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Unterstützt unsere Truppen

von Michael Albert

17.03.2003 — ZNet

— abgelegt unter:

Wenn es trotz des historisch einmaligen, hartnäckigen und umfangreichen Widerstands, der sich über den ganzen Planeten zieht, zum Krieg kommt, wird die amerikanische Regierung triumphierend bekannt geben, dass jede/r, der/die kein ein VerräterIn sei, Washington beistehe und "unsere Truppen unterstützt". KriegsgegnerInnen können unter vielen Möglichkeiten wählen, um darauf zu antworten.

Wir könnten anmerken, dass unsere Truppen kaum einer Gefahr ausgesetzt sind, weil sie einen zehnmal kleineren Gegner bekämpfen, der fast über keine ernst zu nehmenden Mittel verfügt, um den Irak zu verteidigen, geschweige denn die einzige Supermacht der Welt anzugreifen.

Wir könnten darauf hinweisen, dass vielleicht nur wenige hundert U.S. Truppen in diesem Krieg sterben werden, währenddessen in unserem Land in den folgenden 12 Monaten über 50.000 amerikanische BürgerInnen an Arbeitsunfällen, von der Industrie verursachten Krankheiten und Autounfällen sterben werden (um nicht noch die Auswirkungen der Umweltverschmutzungen und unsicherer Produkte zu erwähnen). Außerdem könnten wir fragen, warum dieser jährliche Fluch, der auf unserer Bevölkerung lastet und der 15 mal zerstörerischer als der 11.9. ist, keinen Krieg gegen die Profit optimierenden Maßnahmen der Wirtschaft heraufbeschwört, mit denen die Gesundheit und die Sicherheit der ArbeitnehmerInnen und KonsumentInnen gefährdet wird.

Oder wir könnten einwerfen, dass die Leben der amerikanischen Truppen nicht mehr mitfühlender Unterstützung bedürfen als die Leben der Iraki und dass wir nicht Hussein millionenfach mit unseren jahrzehntelangen Sanktionen töteten sondern Millionen einzelner Iraki - was zur Folge hatte, dass Hussein mit jeder Leiche, die dem Gemetzel hinzugefügt wurde, stärker und stärker wurde.

Und natürlich könnten wir auch erklären, wie unmoralisch und ungerecht es ist, eine Kampagne auszulösen, die ein Land "schocken und einschüchtern" soll und wie dies ein Musterbeispiel für den Terrorismus ist, gegen den wir uns stellen.

Aber ich denke, dass ich für meinen Teil einen anderen Ansatz wählte, der möglicherweise besser funktioniert. Der Aufforderung meine Truppen zu unterstützen, wenn es zum Krieg kommt, beabsichtige ich mit den Worten zu antworten, ja, ich "unterstütze unsere Truppen" ebenfalls.

Ich werde entgegnen, dass ich unsere Truppen unterstütze indem ich wünsche, dass sie keine Menschen in Irak ermorden müssen.

Ich unterstütze unsere Truppen indem ich wünsche, dass sie nicht beauftragt werden, schutzlose Menschen, Städte, Farmen und lebenswichtige, infrastrukturelle Sehnen, die die gesamte Bevölkerung des Landes am Leben halten, anzugreifen.

Ich unterstütze unsere Truppen indem ich wünsche, dass sie die Befehle des Oberkommandierenden George W. Bush nicht ausführen müssen und sie sich nicht ihr ganzes Leben lang fragen müssen, warum sie solch einem barbarischen Hanswurst hörig gewesen sind anstatt sich seiner nicht gerechtfertigten und unmoralischen Autorität widersetzt zu haben.

Und aus demselben Grund unterstütze ich auch den Papst und den Dalai Lama darin, als menschliche Schutzschilde zu unseren Truppen in Irak zu gehen, und darin, dass sie jenen Iraki helfen, die bereits sowohl unter unseren Sanktionen und Bomben als auch unter der Gewalt Saddam Husseins zu leiden hatten, der selbstverständlich ein früherer Empfänger amerikanischer Militärhilfe und sogar amerikanischer Anleitung bei seinen schrecklichen Unternehmungen war.

Ich unterstütze tatsächlich auch alle Rabbis und Priester und andere moralische Instanzen, die als menschliche Schutzschilde in den Irak gehen - und alle ehemaligen NobelpreisgewinnerInnen -- und alle vergangenen PreisträgerInnen irgendeines Preises - und alle Staatsoberhäupter, die deswegen dorthin reisen.

