Schiiten protestieren gegen US-Präsenz im Irak
Demonstranten in Bagdad kritisieren amerikanische Präsenz
von Al- Dschasierah
10.05.2005 — Al-Dschasierah / ZNet
—
abgelegt unter:
Irak
Zehntausende von Menschen - Anhänger des Schiiten-Geistlichen Muqtada al-Sadr - marschierten in Bagdad gegen die US-Präsenz im Irak. Zwei Jahre nach dem Sturz Saddam Husseins fordern sie einen raschen Prozess gegen Saddam. Laut nein, nein, zu den Besatzern rufend waren am Samstag Zehntausende junge und ältere Männer im Armenviertel Sadr City zusammengekommen, um zu einem angekündigten (geplanten), friedlichen Marsch auf den al-Firdos-Platz aufzubrechen. Al-Firdos ist jener Ort in Zentral-Bagdad, auf dem vor zwei Jahren die Saddam-Statue gestürzt wurde. Schon am Morgen hatte sich die Menschenmenge - al-Sadr-Anhänger aus dem ganzen Land - versammelt. Sie schwangen irakische Fahnen und riefen: Nein, Amerika! Nein, Saddam! Ja zum Islam! Die Assoziation Muslimischer Gelehrter im Irak, eine einflussreiche sunnitische Gemeinschaft, rief auch die Sunniten zur Demonstrationsteilnahme auf - zur Erinnerung an den Sturz Saddams und um einen Abzug der US-Streitkräfte aus dem Irak zu fordern.
Sunniten und Schiiten verbünden sich
Viele unserer Brüder, inklusive der Sunniten, begrüßen den Aufruf und werden mitmachen, so Shaikh Abd al-Hadi al-Daraji, ein Sprecher al-Sadrs. Hoffentlich wird sie (die Demonstration) 1 Million Menschen stark sein. Al-Daraji sagte gegenüber Al-Dschasierah, die Demonstranten forderten zudem die Freilassung irakischer Gefangener und ein Ende der ausländischen Einmischung im Irak bzw. in anderen arabischen Ländern. Die Iraker können sich selbst beschützen, jene, die die US-Truppen auffordern, im Irak zu bleiben, widersprechen sich, so al-Daraji.
Demonstranten reisen Hunderte Meilen, um an dem Marsch teilzunehmen.
Die Anhänger al-Sadrs aus den südlichen Schiitenstädten Basra, Amara und Nassiriya reisten Hunderte von Meilen weit an, um bei der Demonstration dabei zu sein - ein eindrucksvoller Beweis des Charismas des jungen Geistlichen al-Sadr. Man erwartete die größte Demonstration seit der Wahl am 30. Januar. Und es war die erste Demonstration, seit Beginn der Regierungsbildung. Al-Sadr ist kein ranghoher Geistlicher. Er ist Mitte 30 und kommandiert eine angeblich mehrere tausend Mann starke Armee, die sich Mahdi-Armee nennt. Al-Sadr war Führer zweier Aufstände gegen die US-Truppen, die (jeweils) zu wochenlangen Kämpfen führten.
Bagdad lahmgelegt
Im Vorfeld der Demonstration hatten die irakischen Sicherheitskräfte Zentral-Bagdad lahmgelegt. Probleme erwarteten sie nicht. Sabah Qadhim, der Sprecher des Innenministeriums, hatte erklärt: Wir sehen dem ziemlich gelassen entgegen. Er war für die Sicherheit zuständig. Die Demonstration setzt sich für Dinge ein, die auch das irakische Volk und die irakische Regierung ihren eigenen Worten zufolge wollen - ein Verfahren gegen Saddam und den Abzug der US-Truppen, so Qadhim. Wir rechnen mit keinen Massen - kein Million-Men-March - aber wir treffen Sicherheitsvorkehrungen, wie wir das über die letzten Monate auch getan haben. US-Truppen ließen sich nicht auf den Straßen blicken. Wie Qadhim sagt, befanden sie sich aber in Alarmbereitschaft, falls sie gebraucht würden. Auch andernorts im Irak wurde für einen zeitlich festgelegten US-Abzugsplan demonstriert. In der wichtigen Stadt Ramadi forderten Tausende Demonstranten - im al-Sufayaa-Viertel und auf dem Gelände der al-Anbar-Universität - die Festsetzung eines Datums für den Abzug jener Truppen unter Führung Amerikas.
