingedrungen war. Sie wurden in einem Haus festgehalten und es wurde ihnen nicht erlaubt, sich von dort weg zu bewegen. Andere sahen die Armee am Nachmittag des gleichen Samstages in den Weiler Las Nieves kommen, wo sie am Sonntag, den 20. Februar gewaltsam in das Haus von Marcelino Moreno eindrangen, auf ihn im Bett liegend schossen und dabei seine Tochter verletzten. Marcelino, der Milizionär war, erhob sich verletzt, um eine Waffe zu suchen und trat den Soldaten gegenüber, welche ihn töteten. Beim dem Zusammenstoss wurde ein Soldat verletzt. Beim Durchzug durch den Weiler Las Nieves wurden zwei Bewohner von den Soldaten verfolgt, welche mit lauter Stimme ihre Absicht kundtaten, sie zu ermorden, doch ein Vermummter, welcher keine Militäruniform trug, schrie ihnen zu, sie sollten nicht schiessen, da sie sonst den Plan vereiteln würden. Dadurch konnten die beiden Bewohner entkommen und sich verstecken, ohne von den Truppen entdeckt zu werden. Die Armee schien die Weisung zu befolgen, keinen grossen Lärm mit den Waffen zu machen, damit die Leute nicht flüchteten. Am darauf folgenden Tag, Montag, den 21. Februar, erscheint die Armee im Weiler Mulatos, angrenzend an den Weiler Las Nieves, und stösst auf dem Weg auf Luis Eduardo und seine Familie, welche sich anschickt, auf seinem Hof Kakao zu pflücken. Ein weiterer Verwandter, welcher ihn begleitete, beobachtete einen wenig weit entfernten Soldaten auf dem Weg, doch als er Luis Eduardo auf diesen hinwies, bückte sich der Soldat und versteckte sich. Der Verwandte lud Luis Eduardo ein, umzukehren oder zu fliehen, denn die Präsenz der Armee war offensichtlich. Doch Luis Eduardo meinte, er würde nicht fliehen und wenn es notwendig sei, würde er mit der Armee diskutieren, damit sie ihn den Kakao ernten liessen. Momente später tauchten auf allen Seiten Soldaten auf, welche sich auf den Seiten des Weges versteckt gehalten hatten und sie schrieen Luis Eduardo zu: Halt und Hände hoch. Der Verwandte von Luis Eduardo floh rasch in den Wald und obwohl sie schrieen, dass sie ihn festnehmen würden, schossen sie nicht auf ihn, was ihm erlaubte, zu fliehen. Er sagte später: Als ich in gewisser Distanz war, hörte ich Schreie von Luis Eduardo und Bellanira, seiner Frau. Dies lässt den Schluss zu, dass sie sofort Folter und Tod unterworfen wurden. Zusammen mit den von den Tieren zerstörten Leichen wurde in geringer Entfernung vom Ort ihrer Festnahme ein Knüppel und eine Machete, beide blutverschmiert, aufgefunden. Der Kopf vom 11-jährigen Deiner Andrés, Sohn von Luis Eduardo, wurde 20 Meter von seinem Körper entfernt aufgefunden.

