Visuelle Bilder
von Norman Solomon
07.07.2003 — ZNet
—
abgelegt unter:
Mainstreammedien
Medienkritiker sagen oft, dass visuelle Bilder Worte übertrumpfen. Die Aussage macht in gewisser Weise Sinn: Bilder haben eine gewaltige Wirkung darauf, wie wir die Welt sehen. Und wir sind gerade dazu geeignet weniger auf die Bildunterschriften oder Kommentare zu achten, die das Filmmaterial auf dem Bildschirm begleiten.
Aber wenn wir die Bilder mit unseren Augen wahrnehmen, dann hängen unsere Reaktionen von unserem Sinn für den Zusammenhang ab. Gleichzeitig beeinflusst auch der Nachrichtenabsatzmarkt, welcher bestimmte Fotos und Videoausschnitte auswählt, unseren Blick auf das was wir sehen. Die Bilder können sogar eine politische Bevollmächtigung inne haben, anlässlich der Annahmen und Einstellungen, die durch die Medien geformt wurden.
Viele Leute waren empört über die Top Gun-Imitation des Präsidenten George Bush, als er vor einigen Monaten auf einem Flugzeugträger in der Nähe von San Diego landete. Bush Fans und biegsame Journalisten fielen in Ohnmacht. Skeptischere Beobachter realisierten jedoch die schamlose Manipulation. Aber jeder schaute auf die identischen Bilder. Der entscheidende Faktor war nicht die Choreographie des Bildmaterials sondern die Wirkung auf diejenigen, die es sich anschauten.
Nehmen wir an ein Foto in einem Magazins, welches in einem Kriegsgebiet gemacht wurde, zeigt eine Mutter, die ein mit Blut bedecktes Baby auf dem Arm hält. Zwei Menschen beide schauen auf das selbe Bild könnten das Leiden ziemlich unterschiedlich wahrnehmen. Einer würde vielleicht eine unglückliche, jedoch vermeidbare Verunglückte des Krieges sehen. Der andere könnte ein Opfer eines Kriegsverbrechen sehen.
Wenn der Finger der Schuld in eine Richtung zeigen kann, der wir sowieso misstrauen oder sie verachten, dann wird man wahrscheinlich auf Empörung stoßen. Und wenn die scheinbaren Täter formlos sind oder sehr geachtet werden, dann werden wir noch wahrscheinlicher mit den Achseln zucken. (Tja, so ist das Leben. Unglück. Krieg ist genauso.)
Bilder von Grausamkeiten könnten Anlass für gegensätzliche Reaktionen sein kommentiert Susan Sontag. Der Aufruf zum Frieden. Der Ruf nach Rache. Oder einfach das verwirrte Bewusstsein, welches kontinuierlich durch fotografische Informationen aufgefüllt wird, dass etwas Schreckliches passiert. ... Informationen über das was überall passiert, auch Nachrichten genannt, zeichnen sich durch Konflikte und Gewalt aus Blut verkauft sich gut lautet die ehrwürdige Richtlinie der Boulevardzeitungen und der 24-Stunden-Nachrichtenshows auf die, da jedes Unglück näher belichtet wird, mit Mitgefühl, oder Empörung, oder Erregung, oder Zustimmung, geantwortet wird.
Sontags Buch Regarding the Pain of Others, stellt eine Herausforderung zur allgemeinen Annahme über die mächtigen Wirkungen der Kameraarbeit da, sei sie gedruckt, im Fernsehen oder an Museumswänden. Eine Stärke des Buches ist es die soziale Rolle des Fotos klarzustellen: Seine Bedeutung und die Reaktion des Betrachters hängt davon ab, wie das Bild identifiziert oder falsch identifiziert wird; Das ist es in Worten ausgedrückt.
Das Buch wurde vor vier Monaten veröffentlicht und weist auf folgendes hin: In der momentanen politischen Stimmung übrigens einer der freundlichsten gegenüber dem Militär seit Jahrzehnten scheinen die Bilder von erschöpften GIs mit leeren Augen eher inspirierend gegenüber Militarismus und Imperialismus als einst subversiv. Verbesserter Gesichtspunkt: Junge amerikanische Männer erfüllen ihre unangenehme aber edle Pflicht.
Sontag bemerkt: Das Bild als Schock und das Bild als Cliché stellen zwei Aspekte der selben Präsenz dar. Später, als sie bestätigt, dass erschütternde Bilder zwangsläufig nicht ihre Schockwirkung verlieren, fügt sie schnell hinzu, dass sie aber keine große Hilfe sind, wenn es darum geht etwas zu verstehen.
