Warum greift die kolumbianische Armee Venezuela an?
von Justin Podur
03.04.2003 — ZNet
—
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Venezuela
Der Präsident von Venezuela, Hugo Chavez, sagte am 31. März im venezolanischen Radio: "Vor kurzer Zeit ordnete ich einen Einsatz der Luftwaffe an, und wir bombardierten ein Gebiet, in dem wir die Präsenz einer Gruppe" von irregulären Streitkräften aus Kolumbien in der Nähe der Grenze bemerkten. Die 'Irregulären' aus Kolumbien hatten einen venezolanischen Militärposten angegriffen, worauf Chavez letzten Donnerstag den Luftangriff anordnete. Chavez betonte, Caracas würde nicht dulden, dass bewaffnete Gruppen aus Kolumbien nach Venezuela eindringen. "Weder Paramilitärs noch Rebellen noch die Armee von Kolumbien haben die Erlaubnis, sich auf venezolanischem Territorium aufzuhalten, noch werden sie sie bekommen," sagte er.
Analysten aus Kolumbien haben schon seit Jahren darauf hingewiesen, dass der bewaffnete Konflikt in Kolumbien als Vorwand verwendet werden würde, um die Region zu militarisieren, mit besonderem Augenmerk auf Venezuela. (1)
Venezuela ist der Preis, weil es, wie der Irak, auf einem der größten Ölvorkommen der Erde sitzt. Venezuela wird auch aus einem anderen Grund zur Zielscheibe -- es hat ein demokratisches Regime, durch das der Ölreichtum des Landes Gefahr läuft, zur Linderung der Armut der Menschen des Landes verwendet zu werden, anstatt multinationalen Konzernen zuzufließen. Das machte es zum Ziel eines fehlgeschlagenen Putsches im April letzten Jahres (2), dessen Jahrestag in Caracas mit einer internationalen Konferenz zur Unterstützung von Venezuelas 'proceso' begangen werden wird. Es wurde auch zum Ziel einer konzertierten Aktion, bei der versucht wurde, die Regierung durch einen 'Ölstreik' von Ende 2002 bis Anfang 2003 zu stürzen. (3) Der Streik misslang, genauso wie der Putsch, aber der Schaden, der durch diesen Streik angerichtet wurde, ist immer noch nicht behoben.
Eine Nebenwirkung des Streikes war die Diskreditierung der Bürokratie in den Arbeiterorganisationen in Venezuela. Sowohl die staatliche Ölfirma PDVSA als auch der nationale Gewerkschaftsdachverband CTV wurden von Eliten kontrolliert, was die venezolanischen Arbeiter in die eigenartige Situation brachte, dass sie einen 'Streik' brechen mussten, der nicht in ihrem Interesse war. Nachdem der Streik gescheitert war, gab es Entlassungen in der PDVSA, und es wurde ein neuer Gewerkschaftsdachverband gegründet, die UNT. (4)
Der Putsch und der Streik scheiterten, weil sie nicht genug Unterstützung im Militär und in der Bevölkerung hatten. Aber die klassenbewusste Bewegung in Venezuela und die unabhängige Regierung sind immer noch ein Problem für ein US-Regime, das gerade einen Krieg führt, in dem es hauptsächlich versucht, die Kontrolle über die Ölvorräte der Welt zu bekommen.
Hier kommt Kolumbien ins Spiel. Versuchen die USA jetzt, nachdem es ihnen nicht gelungen ist, Venezuelas Bewegung durch einen Militärputsch und durch einen 'Streik' zu zerschlagen, Kolumbien dazu zu bringen, dass es seinen eigenen Bürgerkrieg nach Venezuela exportiert?
Ein Muster, das im kolumbianischen Bürgerkrieg immer wiederkehrt, ist der 'spektakuläre Zwischenfall', der demonstrieren soll, dass es sinnlos ist, eine politische Lösung zu suchen, oder zu verhandeln. (5) Solche 'Zwischenfälle' können echt sein oder konstruiert. Es gibt Hinweise darauf, dass so ein 'Zwischenfall' Ende Februar 2003 in Kolumbien konstruiert wurde, als das Konsulat von Kolumbien und die spanische Botschaft in Caracas bombardiert wurden. Die Regierung von Kolumbien machte sofort Andeutungen, dass Chavez hinter den Bomben stecke, aber es kam kein internationaler 'Zwischenfall' zum Vorschein, und Nachforschungen legen nahe, dass die Bombardierungen von der venezolanischen 'Opposition' arrangiert wurden.