Die eigenen Kommunikationsnetze unserer Bauern, welche mit einer Geschwindigkeit funktionieren, welche für uns Städter schwer verständlich ist, setzten einige Alarme in Gange. Um Mittag kam ein Bauer ins Haus von Alfonso Tuberquia im Weiler La Resbalosa, eine Stunde von Mulatos entfernt, während Alfonso, seine Familie und vier Arbeiter gerade zu Mittag assen. Der Bauer warnte sie vor der Präsenz der Armee und vor der Verhaftung von Luis Eduardo und forderte sie auf, rasch zu fliehen. Doch während er mit ihnen sprach, merkte er, dass das Haus von Alfonso bereits von Soldaten umstellt war und als alle auf den Hof hinaus gingen, eröffnete die Armee das Feuer auf sie. Sie flohen durch einen Bereich, in dem noch keine Soldaten waren. Sie konnten Sandra und die Kinder nicht mitnehmen, da die Schüsse immer intensiver waren und sie sich ausrechnen konnten, dass zurückzukehren gleichbedeutend mit dem Tode war. Alfonso und die Arbeiter suchten Schutz in einem etwa 20 Minuten entfernt gelegenen Haus. Doch nach etwa zwei Stunden, als keine Schüsse mehr zu hören waren, entschied sich Alfonso, zu seinem Haus zurück zu kehren und das Schicksal seiner Frau und seiner Kinder zu kennen und entschlossen, wenn nötig mit ihnen zu sterben. Er versprach, wenn möglich wieder zurück zu kehren. Doch als die Arbeiter vergeblich bis am Mittag des folgenden Tages auf ihn gewartet hatten, entschieden sie sich, sich seinem Hof zu nähern und nachzuforschen, was geschehen war. Sie fanden überall Blut und blutverschmierte Kleider und verstanden, zutiefst erschüttert, in welchem Szenario sie sich befanden. Das Haar des Mädchens Natalia war an verschiedenen Orten verstreut, teilweise mit Kopfhaut dran, wie mit einer Machete weggeschnitten. Nach langem Suchen fanden sie aufgewühlte Erde auf dem Kakaofeld und gruben ein wenig. Als sie abgetrennte Gliedmassen des Körpers von Alfonso fanden, deckten sie horrorisiert das Grab wieder zu und flohen. Jemand ging schnell die Führungsleute der Friedensgemeinschaft über das Vorgefallene zu informieren.

Die Soldaten rückten am gleichen Montagnachmittag, den 21. Februar, in einen Ort namens El Barro vor, angrenzend an die Weiler Mulatos und Las Nieves, wo sie gegen 15.00 Uhr eintrafen. Dort lebten Familienangehörige von Luis Eduardo. Diese wurden gezwungen in ihrem Haus zu bleiben und es wurde ihnen selbst verboten, sich vom Feld etwas zu essen zu holen. Ohne um die Verwandtschaft mit Luis Eduardo zu wissen, erzählten ihnen die Soldaten, dass sie diesen Morgen drei Guerilleros getötet hätten und beschrieben diese. Die Familienangehörigen verstanden, dass die Opfer Luis Eduardo, seine Frau und sein Kind gewesen waren. Einheiten der Truppe schrieben auf eine Mauer den Namen ihrer Einheit: Contraguerrilla 33. Es handelte sich um das Contraguerrilla-Bataillon No. 33 Cacique Lutaima, welches der 17. Armeebrigade unterstellt ist. Die gleiche Armeeeinheit war vor Ort präsent, als die Staatsanwaltschaft zur Leichenerhebung kam. Tatsächlich hatten die Bauern, Experten im Lesen von Spuren, den Weg der Truppe rekonstruiert und nachgewiesen, dass sie die Zone nicht verlassen hatte.

Es gab keinen Zweifel. Wir standen vor einem neuen, horrenden Verbrechen des Staates. Die Präsenz einiger Paramilitärs vermischt mit der Truppe, deren Kleidung weitgehend identisch jener der Soldaten ist, haben die Bauern in den neun Jahren von schrecklichen Erfahrungen zu identifizieren gelernt. Die Präsenz dieser Paramilitärs innerhalb der Truppe bestätigt und verstärkt nur die staatliche Verantwortung für das Verbrechen. Die nachträglichen Anstrengungen der Regierung eine fiktive Geschichte zu erfinden, worin die Guerilla als Autor der Ereignisse erschien, waren derart unglücklich, dass dazu zwei Jugendliche als Zeugen herbeigezogen werden mussten, welche vor einem Jahr von Oberst Duque gefoltert worden sind und einem willkürlichen, auf einer Montage beruhenden Rechtsprozess unterworfen wurden, welcher als Erpressung diente, um die beiden zu zwingen, ins Wiedereingliederungsprogramm einzusteigen. Die beiden Jugendlichen blieben damit unter der Bewachung ihrer eigenen Täter und verfügen über keinerlei Möglichkeit, selbständig freie Entscheide zu treffen. Doch da die überwiegende Mehrheit der KolumbianerInnen keinen Zugang zu diesen Wahrheiten hat, dient die massive Verbreitung dieser Verleumdungen durch die Medien der Information als Basis einer Stigmatisierungskampagne der Opfer der Friedensgemeinschaft, welche von der Regierung intensiv vorangetrieben wird.

