Wann wird über Nazi-Vergleiche gejammert?
Bei Fox News nur, wenn Republikaner betroffen sind
von Fairness & Accuracy in Reporting
18.01.2004 — FAIR / ZNet
Die Online-Aktivisten-Gruppe MoveOn.org hat einen Anti-Bush-Anzeigenwettbewerb gestartet. In zwei der eingegangenen Beiträge wird George Bush mit Adolf Hitler verglichen. Die (nachfolgende) Kontroverse über den Vergleich sagt allerdings weniger etwas über den Zustand der linken Debatte aus, als über die Doppelmoral des Nachrichtenkonzerns News Corporation, der Rupert Murdoch gehört. Am 4. Januar startete die Kontroverse - im Fox News Channel der News Corp - der Kanal sendete eine Beschwerde des Vorsitzenden des Republican National Committee, Ed Gillespie, bezüglich des Bush-Hitler-Vergleichs. “Das ist diese Art Taktik, die wir heute bei den Linken sehen, wenn es darum geht, die Präsidentschaftskandidaten der Demokraten zu unterstützen“, so Gillespies Anklage. Seiner Meinung nach eine “ekelerregende“ Taktik. Tags darauf (5. Januar 2004) ist die Sache den ganzen Tag Hauptstory auf Fox News Channel.
John Gibson fragt: “Was ist mit dieser Hass-auf-Bush-Bewegung, diesem MoveOn.org und George Soros, der Beiträge sponsert, in denen Bush mit Hitler verglichen wird?“ Gibson wird daraufhin korrigiert, die Beiträge seien nicht von MoveOn finanziert (auch nicht von Soros, der MoveOn finanziell unterstützt). Außerdem wurden die beiden Beiträge aufgrund von Beschwerden mittlerweile abgesetzt. Sean Hannity beschuldigt einen Gast: “Ihr Jungs auf der Linken überzieht abermächtig. Ihr vergleicht den Präsidenten mit Adolf Hitler“. Die Republikanische Meinungsforscherin Kellyanne Conway in der Hannity-Show: “Dies ist jene gehässige, ätzende Rhetorik, aus der die Demokratische Partei Howard Deans hervorging“. Und Bill O“Reilly zitiert die (beiden) Beiträge, um zu beweisen, dass “genau in diesem Moment in Amerika die Demokratische Partei Geisel der extremen, extremen Linken ist“.
So überzogen der Vergleich auch sein mag, man muss darauf hinweisen,dass Hitler/Faschismus-Vergleiche in der amerikanischen Politikdurchaus nichts Neues sind. So bezeichnet Rush Limbaugh dieVerfechterInnen der Frauenrechte regelmäßig als “Femi-Nazis“. Und Bezeichnungen wie “Hitlery Clinton“ sind fester Bestandteil der rechtenRadio-Talks. Auf NPR verglich der Republikanische Powerbroker Grover Norquist am 2. Oktober 2003 die Erbschaftssteuer mit dem „Holocaust“.
Aber kommen wir auf die Verwandtschaft der Fox News zu sprechen. Genau an jenem Tag, als Gibson, Hannity und O“Reilly über den Hitler/Bush-Vergleich debattierten - als Beweis für den Extremismus der Linken - wurde einer derDemokratischen Präsidentschaftskandidaten, Howard Dean, in einer Kolumne der New York Post als Gefolgsmann Josef Göbbels bezeichnet. “HerrHowie“ wurde beschuldigt, “nach seiner Lenie Riefenstahl Ausschau zu halten“.Deans Unterstützer seien eine “Internet-Gestapo“ - der Autor vergleicht sie mit “Hitlers Braunhemden“.Übrigens gehört die New York Post zur News Corporation - Rupert Murdochs konservativem Medienimperium - ebenso wie der Fox News Channel.Die New York Post hat obigen Artikel keineswegs im Rahmen eines Wettbewerbs auf ihre Website gestellt, vielmehr stammt er aus der Feder eines ihrer rechten Kommentatoren, Ralph Peters, der regelmäßig auf den Seiten der Post schreibt. Die Post-Redakteure hatten den Artikel eigenhändig für die Op-ed-Seite ausgewählt. Peinlich, peinlich - die himmelschreienden Nazi-Vergleiche der Post, während gleichzeitig ein verwandtes Konzern-Produkt derlei Vergleiche als Zeichen geistiger Umnachtung abkanzelt.Und was tut die Murdoch-Organisation? Scheint so, als will Foxdie Nazi-Analogien der New York Post komplett ignorieren. In den Transkripten des Kabelkanals jedenfalls lässt sich absolut keine Anspielung auf die Kolumne finden.Die New York Post selbst hat den Peters-Artikel, wie“s aussieht, inzwischen in der Versenkung verschwinden lassen. Wer auf das Linkzeichen klickt, das eigentlich zur Peters-Story führen sollte, liest: „Page not found“ (Seite nicht gefunden). Auch in der Nexis-Medien-Database ist der Text unauffindbar.(Und ironischerweise wird genau in der Kolumne, die auf so Orwell“scheWeise verschwand, Howard Dean mit Big Brother verglichen).
In dem Interview, das das ganze Bohai auslöste, wurde RNC-Gillespie übrigens gefragt, ob er sich auch gegen die Attacken wehren würde, beträfen sie Demokraten. Seine Antwort: “Falls man sich zu dieser Artverabscheuungswürdiger Taktik herablässt, einen Kandidaten zu Adolf Hitler zu machen, ja, dann absolut, das sage ich Ihnen hier vor offenem Mikrofon. Laden Sie mich wieder ein, falls irgendeine Organisation so verfährt, ich würde eszurückweisen“.Genau die Organisation, die Gillespie interviewt, tat dies nur einen Tag später - in einem anderen ihrer Medien. Bislang allerdings hat Fox News Gillespie noch nicht wieder eingeladen - auf dass er über die New York Post herzieht.
ACTION: Bitte richten Sie an die New York Post die Frage, ob sie zu der von ihrveröffentlichten Kolumne steht, in der Howard Dean als Nazi bezeichnet wird. Fragen Sie diese Leute, ob sie Dean nicht vielmehr eine Entschuldigung schulden. Und stellen Sie Fox News Channel bitte die Frage, weshalb die Kolumne nichtkritisiert wurde, obgleich verschiedene Fox-Hosts derartige Vergleiche (mehrfach)verurteilten (als sie George Bush betrafen) - genau an dem Tag, als die Kolumne erschien.
Adressen:
Fox News Channel: 1211 Avenue of the Americas, New York, NY 10036 Telefon: (USA)1-888-369-4762 E-mail: comments@foxnews.com
New York Post 1211 Avenue of the Americas New York, NY 10036 Telefon: (USA)1-212-930-8000 E-mail: letters@nypost.com
Sie können die beiden MoveOn.org-Beiträge (Hitler/Bush-Vergleich) einsehen unter: www.thememoryhole.org/pol/bush-hitler-ads.htm
Der Artikel der New York Post mit dem Dean-Nazi-Vergleich nachzulesen unter:www.nypost.com/postopinion/opedcolumnists/4965.htm
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