Den nächsten Versuch eines 'Zwischenfalls' gab es beim 'regionalen Sicherheitsgipfel' Mitte März 2003 in Bogota. Dort zeigte die kolumbianische Regierung (mit ihrem Schirrmherrn USA hinter sich) mit dem Finger auf jedes einzelne Nachbarland. Panama wurde beschuldigt, eine Durchzugsroute für den Transport von Waffen und Menschen zu sein. Ecuador wurde als Drogenhandelsroute kritisiert. Brasilien wurde aufgefordert, Soldaten für eine 'multilaterale Truppe gegen den Terrorismus' nach Kolumbien zu schicken. Man erinnere sich daran, dass Uribe im Jänner 2003 um eine US-Intervention im Land gebeten hatte.
Und natürlich gab es spezielle Kritik für -- Venezuela. Es wurde behauptet, dass Venezuela die kolumbianischen Guerillas der FARC ausbildet und unterstützt. Nachdem die FARC bereits auf der Liste von 'Terrororganisationen' des US-Außenministeriums steht, reicht eine geschickte Verbindung der Bush-Doktrin (Umstürze in Staaten durchzuführen, denen vorgeworfen wird, dass sie 'Terrorismus' unterstützen) und der Rumsfeld-Doktrin ('dass es für etwas keine Beweise gibt, ist kein Beweis dafür, dass es etwas nicht gibt') dafür aus, eine Intervention gegen Venezuela zu rechtfertigen.
Die gesamte Konferenz war eine Übung darin, die Realität auf den Kopf zu stellen. In Wirklichkeit waren es von der kolumbianischen Armee unterstützte Paramilitärs, die im Jänner 2003 über die Grenze nach Panama eindrangen, und dort 4 indigene Anführer ermordeten, die Bürgermeister und den Kommissar des Dorfes Kuna Paya, die erschossen und mit Macheten verstümmelt wurden. Und es ist die kolumbianische Armee, die 'grenzüberschreitenden Terrorismus' betreibt, indem sie Venezuela angreift, um seine Verteidigung auszutesten, und nach dem 'spektakulären Zwischenfall' Ausschau zu halten, der die soziale Bewegung in Venezuela aufhalten und das Land in die Art von Gewaltspirale schicken könnte, in der sich Kolumbien seit vielleicht 1948 befindet. (6)
Sowohl militärisch als auch politisch macht Kolumbiens Regierung einen großen Fehler. Seine Armee kann nicht einmal das kolumbianische Territorium kontrollieren, ohne die Hilfe von paramilitärischen Söldnern, die Menschen massakrieren und Millionen in die Flucht getrieben haben. Es ist ihnen trotz der Milliarden US-Dollar an Hilfe und Training von den USA nicht gelungen, den Einfluss der aufständischen Kräfte zu verringern, die mit jeder neuen Greueltat gegen die Bauern mehr werden. Wenn sie sogar in Kolumbien wenig Unterstützung findet und mit einem Aufstand zu kämpfen hat, was für eine Chance hätte so eine Armee gegen eine geschlossene, von den Massen unterstützte Armee wie die von Venezuela?
Das Problem ist, dass Kolumbien nicht gegen Venezuela 'gewinnen' muss. Es muss nur die Art von 'Zwischenfall' provozieren, der einen Krieg oder eine Intervention auslösen könnte. Wenn das die zweite Front im dritten Weltkrieg ist, ist auch hier das Ziel ein 'Regimewechsel': die Zerstörung des demokratischen Prozesses in Venezuela. Und das Werkzeug ist für den Moment die Regierung von Kolumbien.
Justin Podur (justin.podur@utoronto.ca) betreut die Rubriken Colombia und Venezuela Watch von ZNet.
Anmerkungen.
