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USA: Die patriotische Rolle der Frauen

von Cynthia Peters

11.10.2001 — ZNet Kommentar

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Cynthia Enloe, eine feministische Wissenschaftlerin und Autorin mehrerer Bücher und Aufsätze über Frauen und das Militär, empfiehlt, wenn ein Land für den Krieg mobilisiert, die Frage zu stellen: «Wo sind die Frauen?»

Wenn wir fragen, wo die Frauen in den Vereinigten Staaten sind, können wir einiges über die Rolle von Frauen in US-Institutionen erfahren und was von ihnen in Kriegszeiten erwartet wird.

Es wird ihnen gesagt, dass Einkaufen gehen ihre patriotische Pflicht und ihre unbezahlte Betreuungsarbeit nun Teil der Kriegsanstrengungen sei, dass sie sich um die Details der Tagesroutine kümmern und sich nicht mit den großen Fragen beschäftigen sollen, und dass sie mit dem Rest des Landes zusammenstehen sollen, als wäre es eine große Familie und die Frauen ihre loyalen Muttis und Töchter. Farbige Frauen und Frauen aus der Arbeiterklasse, die noch nie wirklich Teil der großen amerikanischen Familie waren, sollen weiterhin als unsichtbare Geister dienen - sie tragen die Hauptlast des wirtschaftlichen Ahschwungs, haben mit noch weniger an sozialem Netz zu funktionieren, geraten ins Visier von wachsendem Rassismus und verlieren einen überproportional hohen Anteil ihrer Familienmitglieder ans Militär.

In seiner Kriegsankündigung vom 7. Oktober 2001 präsentierte Bush beschämender Weise das ideale weibliche Gebaren in dieser traurigen Zeit buchstäblich bereit zu sein, unsere Männer zu opfern. Er sagte: «Ich habe kürzlich einen anrührenden Brief erhalten, der viel über den Zustand Ameikas in diesen schwierigen Zeiten aussagt, den Brief einer Viertklässlerin, deren Vater beim Militär ist. (So wenig ich möchte, dass mein Papa kämpft). schrieb sie, (ich hin bereit, ihn Ihnen zu geben.)

Laura Bush spielt das Vorbild für die Notwendigkeit, unsere Männer hinzugeben, da sie für die tapferen gemeinnützigen Taten gebraucht werden, welche die Krise von ihnen verlangt. Während eines nes Interviews neulich mit Larry King klagte die First Lady, laut UPI, dass «sie wohl schon ein wenig von ihm verloren habe, weil er mehr von sich dem Land gegeben hat».

«Es ist unglaublich anstrengend», fuhr sie fort. «Ich dachte heute, er sieht etwas erschöpft aus.»

Ein Augenblick Jammern darf sein, doch nur, wenn es sich rasch in Anfeuern verwandelt. «Aber er macht seine Arbeit großartig», fügte die First Lady hinzu. «Er ist sehr entschlossen. Er hält sich sehr gut.»

«Tatsache ist doch», sagte sie weiter, «dass die meisten von uns sicher sind. Fast alle von uns sind sicher. Unsere Kinder sind sicher in der Schule. Wir müssen ihnen das immer wieder klar machen. Und wir sind sicher in unserem Zuhause. Wir sind sicher... Ich, weiß, dass die Leute jetzt wieder in Flugzeuge steigen und fliegen, und darüber bin ich froh», meinte sie.

Laura Bush beendete das Interview mit einer ermutigenden Bemerkung; «Ich möchte die Botschaft rüberbringen, dass die Leute, glaube ich, zu ihrem Alltag zurückkehren und sich wieder sicher fühlen müssen, und dass sie auch ihren Kindern helfen sollen, sich sicher zu fühlen, wenn sie ihr Alltagsleben anpacken.»

Die weibliche und mütterliche Rolle in einer Zeit der Krise besteht darin, unsere Männer zu bewundern, ihre verständlichen Sorgen tapfer zu erleiden, den Kindern Sicherheit zu geben und erleichtert aufzuseufzen, wenn wir zur Tagesrontine zurückkehren können. Wir sollen die kleinen Dinge preisen, wie «wieder in Flugzeuge steigen und fliegen», und uns nicht um solche großen Themen den Kopf zerbrechen wie die Frage, ob die Politik unseres Landes in Afghanistan zum Völkermord führt.

