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Scharons 'Lösung'

Der Israelische Premierminister träumt davon, alle Palästinenser außer Landes zu 'transferieren'

von Alexander Cockburn

02.05.2002 — working for change / ZNet

— abgelegt unter:
Als vor zwei Jahren das Gallup-Institut eine Umfrage unter Israelischen Juden startete, sprachen sich lediglich 8 Prozent der Befragten für das aus, was euphemistisch als 'Transfer' bezeichnet wird - und was in Wirklichkeit nichts anderes heißt als die Vertreibung der rund 2 Millionen Palästinenser (aus Israel) über den Jordan. Diesen Monat wurde die Umfrage erneut durchgeführt, Ergebnis: derzeit sind 44 Prozent (der Israelischen Juden) für diese 'Lösung'.

Professor Martin van Creveld ist Israels wohl bekanntester Militärhistoriker. Am 28. April brachte die konservative britische Zeitung 'The Telegraph' einen Artikel von Van Creveld, in dem dieser erläutert, was er für Ariel Scharon nächstes kurzfristiges Ziel hält: die Vertreibung der Palästinenser nämlich - den 'Tranfer'.

Gemäß Van Creveld plant Scharon, 2 Millionen Palästinenser über den Jordan zu jagen - wobei Sch. entweder einen Angriff der USA auf Irak oder aber einen neuen terroristischen Anschlag in Israel als Vorwand benutzen würde. Ein solches Ereignis könnte zu einer Generalmobilmachung führen, die anschließend in die Vertreibung der gesamten arabischstämmigen Bevölkerung aus den 'Besetzten Gebieten' (2 Millionen) münden könnte. Im September 1970, daran erinnert uns Van Creveld, hatte König Hussein von Jordanien die Palästinenser auf seinem Staatsgebiet (Jordanien) massiv bekämpft, wobei 5000 bis 10 000 von ihnen getötet wurden. Ariel Scharon, damals Israels Kommandeur an der Südfront, sagt, Israels Unterstützung für den Jordanischen König damals sei ein großer Fehler (der Israelischen Politik) gewesen. Statt dessen hätte Israel besser auf den Sturz des Haschemiten-Königs (Hussein) hinarbeiten sollen. Scharon wird seither nicht müde zu betonen, daß er Jordanien (das laut Scharon nochimmer eine palästinensische Einwohnermehrheit hat) für den eigentlichen Palästinenserstaat hält. Daher wäre Jordanien (für Scharon) auch der geeignete Platz für die Palästinenser - wenn Scharon sie denn wirklich aus 'seinem Großisrael' vertreibt.

Van Creveld schreibt (in seinem Artikel für 'The Telegraph'), daß Scharon immer an seiner Idee, alle Palästinenser aus Israel zu vertreiben, festgehalten habe. Falls also die USA diesen Sommer tatsächlich Irak angreifen sollten, bedeute das (laut Van Creveld) für Scharon 'Deckung', um einen solchen 'Transfer' bewerkstelligen zu können. So meinte Scharon beispielsweise (neulich) gegenüber dem Amerikanischen Außenminister Colin Powell, nichts was derzeit in Israel passiere, solle die Amerikaner von ihrem Schlag gegen den Irak abhalten. Ein anderer vorstellbarer Vorwand, den Scharon sich zunutze machen könnte, wäre ein Volksaufstand in Jordanien (gefolgt vom Sturz König Abdullahs) oder aber ein großer Terroranschlag in Israel selber.