1. Siehe die Arbeiten von Hector Mondragon in ZNet Colombia Watch, vor allem: http://www.zmag.org/content/Colombia/mondragon-col-ven.cfm
2. Siehe ZNet Venezuela Watch für Informationen über den Putsch
3. Siehe ZNet Venezuela Watch
4. Siehe den Brief von Mike Lebowitz und die Einladung zum Encuentro im April
5. Siehe http://www.zmag.org/content/Colombia/podur-rozental2.cfm
(deutsch: http://www.zmag.de/article/article.php?id=511 )
6. Siehe Galeano, 'Erinnerung an das Feuer: Das Jahrhundert des Sturms', S. 166f. (deutsch von Lutz Kliche). 1948 wurde Jorge Eliecer Gaitan ermordet, und in Kolumbien begann, was 'la Violencia' genannt wird, was Galeano folgendermaßen beschreibt:
"Die politische Landschaft", sagt Jorge Eliécer Gaitán, "hat mit der Wirklichkeit unseres Landes nichts zu tun." Gaitán ist der Führer der Liberalen Partei, doch ist er gleichzeitig ihr schwarzes Schaf. "Was gibt es denn für einen Unterschied zwischen liberalem und konservativem Hunger? Die Malaria ist weder konservativ noch liberal!" Die Stimme Gaitáns entfesselt das Volk, das durch seinen Mund aufschreit. Dieser Mann kehrt der Angst den Rücken. Von überall her kommen die Zerlumpten, um ihn zu hören, um sich zu hören, rudern durch den Urwald, reiten über die Wege herbei. Es heißt, wenn Gaitán spreche, reiße der Nebel auf über Bogotá, und sogar der Heilige Petrus oben im Himmel spitze die Ohren und passe auf, daß auf die riesigen Versammlungen im Fackelschein kein Regentropfen falle. Der selbstbewußte Führer mit dem starren Gesichtsausdruck eines Denkmals klagt schonungslos die Oligarchie an und den imperialistischen Bauchredner, der sie auf seinem Schoß trägt, diese Oligarchie ohne eigenes Leben und ohne eigene Meinung, und kündigt eine Agrarreform und andere Wahrheiten an, die der so langen Lüge ein Ende bereiten sollen. Wenn man ihn nicht umbringt, wird Gaitán Präsident von Kolumbien. Kaufen kann man ihn nicht. Welcher Versuchung sollte dieser Mann wohl unterliegen, der den Genuß verachtet, allein schläft, wenig ißt und gar nichts trinkt, und nicht mal dann eine Narkose haben will, wenn er einen Zahn gezogen bekommt.
...
Auf der Straße ist es geschehen, drei Schüsse. Gaitáns Uhr ist um fünf nach eins stehen geblieben.
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(am 9. April 1948).
Manche vergleichen das heutige Venezuela mit dem Kolumbien vor Gaitans Ermordung.
Analysten aus Kolumbien haben schon seit Jahren darauf hingewiesen, dass der bewaffnete Konflikt in Kolumbien als Vorwand verwendet werden würde, um die Region zu militarisieren, mit besonderem Augenmerk auf Venezuela. (1)
Venezuela ist der Preis, weil es, wie der Irak, auf einem der größten Ölvorkommen der Erde sitzt. Venezuela wird auch aus einem anderen Grund zur Zielscheibe -- es hat ein demokratisches Regime, durch das der Ölreichtum des Landes Gefahr läuft, zur Linderung der Armut der Menschen des Landes verwendet zu werden, anstatt multinationalen Konzernen zuzufließen. Das machte es zum Ziel eines fehlgeschlagenen Putsches im April letzten Jahres (2), dessen Jahrestag in Caracas mit einer internationalen Konferenz zur Unterstützung von Venezuelas 'proceso' begangen werden wird. Es wurde auch zum Ziel einer konzertierten Aktion, bei der versucht wurde, die Regierung durch einen 'Ölstreik' von Ende 2002 bis Anfang 2003 zu stürzen. (3) Der Streik misslang, genauso wie der Putsch, aber der Schaden, der durch diesen Streik angerichtet wurde, ist immer noch nicht behoben.
