Such dir besser keine tödlichen Partner aus
von Scott Burchill
06.11.2002 — The Australian / ZNet
Eine absurde und haltlose Angst vor einem Zerfall Indonesiens, hat lange Zeit Australiens Außenpolitik bestimmt und für eine ungewöhnlich stabile Beziehung zwischen beiden Nationen gesorgt.
Die fixe Idee, den Status Quo aufrecht zu erhalten, beruht auf einer grundlegenden Missdeutung der Weltpolitik, welche zu moralischen Kompromissen in unserer Diplomatie geführt hat.
Canberra hat wiederholt die absolute Unantastbarkeit der indonesischen Grenzen akzeptiert, wiewohl die Erfahrung gezeigt hat, dass die Linien auf politischen Landkarten gewöhnlich flexibel und diskutabel sind. Nacheinander haben Regierungskoalitionen verschiedener politischer Lager sich der Verbindung verschlossen, die zwischen separatistischen Bewegungen in Provinzen wie z.B. West Papua und der militärischen Brutalität und Ausbeutung besteht, welche von Jakarta ausgeht. Die außenpolitische Elite Australiens hat in der Tat eine komplett gegensätzliche Schlussfolgerung gezogen, indem sie naiv den Beteuerungen aus Jakarta glauben schenkte, das Militär (TNI) sei eine einigende und stabilisierende Kraft auf dem Archipel.
In den 90er Jahren begann klar zu werden, dass einige der australischen “Indonesienexperten” in Regierung, Medien und Bildungswesen sich der territorialen Unversehrtheit dieser Republik mehr verpflichtet fühlten, als deren Einwohner.
Der moralische Preis dieser Fehler wiegt schwer. Die Lebensfähigkeit der brutalen Suharto Diktatur wurde durch Canberras salbungsvolle und unkritische Unterstützung gewährt. Der Alptraum Ost-Timors verschlimmerte sich und seine Freiheit wurde verhindert, da Australien die illegale Besetzung durch Jakarta anerkannte. Eine in der Entstehung befindliche demokratische Bewegung in Indonesien wurde entmutigt oder ignoriert und trotz öffentlichkeitstauglicher Rhetorik, wurde Canberra zunehmend gleichgültiger gegenüber dem Ausmaß an Zerstörung und dem menschlichen Leiden das aus der Verteidigung Indonesiens aktueller Grenzen resultierte.
Australien zog “Stabilität” in Indonesien vor, ungeachtet der Tatsache, dass diese Stabilisierung durch eine grausame militärische Clique vollzogen wurde.
Deshalb überrascht es nicht, nach dem 12.Oktober nostalgische Formulierungen über die “goldene Ära” Suhartos eisernen Regimes und Forderungen nach engerer Zusammenarbeit beider Länder zu hören. So wie der ehemalige Ratgeber Frasers (Malcolm Fraser, Premierminister Australiens 1975-83, Anm.d.Übers.) vorige Woche auf diesen Seiten argumentierte, war Suharto wohl korrupt und einer der größten Massenmörder des 20ten Jahrhunderts, er hatte aber zumindest militante Islamisten und Separatisten unter Kontrolle. Besser noch: er ersparte den australischen Steuerzahlern Millionen von Dollar des Verteidigungsbudgets. Die Demokratie in Indonesien scheint offensichtlich keiner Investition wert, weil sie es nicht geschafft hat, seinen Nachbarn den heiligen Gral zu bringen: Stabilität.
CANBERRA und Washington waren seit den Angriffen des elften September letzten Jahres bemüht, die Verbindungen mit dem TNI wiederherzustellen. In Australien wurden die Forderungen fallengelassen, die für die Gräueltaten, die 1999 während und nach den Abstimmungen über Ost-Timors Unabhängigkeit stattfanden, verantwortlichen Offiziere anzuklagen, obwohl jeder verständige Australier sie vor jedem Gericht, das diesen Namen verdient hat, anklagen würde. In den Vereinigten Staaten wurde seitens des Verteidigungsministeriums versucht, das vom Kongress erteilte Verbot von Verbindungen mit dem TNI zu umgehen. Das Bombenattentat von Bali hat weiter dazu beigetragen, wieder zum “Business as usual” überzugehen.
Dies scheint auch Verteidigungsminister Robert Hill gut ins Konzept zu passen, da er im Zuge eines Anti-Terror Abkommens mit den australischen Streitkräften gerne alte Freundschaften mit Indonesischen Sondereinheiten, den „Kopassus“, auffrischen möchte. Hill hofft offensichtlich darauf, dass die Öffentlichkeit bereits vergessen hat, dass die Kopassus die Milizen aus Ost-Timor aufgestellt haben, welche 1999 australische Einheiten beschossen, dass sie islamische Extremisten wie Laskar Jihad darauf trainierten, tausende von Menschen in Maluku und Sulawesi umzubringen und dass sie letzten November den Führer der Unabhängigkeitsbewegung von Papua - Theys Eluy - ermordeten. Vielleicht ist ihm auch einfach der Begriff der moralischen Mittäterschaft nicht geläufig.
Die Kopassus haben mehr als nur “eine abwechslungsreiche Geschichte, eine schwierige Geschichte, beziehungsweise eine problematische Geschichte, was Menschenrechtsverletzungen in Indonesien angeht“, wie der außenpolitische Sprecher der Arbeiterpartei Kevin Rudd es formuliert. Sie sind eine staatliche Terroreinheit, mit einer erschreckenden Vergangenheit von Gewaltanwendung auf dem indonesischen Archipel. Gareth Evans (ehem. austr. Auβenminister; A.d.Ü.) und gestern auch Paul Keating (Premierminister 1991-96; Vorsitzender der Arbeiterpartei; A.d.Ü.) haben zugegeben, das die Unterstützung des indonesischen Militärs zur Zerschlagung des Terrors eine große Torheit ist. Besser spät als nie – Downer und Hill (Alexander Downer ist derzeit Außenminister in Austr.; A.d.Ü.) können nicht behaupten, sie seien nicht gewarnt worden.
Scott Burchill ist Dozent für internationale Beziehungen an der Deakin University in Melbourne.
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