Antiamerikanische Stimmung
Dass sich so eine große Menge versammelt hat, zeigt, dass die Iraker die Stärke und den Glauben besitzen, ihr Land zu schützen und es von den Besatzern zu befreien, so der 26jährige Demonstrant Ahmad Abid, ein Autoersatzteil-Verkäufer. US-Offizielle verlauten hingegen, dass es keinen Zeitplan für einen Abzug geben wird und versprechen, solange zu bleiben, bis die irakischen Kräfte selbst in der Lage seien, das Land sicher zu machen. Mit Puppen stellten die Demonstranten das berühmte Bild vom Sturz der Saddam-Statue durch US-Soldaten und Iraker (beim Fall Bagdads) nach. Die Puppen glichen Saddam, sie glichen dem amerikanischen Präsidenten George Bush und dem britischen Premier Tony Blair. Sie trugen irakische Gefängniskleidung - rote Overalls - zum Zeichen, dass sie zum Tode verurteilt sind. Bush- und Blair-Puppen wurden auch auf der Straße verbrannt. Force the occupation to leave from our country (zwingt die Besatzung unser Land zu verlassen) war auf Englisch auf einem der Transparente zu lesen. Seit dem Sturz Saddams vor zwei Jahren ist der al-Firdos-Platz für Iraker einer der zentralen Demonstrationsorte. Im letzten Jahr war der Platz von US-Truppen abgeriegelt worden. Um eine Versammlung am ersten Jahrestag zu verhindern, war er mit rasierklingenscharfem Draht abgesperrt.
Regierungsbildung
(Premierminister) Al-Jafari ist noch immer mit der Kabinettsbildung für das neue irakische Kabinett beschäftigt. Die Demonstration fiel quasi in die Endphase dieser Regierungsbildung. Seit den Wahlen (im Januar) sind nahezu 10 Wochen vergangen. Der Premierminister ist bereits ernannt, ebenso der Präsident und die beiden Vizepräsidenten. Allerdings hat der Premierminister - Schiitenführer Ibrahim al-Jafari - seine Kabinettsliste noch nicht fertig. Al-Jafari sagt, er brauche noch bis zu zwei Wochen, um sie vorlegen zu können. Am späten Freitagabend wurde der hohe al-Sadr-Offizielle Fadil al-Shawky - aus Kerbala angereist, um an der Demonstration teilzunehmen -, im Bagdader New-Bagdad-Viertel erschossen, als sein Fahrzeug unter Beschuss geriet. Zwei weitere Menschen wurden verletzt.
Sunniten und Schiiten verbünden sich
Viele unserer Brüder, inklusive der Sunniten, begrüßen den Aufruf und werden mitmachen, so Shaikh Abd al-Hadi al-Daraji, ein Sprecher al-Sadrs. Hoffentlich wird sie (die Demonstration) 1 Million Menschen stark sein. Al-Daraji sagte gegenüber Al-Dschasierah, die Demonstranten forderten zudem die Freilassung irakischer Gefangener und ein Ende der ausländischen Einmischung im Irak bzw. in anderen arabischen Ländern. Die Iraker können sich selbst beschützen, jene, die die US-Truppen auffordern, im Irak zu bleiben, widersprechen sich, so al-Daraji.
Demonstranten reisen Hunderte Meilen, um an dem Marsch teilzunehmen.
Die Anhänger al-Sadrs aus den südlichen Schiitenstädten Basra, Amara und Nassiriya reisten Hunderte von Meilen weit an, um bei der Demonstration dabei zu sein - ein eindrucksvoller Beweis des Charismas des jungen Geistlichen al-Sadr. Man erwartete die größte Demonstration seit der Wahl am 30. Januar. Und es war die erste Demonstration, seit Beginn der Regierungsbildung. Al-Sadr ist kein ranghoher Geistlicher. Er ist Mitte 30 und kommandiert eine angeblich mehrere tausend Mann starke Armee, die sich Mahdi-Armee nennt. Al-Sadr war Führer zweier Aufstände gegen die US-Truppen, die (jeweils) zu wochenlangen Kämpfen führten.
