Werden die Bomben in Bagdad in Havanna explodieren?
von Jesse L. Jackson, Sr
23.10.2003 — ZNet
Eine Autobombe fordert sechs Tote und 35 Verletzte. Al-Qaida soll neue Angriffe auf die Vereinigten Staaten planen. Fidel Castro hat ganz klar ein Problem.
Fidel Castro? Was hat er mit Irak und Osama bin Laden zu tun? Nichts, natürlich, aber genau das könnte der Punkt sein. Bush“s Präventionskrieg gegen Irak hat zu einer Besetzung geführt, bei der so manches schief läuft. Amerikanische Rückschläge und Selbstmorde schnellen in die Höhe. Die Armee ist nahe daran zu revoltieren, schliesslich ist die Hälfte unserer Streitkräfte im Irak gefangen und brutal lange Dienstzeiten erhöhen die Furcht vor neuen Rekrutierungen und Marschbefehlen. Und die Aussagen des Präsidenten, die Irak als unmittelbare Gefahr für die USA darstellten haben sich als falsch erwiesen.
Die Antwort der Regierung war, eine aggressive PR-Kampagne in die Wege zu leiten. Die nationale Sicherheitsberaterin Condi Rice wurde zum Vorstand einer neuen Koordinationsstruktur ernannt (was der Verteidigungssekretär Don Rumsfeld als reine Augenwischerei bezeichnete). Bush, Cheney und Rice gehen auf Sendung um die immergleichen, immer haltloseren Rechtfertigungen für den unilateralen Krieg vorzubringen.
Ein formaler Brief, der die US-Bemühungen im Irak anpreist, wird an Zeitungsredaktionen gesendet als ob er von einzelnen US-Soldaten geschrieben worden wäre, von denen einige nicht einmal von dem Brief wussten, bis er unter ihrem Namen veröffentlicht wurde.
Inmitten von alldem erschien der Präsident im Rosengarten um eine erneute Offensive gegen Fidel Castro auszurufen. „Das kubanische Regime“, warnte er, „wird sich nicht von selbst ändern.“ Er kündigte ein Programm an dass „die Ankunft eines neuen, freien, demokratischen Kuba beschleunigen soll“. Er instruierte das Ministerium für Innere Sicherheit, die Reisen und Gütersendungen von und nach Kuba schärfer zu kontrollieren. Das ist dasselbe Ministerium, das keine Kapazitäten zur Inspektion der US-Importe und Exporte hat. Das gleiche Departement, dass es sich nicht leisten kann, unsere Grenzwächter– die lokale Polizei und Feuerwehr – auszurüsten und auszubilden.
Wie die New York Times berichtete ist es einfach, dies als ein politisches Manöver, einen Komplott zu entlarven, von dem sich der Präsident einen Beliebtheitsschub unter den Exilkubanern Floridas erhofft. Bush braucht Florida 2004, kubanisch-amerikanische Stimmen sind unabdingbar. Warum also nicht einige rügende Worte an Fidel richten? Eine Kommission ins Leben rufen, geführt von dem tapferen Soldaten und Staatssekretär Colin Powell – dessen Glaubwürdigkeit in Irak bereits litt, sowie dem kubanisch-amerikanischen Haussekretär Mel Martinez um für „Kubas Übergang von einer stalinistischen Herrschaft zu einer freien und offenen Gesellschaft“ vorzuplanen und „Wege, die Ankunft dieses Tages zu beschleunigen“ zu finden? Das 40jährige Embargo, das hauptsächlich Castro“s Glaubwürdigkeit als Nationalist verstärkte aufheben?
Es gibt aber eine perfidere Möglichkeit. In den 1980er Jahren schickte Ronald Reagan – trotz der Skepsis des professionellen Militärs – Truppen nach Libanon und begann damit, die Artillerie auf einen Bürgerkrieg einzuschwören. Eine schockierende Terroristenattacke tötete über 200 dummerweise exponierte US-Soldaten. Plötzlich wurde die kleine Insel Grenada eine Gefahr für die Freiheit in der Hemisphäre. Eine Armada sowie US-Truppen wurden ausgesandt um das Touristenparadies zu unterwandern und die nationalistischen Rowdys, die die Macht ergriffen hatten, abzusetzen. Die US-Truppen verliessen Libanon gedeckt von dem Sieg in Grenada. Die amerikanischen Studenten, die in Grenada studierten wurden „gerettet“, was den Umfragewerten Reagans, wenn nicht seiner Glaubwürdigkeit, gut tat.
Nun, im Irak, verlangen viele professionelle Militärs dass die Regierung die Macht an die Iraker übergibt und dass sie die US-Truppen so schnell wie möglich dort wegholt. Dies wird nicht einfach sein angesichts des Chaos, dass wir in dieser Problemzone hinterlassen würden. Die Administration pocht darauf, dass es klappt im Irak.
Wenn aber, was das Militär nun einen “klassichen Guerillakrieg“ nennt weiter eskaliert, wenn weitherhin US-Truppen sterben in einer Besetzung, für die sie keine Ausbildung erhalten haben, werden die politischen Operatoren des Präsidenten nach einem Ausweg – und einem kleinen Ablenkungsmanöver – suchen. Iran dürfte sich als zu gefährlich erweisen. Doch mit einem 77jährigen Fidel Castro, einer wegen Managementfehlern und dem Embargo am Boden liegenden kubanischen Wirtschaft, einer immer unruhigeren kubanischen Bevölkerung, einem Florida, mit von der Partie 2004, könnte Kuba zu einem neuen Grenada werden. Die Kubaexperten, mit denen ich gesprochen habe sind skeptisch. Kuba ist eine harte Nuss. Castro wird noch zu stark unterstützt. Die internationale Gemeinschaft wäre erbost. Wahrscheinlich haben sie recht.
Dennoch– wenn der Präsident nicht über einer Kubakrise brütet, warum geben wir dann die sowieso schon beschränkten Mittel des Ministeriums für Innere Sicherheit zur Inspektion von Güterverschiebungen von und nach Kuba aus, und nicht für jene von und nach den Vereinigten Staaten?
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