Eine Nebenwirkung des Streikes war die Diskreditierung der Bürokratie in den Arbeiterorganisationen in Venezuela. Sowohl die staatliche Ölfirma PDVSA als auch der nationale Gewerkschaftsdachverband CTV wurden von Eliten kontrolliert, was die venezolanischen Arbeiter in die eigenartige Situation brachte, dass sie einen 'Streik' brechen mussten, der nicht in ihrem Interesse war. Nachdem der Streik gescheitert war, gab es Entlassungen in der PDVSA, und es wurde ein neuer Gewerkschaftsdachverband gegründet, die UNT. (4)
Der Putsch und der Streik scheiterten, weil sie nicht genug Unterstützung im Militär und in der Bevölkerung hatten. Aber die klassenbewusste Bewegung in Venezuela und die unabhängige Regierung sind immer noch ein Problem für ein US-Regime, das gerade einen Krieg führt, in dem es hauptsächlich versucht, die Kontrolle über die Ölvorräte der Welt zu bekommen.
Hier kommt Kolumbien ins Spiel. Versuchen die USA jetzt, nachdem es ihnen nicht gelungen ist, Venezuelas Bewegung durch einen Militärputsch und durch einen 'Streik' zu zerschlagen, Kolumbien dazu zu bringen, dass es seinen eigenen Bürgerkrieg nach Venezuela exportiert?
Ein Muster, das im kolumbianischen Bürgerkrieg immer wiederkehrt, ist der 'spektakuläre Zwischenfall', der demonstrieren soll, dass es sinnlos ist, eine politische Lösung zu suchen, oder zu verhandeln. (5) Solche 'Zwischenfälle' können echt sein oder konstruiert. Es gibt Hinweise darauf, dass so ein 'Zwischenfall' Ende Februar 2003 in Kolumbien konstruiert wurde, als das Konsulat von Kolumbien und die spanische Botschaft in Caracas bombardiert wurden. Die Regierung von Kolumbien machte sofort Andeutungen, dass Chavez hinter den Bomben stecke, aber es kam kein internationaler 'Zwischenfall' zum Vorschein, und Nachforschungen legen nahe, dass die Bombardierungen von der venezolanischen 'Opposition' arrangiert wurden.
Den nächsten Versuch eines 'Zwischenfalls' gab es beim 'regionalen Sicherheitsgipfel' Mitte März 2003 in Bogota. Dort zeigte die kolumbianische Regierung (mit ihrem Schirrmherrn USA hinter sich) mit dem Finger auf jedes einzelne Nachbarland. Panama wurde beschuldigt, eine Durchzugsroute für den Transport von Waffen und Menschen zu sein. Ecuador wurde als Drogenhandelsroute kritisiert. Brasilien wurde aufgefordert, Soldaten für eine 'multilaterale Truppe gegen den Terrorismus' nach Kolumbien zu schicken. Man erinnere sich daran, dass Uribe im Jänner 2003 um eine US-Intervention im Land gebeten hatte.
Und natürlich gab es spezielle Kritik für -- Venezuela. Es wurde behauptet, dass Venezuela die kolumbianischen Guerillas der FARC ausbildet und unterstützt. Nachdem die FARC bereits auf der Liste von 'Terrororganisationen' des US-Außenministeriums steht, reicht eine geschickte Verbindung der Bush-Doktrin (Umstürze in Staaten durchzuführen, denen vorgeworfen wird, dass sie 'Terrorismus' unterstützen) und der Rumsfeld-Doktrin ('dass es für etwas keine Beweise gibt, ist kein Beweis dafür, dass es etwas nicht gibt') dafür aus, eine Intervention gegen Venezuela zu rechtfertigen.
Die gesamte Konferenz war eine Übung darin, die Realität auf den Kopf zu stellen. In Wirklichkeit waren es von der kolumbianischen Armee unterstützte Paramilitärs, die im Jänner 2003 über die Grenze nach Panama eindrangen, und dort 4 indigene Anführer ermordeten, die Bürgermeister und den Kommissar des Dorfes Kuna Paya, die erschossen und mit Macheten verstümmelt wurden. Und es ist die kolumbianische Armee, die 'grenzüberschreitenden Terrorismus' betreibt, indem sie Venezuela angreift, um seine Verteidigung auszutesten, und nach dem 'spektakulären Zwischenfall' Ausschau zu halten, der die soziale Bewegung in Venezuela aufhalten und das Land in die Art von Gewaltspirale schicken könnte, in der sich Kolumbien seit vielleicht 1948 befindet. (6)
Sowohl militärisch als auch politisch macht Kolumbiens Regierung einen großen Fehler. Seine Armee kann nicht einmal das kolumbianische Territorium kontrollieren, ohne die Hilfe von paramilitärischen Söldnern, die Menschen massakrieren und Millionen in die Flucht getrieben haben. Es ist ihnen trotz der Milliarden US-Dollar an Hilfe und Training von den USA nicht gelungen, den Einfluss der aufständischen Kräfte zu verringern, die mit jeder neuen Greueltat gegen die Bauern mehr werden. Wenn sie sogar in Kolumbien wenig Unterstützung findet und mit einem Aufstand zu kämpfen hat, was für eine Chance hätte so eine Armee gegen eine geschlossene, von den Massen unterstützte Armee wie die von Venezuela?
