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WHO: Frauen ohne Zuflucht vor häuslicher Gewalt

von Agence France Press (AFP)

26.11.2005 — Yahoo Press / ZNet

— abgelegt unter:
25/11/2005. Laut einer neuen Studie der Weltgesundheitsorganisation (WHO)* sei häusliche Gewalt gegen Frauen in vielen Gesellschaften ein weitverbreitetes, meist verborgenes und tiefverwurzeltes Phänomen. Es bestehe dringender Handlungsbedarf.

Die WHO-Studie wurde in 10 Ländern durchgeführt. Ergebnis: Zwischen 15% (Japan) und 71% (Äthiopien) aller interviewten Frauen waren in ihrem Leben schon einmal Opfer von Misshandlung oder sexuellem Missbrauch durch einen Partner, der mit im Haushalt lebte.

Rund ein Fünftel der Äthiopierinnen und mehr als die Hälfte der Peruanerinnen aus der Gruppe der "ständig misshandelten" Frauen habe derart massive Gewalt erfahren, dass sie körperliche Schäden, wie Brüche oder Augenverletzungen, davontrugen.

"Das Risiko einer Frau, dass ihr jemand, den sie kennt und der in ihrem Haus lebt, Gewalt antut, ist höher, als dass ihr das von Fremden auf der Straße widerfährt", so WHO-Generaldirektor Lee Jong Wook gegenüber Reportern.

In vielen Fällen stellten die Interviewer bei ihren Gesprächen fest, dass die Frauen zum erstenmal überhaupt über Gewalt durch ihre Partner redeten. Die Interviewer fanden heraus, dass in einigen Gesellschaften die Opfer die gegen sie verübte Gewalt als "normal" akzeptierten.

"Die Studie offenbart eine der am wenigsten wünschenswerten Facetten der Welt, in der wir leben" - so kommentiert die spanische Gesundheitsministerin Elena Salgado die Veröffentlichung der neuen WHO-Studie.

WHO: Mit dieser Studie "wollen wir die Auffassung anfechten, das Heim sei für Frauen ein sicherer Hafen".

Die WHO ruft Gesundheitsbehörden, Regierungen und Gemeindevorstände zu "dringlichen Maßnahmen" auf, andernfalls drohten den Gesellschaften, den Einzelnen und den Gesundheitssystemen "enorme" Kosten.

Und noch etwas betont die Studie: Mitten in einer grassierenden HIV- bzw. Aids-Pandemie müsse die hohe Zahl sexuell missbrauchter Frauen und Mädchen - zwischen 6% in Japan und 59% in Äthiopien - "besonders alarmieren".

Frauen würden zudem massiv emotional ausgebeutet. Die Studie warnt vor den Folgen sowohl des physischen als auch des mentalen Missbrauchs. Die Folgeschäden könnten weit massiver und langfristiger sein, als dies die unmittelbaren Schäden durch körperliche oder mentale Gewalt nahe legten.



"Es ist eine Schande für jene Staaten, die es nicht schaffen, dies zu verhindern und für Gesellschaften, die dies tolerieren", fügt Erturk hinzu.

Insgesamt wurden für die WHO-Studie 24 000 Frauen in ausgewählten Regionen bzw. Großstädten interviewt. Die untersuchten Staaten sind: Bangladesh, Brasilien, Äthiopien, Japan, Namibia, Peru, Samoa, Serbien-Montenegro, Tansania und Thailand.

Große Unterschiede bei der Gewalt gegen Frauen fanden sich zwischen Japan und weitgehend ländlich geprägten bzw. armen Gesellschaften wie Bangladesh, Äthiopien, Peru und Tansania. Die Folgen für die Betroffenen seien dieselben.

"Egal, wo eine Frau lebt, was ihr ökonomischer oder kultureller Hintergrund ist oder wie weitverbreitet die Gewalt in ihrer Umgebung, Gewalt durch den Partner scheint überall ganz ähnliche Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden von Frauen zu haben", so die Forscherin Charlotte Watts von der London School of Hygiene and Tropical Medicine.

Mehr als Dreiviertel der interviewten Frauen, die in brasilianischen, japanischen, namibischen oder serbischen Städten lebten, vertraten die Auffassung, häusliche Gewalt sei nicht zu rechtfertigen. In Bangladesh, Äthiopien, Peru und Samoa waren es nur rund Einviertel.

Mindestens 20% der Frauen, die über physische Misshandlungen berichteten, gaben an, vor dem Interview noch nie mit jemandem darüber gesprochen zu haben. Die Übrigen gaben an, sich eher Freunden oder Angehörigen anzuvertrauen als Behörden oder medizinischen Mitarbeitern.

Die Autorinnen und Autoren der Studie merken an, zur Durchführung der Studie neue Richtlinien entworfen zu haben, da es bei Vorgängerstudien (im Anschluss) zu Übergriffen gegen die teilnehmenden Frauen gekommen sei.

Anmerkung d. Übersetzerin

* Die vollständige Studie ist nachzulesen unter http://science.orf.at/science/news/142279

Übersetzt von: Andrea Noll
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