Bagdad lahmgelegt
Im Vorfeld der Demonstration hatten die irakischen Sicherheitskräfte Zentral-Bagdad lahmgelegt. Probleme erwarteten sie nicht. Sabah Qadhim, der Sprecher des Innenministeriums, hatte erklärt: Wir sehen dem ziemlich gelassen entgegen. Er war für die Sicherheit zuständig. Die Demonstration setzt sich für Dinge ein, die auch das irakische Volk und die irakische Regierung ihren eigenen Worten zufolge wollen - ein Verfahren gegen Saddam und den Abzug der US-Truppen, so Qadhim. Wir rechnen mit keinen Massen - kein Million-Men-March - aber wir treffen Sicherheitsvorkehrungen, wie wir das über die letzten Monate auch getan haben. US-Truppen ließen sich nicht auf den Straßen blicken. Wie Qadhim sagt, befanden sie sich aber in Alarmbereitschaft, falls sie gebraucht würden. Auch andernorts im Irak wurde für einen zeitlich festgelegten US-Abzugsplan demonstriert. In der wichtigen Stadt Ramadi forderten Tausende Demonstranten - im al-Sufayaa-Viertel und auf dem Gelände der al-Anbar-Universität - die Festsetzung eines Datums für den Abzug jener Truppen unter Führung Amerikas.
Antiamerikanische Stimmung
Dass sich so eine große Menge versammelt hat, zeigt, dass die Iraker die Stärke und den Glauben besitzen, ihr Land zu schützen und es von den Besatzern zu befreien, so der 26jährige Demonstrant Ahmad Abid, ein Autoersatzteil-Verkäufer. US-Offizielle verlauten hingegen, dass es keinen Zeitplan für einen Abzug geben wird und versprechen, solange zu bleiben, bis die irakischen Kräfte selbst in der Lage seien, das Land sicher zu machen. Mit Puppen stellten die Demonstranten das berühmte Bild vom Sturz der Saddam-Statue durch US-Soldaten und Iraker (beim Fall Bagdads) nach. Die Puppen glichen Saddam, sie glichen dem amerikanischen Präsidenten George Bush und dem britischen Premier Tony Blair. Sie trugen irakische Gefängniskleidung - rote Overalls - zum Zeichen, dass sie zum Tode verurteilt sind. Bush- und Blair-Puppen wurden auch auf der Straße verbrannt. Force the occupation to leave from our country (zwingt die Besatzung unser Land zu verlassen) war auf Englisch auf einem der Transparente zu lesen. Seit dem Sturz Saddams vor zwei Jahren ist der al-Firdos-Platz für Iraker einer der zentralen Demonstrationsorte. Im letzten Jahr war der Platz von US-Truppen abgeriegelt worden. Um eine Versammlung am ersten Jahrestag zu verhindern, war er mit rasierklingenscharfem Draht abgesperrt.
Regierungsbildung
(Premierminister) Al-Jafari ist noch immer mit der Kabinettsbildung für das neue irakische Kabinett beschäftigt. Die Demonstration fiel quasi in die Endphase dieser Regierungsbildung. Seit den Wahlen (im Januar) sind nahezu 10 Wochen vergangen. Der Premierminister ist bereits ernannt, ebenso der Präsident und die beiden Vizepräsidenten. Allerdings hat der Premierminister - Schiitenführer Ibrahim al-Jafari - seine Kabinettsliste noch nicht fertig. Al-Jafari sagt, er brauche noch bis zu zwei Wochen, um sie vorlegen zu können. Am späten Freitagabend wurde der hohe al-Sadr-Offizielle Fadil al-Shawky - aus Kerbala angereist, um an der Demonstration teilzunehmen -, im Bagdader New-Bagdad-Viertel erschossen, als sein Fahrzeug unter Beschuss geriet. Zwei weitere Menschen wurden verletzt.
Orginalartikel:
Shia protest over US presence in Iraq
Übersetzt von:
Andrea Noll
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