 

Patriotische Hundeleinen

Ein wesentlicher Bestandteil der Hausarbeit von Frauen ist das Einkaufen. und jetzt zählt es auch zu ihren patriotischen Pflichten. «Geht einkaufen», befiehlt Rudolph Giuliani. «Kauft diesen Wagen». sagt Tom Dashle.» «Macht diese Reise». drängt John Kerry. Die New York Times widmete eine ganze Seite Luxusaccessoires in rot, weiß und blau mit dem Hinweis, dass «die Rückkehr zur Normalität nicht ohne Shopping möglich ist». Ob man sich für eine Hundeleine in den Nationalfarben zu 42 Dollar entscheidet oder einen Stars-and-Stripes- Gürtel (198 Dollar) und die dazu passende Handtasche (297 Dollar), die Botschaft ist stets, "wer es gut meint mit seinem Land, der kann sich jetzt ein kleines unschuldiges Vergnügen leisten. und das mit Stil".

Für die weniger Begüterten gibt es einen Link auf der Homepage von WalMart, «Wie Sie helfen können». «Gehen Sie zu Ihrem WalMart», wird vorgeschlagen, «und spenden Sie für das Nationale Hilfswerk.» So werden Sympathic, Mitleid und Hilfsbereitschaft der Leute ausgebeutet, um sie in die WalMart-Läden zu holen.

Das Satiremagazin The Onion (Die Zwiebel) hat die Frauen in solch patriotischen Zeiten zugedachte Rolle in der Schlagzeile eingefangen: «Da die Frau nicht weiß, was sich sonst noch tun ließe, backt sie einen Stars-and-Stripes-Kuchcn». Nachdem sie bereits «Blut gespendet, einen Scheck an das Rote Kreuz überwiesen und einen Dankesbrief an die New Yorker Feuerwehr geschickt» hat, entscheidet sie sich für eine Kreation in rot, weiß und blau als nächste Antwort auf den Terror.

Aktionäre ziehen ihre Anlagen zurück, Flugli- nien entlassen ihre Beschäftigten zu Zehntausenden, die Reichen treten kürzer, um ihren Reichtum zu halten, und verlegen sich auf private Charterflüge, um den Mühen verschärfter Flugsicherheitsmaßnahmen zu entgehen. Macht nichts. Millionen von Amerikanern haben grade mal das Nötigste zum Leben, und Millionen weiterer müssen ohne Kranken- oder Lebensversicherung auskommen. Macht nichts - zumal sie sich jetzt damit trösten können. dass sie und ihre Familien, sollte ein Wolkenkratzer über ihnen zusammenbrechen, An- spruch auf Sozialhilfe haben. Bush nutzt die gegenwärtige Krise, um weitere Steuersenkungen für die Reichen zu verlangen, die steigenden Militärausgaben werden die Taschen der Waffenfabrikanten füllen, während das öffentliche Schulwesen und das Sozialhilfesystem den Bach runter gehen, und Vollzeitbeschäftigte, die zum Mindestlohn arbeiten, sich davon nicht ernähren können.

Tut alles nichts zur Sache. Unsere patriotische Pflicht ist es, dies nicht zur Kenntnis zu nehmen.

Der Feminismus hilft uns zu erkennen, wie das Kriegsgeschrei sich zum Teil die spezifischen Zuweisungen von Männer- und Frauenrollen zunutze macht; und wie eine auf Gesehlechterdifferenz orientierte Politik (gender polities) die Isolation verstärkt und von uns verlangt, auf durchdachtes Verhalten zu verzichten im Namen der «Einheit» - was in der Regel heißt: von Konzerninteressen abhängige gige, weiße, männliche Entscheidungen darüber, wohin das Land und wie's im Land weitergeht.

Es gibt Ausnahmen vom Kriegsgeschrei, und wir sollten sie wahrnehmen. Die Abgeordnete Barbara Lee sagte am 14. September in ihrer Rede vor dem Repräsentantenhaus: «Es muss ein paar unter uns geben, die sagen, treten wir einen Augenblick zurück und durchdenken wir die Implikationen unseres heutigen Tuns - bemühen wir uns, seine Folgen besser zu begreifen.»

Überall in den Vereinigten Staaten und der Welt sind Friedensgruppen und Ad-hoc-Bündnisse entstanden, die rasch und treffend auf die Kriegsrhetorik und -aktivitäten der USA reagieren. «Wir sind fest davon überzeugt, dass dem Drängen auf Rache widerstanden werden muss», sagt die Friedensgruppe Frauen in Schwarz. «Wenn die USA und ihre Verbündeten Krieg führen, werden viele Unschuldige sterben, wird das viele Regierungen und Gesellschaften destabilisieren, und die Langzeitfolgen für die Beziehungen zwischen Ländern und Regionen werden katastrophal sein.»

Und Friedensaktivisten der USA fragen: Wo sind die afghanischen Frauen? Eine wichtige Frage, die ein Lieht auf die derzeitige Krise wirft. Mehr darüber in meinem nächsten Kommentar.

Orginalartikel: Women's Patriotic Role
Übersetzt von: Herrmann Cropp
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