Das Erscheinungsdatum ihres Buch Regarding the Pain of Others war nur wenige Tage bevor die US-Regierung mit aller Kraft den Krieg gegen den Irak begann. Die PR Innovation des Pentagons von eingebetteten Reportern und Fotographen während des Krieges verliert jedoch nicht die Gültigkeit bzgl. Sontags Einschätzung, wenn sie die momentan bevorzugte amerikanische Art der Kriegsführung beschreibt. Sie schreibt: Das Fernsehen, welches durch Kontrolle der Regierung und Selbstzensur, nur beschränkten Zugang zur Szene besitzt, serviert den Krieg in Bildern. Der Krieg an sich wird durch Bombardements, dessen Ziele frei gewählt werden können, und auf der Basis von ständig neuen Informationen und veranschaulichter Technologie, so gut wie möglich über eine Entfernung von mehreren Kontinenten geführt.
Mit ihren gedankenvollen Forschungen über die visuellen Bilder in einer Welt des Krieges und der Beraubung wird Sontags neustes Buch hoffentlich einige geläufige Vorurteile beseitigen können. Sie schlussfolgert, dass Fotographien nicht mehr als eine Einladung zur Aufmerksamkeit, zur Reflektion oder zur Bildung sein können, um die Rationalisierung von Massenleiden, welche von verschiedenen Staaten geboten werden, zu untersuchen. Wer hat das verursacht was das Bild zeigt? Wer ist verantwortlich? Ist es entschuldbar? Gibt es bis jetzt irgendeine Staatsangelegenheit die wir ohne weiteres akzeptiert haben und die jetzt herausgefordert werden sollte?
Solche Fragen sind sehr kritisch. Wir sollten uns bemühen ehrliche Antworten zu geben und auch entsprechend zu handeln.
Norman Solomon ist Co-Author des Buches Target Iraq: What The News Media Didnt Tell You. Um einen Auszug aus diesem Buch zu lesen oder für weitere Informationen besuche diese Seite: www.contextbooks.com/new.html
Um eine Umschrift von Solomons jüngstem Auftritt auf CNN zur Debatte über die amerikanische Besetzung im Irak zu lesen, besuche diese Seite: http://www.cnn.com/TRANSCRIPTS/0306/27/nfcnn.01.html
Aber wenn wir die Bilder mit unseren Augen wahrnehmen, dann hängen unsere Reaktionen von unserem Sinn für den Zusammenhang ab. Gleichzeitig beeinflusst auch der Nachrichtenabsatzmarkt, welcher bestimmte Fotos und Videoausschnitte auswählt, unseren Blick auf das was wir sehen. Die Bilder können sogar eine politische Bevollmächtigung inne haben, anlässlich der Annahmen und Einstellungen, die durch die Medien geformt wurden.
Viele Leute waren empört über die Top Gun-Imitation des Präsidenten George Bush, als er vor einigen Monaten auf einem Flugzeugträger in der Nähe von San Diego landete. Bush Fans und biegsame Journalisten fielen in Ohnmacht. Skeptischere Beobachter realisierten jedoch die schamlose Manipulation. Aber jeder schaute auf die identischen Bilder. Der entscheidende Faktor war nicht die Choreographie des Bildmaterials sondern die Wirkung auf diejenigen, die es sich anschauten.
Nehmen wir an ein Foto in einem Magazins, welches in einem Kriegsgebiet gemacht wurde, zeigt eine Mutter, die ein mit Blut bedecktes Baby auf dem Arm hält. Zwei Menschen beide schauen auf das selbe Bild könnten das Leiden ziemlich unterschiedlich wahrnehmen. Einer würde vielleicht eine unglückliche, jedoch vermeidbare Verunglückte des Krieges sehen. Der andere könnte ein Opfer eines Kriegsverbrechen sehen.
Wenn der Finger der Schuld in eine Richtung zeigen kann, der wir sowieso misstrauen oder sie verachten, dann wird man wahrscheinlich auf Empörung stoßen. Und wenn die scheinbaren Täter formlos sind oder sehr geachtet werden, dann werden wir noch wahrscheinlicher mit den Achseln zucken. (Tja, so ist das Leben. Unglück. Krieg ist genauso.)