  • Man will das Land und die Welt glauben machen, dass die Armee seit vielen Jahren nicht nach San José de Apartadó eindringen konnte, da die Friedensgemeinschaft es ihr verbiete. Tatsache ist jedoch, dass die Armee kaum jemals aus San José weggeht.
  • Man will dem Land und der Welt glauben machen, dass die Präsenz der Armee in allen Ecken des nationalen Territoriums eine Forderung der Verfassung ist, da ihre Präsenz dem Schutz der Bevölkerung und zur Einforderung der Verfassung und der Gesetze dient. Die Erfahrungen von San José zeigen aber, dass die Armee die Verfassung und die Gesetze immer mit Füssen getreten und die Zivilbevölkerung ständig bedrängt hat, wobei sie hunderte von horrenden Verbrechen wie Massaker, Morde, gewaltsames Verschwindenlassen, Folter, Vergewaltigungen, Plünderungen und Raub von lebensnotwendigen Grundversorgungsmitteln, Niederbrennen von Häusern, illegale Verhaftungen und Hausdurchsuchungen, Raub von Lasttieren, Gemeinschaftsgeldern, von Geld der Familien und von Arbeitsgeräten, Drohungen und terroristische Aktionen verübt hat. In wenigen Worten: All das, was Verfassung und Gesetze mit grösstem Nachdruck verbieten.
  • Man will dem Land und der Welt glauben machen, dass die Gemeinschaft die Justiz behindere. In Wirklichkeit hat die Friedensgemeinschaft hunderte von Aussagen gegenüber Staatsanwälten und Prokuratoren gemacht, ohne jemals einen Akt der Gerechtigkeit noch der Wiedergutmachung zu sehen. In Tat und Wahrheit hat sich der Generalstaatsanwalt geweigert, mehr als 300 Verbrechen gegen die Menschlichkeit, welche gegen die Friedensgemeinschaft verübt wurden, gerichtlich zu untersuchen. Diese Verbrechen waren formell in seinem Büro im November 2003 eingeklagt worden. Tatsache ist auch, dass die Regierung sich geweigert hat, eine Rechtsevaluationskommission zu bilden, welche die Friedensgemeinschaft aufgrund der klaren, zahlreichen Unregelmässigkeiten in den Rechtsverfahren insistent gefordert hatte. Tatsache ist zudem auch, dass selbst einige Mitglieder der Friedensgemeinschaft nach ihren Aussagen ermordet wurden.
  • Man will dem Land und der Welt glauben machen, dass die Friedensgemeinschaft Verbindungen mit den Aufständischen hat. Tatsache ist, dass die Guerilla 20 Mal Mitglieder der Friedensgemeinschaft oder Bewohner der Zone angegriffen hat, weswegen sie von der Friedensgemeinschaft in öffentlichen Stellungnahmen heftig hinterfragt wurde. Tatsache ist auch, dass die Friedensgemeinschaft ihr internes Reglement, welches ihr die Zusammenarbeit mit jedwelchen bewaffneten Akteuren untersagt, auf transparente Weise einfordert. Tatsache ist auch, dass die Anschuldigungen über Verbindungen von Mitgliedern der Friedensgemeinschaft mit den Aufständischen von der 17. Armeebrigade auf der Grundlage von falschen Aussagen von bezahlten oder erpressten Informanten konstruiert wurden. Diese Aussagen würden auch der kleinsten Analyse der Beweise nicht standhalten.

Es gibt keinen Zweifel, dass die Friedensgemeinschaft von San José de Apartadó, ein absolut legitimer Vorschlag zur Verteidigung der Rechte der Zivilbevölkerung inmitten des Krieges, durch intensive Momente der Verfolgung geht, welche die weltweite Solidarität notwendig macht.

Übersetzt von: Bruno Rütsche
Artikelaktionen