Ich unterstütze unsere Truppen indem ich wünsche, dass sie nicht in Irak sterben müssen, bildlich oder wörtlich, physisch oder psychisch. Ich unterstütze unsere Truppen indem ich wünsche, dass sie ungebrochenen Herzens nach Hause kommen und ihre Menschlichkeit und ihr Mitgefühl beibehalten sollen, die unentbehrlich für das Empfinden echter Solidarität mit jenen sind, die in Übersee, oder genau hier in Amerika, mit seinen 30 Millionen tyrannisierten Armen, tyrannisches Verhalten erdulden müssen.

Ich unterstütze unser Truppen indem ich wünsche, dass sie mit ihren Gehirn nach Hause kommen, um zu verstehen, was an einem Krieg für ein Imperium falsch ist, was an einem Krieg falsch ist, der internationale Gesetze auslöschen soll, was an einem Krieg falsch ist, der für die Kontrolle von Öl geführt wird, um es anschließend als Prügel gegen Verbündete und Feinde gleichermaßen zu verwenden, was an einem Krieg falsch ist, der für Gewinne gekämpft wird, was an einem Krieg falsch ist, der gesamte Nationen und Kontinente einschüchtern soll, was an einem Krieg falsch ist, der einen Planeten unterwerfen soll und in dem die Kriegsspielzeuge getestet und vorgeführt werden sollen.

Was muss es für den Verstand und die Seele eines Soldaten bedeuten, wenn er/sie sich an einem Krieg beteiligen soll, in dem der Gegner vollkommen wehrlos ist, die Motive des eigenen Oberkommandierenden scheußlich sind und die eigene Meinung null und nichtig ist.

Ich unterstütze unsere Truppen indem ich wünsche, dass sie sich weigern im Namen der Politikerinnen und Profiteure zu handeln. Ich unterstütze unsere Truppen indem ich wünsche, dass sie sich gegen Befehle widersetzen, sie schlichtweg nicht befolgen. Ich unterstütze unsere Truppen indem ich wünsche, dass sie staatliche Gründe zurückweisen. Und ich unterstütze unsere Truppen indem ich wünsche, dass sie nach Hause kommen, zu dem Punkt, an dem der wirklich Kampf geführt werden muss.

Wir müssen kämpfen, um die Plage des privaten Besitztums loszuwerden, die wenige Menschen so reich wie gesamte Bevölkerungen macht und die viele Menschen ärmer als die Haustiere der Profiteure macht.

Wir müssen kämpfen, um den Rassismus und den Sexismus, der ganze Teile von Bevölkerungen verunglimpft, auszuradieren, um Sexualität und Kultur zu befreien, Kreativität zu entfalten und die Umwelt zu erhalten.

Bush sagt uns, dass der Irak bombardiert wird, weil er eventuell Waffen besitzt. Er teilt uns mit, dass der Irak bombardiert wird, weil dort Freiheiten eingeschränkt werden. Er sagt uns, dass der Irak bombardiert wird, weil er dem Terrorismus Beihilfe geleistet hat.

Was sollten wir also mit einem Land machen, das über die meisten Bomben verfügt, sie am häufigsten nutzt und sich mit ihnen schamlos brüstet?

Wie sollten wir mit einem Land umgehen, das in Übersee gegenwärtig Freiheiten einschränkt und das daheim ebenso mit gefährlich, ausufernder Energie vorgeht - und das sich auch damit schamlos brüstet?

Und wie sollten wir ein Land behandeln, das Terrorismus auf aggressivste Art und Weise produziert - Terrorismus gegen andere genauso wie Terrorismus, der sich als Antwort gegen uns richten wird - und das sich damit schamlos brüstet?

Wie sollten wir mit den Vereinigten Staaten von Amerika umspringen? Wir sollten ihre Kriegslust eindämmen, ihr Regime ersetzen und ihre Zentren des Wohlstands und der Macht grundsätzlich ändern.

Unterstützt unsere Truppen, bringt sie heim!

Unterstützt unsere Truppen, gibt ihnen eine Unterkunft!

Unterstütz unsere Truppen, stellt ihnen Gesundheitsfürsorge zur Verfügung!

Unterstützt unsere Truppen, gebt ihnen sozial wertvolle Berufe!

Verwandelt Militärbasen in Industriezentren, in denen günstige Wohnungen, Schulen, Krankenhäuser, Tagesstätten, Gleise, innerstädtische Parkanlagen und andere soziale und für die Bevölkerung sinnvolle Waren hergestellt werden, die unser Leben bereichern anstatt es auszulöschen.

Unterstützt unsere Truppen und eines Tages werden sie sich dem Kampf für uneingeschränkte Gerechtigkeit für alle anschließen.

Unterstützt unsere Truppen!

Orginalartikel: Support Our Troops
Übersetzt von: Christian Stache
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