Das Problem ist, dass Kolumbien nicht gegen Venezuela 'gewinnen' muss. Es muss nur die Art von 'Zwischenfall' provozieren, der einen Krieg oder eine Intervention auslösen könnte. Wenn das die zweite Front im dritten Weltkrieg ist, ist auch hier das Ziel ein 'Regimewechsel': die Zerstörung des demokratischen Prozesses in Venezuela. Und das Werkzeug ist für den Moment die Regierung von Kolumbien.
Justin Podur (justin.podur@utoronto.ca) betreut die Rubriken Colombia und Venezuela Watch von ZNet.
Anmerkungen.
1. Siehe die Arbeiten von Hector Mondragon in ZNet Colombia Watch, vor allem: http://www.zmag.org/content/Colombia/mondragon-col-ven.cfm
2. Siehe ZNet Venezuela Watch für Informationen über den Putsch
3. Siehe ZNet Venezuela Watch
4. Siehe den Brief von Mike Lebowitz und die Einladung zum Encuentro im April
5. Siehe http://www.zmag.org/content/Colombia/podur-rozental2.cfm
(deutsch: http://www.zmag.de/article/article.php?id=511 )
6. Siehe Galeano, 'Erinnerung an das Feuer: Das Jahrhundert des Sturms', S. 166f. (deutsch von Lutz Kliche). 1948 wurde Jorge Eliecer Gaitan ermordet, und in Kolumbien begann, was 'la Violencia' genannt wird, was Galeano folgendermaßen beschreibt:
"Die politische Landschaft", sagt Jorge Eliécer Gaitán, "hat mit der Wirklichkeit unseres Landes nichts zu tun." Gaitán ist der Führer der Liberalen Partei, doch ist er gleichzeitig ihr schwarzes Schaf. "Was gibt es denn für einen Unterschied zwischen liberalem und konservativem Hunger? Die Malaria ist weder konservativ noch liberal!" Die Stimme Gaitáns entfesselt das Volk, das durch seinen Mund aufschreit. Dieser Mann kehrt der Angst den Rücken. Von überall her kommen die Zerlumpten, um ihn zu hören, um sich zu hören, rudern durch den Urwald, reiten über die Wege herbei. Es heißt, wenn Gaitán spreche, reiße der Nebel auf über Bogotá, und sogar der Heilige Petrus oben im Himmel spitze die Ohren und passe auf, daß auf die riesigen Versammlungen im Fackelschein kein Regentropfen falle. Der selbstbewußte Führer mit dem starren Gesichtsausdruck eines Denkmals klagt schonungslos die Oligarchie an und den imperialistischen Bauchredner, der sie auf seinem Schoß trägt, diese Oligarchie ohne eigenes Leben und ohne eigene Meinung, und kündigt eine Agrarreform und andere Wahrheiten an, die der so langen Lüge ein Ende bereiten sollen. Wenn man ihn nicht umbringt, wird Gaitán Präsident von Kolumbien. Kaufen kann man ihn nicht. Welcher Versuchung sollte dieser Mann wohl unterliegen, der den Genuß verachtet, allein schläft, wenig ißt und gar nichts trinkt, und nicht mal dann eine Narkose haben will, wenn er einen Zahn gezogen bekommt.
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Auf der Straße ist es geschehen, drei Schüsse. Gaitáns Uhr ist um fünf nach eins stehen geblieben.
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(am 9. April 1948).
Manche vergleichen das heutige Venezuela mit dem Kolumbien vor Gaitans Ermordung.
Orginalartikel:
What is the Colombian Army doing Attacking Venezuela?
Übersetzt von:
Sophie Frühling
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