Bilder von Grausamkeiten könnten Anlass für gegensätzliche Reaktionen sein kommentiert Susan Sontag. Der Aufruf zum Frieden. Der Ruf nach Rache. Oder einfach das verwirrte Bewusstsein, welches kontinuierlich durch fotografische Informationen aufgefüllt wird, dass etwas Schreckliches passiert. ... Informationen über das was überall passiert, auch Nachrichten genannt, zeichnen sich durch Konflikte und Gewalt aus Blut verkauft sich gut lautet die ehrwürdige Richtlinie der Boulevardzeitungen und der 24-Stunden-Nachrichtenshows auf die, da jedes Unglück näher belichtet wird, mit Mitgefühl, oder Empörung, oder Erregung, oder Zustimmung, geantwortet wird.
Sontags Buch Regarding the Pain of Others, stellt eine Herausforderung zur allgemeinen Annahme über die mächtigen Wirkungen der Kameraarbeit da, sei sie gedruckt, im Fernsehen oder an Museumswänden. Eine Stärke des Buches ist es die soziale Rolle des Fotos klarzustellen: Seine Bedeutung und die Reaktion des Betrachters hängt davon ab, wie das Bild identifiziert oder falsch identifiziert wird; Das ist es in Worten ausgedrückt.
Das Buch wurde vor vier Monaten veröffentlicht und weist auf folgendes hin: In der momentanen politischen Stimmung übrigens einer der freundlichsten gegenüber dem Militär seit Jahrzehnten scheinen die Bilder von erschöpften GIs mit leeren Augen eher inspirierend gegenüber Militarismus und Imperialismus als einst subversiv. Verbesserter Gesichtspunkt: Junge amerikanische Männer erfüllen ihre unangenehme aber edle Pflicht.
Sontag bemerkt: Das Bild als Schock und das Bild als Cliché stellen zwei Aspekte der selben Präsenz dar. Später, als sie bestätigt, dass erschütternde Bilder zwangsläufig nicht ihre Schockwirkung verlieren, fügt sie schnell hinzu, dass sie aber keine große Hilfe sind, wenn es darum geht etwas zu verstehen.
Das Erscheinungsdatum ihres Buch Regarding the Pain of Others war nur wenige Tage bevor die US-Regierung mit aller Kraft den Krieg gegen den Irak begann. Die PR Innovation des Pentagons von eingebetteten Reportern und Fotographen während des Krieges verliert jedoch nicht die Gültigkeit bzgl. Sontags Einschätzung, wenn sie die momentan bevorzugte amerikanische Art der Kriegsführung beschreibt. Sie schreibt: Das Fernsehen, welches durch Kontrolle der Regierung und Selbstzensur, nur beschränkten Zugang zur Szene besitzt, serviert den Krieg in Bildern. Der Krieg an sich wird durch Bombardements, dessen Ziele frei gewählt werden können, und auf der Basis von ständig neuen Informationen und veranschaulichter Technologie, so gut wie möglich über eine Entfernung von mehreren Kontinenten geführt.
Mit ihren gedankenvollen Forschungen über die visuellen Bilder in einer Welt des Krieges und der Beraubung wird Sontags neustes Buch hoffentlich einige geläufige Vorurteile beseitigen können. Sie schlussfolgert, dass Fotographien nicht mehr als eine Einladung zur Aufmerksamkeit, zur Reflektion oder zur Bildung sein können, um die Rationalisierung von Massenleiden, welche von verschiedenen Staaten geboten werden, zu untersuchen. Wer hat das verursacht was das Bild zeigt? Wer ist verantwortlich? Ist es entschuldbar? Gibt es bis jetzt irgendeine Staatsangelegenheit die wir ohne weiteres akzeptiert haben und die jetzt herausgefordert werden sollte?
Solche Fragen sind sehr kritisch. Wir sollten uns bemühen ehrliche Antworten zu geben und auch entsprechend zu handeln.
Norman Solomon ist Co-Author des Buches Target Iraq: What The News Media Didnt Tell You. Um einen Auszug aus diesem Buch zu lesen oder für weitere Informationen besuche diese Seite: www.contextbooks.com/new.html
Um eine Umschrift von Solomons jüngstem Auftritt auf CNN zur Debatte über die amerikanische Besetzung im Irak zu lesen, besuche diese Seite: http://www.cnn.com/TRANSCRIPTS/0306/27/nfcnn.01.html
Orginalartikel:
Visual Images
Übersetzt von:
Sebastian Barthel
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