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US Bomben stärken den Taliban

von Abdul Haq

02.11.2001 — ZNet

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Der afghanische Oppositionsführer und ehemalige Mujahedin-Kommandant Abdul Haq wurde ende Oktober von dem Taliban gefangengenommen, und als amerikanischer Spion hingerichtet. Dieser Artikel ist die editierte Version eines Interviews, den er nur einige Tage zuvor, am 11. Oktober, Anatol Lieven von der "Carnegie Endowment for International Peace" gegeben hat.

Freitag, 2. November, 2001

Die Vereinigten Staaten haben sich wahrscheinlichh bereits entschlossen was sie tun wollen, und jede Empfehlung von mir wird zu spät kommen. Militärische Handlungen alleine werden jedoch in der gegenwärtigen Situation die Dinge nur noch schwieriger machen - besonders wenn dieser Krieg sich über eine lange Zeit hinziehen wird, und viele Zivilisten getötet werden. Das beste für die US wäre es, an einer vereinten politischen Situation zu arbeiten, die alle afghanischen Gruppen umfasst. Alles andere würde die tiefen Spaltungen zwischen den verschiedenen Gruppen fördern, die von verschiedenen Ländern unterstützt werden, und die gesamte Region sehr negativ beeinflussen.

Ich bin nicht sicher dass die Luftangriffe funktionieren werden. Vor den Angriffen waren die Taliban Leute sehr nervös, und ihre Unterstützung in der Bevölkerung war sehr niedrig. Alle hatten Angst. Aber sobald die Bombenangriffe losgingen, fingen die Leute an zu sagen: "Nun, das ist nicht so schlimm. Wir haben schlimmeres durchgemacht. Wir können es aushalten." Das ist etwas das ich oft während eines Kampfes gesehen habe. Der Soldat läuft entsetzt davon. Dann wird ihm klar, dass er sich nicht in unmittelbarer Gefahr befindet. Er bleibt stehen und stellt sich dem Feind, und sein Mut kommt zurück.

Deshalb habe ich in den letzten Wochen mehr Unterstützung für den Taliban gesehen als zuvor. Wir hatten versucht eine Revolte innerhalb des Talibans zu entfachen, aber die Vereinigten Staaten haben uns nicht die Chance gegeben. Sie scheinen fest entschlossen zu sein anzugreifen, auch wenn jemand mit dem besten Vorschlag der Welt kommen würde um das zu vermeiden. Das ist für mich ein grosser Rückschlag gewesen.

Die US sollten den Druck aufrechterhalten, hauptsächlich durch Geld, aber sie sollten nicht bombardieren. Die höchste Führung des Talibans kann unmöglich durch Bombenangriffe oder Gespräche gewechselt werden. Stattdessen habe ich mich mit Talibankommandanten auf der zweiten Ebene, mit Ex-Mujahedin und Stammesführer unterhalten. Das woran ich arbeite ist es, dass sie ein Statement machen in dem sie sagen, dass der Taliban gehen muss, und dass jeder der das ablehnt bekämpft werden kann.

Was mir aber jeder sagt, ist dass es dafür eine alternative Struktur geben muss, zu der die Taliban Leute übertreten können. Die meisten wollen nicht zur Nördlichen Allianz überlaufen, und der Allianz darf es nicht erlaubt werden die Macht zu übernehmen, denn dann würden sie sich an alle rächen, die jemals gegen sie gekämpft haben, und die Leute zurück zum Taliban treiben. Und der Nördlichen Allianz darf es nicht erlaubt werden Angriffe zu starten, zumindest nicht gegen Kabul, und nach Osten und Westen hin [d.h. ins innere der Pashtun Gebiete].

Wenn das befolgt würde, haben mit viele Taliban Leute gesagt, wären sie bereit den Taliban aufzugeben.

Ich habe das alles den US-Offiziellen gesagt, und andere auch. Aber es ist unmöglich jemanden unterhalb der Präsidentenebene zu finden, der willens ist die Verantwortung für eine Entscheidung zu übernehmen. Wenn die US weiter bombardieren und der Nördlichen Allianz helfen, dann wir unsere Arbeit sehr schwieriger sein. Das Problem ist, dass die Amerikaner die Kommandanten der Allianz auf den Grund nicht kontrollieren können, wenn sie sich entschliessen Kabul anzugreifen oder Menschen zu massakrieren. Wie können sie sie kontollieren? Indem sie drohen sie auch zu bombardieren?

Der Taliban stammt zum grössten Teil aus den Pashtun Gebieten, und die Pashtun sind der Schlüssel um sie loszuwerden. Jedesmal wenn der Taliban schwach ist, greift er auf den Pashtun Nationalismus zurück, und das hat einen gewissen Effekt. Die anti-Taliban Kampagne braucht zwei Phasen: eine militärische Strategie um den Taliban zu spalten und zu stürzen, die von den Afghanern selbst ausgeführt werden sollte, nicht den Vereinigten Staaten; und eine Loya Jirga [eine grosse nationale Versammlung] um eine zukünftige Regierung zu gründen, die Vertreter aller ethnischer Gruppen und Stämme einschliesst.

Wir sollten uns darauf konzentrieren Blutvergiessen so weit wie möglich zu vermeiden. Der Taliban ist wie eine Kristalkugel. Sie sind sehr hart, aber sie bersten leicht. Wenn sie auf die richtige Weise getroffen werden, werden sie in Millionen Teile zerbrechen. Aber ganz Afghanistan zu bombardieren ist nicht das richtige. Stattdessen sollten wir die zentrale Führung unterminieren, die eine sehr kleine und eine geschlossene Gruppe ist, und das einzige ist, das sie alle zusammenhält. Wenn sie zerstört sind, werden alle Talibankämpfer ihre Gewehre und Decken aufsammeln und nach Hause verschwinden, und das wird das Ende des Talibans sein.

Aber die Vereinigten Staaten versuchen ihre Muskeln zu zeigen, einen Sieg zu erringen und die ganze Welt einzuschüchtern. Die Leiden der Afghaner, oder wie viele Menschen wir verlieren werden, das ist ihnen egal. Und uns gefällt das nicht. Denn nun müssen Afghaner für das leiden, was diese arabischen Fanatiker gemacht haben, aber wir alle wissen, wer diese Araber in den 80´er Jahren nach Afghanistan gebracht, sie bewaffnet und ihnen eine Basis gegeben hat. Es waren die Amerikaner und die CIA. Und die Amerikaner die das alles gemacht haben, erhielten Orden und machten gute Karrieren, während die Afghaner in all diesen Jahren, unter diesen Arabern und deren Verbündeten leiden mussten. Nun, da Vereinigten Staaten angegriffen werden, bestrafen sie die Afghaner, statt die Amerikaner die das getan haben.

http://www.ceip.org

Übersetzt von: Dana
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