Nach einem solch dramatischen Ereignis, so Van Crevelds Einschätzung, würde Israel binnen Stunden generalmobilmachen: "Zuerst würden Israels 3 ultramoderne Unterseeboote ihre Gefechtspositionen auf See einnehmen. Die Grenzen würden abgeriegelt, eine Nachrichtensperre verhängt. Die ausländischen Journalisten würde man alle festnehmen u. in einem Hotel festsetzen - als 'Gäste der Israelischen Regierung'. Eine Streitmacht bestehend aus 12 Divisionen - 11 davon mit Panzern - plus mehrere territoriale Einheiten, die gegebenenfalls Besatzungsaufgaben übernehmen könnten, würden hieraufhin in Marsch gesetzt: 5 Richtung Ägypten, 3 in Richtung Syrien u. eine an die Libanesische Grenze. Damit wären noch 3 übrig, die dann in Richtung Osten in Marsch gesetzt werden könnten sowie genügend Resttruppen, um einen Panzer in jedes Israelisch-Arabische Dorf zu stellen - falls dessen Bewohner nämlich auf 'dumme Gedanken' kommen sollten."

Laut Van Creveld (und er läßt in seinem Artikel keinerlei Zweifel daran, daß er die 'Transfer'-Idee in jeder Form ablehnt) würde "die Vertreibung der Palästinenser lediglich einige wenige Brigaden erfordern. Man würde die Leute nämlich nicht einzeln aus ihren Häusern zerren, vielmehr mit schwerem Geschützfeuer in die Flucht treiben. Die Zerstörung in Jenin würde gegen so eine Sache direkt wie ein simpler Nadelstich wirken." Effektive Gegenwehr wäre in einem solchen Fall laut Van Creveld weder von Ägypten noch von Syrien, noch von Libanon, noch vom Irak zu erwarten: "Saddam wird womöglich ein paar seiner wohl insgesamt 30 oder 40 Raketen (auf Israel) abschießen. Der Schaden, den sie anrichten könnten, wäre allerdings begrenzt.

Sollte Saddam hingegen verrückt genug sein, zu seinem vermuteten Arsenal an Massenvernichtungswaffen zu greifen, würde Israel zweifellos in einer Art u. Weise reagieren, die so 'furchtbar u. schrecklich' wäre, daß sie jeder Beschreibung spottet (so der frühere Israelische Premier Jitzhak Schamir einmal)."

Aber wie würde der Rest der Welt reagieren? Laut Van Creveld ist von dieser Seite nicht viel an Abschreckung zu erwarten: "Wenn Mr. Scharon tatsächlich vorhat, seinen Plan umzusetzen, sind lediglich die USA fähig u. in der Lage, ihn zu stoppen. Aber die USA wähnen sich (derzeit) ja im Krieg mit Teilen der Muslimischen Welt - denjenigen nämlich, die Osama Bin Laden unterstützt haben. Die Amerikaner würden daher vielleicht die Idee gar nicht so schlecht finden, wenn dieser 'Welt' einmal eine Lektion erteilt würde - vor allem, wenn diese Lektion genauso schnell u. brutal erfolgen könnte wie etwa der 'Sechstagekrieg' von 1967, und vor allem vorausgesetzt, der Ölhandel würde nicht zu lange darunter zu leiden haben".

"Israelische Militärexperten schätzen, daß ein solcher Krieg in weniger als 8 Tagen (erfolgreich) zu Ende gebracht werden könnte", so Van Creveld weiter. "Vorausgesetzt, die anderen Arabischen Staaten mischen sich nicht ein, resultiert das Ganze in der Vertreibung der Palästinenser u. in einem zerstörten Staat Jordanien. Leisten die Araber hingegen Widerstand, ist das Ergebnis im Grunde genau dasselbe - mit dem Unterschied, daß dann auch noch die wichtigsten Arabischen Armeen vernichtet wären. Natürlich würde auch der Staat Israel einige Opfer zu beklagen haben - vor allem unter der Zivilbevölkerung im Norden, wo ja die Hisbollah angreifen würde. Aber die Zahl der Opfer wäre begrenzt, u. letztendlich würde Israel wiedermal als Triumphator dastehen - wie 1948, 1956, 1967 u. 1973."

Also: wir sind gewarnt!

Orginalartikel: Sharon’s final solution
Übersetzt von: Andrea Noll
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